Spannende Partnach

Wo es tost und zischt.
Zunächst geht es auf einer Asphaltstraße zum Eingang der Klamm und anschließend auf einem gesicherten, in den Fels gehauenen Steig durch die Klamm hinauf. Der Rest der Tour führt über Güterwege und gut zu gehende Wanderwege. (Autor: Wolfgang Taschner, Michael Reimer)
19 km
380 m
4.00 h
Spannende Entstehungsgeschichte.
Vor etwa 240 Millionen Jahren befand sich etwa in Höhe des heutigen Roms ein flaches Meer, auf dessen Grund sich unzählige Muscheln ablagerten. Durch das enorme Gewicht immer neuer übereinander gelagerter Schichten versteinerten sich die darunter liegenden Muscheln. Seit dieser Zeit schiebt sich die afrikanische Kontinentalplatte jedes Jahr um einige Zentimeter Richtung Norden und drückt die europäische Kontinentalplatte zusammen, sodass sich im Laufe dieser extrem langen Zeit die Alpen auffalten konnten. Gleichzeitig wurde infolge dieser Kontinentaldrift der eingangs erwähnte Meeresboden von Rom bis nach Garmisch-Partenkirchen geschoben. Über dem alpinen Muschelkalk, der an seiner dunkelgrauen Färbung gut zu erkennen ist, bildete sich später eine Schicht aus kalkhaltigem Mergelgestein.
Im gleichen Maß wie die alpine Faltung die Berge aufrichtete, konnte die Partnach den harten und witterungsbeständigen Muschelkalk erodieren und sich so immer tiefer in das Gelände eingraben. Im oberen und unteren Verlauf hingegen hat der Fluss im Mergelgestein sein heutiges flaches und breites Bett gefunden. Die beiden unterschiedlichen landschaftlichen Formen können wir bei dieser Wanderung an der entsprechenden Färbung gut erkennen.
Ursprung im Gletscher auf der Zugspitze.
Die Partnach ist der natürliche Abfluss des Schneeferners, einem eiszeitlichen Gletscher auf dem Zugspitzplatt, der sich in 2500 Meter Höhe in den südlichen und nördlichen Schneeferner aufteilt. Zunächst fließt das Wasser unterirdisch durch die verkarstete Steinwüste; erst rund 500 Höhenmeter tiefer tritt die Partnach zum ersten Mal ans Tageslicht. Nachdem sie die Reintalangerhütte passiert hat, stürzt sie im Partnachfall steil in die Tiefe. Kurz darauf nimmt sie bei der hinteren Blauen Gumpe, einem tiefblauen kleinen See im so genannten »Steingerümpel« für kurze Zeit einen unterirdischen Verlauf, ehe sie bei der vorderen Blauen Gumpe fast unvermittelt wieder zwischen den Felsbrocken hervortritt.
Bei der Bockhütte knickt die Partnach in Richtung Norden ab und durchströmt die Hinter- und Mitterklamm, die beide nicht begehbar sind. Von oben hört man jedoch das Wasser in der Tiefe rauschen. Kurz vor dem Eintritt in die Partnachklamm bekommt sie nochmals kräftig Wasser vom Ferchenbach zugeführt, der von Osten her aus dem waldreichen Vorland der Wettersteinwand heranfließt. Danach beginnt die spektakulärste Phase im Verlauf der Partnach, von der wir uns beim Aufstieg durch die Klamm selbst ein Bild machen können.
Alternativ mit dem Pferdewagen.
Vom Skistadion in Garmisch-Partenkirchen legen wir auf der Wildenauer Straße das etwa 1,5 Kilometer lange Teilstück bis zum Einstieg in die Partnachklamm zurück. Direkt neben der asphaltierten Anliegerstraße fließt die Partnach zunächst auf der linken, später dann auf der rechten Seite gemächlich dahin. Wer möchte, kann diese Strecke auch für 12,- Euro auf einem bereit stehenden Pferdewagen zurücklegen.
Durch die wilde Klamm.
Nach Passieren des Kassenhäuschens (Erwachsene 2,- Euro, Kinder 1,- Euro) betreten wir durch ein in den Fels gehauenes Portal die Partnachklamm, die sich tief in die mächtigen Lagen des alpinen Muschelkalks eingeschnitten hat. Mit lautem Getöse strömt die Partnach durch den schmalen Einschnitt. An einer der Stellen reichen die Felswände 86 Meter in die Höhe. Der schmale Weg ist Anfang des 19. Jahrhunderts aus dem Gestein gesprengt worden und ist an einigen Stellen so niedrig, dass man sich beim Durchgehen bücken muss. Fast überall tropft von oben Wasser herab – passende Regenkleidung ist daher nicht verkehrt. Die Partnachklamm wurde damals zugänglich gemacht, um den Fluss zum »Triften« nutzen zu können. Bis in die 1960er-Jahre hat man Baumstämme aus den oberhalb liegenden Wäldern im Frühjahr während der Schneeschmelze ins Wasser geworfen und durch die Klamm talabwärts transportiert (»getriftet«). Weil sich dabei immer wieder Stämme zwischen den Felsen verkeilten, mussten die Männer zu Fuß in die Klamm steigen können, um in halsbrecherischer Manier die Hölzer wieder zu befreien.
Das ruhige Reintal.
Am oberen Ende der Klamm angekommen, wird man erst einmal wieder die wärmenden Sonnenstrahlen und die Ruhe genießen. Der ruhig dahinfließende Bach mit seinen kleinen Inselchen und die umgebende Landschaft geben ein idyllisches Bild ab. Der weitere Weg führt zunächst über etliche Treppenstufen den Wald hinauf; anschließend wandern wir auf einer Forststraße etwa 1 Std. lang durch den Wald bis zur Bockhütte. Dort beginnt das landschaftlich sehr schöne Reintal, wo wir es uns am Ufer der Partnach gemütlich machen können. Im Sommer weiden hier auf den Wiesen rund 600 Schafe. Während dieser Zeit bieten die Schäfer in der Bockhütte Erbsensuppe, Schinkennudeln und selbst gebackenen Kuchen an. Die Partnach verströmt hier eine ruhige und entspannte Atmosphäre, bevor wir auf dem Rückweg zur Skistation nochmals die Urgewalt des Wassers in der Klamm spüren werden.

Dauer: 4 Std.
Garmisch-Partenkirchen – Partnachklamm 45 Min., Bockhütte 1:15 Std., Garmisch-Partenkirchen 2 Std. ;
Motto: Wandern am Wasser
Sommerwanderungen

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour19 km
Höhenunterschied380 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktSkistation Garmisch-Partenkirchen
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterWährend die Partnach in der Klamm mit ohrenbetäubendem Lärm zu Tal rauscht, kann man im höher gelegenen Reintal gemütlich an ihrem Ufer die Zeit verbringen.
Hinweise
Die Kasse am Eingang der Partnachklamm ist im Sommer von 8.30– 18.15 Uhr und im Winter von 9–17 Uhr besetzt. Außerhalb dieser Zeiten erfolgt die Begehung auf eigene Gefahr. In der Übergangszeit zwischen Winter und Sommer sowie bei starkem Tauwetter wird die Klamm wegen Eisbruchgefahr geschlossen. Kanus, Fahrräder und Kinderwagen dürfen durch die Klamm nicht mitgeführt werden; festes Schuhwerk und Regenschutz ist zu empfehlen.
KartentippKompass-Wanderkarte Nr. 07: Werdenfelser Land mit Zugspitze, 1:35 000
MarkierungenR 1
VerkehrsanbindungStündliche Direktverbindung mit der Deutschen Bahn von München. Das Skistadion ist vom Bahnhof aus mit den Ortsbuslinien 3, 4 und 5 bzw. zu Fuß über Bahnhofstraße, Ludwigstraße und Münchner Straße zu erreichen. Mit dem Auto fährt man von München über die Autobahn A 95 nach Eschenlohe und weiter auf der B 2 nach Garmisch-Partenkirchen und dort Richtung Innsbruck. Kurz vor dem Ortsende geht es rechts zum Skistadion (beschildert) mit Parkplatz.
GastronomiePitzner Hütte am Eingang zur Partnachklamm, Tel.: 08821/94 71 03, einfache kalte und warme Gerichte, Eis, Mitbringsel, von Ostern bis Mitte Oktober täglich geöffnet; Bockhütte, einfache kalte und warme Gerichte, selbst gebackener Kuchen, von Ende Juni bis Anfang September tägl. geöffnet.
Tipps
Der alte Weg zur Zugspitze. Von der Bockhütte kann man die Wanderung an der Partnach entlang nochmals knapp 2 Std. bis zur sehr schön gelegenen Reintalangerhütte (Tel.: 08821/29 03) fortsetzen. Dort gibt es sowohl eine Einkehr- als auch eine Übernachtungsmöglichkeit. Von dort führt ein Weg über die Knorrhütte in das Zugspitzgebiet. Nicht ganz ohne Gefahr. Am 1. Juni 1991 brachen ungefähr 10 000 Kubikmeter Gestein aus der westlichen Felswand am Südende der Klamm heraus und bildeten einen 15 Meter hohen Wall, hinter dem sich das Wasser staute. Der Durchgang war deshalb über ein Jahr komplett gesperrt. Im März 2003 erfolgte im nördlichen Teil ein erneuter Felssturz; zum Glück war die Klamm zu dieser Zeit geschlossen.
Tourismusbüro
Tourist-Info, Richard-Strauss-Platz 1 a, 82467 Garmisch-Partenkirchen, Tel.: 08821/18 07 00, Fax: 08821/18 07 55, E-Mail: tourist-info@garmisch-partenkirchen.de, Internet: www.garmisch-partenkirchen.de

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