Sigeretplatte, Trischübel und Hundstodgatterl

Ein weiter Weg durch stille Landschaften (Autor: Joachim Burghardt)
12 km
1780 m
5.00 h
»Nicht der direkteste, schon gar nicht der schnellste, aber vielleicht der großzügigste und interessanteste.« So beschrieb Horst Höfler den weiten Weg vom Königssee hinauf zum Trischübel und weiter übers Hundstodgatterl zum Ingolstädter Haus. Im Gegensatz zu den anderen Zustiegen von Norden aufs Steinerne Meer (Tour 16, 17, 19) sollte man hier schon einen ganzen Tag Zeit mitbringen. Im Gegenzug führt dieser Weg, der mehr ist als nur ein Hüttenzustieg, durch beeindruckende und stille Landschaften auf einer Höhe von 600 bis 2200 Meter.
Durch wilde Hochtäler.
Der erste Teil des Aufstiegs ist identisch mit der Saugassenroute, die von St. Bartholomä ins Schrainbachtal hinaufführt (Tour 17). Bald nach der Schrainbachalm zweigt auf 980 Meter Höhe rechts ein alpiner, erst 1921 erbauter Steig ab, der uns zur Sigeretplatte bringt. Über grobes Blockwerk steigen wir unschwierig auf und werden schon jetzt mit »Sehenswürdigkeiten« belohnt - Direkt über uns dräuen die überhängenden Felswände der Hachelkopf-Südflanke, und links können wir direkt zur Zickzacklinie der Saugasse hinüberschauen. Die Schlüsselstelle folgt an der Sigeretplatte mit einem aus dem Fels gesprengten schmalen Steig direkt neben dem Abgrund, der geübten Bergwanderern aber eher Freude als Probleme bereitet. Alles Weitere ist nun entspanntes Gehen in einer abgeschiedenen Hoch-gebirgslandschaft, in einem Tal von rauer Schönheit! Nachdem bei 1383 Meter Höhe links der schmale Steig zum Oberlahner abgezweigt ist, wandern wir über die alte Sigeretalm (Quelle) hinauf, queren dann rechts aus dem Tal heraus (bizarre Karrenformationen!) und erreichen bald den Trischübel.
Übergang ins Steinerne Meer.
Trischübel, das heißt ursprünglich »Türschwelle«, und tatsächlich ist dieser Pass ein wichtiger Übergang – der einzige zwischen Königsseetal und Wimbachtal – und die Nahtstelle zwischen Watzmann und Steinernem Meer. Links (südwestlich) steigen wir nun auf dem bezeichneten Weg durch Latschenhänge bergauf, bevor es bald schon wieder in die Hundstodgrube hinabgeht. Das Ambiente ist jetzt noch wilder geworden, wenig bekannte und selten bestiegene Gipfel stehen ringsum. Auf der markierten, früher »Aichacher Weg« genannten Route geht es durch die Hundstodgrube, jenseits steil aus ihr heraus und anschließend flach auf das Hundstodgatterl zu.
Vom Hundstodgatterl eröffnet sich ein herr-licher Blick über die weite Hochfläche des Steinernen Meers. Steil und felsig geht’s dann zur Wegverzweigung hinab und links zum Kärlinger Haus oder rechts zum Ingolstädter Haus. Ein ganzes Gebirge mit all seinen Tourenmöglichkeiten wartet in den nächsten Tagen darauf, entdeckt zu werden!

GEHZEITEN.
St. Bartholomä – Schrainbachtal – Sigeretplatte – Trischübel 3–3:30 Std. – durch die Hundstodgrube zum Hundstodgatterl 1–1:30 Std. – Ingolstädter Haus 1 Std. (Kärlinger Haus 1:30 Std.); insgesamt etwa 5–6 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour12 km
Höhenunterschied1780 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortDorf Königssee, 604 m
AusgangspunktSt. Bartholomä, 604 m
EndpunktKärlinger-Haus
TourencharakterDurchgehend markierter Weg, jedoch lang, alpin und oft im Felsgelände. Im Bereich der Sigeretplatte etwas ausgesetzt. Trittsicherheit und gute Kondition erforderlich!
Hinweise
BESTE JAHRESZEIT. Juli bis Oktober
KartentippAV-Karte 10/1 »Steinernes Meer« 1 - 25 000
VerkehrsanbindungMit Auto oder Bus zum Königssee, weiter mit dem Schiff nach St. Bartholomä
GastronomieIngolstädter Haus, 2119 m. AV-Hütte, bew. von Mitte Juni bis Anfang Oktober. Tel. - 0043/65 82/83 53, www.ingolstaedterhaus.de; Kärlinger Haus, 1630 m. AV-Hütte, bew. von Mitte/Ende Mai bis Mitte Oktober. Tel.: 08652/609 10 10, www.kaerlingerhaus.de
Tipps
Gipfel im nordwestlichen Steinernen Meer. Ganz außen (nördlich) stehen die unscheinbaren Roten Balfen, die sich gegen das Wimbachtal als wilde, rote Hörner präsentieren. Es folgt die breite Rotleitenschneid westlich der Hundstodgrube, deren Besteigung der AV-Führer als »wenig lohnend« bezeichnet – in der Nordostwand dieses Bergs eröffneten übrigens Toni Kurz und Anderl Hinterstoißer, die später am Eiger verunglückten, im Jahr 1932 eine Kletterroute. Der südwestlich sich anschließende Hundstodkendlkopf wird wohl noch seltener betreten; sein Gipfel ist der allerletzte Abschluss des Wimbachtals. Und dann folgt der Große Hundstod mit seiner Nordwand. Geübte Bergsteiger wagen sich manchmal an die Überschreitung von der Rotleitenschneid bis zum Hundstod, die gute Kondition und Kletterei bis zum II. Grad erfordert. Östlich des Wegs befinden sich weitere weglose Berge - der unscheinbare Graskopf, der Gjaidkopf, dessen Name von seiner ehemaligen Bedeutung für die Jagd zeugt (Gjaid = Jagd), und der Schneiber. Durch das einsame Tal zwischen den beiden Letzteren, den Gjaidgraben, führte früher ein Steig. Aber auch heute noch wird der Gjaidgraben genutzt: als Skiabfahrt, die manchmal noch Ende Mai »geht«, wenn unten am Königssee die Ausflügler bei 28 °C schwitzen ...

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Joachim Burghardt

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