Schwarzatal

Schönstes Tal des Thüringer Schiefergebirges Bequeme Promenade im Tal, wurzelige und zuweilen steile Pfade auf den Höhen über dem Tal. (Autor: Bernhard Pollmann)
20 km
450 m
5.00 h
Griesbachfelsen und Schweizerhaus Oberhalb des Krankenhauses am südwestlichen Ortsende von Bad Blankenburg an der Straße nach Schwarzenburg zweigt von der durch das Schwarzatal führenden Straße der »Naturlehrpfad Heinrich Cotta« ab und führt in Serpentinen zwischen Eichen, Buchen, Kiefern und Felsen hinauf zum geländergesicherten Griesbachfelsen. Er bietet einen hervorragenden Blick in das Schwarzatal, aus dem der Bergfried von Eberstein heraufgrüßt. Eberstein wurde 1844 als fürstliches Jagdhaus im Burgruinenstil erbaut. Es liegt im ehemaligen »Saugarten«, der durch einen 32km langen Wildzaun abgegattert war. Hier hielten die Fürsten rund 60 Wildschweine. Vom Griesbachfelsen leitet der Naturlehrpfad weiter zur Teufelstreppe, einer »siebenstufigen« Klippe mit fichtenzweigverhangenem, romantischem Tiefblick, und erreicht bald darauf das aussichtsreich gelegene ehemalige Bergmannsdorf Böhlscheiben. Wer den Zwischenabstieg ins Tal vermeiden will, kann ausgeschildert via Cordobang zum Trippstein weitergehen, der Naturlehrpfad aber führt hinab zum Schweizerhaus im Schwarzatal. Das Schweizerhaus wurde 1838 als Sitz des fürstlichen Tiergärtners von Schwarzburg erbaut. Mit einem großen Tor sicherte es die Zufahrt durch das ehemalige Wildgehege nach Schwarzburg. Durch seine Magd ließ der Wildwärter auch Bier und Milch an Wanderer ausschenken. Heute ist das Schweizerhaus ein Hotel-Restaurant. Trippstein Vom Schweizerhaus windet sich der Naturlehrpfad wieder in Serpentinen den Hang hinauf und führt via Suppenschüssel (Rest eines Denkmals) zum Trippstein (504m). Der Trippstein ist der berühmteste Aussichtsfelsen über dem Schwarzatal. Eine Panoramatafel verzeichnet die Punkte im Blickfeld, darunter unten im Tal Schwarzburg mit dem gleichnamigen Schloss. Franzos beschreibt die Aussicht vor 100 Jahren so - »Die Aussicht vom Trippstein ist eine der hübschesten Deutschlands und wohl die malerischste Thüringens. Während in den andern Teilen des Thüringer Waldes die benachbarten Hügelrücken fast gleich hoch sind, auch sacht aus seichten Tälern oder Hochebenen emporsteigen, streben sie hier jäh und in den verschiedensten Formen aus dem tief gerissenen Tal der Schwarza wie zum Himmel auf. Denn eben weil das Tal so tief ist, so täuscht sich das Auge über die an sich sehr bescheidene Höhe des Gipfels (noch nicht 500 Meter über dem Meeresspiegel), und die Weite des Gesichtskreises, die sich aus der Breite des Tals und dem Einmünden einiger Nebentäler ergibt, vermehrt diese Täuschung. Ähnlich ist der Eindruck, den man auf anderen Höhen dieses schönen Tals empfängt, zum Beispiel auf der etwas höheren Schapsheide, die dem Trippstein gegenüber am rechten Schwarzaufer liegt; was aber die Aussicht vom Trippstein vor den anderen auszeichnet, ist die Geschlossenheit des Bildes, die Mannigfaltigkeit und Schönheit der Farben und Formen ..., die Natur hat gleichsam selbst das Kunstwerk gestaltet. Die Komposition ist unübertrefflich: zu Füßen des Beschauers, im Mittelpunkte des Gemäldes, das Schönste an dem Bilde: auf dem steilen Vorhügel das Schloss, hier dem Aug so ferne, dass die plumpen Formen nicht stören, wohl aber die Lage entzückt; zu seinen Füßen das Dorf mit dem Schwarz und Rot seiner Dächer; zur Rechten und Linken das breite, von Felsen und Matten, Hütten und Palästen (freilich sind's nur Fabriken) erfüllte Tal; im Vordergrund der waldige Abhang des Trippstein, im Hintergrund Berge und ringsum, das Bild umschließend, die tiefgrünen Wälder, die sich auch hier dem Blick wie ins Unendliche dehnen. Dazu der Reichtum an malerischen Formen: Man kann nicht oft Reizvolleres sehen als die Linie, in der, von hier gesehen, der Schlosshügel ins Tal abfällt, die Schwarza durch die Matten und Forste strömt, die Waldberge, namentlich die Cursdorfer Kuppe, emporsteigen.« Schwarzburg Vom Trippstein führt ein steiler Serpentinenweg hinab nach Schwarzburg im Schwarzatal. Der Name der 1071 erstmals urkundlich erwähnten Schwarzburg ist mit einem der mächtigsten thüringischen Feudalgeschlechter verbunden. 1349 wurde Günther (XXI.) von Schwarzburg zum deutschen (Gegen-)König gewählt, jedoch noch im selben Jahr von Karl IV. besiegt und mit einer Geldsumme abgefunden. 1571/99 teilten sich die Schwarzburger in die Linien Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sondershausen; die beiden Kleinstaaten gingen 1920 im Land Thüringen auf. Schloss Schwarzburg thront auf einem von der Schwarza umflossenen Bergsporn. In seiner bewegten Geschichte wurde es nach Bränden, Schlossherrenwechseln oder wegen drohender Gefahren mehrfach um- bzw. ausgebaut. Die Nationalsozialisten ruinierten das Schloss 1940–43 während eines nicht vollendeten Umbaus zum Reichsgästehaus. So sind von der einst repräsentativen Barockanlage nur noch das als Museum zugängliche Kaisersaalgebäude im barocken Gartenparterre und die Außenmauern des Schlosses erhalten. Ursprünglich war das Kaisersaalgebäude 1699–1719 als dreiflügeliges Gartenhaus errichtet worden. Mit der Ahnengalerie im Kaisersaal unterstrichen die Schwarzburger die Bedeutung ihrer Dynastie. Im Oberlicht befinden sich in zwei Reihen angeordnete Leinwandbilder mit den Darstellungen deutscher Kaiser und Könige in Lebensgröße. Von den ursprünglich 48 Gemälden sind 27 erhalten. Die Wölbung zum unteren Raumteil schmücken 100 Medaillons mit Köpfen von Königen und Kaisern. Längs der Schwarza Von Schwarzburg führt der Internationale Bergwanderweg EB längs der Schwarza zum Schweizerhaus und zurück nach Bad Blankenburg. Auch hier ist es wie vor 100 Jahren: »Bis zum Schweizerhaus sorgen eigentlich nur Fluss und Wald für die Abwechslung, Berg und Felsen bleiben sich an Höhe und Form ziemlich gleich. Hier aber beginnen sie jählings emporzuwachsen, und auch ihre Form und Farbe wechseln von Schritt zu Schritt. Das ist keine Übertreibung, denn es ist Tonschiefer, und man weiß, wie seltsam, scharf und zackig sich dies Gestein unter dem Einfluss der Sonne und des Wassers formt. Dazu die unzähligen schroffen Windungen des Tals; hundert Schritte lang drängt das Gestein links vor und dann wieder das rechts; so geht's immer im Zickzack, immer in kurzen tiefen Schluchten dahin, und immer hat man die Empfindung: dies ist die letzte, und es geht nicht weiter – aber da rauscht ja neben dem Wanderer fröhlich der tapfere Genoss und Pfadgräber, die Schwarza ... Auch diese Wände zeigen alle Spielarten der Farbe und Form. Rot, braun, schwarz erscheint der Schiefer, je nach dem Grad der Verwitterung, dazwischen steht das Grau des Sandsteins; von hellgrünen Büschen durchwachsenes Geröll bedeckt die Abhänge, mittendrin leuchtet das Rot wilder Rosen, droben stehen schwarzgrüne uralte Tannen, deren Wurzeln wie mächtige Bogen die Luft durchschneiden, denn das Geröll, durch das sie sich einst wanden, den Felsboden zu erreichen, ist zur Tiefe gestürzt; über ihnen aber blinkt in sonnengetränktem Blau das schmale Band des Himmels.«

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour20 km
Höhenunterschied450 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortDer Luftkurort Bad Blankenburg liegt im Schwarzatal am Fuß des Thüringer Schiefergebirges.
AusgangspunktBushaltestelle Krankenhaus (220m) am südwestlichen Ortsende von Bad Blankenburg an der Straße nach Schwarzenburg; gegenüber vom Krankenhaus findet sich rechts der Schwarza ein Großparkplatz.
TourencharakterDas Schwarzatal mit seinen Laubwäldern und bizarren Schieferklippen und den Strudeltöpfen im weitgehend unbegradigten Fluss ist das schönste Tal des Thüringer Schiefergebirges und seit dem 19. Jh. eines der meistbesuchten Wandertäler Thüringens. Auf der Talsohle verläuft neben dem über Blockwerk gischtenden Fluss zwischen Schwarzburg und Bad Blankenburg der Internationale Bergwanderweg Eisenach–Budapest (EB) - ein trotz der Straße auf der gegenüberliegenden Talseite landschaftlich hervorragender Wanderweg, der zudem die Qualität eines bequemen Spazierwegs hat. Steiler, aber unbedingt sehenswert ist der Höhenweg über die bis zu 300m aufragenden Felshöhen links über dem Tal. Er führt von Aussichtsfelsen zu Aussichtsfelsen und erreicht im Trippstein hoch über Schloss Schwarzburg den berühmtesten Panoramapunkt: »Die Aussicht vom Trippstein ist eine der hübschesten Deutschlands und wohl die malerischste Thüringens«, urteilte der österreichische Schriftsteller Karl Emil Franzos in seinen »Deutschen Fahrten. Aus Anhalt und Thüringen« (1903). Das Erscheinen dieses Reise- und Wanderberichts liegt zwar schon über 100 Jahre zurück, aber auf den Höhen über dem Tal scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, und auch die Straße gab es schon damals: »Der Weg von Schwarzburg nach Blankenburg geht immer durch Wald, fast immer zwischen Felsen und die rauschende Schwarza entlang; und wenn es nicht die hübschesten zehn Kilometer deutscher Erde sind, so gehören sie doch mit zu den hübschesten. Eine breite, wohlgepflegte Chaussee führt hindurch, auf der viele Wagen und Omnibusse hin und her rollen, und schon dies verträgt sich mit dem Charakter dieses wilden, tief und eng gerissenen Waldtals nicht recht. Dass aber hier keine Bahn pfeift und qualmt, tut wirklich nur den Wirten beider Orte weh, hingegen nicht bloß den Kutschern im Schwarzatal, sondern auch allen Naturfreunden wohl. Der Fürst duldet's nicht und hat sehr recht daran; es wäre nicht hübsch und selbst die Dividende fraglich. Denn wer sich begnügte, hier in fünfzehn Minuten hindurchzusausen, wäre so dumm, dass man sich's höflicherweise gar nicht denken kann.«
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Wanderkarte 1 - 50 000, Blatt 1022 Östlicher Thüringer Wald.
VerkehrsanbindungBuslinie Rudolstadt – Sitzendorf, der Bus hält auch am Schweizerhaus und in Schwarzburg = Abkürzungsmöglichkeiten. B 4 Chemnitz – Eisenach bis Jena, dann auf der B 88 nach Bad Blankenburg.
GastronomieBad Blankenburg, Böhlscheiben, Schweizerhaus, Schwarzburg.
Tourismusbüro
Touristik-Information Bad Blankenburg, Magdeburger Gasse 1, 07422 Bad Blankenburg, www.bad-blankenburg.de

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Bernhard Pollmann, Matthias Wibber u.a.

Deutschlands Wanderparadiese

Deutschlands Wanderparadiese stellt 200 Touren für jeden Geschmack in Deutschlands schönsten Wanderregionen vor.

Jetzt bestellen
Mehr zum Thema