Sieben Täler bei Gengenbach

Kammweg und Tälerpfad über dem vorderen Kinzigtal.
Wald- und Aussichtswanderung, für die festes Schuhwerk erforderlich ist. (Autor: Chris Bergmann)
32 km
500 m
7.00 h
Fachwerkstadt Gengenbach.
Vom Bahnhof Gengenbach geht es rechts zum Niggelturm (Narrenmuseum), an dem die unter Denkmalschutz stehende Altstadt beginnt. Gengenbach verfügt über eines der schönsten Stadtbilder im Schwarzwald mit Stadtmauer, Wehrgang, drei Stadttoren und einer Fülle von Fachwerkhäusern aus dem 18./19. Jh. Innerhalb des mittelalterlichen Mauergürtels bestehen zwei Bezirke - im Osten das ehemalige Benediktinerkloster (heute Fachhochschule), vor dessen Toren im Westen ab dem 8. Jh. eine Siedlung entstand, der der Abt 1230 das Stadtrecht verlieh. Nach der Besetzung des Klosters mit Mönchen aus Hirsau (1094) erfuhr Gengenbach eine wirtschaftliche und geistige Blüte, die romanische ehemalige Kloster- und heutige Stadtpfarrkirche St. Maria wurde im 12. Jh. nach dem Schema der Hirsauer Bauschule errichtet. 1360 bewirkte der Abt die Erhebung der Stadt zur Reichsstadt. Während der napoleonischen Kriege verlor Gengenbach 1803 seine Freiheiten als Reichsstadt und wurde ebenso wie das nun aufgelöste Kloster dem Staat Baden eingegliedert. Wer die denkmalgeschützte Altstadt heute betritt, kann sich in ein Freilichtmuseum oder in eine Filmkulisse versetzt fühlen – makellos restaurierte Fachwerkhäuser, perfekt inszeniertes Kleinstadtleben hinter üppigen Blumenkästen, mediterrane Straßenszenen auf mittelalterlichem Kopfsteinpflaster, weltstädtisches Flair in den Cafés zwischen Touristen und Studenten, der Marktplatz eine Bühne reger Geschäftigkeit.
Auf dem Bergle.
Bei Tourist-Information und Rathaus in der Altstadt geht es auf der Victor-Kretz-Straße links hinauf zum Oberen Torturm (1689), hinter dem sich die Wanderwegetafel des Schwarzwaldvereins befindet. Wir folgen der Schwedenstraße kurz rechts und biegen dann links in den Otto-Ernst-Sutter-Weg ein. Hier lohnt der Abstecher zum aussichtsreichen Bergle. Die Jakobskapelle auf dem »Bergle« oberhalb der Stadt ist eines der Wahrzeichen von Gengenbach. Die schlichte kleine Wallfahrtskapelle (1681) mit steinerner Außenkanzel ist eine Station auf dem Kinzigtäler Jakobsweg, weit schweift der Blick hinauf auf die Höhen über dem Kinzigtal und in die Rheinebene. Die sog. Heiliggrabkapelle an der Nordseite der Jakobskapelle wurde über dem vorchristlichen Kultplatz errichtet, der sich auf dem Bergle seit keltischer Zeit befand, ehe der fränkische Herzog Ruthard hier um 725 ein Kloster gründete.
Auf dem Wenkweg nach Biberach.
Unterhalb vom Bergle führt der mit dem Zeichen »gelbe Raute« markierte Wenkweg durch die aussichtsreiche Rebflur zum Schneckenmatt-Aussichtspavillon und erreicht bald nach Passieren der Portiunkulakapelle am Abtsberg den Ortsteil Hüttersbach. Hier verzweigen sich die Wege: Während der Tälerpfad – unser Rückweg – in den Hang wechselt, führt der Wenkweg hinauf zur Hochkopfhütte und folgt dann dem Kamm zwischen Nordrach- und Kinzigtal im Wechsel von Wald und zahlreichen Aussichtsstellen. Die meisten Schanzen auf dem Kamm, darunter die Schwedenschanze, werden in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges und später datiert. Wer abkürzen will, kann am Schwaibacher Eck der »gelben Raute« hinab zum Tälerpfad folgen, während der ebenfalls mit der »gelben Raute« markierte Wenkweg in sachtem Auf und Ab dem Kammpfad folgt.
Eine entscheidende Verzweigung ist bei der Schutzhütte am Hangererstein erreicht, wo sich wiederum eine schöne Aussicht auf Biberach, den Rauhkasten und die Burgruine Hohengeroldseck bietet: Während der Wenkweg am Hangererstein nach Zell am Harmersbach hinabführt – eine empfehlenswerte Variante! –, führt der ebenfalls mit der »gelben Raute« markierte TälerpfadVerbindungsweg Richtung Biberach hinab zum Waldterrassenbad in exzellenter Aussichtslage am Waldrand oberhalb von Biberach. Am Parkplatz befindet sich die Wanderwegemarkierungstafel: Wer mit der Bahn zurück nach Gengenbach fahren will, folgt der »gelben Raute« hinab nach Biberach und zum Bahnhof.
Unterwegs auf dem Tälerpfad.
Der mit der »gelben Raute« bezeichnete Tälerpfad führt am Waldterrassenbad von Biberach im Hang weiter Richtung Gengenbach und erreicht schon bald die Luisenhütte, neben der ein Brunnen plätschert. Seinen Namen trägt der Tälerpfad, weil er zwischen Biberach und Gengenbach durch zahlreiche kleine Täler im Hang über dem Kinzigtal führt. Nach einer Waldpassage erreicht er hinter dem Dorf Schönberg die Paulischanze, wo man bei einer Unterstellhütte mit herrlichem Panoramablick eine Rast einlegen kann. Mit immer wieder hervorragenden Aussichtsstellen geht es teils auf Wegen, teils auf Pfaden in stetem Auf und Ab an Bergach vorbei zum Gasthof »Müllers Mühle« in Dantersbach und im aussichtsreichen Hang weiter nach Schwaibach. Nach einer Waldpassage lädt in Hüttersbach der Gasthof »Bischoffs-Ruh« zur Einkehr ein. Im Gegenhang geht es dann durch das letzte der sieben Täler und auf derselben Route wie beim Hinweg am Bergle vorbei nach Gengenbach.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour32 km
Höhenunterschied500 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
StartortGengenbach (175 m), Fachwerkstadt im vorderen Kinzigtal.
AusgangspunktBahnhof Gengenbach an der Schwarzwaldbahn.
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterVon der mittelalterlichen Reichsstadt Gengenbach führt der Wenkweg aussichtsreich über den bewaldeten Kamm zwischen Kinzig- und Nordrachtal zum Waldterrassenbad von Biberach; von dort geht es auf dem Tälerpfad mit ebenfalls fantastischer Aussicht im Hang des Kinzigtals durch kleinere Seitentäler zurück. Wer abkürzen will, fährt von Biberach mit der Schwarzwaldbahn oder dem Bus zurück nach Gengenbach. Eine weitere empfehlenswerte Abkürzungsmöglichkeit ist der Abstieg in den Wallfahrtsort Zell am Harmersbach; von dort fährt die Ortenau-S-Bahn zurück.
Beste Jahreszeit
KartentippWanderkarte 1 - 30000 Vorderes Kinzigtal oder Freizeitkarte 1:50000 Blatt 503 Offenburg/Naturpark Schwarzwald Mitte/ Nord, Blatt 3 (Landesvermessungsamt Baden-Württemberg).
VerkehrsanbindungA 5 Basel–Karlsruhe, Ausfahrt Offenburg, dann auf der B 33 an Offenburg vorbei nach Gengenbach. Bahnhöfe Gengenbach und Biberach an der Schwarzwaldbahn Offenburg – Triberg – Singen/ Konstanz.
GastronomieGengenbach, Hüttersbach, Biberach, Dantersbach, Schwaibach.
Tipps
Zell am Hermersbach – Dorf der wundersamen Ketten. Wer dem Wenkweg nach Zell am Harmersbach hinabfolgt, findet sich in einem malerischen, fast mittelalterlichen Wallfahrtsort wieder. Maria zu den Ketten ist die größte Wallfahrtskirche Badens. Im spätgotischen Chor (1480) hängen die namengebenden Ketten, im barocken Hochaltar befindet sich das von Wallfahrern als wundertätig verehrte geschnitzte Bild (um 1330) der thronenden Muttergottes. Die Deckengemälde (um 1750) illustrieren die Begebenheiten, die zum Namen »Maria zu den Ketten« führten. Der Legende zufolge soll der irische Missionar Gallus an einem Dornbusch bei der Quelle, dem heutigen Gnadenbrunnen (um 1760) vor der Kirche, meditiert und eine Zelle gegründet haben, ehe er gen Süden wanderte und 612 das nachmalige Kloster Sankt Gallen gründete; Gallus ist der Schutzheilige des Harmersbachtals. Um 850 wurde zu Ehren des im Dornbusch gefundenen Bilds »Maria zur Rose« eine erste Kapelle errichtet. Als ein Schmiedegeselle zur Zeit der Kreuzzüge in islamische Gefangenschaft geriet und wie viele andere gefangene Christen als Sklave verkauft werden sollte, betete er zu »Maria zur Rose«, die ihn daraufhin auf wunderbare Weise errettete: Die Ketten fielen ab, vor dem Kerker wartete ein weißes Pferd, das ihn in die Heimat brachte, dort legte er vor dem Bild der Madonna seine Ketten nieder. Als die Schweden während des Dreißigjährigen Kriegs dem »Wallfahrtsspuk« ein Ende machen wollten und befahlen, die in der Kirche hängenden Ketten in Hufeisen umzuschmieden, verschwanden die Ketten immer wieder aus der Schmiede und fanden sich auf wunderbare Weise an ihrem angestammten Platz in der Kirche ein. Die Schweden zerstörten 1643 die Zeller Stadtkirche und auch die Kirche in Gengenbach, die Zeller Wallfahrtskirche hingegen verschonten sie: Die wundersamen Ketten der Madonna zur Rose hatten ihnen gehörigen Respekt eingeflößt.
Tourismusbüro
Tourist-Information Gengenbach, Im Winzerhof, 77723 Gengenbach, Tel. 07803/930143, www.stadt-gengenbach.de. Touristinfo Biberach, Hauptstraße 27, 77781 Biberach/Baden, Tel. 07835/636511, www.biberach-baden.de

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