Staunenswertes im Inn-Salzachgau

Zwei Höhepunkte enthält der Ausflug - Zum einen den altehrwürdigen Wallfahrtsort Altötting, zum anderen Burghausen, eines der schönsten Städtchen an der Salzach. Die prächtigen Kirchen in Marienberg und Raitenhaslach runden das Programm ab. (Autor: Armin Scheider)
12 km
210 m
3.00 h
Im Bann der Altöttinger Wallfahrt. Der 1898 zur Stadt erhobene Wallfahrtsort wird das »Herz Bayerns« genannt, einmal seiner Stadtgeschichte wegen, die erstaunliche 1250 Jahre zurückreicht. Damals, als Altötting in das Licht der Geschichte trat, war es ein bedeutender agilolfingischer Herzogshof, später eine karolingische Königspfalz. Zum anderen ist die Stadt stolz auf eine über 500-jährige Wallfahrtstradition. Nach zwei Heilungswundern 1489 setzte eine rege Wallfahrt ein, deren Ziel die aus Lindenholz geschnitzte Marienfigur in der ehemaligen Taufkapelle war. So gilt die Stadt seit Jahrhunderten als geistliches Zentrum und als bedeutendster Marienwallfahrtsort Bayerns. Heutzutage zählt Altötting jährlich über eine Million Pilger und Besucher. Mittelpunkt der Stadt ist der weiträumige Kapellplatz mit der Gnadenkapelle. Sie setzt sich aus der achteckigen ehemaligen Taufkapelle (8. Jh.), dem Herzstück der Anlage, und dem 1494 angebauten Langhaus mit Umgang zusammen. Letzterer enthält rund 2000 Votivtafeln, die zum Teil jahrhundertealt sind. Unwiderstehliche Faszination übt der dunkel ausgekleidete Innenraum der Taufkapelle aus. In der Mitte der Silberschrein mit der »Schwarzen Muttergottes« als Gnadenbild, schwarz deshalb, weil die Marienfigur im Laufe der Jahrhunderte durch Kerzenruß fast völlig geschwärzt wurde, daneben zwei fast lebensgroße Silberfiguren und an der Wand goldgerahmte Vitrinen unter anderem mit Herzurnen Wittelsbacher Herrscher. Sehenswert ist auch die Stiftskirche St. Philipp und Jakob am Kapellplatz. Sie wurde 1511 geweiht und besitzt eine vorwiegend klassizistische Einrichtung. Besonderes Augenmerk verdienen die Eichenholzportale (1520), ein Kreuzgang (15. Jh.) mit Grabdenkmälern und der mächtige Hochaltar (1802), aber auch eine Standuhr (16. Jh.) mit einer Holzfigur »Tod von Eding« und besonders die Schatzkammer (Sommerhalbjahr Di.–So. 10–12, 14–16 Uhr). Sie enthält erlesene Weihegaben, darunter das »Goldene Rössl«, ein Altärchen aus der Hand französischer Goldschmiedekünstler sowie eine einzigartige Rosenkranzsammlung. Wer genügend Zeit mitbringt, findet in Altötting weitere lohnende Anlaufpunkte - so unter anderem die Magdalenenkirche (1697) an der Ostseite des Kapellplatzes, das Panorama (März–Oktober tgl. 9–17 Uhr), das mit ca. 1200 qm größte und einzige historische »Rundblickgemälde« Deutschlands. Des Weiteren die Dioramenschau (Ostern bis Oktober tgl. geöffnet), in der die Wallfahrtsgeschichte Altöttings in dreidimensionalen Großbildern dargestellt wird, und nicht zuletzt das Wallfahrts- und Heimatmuseum (April–Oktober tgl. außer Mo. geöffnet), das schwerpunktmäßig Kult- und Andachtsobjekte sowie Weihegaben zur Wallfahrt zeigt. Festungsromantik in Burghausen. 1025 erstmals als Reichsgut erwähnt, wird die Siedlung Mitte des 13. Jh. Residenzstadt der niederbayerischen Herzöge. 1307 folgen die Stadtrechte und von 1505 bis 1802 ist Burghausen eine der vier »Regierungsstädte« Bayerns. Der auf Salzhandel gründende Wohlstand geht ab dem 17. Jahrhundert verloren, 1779 kommt das Innviertel an Österreich und Burghausen wird Grenzstadt. Das heutige Ortsbild am Stadtplatz zählt zu den schönsten Oberbayerns: geschlossene Reihen pastellfarbener Stadt- und Wohnbauten im Inn-Salzach-Stil und darüber thront die mächtige Burganlage. Besonders schöne Häuser sind das ehemalige Regierungsgebäude mit Kuppeltürmchen und kurbayerischem Wappen, das ehemalige Palais Tauffkirchen mit Rokoko-Stuckfassade und Allianzwappen, übrigens 1809 Quartier Napoleons, sowie das Rathaus (14./15. Jh.) mit gotischer Halle und Kreuzrippengewölbe im Erdgeschoss. Freunde schöner Kirchenräume finden in der Jakobskirche (1353, alte Grabsteine), der Schutzengelkirche (1731, Altäre und Stuck) sowie der Spitalkirche (1328, Barockausstattung von 1777) lohnende Objekte. Glanzpunkt und Wahrzeichen Burghausens aber ist seine spätmittelalterliche Burg, einen Kilometer lang und damit längste Burganlage in Europa! Beherrschend liegt sie auf dem Höhenrücken zwischen Salzach und Wöhrsee. Beim Gang durch die sechs Innenhöfe bieten sich schöne Ausblicke auf Altstadt und Wöhrsee, während Bauten, Tore und Türme der Burg romantische Bilder abgeben. Am Südende der Innere Schlosshof (1. Hof), zugleich Hauptburg und ältester Teil der Anlage (1255). Zu diesem malerischen Bauensemble gehören der Fürstenbau (herzogliche Wohnung), der Dürnitz (Speise- und Aufenthaltsraum), die Kemenate (Frauentrakt) und die Elisabeth-Kapelle, älteste gotische Kirche Südbayerns. Außerdem der siebenstöckige Bergfried, ein Kerker und die ehemalige Schatzkammer von 1484. In der Burg sind auch die Burghausener Museen untergebracht. Zunächst zur Burg selbst: Die Außenanlagen sind das ganze Jahr über frei zugänglich. Führungen durch die Burgräume sind möglich (März bis Oktober an Sa./So./Fei. jeweils 11 und 14 Uhr). Weitere Museen: Fotomuseum (April–Oktober Mi.–So. 10–18 Uhr), Stadtmuseum u. a. mit den Schwerpunkten Malerei, Plastik, Volkskunst und Handwerk sowie Stadtgeschichte (März, April, Oktober 10–16.30, Mai–September 9–18.30 Uhr). Kunstgalerie im Liebenweinturm, Staatliche Sammlungen in der Hauptburg mit Malerei der Spätgotik (April–Sept. tgl. 9–12 und 13–17, im Winter 10–12 und 13–16 Uhr). Privates Museum im Folterturm. Wanderung von Burghausen nach Raitenhaslach. Nicht weit von Burghausen, nämlich in Raitenhaslach und Marienberg, stehen zwei Kirchen, die mit ihrer prachtvollen Ausstattung zu den schönsten Sakralräumen Ostbayerns zählen. Eine schöne Wanderung entlang der Salzach verbindet beide Punkte (siehe Karte S. 70, Länge: 13 km). Los geht es am Stadtplatz in Burghausen und von dort hinunter zur Uferstraße, die in einen Uferweg übergeht. Nach knapp sechs Kilometern strikt entlang der Salzach folgt eine Gabelung, hier rechts hinauf zum Kloster Raitenhaslach. Dort gab es von 1146 bis 1803 eine Zisterzienserabtei, deren ehemals romanische Kirche 1694 barock umgestaltet wurde. Sie imponiert noch heute mit wahrer Prachtentfaltung. Besonders sehenswert sind die zehn stilvollen Seitenaltäre, die leuchtenden, von zartgelbem Stuck umspielten Deckenfresken und über 100 Wappenbilder von Adelsleuten, die hier begraben sind. Von einmaliger Schönheit ist der Chorraum: am Eingang ein blauer, kunstvoll geraffter Stuckvorhang und zwei Stuckmarmorsäulen, dahinter der glanzvoll gestaltete Hochaltar mit Marmorsäulen. Nun muss man sich entscheiden: Ist man an der Kirche auf dem Marienberg nicht interessiert, wandert man auf gleichem Weg entlang der Salzach zurück. Im anderen Falle steuern wir den Marienberg an. Vom Klosterhof geht es nach Osten Richtung B 20, kurz davor aber rechts über Buchbergstraße und Kulnikweg an die Stelle der B 20, wo gegenüber eine Straße und ein Wanderweg zur Kirche hochführen. Nach Besuch der Kirche geht es von der Straße am Fuße des Eingangs strikt nach Norden (also nicht links hinauf oder rechts hinunter) auf einen Waldweg, der leicht abfallend oberhalb der B 20 Richtung Burghausen führt. Nach eineinhalb Kilometern wechseln wir auf ein paralleles Asphalt- sträßchen und stoßen oben auf die Robert-Koch-Straße, die uns durch gepflegte Wohngegend ins Zentrum von Burghausen zurückbringt.

Länge - Autorundfahrt: ca. 20 km (Altötting–Burghausen) Wanderung: ca. 13 km

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour12 km
Höhenunterschied210 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktOrtsmitte Altötting Autoanfahrt ab München auf A 94/B 12 über Mühldorf (ca. 95 km) Bahnanfahrt München–Altötting
TourencharakterZwei Höhepunkte enthält der Ausflug - Zum einen den altehrwürdigen Wallfahrtsort Altötting, zum anderen Burghausen, eines der schönsten Städtchen an der Salzach. Die prächtigen Kirchen in Marienberg und Raitenhaslach runden das Programm ab.
Und das erwartet Sie unter anderem:
der bedeutendste Marienwallfahrtsort Bayerns;
das größte Panoramagemälde in Deutschland;
die längste Burganlage in Europa;
zwei einzigartige Kirchenräume.
Beste Jahreszeit
GastronomieAltötting Zur Post; Garten/Terrasse, kein Ruhetag Andechser im Schex Biergarten, kein Ruhetag Burghausen Zur Post Terrasse, kein Ruhetag Bayerischer Hof Terrasse, kein Ruhetag Raitenhaslach Klostergasthof Biergarten, kein Ruhetag
Tipps
Burghausen-Panorama Den wohl schönsten Blick auf Burghausen und seine Burganlage hat man auf österreichischer Seite von Ach aus. Ab dem Stadtplatz geht es über die Salzach und drüben steil hinauf zum Aussichtspunkt (ca. 500 m einfach). Marienberg Auf dem Marienberg thront die Wallfahrtskirche St. Mariä Himmelfahrt (1764). Sie trägt den Beinamen »Perle des Salzachtals« und gilt als eine der schönsten Rokokokirchen Bayerns. Ob Kuppelfresko, reich verzierte Seitenaltäre und Kanzel mit Abtsloge oder der prächtige Hochaltar (Johann Georg Lindt) in Marmor und Gold mit Gnadenbild – überall großzügiges Interieur und erlesene Kunst!
Tourismusbüro
Altötting Tel. 0 86 71 / 80 68 www.altoetting.de Burghausen Tel. 0 86 77 / 24 35 www.burghausen.de
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