Klettersteig in den Dolomiten

Sentiero del Sengio Alto

Bei der Fahrt von Rovereto hinauf zum Passo Pian delle Fugazze (1162 m) kommt bald einmal der Sengio-Alto-Kamm mit seinem markanten Nordpfeiler, dem Monte Cornetto (1899 m), ins Blickfeld. Als natürliches Bollwerk riegelt er das Vallarsa ab, im Norden vom Pasubiostock (Palòn, 2232 m), südwestlich von der Cima Carega (2259 m) flankiert. Die Front verlief zwar weiter nördlich – nach der österreichischen Maioffensive 1916 vom Monte Zugna (1664 m) quer über das Tal zum Monte Spil und weiter zum Monte Testo (1998 m) –, das hielt die Italiener aber nicht davon ab, rückwärtige Stellungen am Zackengrat, aber auch am Hauptkamm der Piccole Dolomiti anzulegen. Denn bei einem Durchbruch wäre für die Österreicher der Weg in die Poebene weitgehend frei gewesen. Die Front hielt aber bis zum Kriegsende – den Italienern gelang der angestrebte Vorstoß ins Etschtal nicht.

Felsenwege mit Pfiff

Die Überschreitung des Sengio Alto vom Passo Pian delle Fugazze zum Rifugio Campogrosso bietet nicht nur militärhistorische Reminiszenzen, sondern auch eine Fülle schönster Landschaftseindrücke.
Der Monte Cornetto (1899 m) ist auch keineswegs bloß ein »Hörnchen«, wie der Name suggeriert. Die nähere Umgebung des Passo Pian delle Fugazze beherrscht er locker, ein schroffer Felsgipfel mit ausladenden, von vielen Türmen und Türmchen besetzten Graten. Noch mehr bizarre Felsbauten stehen weiter südlich im Sengio-Alto-Kamm - Drei Apostel (1743 m), Monte Baffelàn (1793 m), schließlich die Sisilla, die über eine senkrechte Wand zum weiten Wiesengelände des Passo di Campogrosso abbricht.

Im Frühsommer blüht es in den Felsflanken und auf den Wiesen so artenreich wie üppig. Der spektakulär in die Westabstürze des Monte Cornetto trassierte »Schanzenweg« (Sentiero d’arroccamento) ist ein kleines Gegenstück zur »Strada delle 52 Gallerie« (siehe Tour 29) drüben am Pasubio.

Sentiero d’arroccamento

Vom Passo Pian delle Fugazze (1162 m) führt der Zustieg über die nahe Malga Morbi (1207 m) in den Wald und auf ordentlichem Weg angenehm schattig bergan zu einer winzigen Scharte im Nordwestgrat des Monte Cornetto, der Selletta Nord-Ovest (1585 m; 1.15 Std.).
Der Einstieg zum »Sentiero d’arroccamento« befindet sich gleich hinter der Minischarte. Kunstvoll trassiert führt er sanft ansteigend durch die senkrecht abfallenden Felsen über der Malga Boffetàl. Da kommt fast ein wenig Brenta-Feeling auf. Nach einem besonders schönen Guck-ins-Land leitet die Mulattiera in einen schattig-düsteren Felswinkel, den man mit Hilfe solider Sicherungen passiert. Es folgen ein paar Tunnels (Kopf einziehen!). Über eine kleine Scharte gelangt man in die Südwestschlucht des Cornetto. Hier hat der Zahn der Zeit dem Weg arg zugesetzt. Über Geröll und Felsstufen steigt man in der wilden Klamm kurz aufwärts, bis sich am rechten Rand die Fortsetzung der Trasse abzeichnet. Sie mündet auf den nahen Passo dei Onari (1760 m; 1.45 Std.).

Gipfelanstieg

Er führt links aufwärts gegen die Felsen (rechts Reste militärischer Anlagen), dann durch kurze Tunnels weiter ansteigend in die Forcella del Cornetto (1825 m), wo ein weiterer alter Militärweg mündet. Die gestufte Felsrampe über der Scharte ist mit Ketten entschärft; anschließend wendet sich das Steiglein in die Nordflanke des Cornetto. Hinter einem winzigen Grateinschnitt (I) mündet der Direktzustieg von der Selletta Nord-Ovest. Nun links zwischen Latschen über Schrofen zum großen Kreuz (2.30 Std.).

Sentiero del Sengio Alto

Am Passo dei Onari (1760 m) beginnt die Kammübschreitung zum Rifugio Campogrosso. Der ordentlich markierte Weg verläuft, zunächst an Höhe verlierend, auf der Ostseite des Sengio Alto, tangiert dabei aber mehrfach kleine Scharten wie den Passo di Formigari und den Passo delle Giare Bianche (1675 m); wiederholtverschwindet die Mulattiera im Berg. Auf bequemen Bändern wandert man durch die Steilabstürze der Tre Apóstoli; über zweiUnterbrechungsstellen – einst Brücken – helfen solide Ketten hinweg. An der doppelten Verzweigung am Passo del Baffelàn (1661 m) hält man sich rechts. Der Weg umgeht den gleichnamigen Gipfel und leitet in den Passo di Gane (1704 m); kurz ansteigend, gewinnt man eine Schulter am Nordostgrat der Cima delle Ofre (1780 m). Dahinter läuft das Steiglein bergab, dann flach unter der Sisilla hindurch und hinaus zum Rifugio Campogrosso (1443 m; 4.30 Std.).

Rückweg

Er führt über Almwiesen – nur zuerst kurz etwas ansteigend, dann wieder an Höhe verlierend – auf der Westseite des Sengio Alto zur Malga Boffetàl (1435 m) und hinab zur Asphaltstraße. Auf ihr zurück zum Passo Pian delle Fugazze (1162 m; 5.45 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour12 km
Höhenunterschied950 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortRovereto (204 m), Stadt im Etschtal (Val Lagarina)
AusgangspunktPasso Pian delle Fugazze (1162 m)
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterPasso Pian delle Fugazze – Selletta Nord-Ovest – »Sentiero dell’arroccamento« – Passo dei Onari – Monte Cornetto – Passo dei Onari – »Sentiero del Sengio Alto« – Rifugio Campogrosso – Passo Pian delle Fugazze (Autor: Eugen E. Hüsler)
Beste Jahreszeit
KartentippSezione Vicentine del CAI 1 - 20 000 »Pasubio – Carega«; Kompass 1:50 000, Blatt 101 »Rovereto – Monte Pasubio«
VerkehrsanbindungVon Rovereto durch das Vallarsa zum Pass. Busverbindung, große Parkplätze
GastronomieRifugio Campogrosso (1443 m), ganzjährig bewirtschaftet; Tel. 0445/750 30
Tipps
Standardwaffe der Alpini war ein Stutzen des Kalibers 6,5 mm mit aufsteckbarem Bajonett, Modell Carcano, eine Lizenzfertigung des österreichischen Waffenherstellers Mannlicher. Sie wurde ab 1891 in Italien produziert, galt aber bereits zu Beginn des Ersten Weltkriegs als technisch veraltet. Neben dem zu geringen Kaliber wurde die Leistungsfähigkeit der Waffe vor allem durch die Rundkopfmunition herabgesetzt. Makabres Detail: Beim Attentat auf John F. Kennedy in Dallas 1963 benutzte Lee Harvey Oswald ein Carcano-Gewehrmit Zielfernrohr
Informationen
Gehzeit - Gesamt 5.45 Std. Aufstieg 2.30 Std., Monte Cornetto – Rifugio Campogrosso 2 Std., Rifugio Campogrosso – Passo Pian delle Fugazze 1.15 Std.
Tourismusbüro
APT Rovereto, Corso Rosmini 6, I-38068 Rovereto; Tel. +39/0464/430363, Fax 435528, info@visitrovereto.it, www.visitrovereto.it

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