Schüsser und Fiderepass

Im Reich der wilden Hammerspitzen Am Nordgrat des Schüssers teilweise Schrofen mit einfacher Kletterei, kurzzeitig auch etwas ausgesetzt. Kein angelegter Steig, doch ausgetretene Trassen; alpine Erfahrung unbedingt nötig. Bei der Rundtour über den Fiderepass Bergwege ohne Gefahrenstellen, doch teilweise steil und steinig. (Autor: Dieter Seibert)
9 km
270 m
4.00 h
Kleine Runde über den Schüsser (2170 m) Mit der Seilbahn fahren wir zur Bergstation (1950 m) und gehen in einen nahen Sattel hinab. Dann wandern wir gegenüber zu den schönen Felsen empor und schräg aufwärts in die Lücke (2025 m) rechts des Kanzelwand-Gipfels. Ein Abstecher von wenigen Minuten auf diesen 2058 m hohen Gipfel lohnt sich. Danach geht es drüben wenige Meter hinab zu einer Verzweigung. Jetzt verläuft der Weg stets auf dem Grat über einen 2050 m hohen Kopf in eine tief eingeschnittene Scharte (1972 m). Auf die Steigspuren achtend, wandern wir immer nahe der Schrofenschneide zu einem kleinen Absatz hinter einem Felszacken etwa in Gratmitte. Dort lassen wir uns nicht von einem Weglein verführen, in die rechte Flanke einzusteigen, sondern kraxeln über die Schneide (I) empor zu ein paar Latschen, dann links durch die recht steile Flanke, an einer Lücke noch vorbei und danach mit Kletterei wieder auf den Grat (I). Bald danach gelangen wir auf eine flachere Schulter. Von dort geht es viel einfacher weiter zum Gipfelkreuz. Für den Abstieg gehen wir auf der gleichen Route zurück zur nahen, oberen Schulter, steigen dann links (gut auf die Abzweigung achten!) den steilen, steinigen Hang hinab und wandern schräg über eine Einbuchtung mit ein paar schrofigen Stellen nach Süden, später über Karst und durch üppiges Gras ins Kuhgehrenjoch. Von dort geht es in einem weiten Bogen mit einigem Höhenverlust wieder hinüber zur Bergstation. Tipp - Wirklich Erfahrene und Trittsichere können vom Schüsser aus die Hochgehrenspitze (2252 m, 30 Min., einfache Kletterei), den Nordgipfel der Hammerspitzen, besteigen. Auf einem kleinen Steig und Steigspuren geht es hinüber zum stark felsigen Gipfelaufbau, den man dann durch die zerborstene, sehr brüchige Flanke erklimmt: erst schräg rechts über eine Stufe, dann kurze Querung, danach durch eine enge Rinne in eine Lücke und nach links auf den schmalen Gipfel. Zur Fiderepasshütte (2065 m) Wie beschrieben geht es von der Bergstation (1950 m) in die Lücke rechts des Kanzelwand-Gipfels. Auf der anderen Gratseite wandern wir über teilweise steile Grashänge und Mulden auf einem stark ausgetretenen Steig ziemlich weit hinab nach Rossgund (1690 m) mit Rasen und Latschen, wo man auf den vom Fellhorn kommenden Weg trifft. Allmählich führt der Weg nun wieder aufwärts und schräg durch die Hänge zur Geländeschwelle bei der Kühgundalpe. Über einen reizvollen, von hohen Wänden begleiteten Boden steigen wir sanft empor, dann über eine steile Stufe und ein paar letzte Hänge zur Hütte, die knapp über dem Fiderepass liegt – und gleich vis-à-vis die Schafalpenköpfe mit dem Mindelheimer Klettersteig. Abstieg durchs Wildental Von der Fiderepasshütte steigen wir über die Grasböden hinab, dann über eine Steilstufe in ein Hochkar und nach links zu einem Geländerücken mit der Vorderen Wildenalpe. Rechts geht es an ihr vorbei und hinunter zur bewirtschafteten Fluchtalpe (1390 m). Auf dem breiten Weg wandern wir talaus zu den weiten Böden der Wiesalpe, über denen die gewaltige, 1000 m hohe Nordflanke von Elfer (2387 m) und Zwölfer in den Himmel ragt. Bei der Verzweigung halten wir uns links hinab zum Waldrand und gehen an den Häusern von Schwendle vorbei zur nächsten Bushaltestelle. Mit Familie und Kindern Die spannende »Prüfungstour« über den Nordgrat auf den Schüsser wurde in den einleitenden Worten schon vorgestellt. Für Familien mit kleinen Kindern ist die nahe Kanzelwand mit ihrem breiten Weg zum Grat und einem ganz kurzen Schotter- und Felshang zum »Kraxeln« die passende (nur leider relativ teure) Möglichkeit.

Dauer - Schüsser-Rundtour 2 1/2 Std. Zur Fiderepasshütte 2 1/4 Std. Abstieg von dort nach Schwendle 1 3/4 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour9 km
Höhenunterschied270 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktRiezlern (1086 m), lebhafter Ferienort mit Spielcasino am Beginn des Kleinwalsertals. Seilbahn zur Kanzelwand, Talstation im Ort.
TourencharakterDie Berggruppe zwischen dem Kleinwalsertal und dem Tal der Breitach bei Birgsau bietet dank der beiden großen Seilbahnen aufs Fellhorn und die Kanzelwand reizvolle Tourenmöglichkeiten. Die Gesteinsformationen sorgen dort für zwei fast gegensätzliche Bilder - Die typischen Allgäuer Grasberge mit ihrem üppig grünen Mantel und dem sehr reichen Blumenschmuck gehen ganz plötzlich in die Region des Hauptdolomits über mit hochalpinen Matten, Geröllfeldern und wild zerklüfteten Felsbergen wie den Hammerspitzen (2258 m), die den Mittelpunkt – optisch und geografisch – der Region bilden. Es ist nur ein kleiner, zudem stark felsiger Bergstock, trotzdem findet man hier die unterschiedlichsten Möglichkeiten für Touren. Man kann zum Beispiel dem Schüsser (2170 m), der mit einem langen Schrofengrat nach Nordosten abfällt, seine Reverenz erweisen. Er ist der ideale Prüfstein für die Geschicklichkeit in bröseligem Fels; auch den Nachwuchs kann man dort testen, falls man sich selbst in diesem felsigen Gelände des Schwierigkeitsgrades I absolut sicher bewegt. Diese recht kurze Tour gewinnt an Reiz, wenn man sie als Runde durchführt, wobei man zum Schluss wieder in eine für das Allgäu typische, richtig wild wuchernde Vegetationszone kommt. Eine großzügige Bergwanderung mit vielen Höhepunkten bildet hingegen die Rundwanderung über den Fiderepass mit seiner Hütte.
Beste Jahreszeit
KartentippTopografische Karte des Bayerischen Landesvermessungsamt 1 - 50000, Blatt Allgäuer Alpen.
VerkehrsanbindungAuf der B 19 an Sonthofen vorbei durch das Oberallgäu bis zum Kreisel vor Oberstdorf. Dort rechts ab und noch 11 km auf breiter Straße nach Riezlern. Busverkehr von Oberstdorf.
GastronomieGaststätte an der Bergstation der Seilbahn. Fiderepasshütte (2065 m), DAV, 134 Schlafplätze, Tel. 0043/664/3203676.
Tipps
Gipfel der Zwietracht Ab und zu sind sich Bayern und Österreicher uneins bei der Benennung von Bergen, die auf der Grenze liegen. Beson- ders in unserem Tourenbereich gibt es einige Verwirrung - Beim Warmatsgundkopf hat sich inzwischen die Bezeichnung Kanzelwand durchgesetzt; daran ist vor allem die von Riezlern heraufkommende Kanzelwand-Seilbahn »schuld«. Und die beiden folgenden Gipfel – Schüsser und Hammerspitzen – werden auf der anderen Seite genau umgekehrt bezeichnet. Doch mehrere Argumente sprechen dafür, dass der 2170 m hohe Berg der Schüsser ist: Die Bezeichnung kommt von »schießen«, da Dreck, Steine, Lawinen durch seine Rinnen in die Tiefe schießen. Auch der Bschießer zwischen Hinterstein und Tannheimer Tal hat sich aus dieser Bedeutung entwickelt. Und die runden Formen dieses Berges ähneln nun wirklich keinem Hammer. Dagegen steht im wilden, kantigen Gipfelkamm des 2258 m hohen Massivs ein Turm, der von Nordosten ins Auge fällt und spontan an einen Hammer denken lässt.
Höchster Punkt
Kanzelwand (2058 m) Schüsser (2170 m) Fiderepasshütte (2065 m)
Unterkunft
Wie Einkehr.
Tourismusbüro
Kleinwalsertal Tourismus, Walserhaus, A-6992 Hirschegg, Tel. 0043/5517/ 51140, E-Mail: info@kleinwalsertal.com.
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