Straubinger Haus

Die Zukunftsvision einer Hütte (Autor: Wolfgang Taschner, Michael Reimer)
16 km
900 m
4.00 h
Strom aus Sonnenenergie.
Im Dezember 2002 übernahm Monika Wallner, die bereit sechs Jahre Hüttenwirtin auf der Hochrieshütte war, das Straubinger Haus. Heinz Mayerl unterstützt sie dabei. Der gelernte Betriebselektriker kümmert sich insbesondere um den Betrieb der hochmodernen Energieversorgungsanlage, die im Rahmen eines Forschungsprojekts hier eingebaut worden ist. Kernstück ist eine Fotovoltaik-Anlage, die bei Sonnenschein das Haus mit elektrischem Strom versorgt und gleichzeitig die Batterien im Keller lädt. Steht nachts oder an bewölkten Tagen keine Sonnenenergie zur Verfügung, übernimmt das umweltfreundlich mit Rapsöl betriebene Blockheizkraftwerk die Aufgabe, das Haus mit Strom und Wärme zu versorgen.
Eine über der Theke angebrachte Informationstafel zeigt dem Hüttenwirt sowie den Gästen stets aktuell an, in welchem Zustand sich die Energieversorgungsanlage gerade befindet, und aus welcher Quelle der momentan verbrauchte Strom stammt.
Schmankerl aus der Gegend.
Die Hüttenwirtin sorgt für hohe Qualität in der Küche, Bergbauernschmankerl werden hier nach traditionellen Rezepten frisch zubereitet. Kulinarischer Glanzpunkt sind die Kaspressknödel, die Monika Wallner mit Wildkräutern würzt, die sie in der Umgebung der Hütte gepflückt hat: Anis, Kümmel, Thymian, Oregano und Minze. Je nach Jahreszeit sammelt sie auch Beeren und Pilze, um sie in köstlichen Gerichten zu verarbeiten.
Fleisch, Wurst und Eier stammen von Bauern aus Kössen, die biologischen Landbau betreiben. Die Senner der drei umliegenden Eggenalmen liefern Milch, Butter, Käse und Buttermilch. Damit wird das traditionell gewachsene System aus Natur und Landwirtschaft in den Bergen gefördert und die regionalen Spezialitäten bleiben erhalten.
Zugang aus allen Himmelsrichtungen.
Der am meisten begangene Anstieg zum Straubinger Haus beginnt in Reit im Winkl. Vom Ortsteil Blindau führt eine asphaltierte Straße hinauf zum Gasthof Hindenburghütte (1206 m), den man nach gut einer Stunde erreicht. Alternativ dazu gibt es einen schönen Wanderweg (Weg Nr. 16), der an der Sprungschanze vorbei durch den Wald führt (ca. 1/2 Std. weiter). Zudem gibt es einen Kleinbus zur Hindenburghütte (siehe Kasten).
Wer mit dem Kinderwagen oder Mountainbike unterwegs ist, nimmt von der Hindenburghütte den Güterweg zum Straubinger Haus (Weg Nr. 27), Wanderer folgen zunächst noch ca. 10 Minuten der Asphaltstraße bergauf und zweigen dann rechts auf den Filzersteig (Weg Nr. 152) ab. Dieser geht zunächst fast eben durch bunt blühende Sumpfwiesen, später steigt er allmählich etwas an. Nach starken Regenfällen ist der Weg stellenweise rutschig, manchmal kann es passieren, dass man knöcheltief im aufgeweichten Boden versinkt.
Sobald der Wald beginnt, wird der Weg fester und geht weiter oben in Fels über. Hier tauchen auf etwa 100 Meter Länge mitten auf dem Weg etliche tiefe Löcher im Gestein auf, die das säurehaltige Moorwasser in den weichen Kalkstein gefressen hat. In der Dämmerung ist große Vorsicht geboten, denn die bis zu über einen Meter tiefen Klüfte können leicht zur Stolperfalle werden. Wenig später ist eine kleine Kapelle erreicht, unmittelbar darunter liegt bereits das Straubinger Haus.
Hinauf zum Fellhorn.
Von der Hütte ist es nicht mehr weit bis zum Gipfel des Fellhorns (1764 m), schon nach gut 30 Minuten kann man vom Gipfelkreuz aus einen herrlichen Rundblick genießen. Im Nordwesten stehen die Chiemgauer Alpen und im Westen das Kaisergebirge, Richtung Südosten bricht die Felswand steil ab, dahinter bauen sich die Loferer und Leoganger Steinberge auf. Im Süden kann man die Gipfel der Zillertaler und Kitzbüheler Alpen erkennen. Wer frühzeitig unterwegs ist, kann den Rückweg auch über Windbichl (Windbühel, 1513 m) ausdehnen. Der schmale Pfad (Weg Nr. 201) führt spektakulär am Rand der steil abfallenden Felswand zum Moratal entlang, nach etwa 1 Std. geht es dann von der Durchkaseralm links hinunter zur Oberen Hemmersuppenalm (ca. 1 1/4 Std.) und von dort über die Hindenburghütte zurück nach Reit im Winkl.
Wechselvolle Geschichte.
Die Besiedelung von Reit im Winkl reicht zurück bis zu den Kelten, die schon 550 v. Chr. die Region um den Chiemsee besiedelten. Der Begriff Chiemgau stammt von einem Bajuwaren namens »Chiemo«, der im 6. Jahrhundert hier lebte. In dieser Zeit ist auch die Siedlung Reit im Winkl entstanden. Ihr Name geht auf »reuten« zurück, was in unserer heutigen Sprache »roden« oder »urbar machen« in einem »Bergwinkel« bedeutet.

Länge:
Von Blindau über die Hindenburghütte (2 1/2 Std.); von Reit im Winkl mit dem Kleinbus zur Hindenburghütte und zu Fuß weiter zum Straubinger Haus (1 1/4 Std.); vom Seegatterl über Obere Hemmersuppenalm (2 3/4 Std.); von der Hagerbrücke (2 3/4 Std.) und von Erpfendorf über den Gerokogl (1466 m, 3 1/2 Std.)

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour16 km
Höhenunterschied900 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktReit im Winkl, Seegatterl, Hagerbrücke oder Erpfendorf
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterNach einer vollständigen Renovierung sind nicht nur die Räume des Straubinger Haus in sehr gutem Zustand – auch die Energieversorgung und das Vermarktungskonzept einheimischer Produkte entsprechen modernen Vorstellungen für den Betrieb einer Berghütte.
Knarrende Fußböden, enge Stuben mit niedriger Decke und die in vielen Berghütten anzutreffenden vom Rauch dunkel gewordenen, jahrhundertealten Deckenbalken wird man im Straubinger Haus vergeblich suchen. Hier sind die Stuben hell und geräumig, es gibt keine Ritzen, durch die der Wind zieht, und die Schnarchgeräusche aus dem Nebenzimmer sind nachts nur gedämpft zu vernehmen. Das erst 1977 erbaute Haus der Sektion Straubing ist 1999 baulich auf den neuesten Stand gebracht worden.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Wanderkarte Nr. 14, Berchtesgadener Land – Chiemgauer Alpen, 1:50.000
VerkehrsanbindungMit der Bahn stündlich von München nach Prien, von dort weiter mit dem RVO-Bus Nr.9505 nach Reit im Winkl. Mit dem Auto nimmt man die A 8 München–Salzburg, Ausfahrt Bernau, und fährt dann auf der B 305 bis Reit im Winkl. Parkplätze gibt es bei der Tourist-Information und im Ortsteil Blindau.
Tipps
Mit dem Kleinbus zur Hindenburghütte Täglich zwischen 9.00 und 16.30 Uhr verkehrt jede halbe Stunde ein Kleinbus auf der für den öffentlichen Verkehr gesperrten Asphaltstraße zwischen der Tourist-Information in Reit im Winkl mit Halt beim Parkplatz im Ortsteil Blindau und dem Gasthof Hindenburghütte. Der Fahrpreis für die einfache Strecke beträgt für Erwachsene 3 Euro. Info unter Tel.: 0171/5 43 79 23. das Hausenhäusl Das Heimatmuseum in Reit im Winkl zeigt anhand von originalen Exponaten, wie die Leute vor 100 Jahren im Ort gelebt haben. Juni bis September freitags von 14 bis 16 Uhr, nach Voranmeldung in der Gruppe sind auch andere Termine möglich. Tourist-Information, Tel.: 08640/8 00 20.
Informationen
Hüttenporträt. Höhe: 1558 m. Erbaut: Ursprünglich 1920, 1977 neu errichtet, 1999 komplett renoviert (DAV-Sektion Straubing). Bewirtschaftet: Anfang April bis Anfang November täglich, zwischen Weihnachten und Heilig Drei König ebenfalls täglich, danach bis Ostern nur Do bis So. Kulinarischer Tipp: Kaspressknödel mit selbst gepflückten Wildkräutern aus der Hüttenumgebung gewürzt. Hüttenwirtin: Monika Wallner. Telefon: 0043/53 75/64 29. Betten: 20. Lager: 60. Materialbeschaffung: Güterweg von Reit im Winkl. Besonderheit: Umweltfreundliche Energieversorgung, Direktvermarktung landwirtschaftlicher Produkte aus der Region.
Tourismusbüro
Tourist Info, Rathausplatz 1, 83242 Reit im Winkl, Tel.: 08640 / 800 20, Fax: 08640 / 800 20, E-Mail: info@reit-im-winkl.de, Internet: www.reit-im-winkl.de

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