Schützengräben am Padònkamm

Fedaia-Stausee – Porta Vescovo – »Via ferrata delle Trincee« – Rifugio Padòn – Fedaia-Stausee (Autor: Eugen E. Hüsler)
Ein historischer Pfad.
Die Überschreitung von der Porta Vescovo (2478 m) zum Rifugio Padòn gliedert sich in zwei ganz unterschiedliche Abschnitte - eine recht kurze, aber knackige Ferrata und einen längeren Grat- und Höhenweg, der den alten Stellungen und Kriegspfaden folgt – interessant, aber deutlich weniger schwierig. Wichtiger als ein kräftiger Bizeps ist neben einer Lampe der Helm, sind die ausgeräumten, teilweise stockfinsteren Tunnels doch nicht besonders hoch. Die österreichischen Truppen hielten den Westabschnitt des Padònkamms mit dem Bech da Mesdì besetzt, während sich die Alpini weiter östlich rund um die Mesolina (2642 m) verschanzt hatten.
Versorgt wurden die Kaiserjäger über eine Seilbahn von Arabba aus; ihre Bergstation befand sich wie die ihres modernen Gegenstücks auf der Porta Vescovo.
Der Zustieg.
Von der Staumauer des Fedaiasees (2053 m) führt ein ordentlicher Weg durch das Val de Fedaa hinauf zur Porta Vescovo (2478 m) mit der Bergstation der von Arabba (1601 m) ausgehenden Großkabinen-Seilbahn. Hier hält man sich rechts und folgt dem Höhenweg zum Rifugio Padòn, bis eine Schrift am Fels links hinauf zur Ferrata weist. Im Zickzack über einen steinigen Hang zum Einstieg (2570 m).
Via ferrata delle Trincee (erster Abschnitt).
Der Einstieg setzt gleich den Tarif: 30 Meter am Drahtseil, zuerst nahezu senkrecht und weitgehend trittlos (ein Stift). Hier muss man kräftig zupacken; wer die richtige Technik beherrscht (Reibung!), tut sich leichter. Die Drahtseile münden auf ein grasiges Band, dem man nach links folgt. Zwei Eisentritte entschärfen den nächsten, kurzen Steilaufschwung, dann laufen die Drahtseile – erst nach links, dann nach rechts ansteigend – über eine riesige glatte Platte. In Kammnähe folgt nach kurzem Zwischenabstieg eine glatte Verschneidung, ehe man über leichtere Felsen den schroffen Grat gewinnt. Ihm folgt die Route in anregendem Auf und Ab über Scharten, kleine Aufschwünge und schmale Bänder; Highlight ist die kurze, zwischen zwei Felszacken verankerte Hängebrücke. Im Bereich des Ostgipfels entdeckt man zahlreiche Überreste von k. u. k. Stellungen; hier war während des Krieges ein großer Scheinwerfer installiert, der bis hinüber zum Col di Lana strahlte. Der steile, mit Drahtseilen und einigen Eisenbügeln gesicherte Abstieg läuft nach einer abdrängenden Querung in einer markanten Gratsenke aus.
Zwischenzustieg.
Wer die schwierige Ferrata umgehen will, folgt dem Hangweg, der die Porta Vescovo mit dem Passo Padòn verbindet, bis zur Mündung des südseitigen Geröllkars unter dem Bech da Mesdì. Hier links haltend und auf einem recht gut erhaltenen Pfad in Serpentinen bergan zum Ausstieg des Klettersteigs.
Via ferrata delle Trincee (zweiter Abschnitt).
Die Fortsetzung der Via ferrata folgt größtenteils alten Kriegssteigen und ist trotz einiger gesicherter Abschnitte mehr historischer Lehrpfad. Sie schlängelt sich um die bizarren Türme der Crepes de Padòn herum und verschwindet dabei zweimal im Bauch des Berges.
Aus der erwähnten Gratsenke (Ende des ersten Teilstücks) führt die Route zunächst ansteigend in die Nordflanke eines namenlosen Gratturms, dann gut gesichert über Felsstufen hinab zu einer größeren Anlage von ehemaligen Kriegsunterkünften. Hier ist ein Zwischenabstieg nach Süden auf den Hangweg möglich. Am sichernden Drahtseil steigt man über einen Felshang noch ein Stück weit ab in die Nordflanke des Kamms; an einer Mini-scharte wechselt der Weg wieder auf die sonnige Südseite. Nur wenig später leiten die Sicherungen in eine Rinne und aus ihr über steile Felsen schräg aufwärts zum Kamm. Am Drahtseil steigt man links des Grates kurz ab zu einem Stolleneingang. Der etwa 50 Meter lange Tunnel hat einen Zwischenausstieg; er mündet am Ostfuß des namenlosen Turmes. Die Fortsetzung des Höhenwegs verläuft wieder auf der Sonnenseite des Kamms; er führt unter den Felsen sanft bergab, bis die Drahtseile über eine steile Wand luftig hinaufziehen zum Eingang des etwa 300 Meter langen Stollens. Das finstere Loch mit nur wenigen Felsenfenstern steigt zunächst an (Treppe), wird dann flach und mündet schließlich wenig oberhalb des Biwaks Bontadini (2552 m) inmitten eines Murmeltier-reviers. Beim Abstieg über die Grashänge zum Rifugio Passo Padòn (2369 m) kommt man an einer Liftstation vorbei. Daneben steht ein historisches Geschütz der italienischen Armee.
Abstieg/Rückweg.
Ein schöner Höhenweg, rot-weiß markiert, führt über die südseitigen Wiesen unter dem Padònkamm mit freier Sicht auf die Marmolada und in einer etwas anhänglichen Gegensteigung zurück zur Porta Vescovo (2478 m). Wer am Fedaiasee gestartet ist, spart sich den Umweg und steigt auf einer unmarkierten Schotterpiste über die Pré de Padòn und durch einen Graben direkt ab zur Staumauer.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour12 km
Höhenunterschied740 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
StartortCanazei (1440 m) im Fassatal oder Arabba (1601 m) am Oberlauf des Cordévole
AusgangspunktFedaiasee (2053 m) oder Porta Vescovo (2478 m)
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterDer Name des Klettersteigs ist in diesem Fall Programm - »Via ferrata delle Trincee«. Die Tour hält aber noch weit mehr bereit als nur einen Abstecher in die Schützengräben (trincee) des Gebirgskrieges 1915–17. Die Kammüberschreitung zwischen Sellamassiv und Marmoladaeis ist auch ein interessanter Ausflug in eine noch viel fernere Vergangenheit. Denn hierbewegt man sich für einmal nicht auf Kalkfels oder Dolomit, ist der Untergrund nicht bleich, sondern dunkel, gelegentlich fast schwarz. Es handelt sich um vulkanisches Gestein, jenem rötlichen Porphyr verwandt, dem man rund um Bozen begegnet, so genanntes Andesitoid (Augitpophyrit).
So ragt der Padònkamm (Bech da Mesdì,2727 m) als versplitterter, dunkler Grat vor dem gleißenden Weiß des Marmoladagletschers in den blauen Himmel. Was für ein Kontrast! Und der Bergsteiger erlebt ihn auf seine Weise: blockig-rauer, aber trittarmer Fels mit »eingebackenen« Kieseln statt griffiger Dolomit.
Hinweise
Zitat. Sechs Stunden auf dem Beobachtungsposten reichen aus, um alle Sünden abzubüßen, die ein Mensch während eines ganzen Lebens begangen hat. Franz Weber, Oberleutnant der k. u. k. Artillerie
KartentippTabacco 1 - 25 000, Blatt 07 »Alta Badia – Arabba – Marmolada«
VerkehrsanbindungZum Fedaiasee (2053 m) kommt man von Canazei auf guter Straße. Die Porta Vescovo (2478 m) erreicht man von Arabba im Hochsommer mit der Seilbahn. Betriebszeiten Anfang Juli bis Ende August
GastronomieRifugio Luigi Gorza an der Porta Vescovo, bewirtschaftet während der Betriebszeiten der Bahn (keine Übernachtung); Rifugio Passo Padòn (2369 m), Sommersaison; Tel. 0437/72 20 02
Tipps
Museo della Grande Guerra 1914–1918. Am unteren Ende des Fedaiasees steht gleich neben der Seilbahnstation das besuchenswerte private Kriegsmuseum. Es präsentiert vor allem Gegenstände aus dem Kriegsalltag, die der Marmoladagletscher im Laufe der Jahrzehnte freigegeben hat - Waffen, Ausrüstungsgegenstände, Bekleidung u. Ä. Zu sehen ist auch eines der legendären MG Schwarzlose, hergestellt in der Waffenfabrik Steyr, das pro Minute 500 Schuss abgeben konnte. Entwickelt hatte die Waffe der Deutsche Andreas Wilhelm Schwarzlose. Das Museum ist Ende Mai bis Ende September von 10–12, 14–17 Uhr geöffnet (dienstags geschlossen).
Informationen
Gehzeit - Gesamt 6.30 Std. Fedaiasee – Einstieg 1.30 Std., Erster Abschnitt Klettersteig 1.30 Std., Zweiter Abschnitt Klettersteig 2 Std., Rückweg zum Fedaiasee 1.30 Std. Wählt man die Porta Vescovo als Ausgangspunkt, ergibt sich eine Gehzeit von 5 Std.
Tourismusbüro
Arabba Fodom Turismo, I-32020 Arabba-Livinallongo, Via Boé 17; Tel./Fax +39/0436/780019, info@arabba.it, www.arabba.it

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