Soiernhaus

Ein kühles Bad im See (Autor: Wolfgang Taschner, Michael Reimer)
21 km
800 m
5.00 h
Die Geschichte vom eigensinnigen Pfarrer.
Eine seiner Lieblingsgeschichten handelt von einem 80-jährigen pensionierten Pfarrer, der sich einst im Herbst auf der Hütte zur Übernachtung angemeldet hatte. Als er am Abend noch nicht angekommen war, alarmierte der Hüttenwirt die Bergwacht. Später kamen zwei Wanderer und erzählten von einem alten Mann, der sie in Gipfelnähe der Schöttelkarspitze um etwas Brot gebeten habe; er wolle dort die Nacht verbringen, die trotz des milden Föhnwinds recht kalt zu werden versprach. Schließlich holte der Hubschrauber der Bergwacht den unterkühlten Mann in den frühen Morgenstunden vom Berg, was dieser partout nicht einsah. Auf diversen Nachbarhütten erzählte er später, dass ihn die Bergwacht gegen seinen Willen geborgen habe. Nach wenigen Tagen traute der Hüttenwirt seinen Augen nicht, als er den Pfarrer in der Mittagswärme vor seiner Hütte auftauchen sah – doch nicht etwa in normaler Wandermontur, sondern im Pyjama. Zur allgemeinen Verblüffung hatte der eigenwillige Gast die Erklärung parat, sein Schlafanzug sei aus Seide und würde ihn vor der Wärme besser schützen als jedes Bergsteigerhemd.
Auf Gipfeltour oder doch in den See?
Wir erreichten das Soiernhaus ohne Seidenpyjama an einem der Hitzetage des legendären Sommers 2003, sodass uns die Lust an der Besteigung der Hüttenberge Schöttelkarspitze bzw. Soiernspitze bereits während des schweißtreibenden Aufstiegs vergangen war. Das heiße Wetter verleitete uns vielmehr dazu, nach dem Verzehr von Kaiserschmarrn und einiger kühler Getränke von der Hütte in die Mulde des schuttreichen Bergkessels abzusteigen und dort im westlichen Soiernsee ein ausgiebiges Bad zu nehmen. Die Wassertemperatur betrug in etwa 16°C, was in Anbetracht der überhitzten Körper sprichwörtlich dem Sprung ins kalte Wasser gleichkam. Andere Wanderer legten sich in Badesachen ans Ufer oder fuhren Boot. Badeseeidylle vor imposanter Bergkulisse.
Eine Paradetour.
Die beiden Soiernseen liegen inmitten eines zweigeteilten Kessels, um den sich Schöttelkarpitze, Feldernkopf, Reißende-LahnSpitz, Soiernspitze und Gumpenkarspitze fast kreisförmig gruppieren. Nur an einem kleinen Durchschlupf unterhalb der Hütte öffnet sich der Kessel nach Norden. Die Umwanderung des Soiernkessels mit der partiellen Überschreitung der Gipfel ist ungemein lohnend und stellt die Paradetour im Soierngebiet dar; von oben werden einem die Ausmaße des gewaltigen Bergkessels erst richtig bewusst. Unterwegs bieten sich zudem schöne Einblicke in das Isartal bei Mittenwald und Krün sowie in das Karwendel- und Wettersteingebirge. Noch schöner ist allerdings die Soiernspitze selbst, die aus der Hüttenperspektive wie eine riesige Pyramide in den Himmel ragt.

Länge.
Von Krün auf der Forststraße über die Fischbachalm zum Talschluss, von dort auf dem breiten Steig zur Hütte (2 3/4 Std.); die alpine Variante führt über den Lakaiensteig hinauf (3 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour21 km
Höhenunterschied800 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktKrün
EndpunktWie Ausgangspunkt.
Tourencharakter»Evi, dein Kaiser ist fertig«, tönt es aus dem Lautsprecher der Hüttenterrasse. Auf diese Weise wird die hungrige Evi höflich gebeten, sich ihr bestelltes Essen abzuholen. Wenn vor allem am Wochenende Betrieb herrscht, ist der Lautsprecher ein bewährtes Rezept, damit die Küche effizienter arbeiten kann. Und Wolfgang Ziemer, seit 18 Jahren Hüttenwirt, findet auf diese Weise gelegentlich Zeit, auf der engen Terrasse mit seinen Gästen zu plaudern. Da sich die Plauener Vergangenheit nicht ganz leugnen lässt, mischen sich beim Erzählen sächsische und bayerische Sprachelemente zu einem köstlichen Sprachmix zusammen.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Wanderkarte Nr. 26, Karwendelgebirge, 1:50.000
VerkehrsanbindungGute Zugverbindung von München nach Klais, dort in den RVO-Bus nach Krün umsteigen oder zu Fuß über den Grubsee und Barmsee nach Krün (1 Std.). Mit dem Auto von München über Garmisch-Partenkirchen oder den Walchensee nach Krün, Parkplatz am östlichen Ortsausläufer nach Überqueren der Isarbrücke.
Informationen
Hüttenporträt. Höhe: 1611 m. Erbaut: 1866, umgebaut 1968 (DAV-Sektion Hochland). Bewirtschaftet: 15. Mai bis 15. Oktober. Kulinarischer Tipp: Schmackhafte Hüttenkost. Hüttenwirte: Heidi und Wolfgang Ziemer. Telefon: 0171/546 58 58, Tal: 08825/14 29. Lager: 65. Materialbeschaffung: Auf dem Fahrweg von Krün bis zum Ende des Fischbachtals, dann mit Materialseilbahn. Besonderheit: Solaranlage seit Ende der 1980er-Jahre.
Tourismusbüro
Kurverwaltung Mittenwald, Dammkarstr. 3, 82481 Mittenwald, Tel:. 08823 / 339 81, Fax: 08823 / 27 01, E-Mail: info@markt-mittenwald.de, Internet: www.mittenwald.de

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