Stadtspaziergang durch Bamberg

Stadtrundgang in Bamberg - Juwel der Weltkultur

Bamberg besitzt den »größten unversehrt erhaltenen historischen Stadtkern in Deutschland«. Kein Wunder also, dass es ins Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen wurde. Die Kaiser- und Bischofsstadt ist reich an Bauten und Kunstschätzen aller Stilepochen und besitzt zudem eine ungemein malerische Altstadt mit viel Fachwerk und romantischen Ansichten. (Autor: Armin Scheider)
6 km
120 m
1.00 h

Abriss der Geschichte Bambergs

Bamberg ist weit über 1000 Jahre alt. Im 10. Jh. regierte das Grafengeschlecht der Babenberger, das anstelle des Kaiserdoms eine Burg besaß und der Stadt ihren Namen gab. 1007 gründete der spätere Kaiser Heinrich II. das Bistum und machte so seinen Lieblingsort Bamberg zum Reichszentrum. Noch heute begegnet man in der Stadt dem Kaiser und seiner Gemahlin Kunigunde auf Schritt und Tritt. Die Weihe des Doms, wie er heute zu sehen ist, erfolgte 1237.

Im 15. Jh. folgte eine Blüte der Kunst, die Stadt wurde Hochburg des Humanismus. Dunkle Zeiten erlebte sie im Bauern- und im 30-jährigen Krieg, blieb aber von totaler Zerstörung verschont. Unter den Bischöfen derer von Schönborn erholt sich die Stadt ab dem Ende des 17. Jh. wieder. Es entstanden die Neue Residenz und viele andere Bauten. Die Schicksalsstunde für das selbstständige Hochstift schlug 1802: Bamberg wurde von bayerischen Truppen besetzt und von Bayern vereinnahmt. Die beiden Weltkriege überstand Bamberg unbeschadet, die Altstadt wurde am 11.12.1993 Weltkulturgut der UNESCO.

Rundgang durch die Altstadt

Etwa 2000 Einzeldenkmäler kann Bamberg vorweisen, was klar macht, dass ein halbtägiger Rundgang nur das Allerwichtigste erfassen kann. Versuchen wir es!Vom Bahnhof ausgehend, kommen wir über Luitpold-, Obere Königs- und Kettenbrückstraße zur Kettenbrücke und weiter in gerader Linie zum Maximiliansplatz, dem größten Platz der Innenstadt. Hier fällt vor allem die langgestreckte, von Balthasar Neumann erbaute Barockfassade des heutigen Rathauses auf, aber auch der Brunnen gegenüber mit dem Standbild des bayerischen Königs Max I. Joseph.

Nach Süden hin schließt der Grüne Markt an, wo Blumen und Obst feilgeboten werden, wo aber auch der Neptunsbrunnen und die barocke Martinskirche stehen, in der u. a. die Scheinkuppel und eine Muttergottes sehenswert sind.Wir setzen unseren Weg in Südrichtung fort, überqueren den Obstmarkt und gehen die Obere Brücke hinauf.

Dort erwartet uns ein erster Höhepunkt: das mit Fachwerk und Fresken dekorierte Alte Brückenrathaus, ein Wahrzeichen Bambergs und wohl beliebtestes Fotomotiv der Stadt, denn es sieht aus, als läge ein Dampfer vor Anker. 1467 erbaut – damit eigentlich spätgotischen Ursprungs – wurde es jedoch um 1750 barock überformt. Seine spektakuläre Lage gilt zugleich auch als historische Herrschaftsgrenze zwischen der Bischofsstadt auf dem Berg und der Bürgerstadt im Regnitzgrund.

Die Dauerausstellung »Glanz des Barock« in den Räumen des Rathauses (Di–So 9:30–16:30 Uhr) zeigt barockes Porzellan und Straßburger Fayencen.Wir überqueren die Regnitz, biegen zweimal links ab und kehren mit Prachtblick auf das Alte Rathaus über die Geyerswörther Brücke ans Ostufer der Regnitz zurück, direkt zum Schloss Geyerswörth. Die Fürstbischöfe waren es, die den Bau 1587 errichten ließen und ihn als Stadtschloss nutzten.

Heute ist es Sitz des Sozialreferats und der Touristinformation der Stadt. Vom Turm aus hat man eine wunderbare Aussicht auf die Altstadt (Schlüssel in der Tourist Information). Die Route umläuft das Schloss nach links, überquert gleich den alten Kanal und führt auf Habergasse und Zinkenwörth zum Schillerplatz. An Nr. 26 steht das E. T. A.-Hoffmann-Haus, in dem der Dichter fünf Jahre gelebt hat. An der Südseite des Platzes führt die Straße Nonnenbrücke über den Kanal bis zur Regnitz.

Läuft man hier auf dem Mühlwörth ein Stück an der Regnitz entlang, kann man einen schönen Blick auf das barocke Wasserschloss Concordia am Gegenufer genießen. Dieses wurde 1725 von Johann Dientzenhofer im Auftrag des hoch- und kurfürstlichen Geheimen Rats Ignaz Tobias Böttinger aus Bamberg erbaut. Wieder zurück, geht es auf der Oberen Mühlbrücke über die Regnitz und in zwei kurzen Rechtsknicks zum Böttingerhaus, einem Barockpalais (1713) mit schmuckem Hof und terrassenartigem Garten. Auch hier war Böttinger der Auftraggeber. Es beherbergt heute eine Kunstgalerie.

Hinauf zur geistlichen Stadt

Um die Ecke am Stephansplatz steht St. Stephan, die evangelische Hauptkirche Bambergs, und am Frauenplatz, auch nur einen Steinwurf entfernt, die Pfarrkirche »Unserer Lieben Frau«, auch »Obere Pfarre« genannt. Sie gilt als einzige rein gotische Kirche der Stadt und beeindruckt auch durch den prachtvollen, barocken Hochaltar, die reich verzierte Decke sowie ein Tintoretto-Gemälde und eine spätgotische Marienkrönung. Wir laufen den Unteren Kaulberg hinauf und kommen am Karmelitenkloster mit seinem bedeutenden spätromanischen Kreuzgang vorbei. Auf der Gegenseite geht es dann unten rechts auf dem Fuß-/Radweg (Im Domgrund) zum Dom.

Auf dem Domberg erlebt man nun einen absoluten Höhepunkt Bamberger Kunstgeschichte! Da ist zuerst der viertürmige Kaiserdom, Herzstück der Stadt und herausragendes Bauwerk zwischen Spätromanik und Frühgotik. Gestiftet von Kaiser Heinrich II., geht seine heutige Gestalt auf einen 1237 vollendeten Bau zurück. Der helle und würdevolle Innenraum birgt viele Kunstwerke, so die Steinskulptur des Bamberger Reiters (um 1230), das Hochgrab Heinrichs II. und seiner Gemahlin von Tilmann Riemenschneider, das Papstgrab Clemens II. sowie einen Marienaltar von Veit Stoß (1523) und weitere kostbare Holz- und Steinplastiken.

Im Kapitelhaus befindet sich das Diözesanmuseum (Di–So 10–17 Uhr) mit sakralen Schätzen. Gleich an den Dom schließt die Alte Hofhaltung an, die frühere Kaiser- und Bischofspfalz mit malerischem Hof, der von blumengeschmückten Fachwerkhäusern umstanden ist. Hier gehen im Sommer die Calderón-Freilichtspiele über die Bühne, hier findet man auch das Historische Museum (Mai–Okt. Di–So 9–17 Uhr) mit Themen zur Stadt- und Regionalgeschichte.

Gegenüber der Hofhaltung erstreckt sich die barocke Front der Neuen Residenz, 1703 von Leonhard Dientzenhofer errichtet. Eine Führung macht mit den prächtigen Innenräumen des fürstbischöflichen Domizils bekannt (April–Sep. Di–So 9–18, Okt.–März bis 16 Uhr). An der Oberen Karolinenstraße schließt sich an den Barockkomplex ein ebenfalls zweiflügeliger Residenztrakt im Renaissancestil an, der ab 1602 errichtet wurde. Vom Rosengarten hinter der Residenz bietet sich ein herrlicher Blick auf Stadt und Michaelskirche.

Nächstes Ziel ist der Michelsberg, den wir über die Obere Karolinenstraße und die Michaelsbergstraße erreichen. In der Anlage des ehemaligen Benediktinerklosters, das im 18. Jh. von den Gebrüdern Dientzenhofer im Barockstil neu errichtet wurde, steht auch die Kirche St. Michael von 1610. Ihre Glanzstücke sind die Barockfassade mit Freitreppe sowie die mit 578 Blumen und Kräutern bemalte Decke, eine prächtige Holzkanzel und die Heilig-Grab-Kapelle.

Zurück über »Klein-Venedig«

Auf der Ostseite der Klosteranlage führt der Benediktenweg mit exzellenter Aussicht wieder hinunter zur Stadt. Vom Ottoplatz laufen wir geradewegs zum Regnitzufer, wo »Klein-Venedig« gegenüberliegt. Bamberg wird also seiner sieben Hügel wegen nicht nur das »Fränkische Rom« genannt, sondern repräsentiert auch Venedig, wenn auch nur mit »Klein-Venedig«. Die ehemalige Fischersiedlung direkt am Regnitzufer gibt mit ihren aneinandergereihten alten, teilweise mit Fachwerk, kleinen Vorgärten und Balkonen geschmückten Häusern eine bezaubernde Kulisse ab.

Über die Kasernstraße gelangen wir zur Dominikanerstraße und von dort zurück zum Alten Rathaus. Zu erwähnen ist noch das Naturkundemuseum (Di–So 9–17, Okt.–März 10–16 Uhr) an der Universität, das sich Themen wie Umweltschutz, Ökologie, Zoologie und Mineralogie widmet. Es liegt auf dem Rückweg zum Bahnhof.

In der Dominikanerstraße kommt man am Schlenkerla (mit Hofterrasse, Di Ruhetag) vorbei, einem der berühmtesten Brauereigasthäuser Bambergs. Und davon gibt es eine ganze Menge. Schließlich ist Bamberg auch eine Biermetropole mit neun Brauereien (über 50 Biersorten!), vielen Bierlokalen, wo es »a Seidla« Rauchbier gibt, und einem Brauereimuseum (Michelsberg, April–Okt. Mi–So 13–17 Uhr). Stellvertretend sollen noch die altfränkische Gaststätte Kachelofen mit Straßenterrasse (Obere Sandstr. 1) und das Ambräusianum, Bambergs einzige Gasthausbrauerei (Dominikanerstr. 10), genannt werden.Und schließlich ist Bamberg auch eine Krippenstadt. Zur Weihnachtszeit führt der »Krippenweg« zu über 30 kunstvollen Krippen.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour6 km
Höhenunterschied120 m
Dauer1.00 h
Schwierigkeit
Beste Jahreszeit
KartentippReisekarte Franken: ADAC-Autokarte Bayern Nord, 1:200 000.Detailkarte Bamberg: Topografische Karte UK 50-3 Oberes Maintal Coburger Land, 1:50 000.Stadtplan Bamberg.
VerkehrsanbindungMit dem Auto ab München A 9/A 3/A 73; ab Nürnberg A 3/A 73; ab Augsburg B 300 und dann wie München. Mit der Bahn zahlreiche regelmäßige Verbindungen aus allen Richtungen.

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