Schrecksee – Landsberger Hütte (– Rote Spitze)

Wer den anstrengenden Aufstieg hinter sich hat, den erwartet eine weitgehend einfache Wanderung auf gut markierten Wegen oberhalb der Baumgrenze. Für Tannheimer Verhältnisse recht ruhig, nur der Abstieg ab der Landsberger Hütte und der kinderwagengeeignete Rundweg um den Vilsalpsee sind sehr stark frequentiert. Bis zur Landsberger Hütte keine Einkehr, ausreichend Getränke mitnehmen. (Autor: Gerald Schwabe)
17 km
1300 m
7.00 h

Juwel Vilsalpsee

Die Szenerie mit den steilen Bergen ringsherum und das blaue Wasser des Sees würde auch als norwegische Fjordlandschaft ein prächtiges Bild abgeben. Ein gut ausgebauter Spazierweg rund um den See und eine Liegewiese vor herrlicher Kulisse machen den See zu einem ungemein beliebten Ausflugsziel – und nur die eingeschränkte Zufahrtsmöglichkeit hält die Betriebsamkeit etwas in Grenzen. Das alles muss uns nicht weiter stören, da wir zeitig aufbrechen und deshalb in den Genuss kommen, den See in weitgehender Stille und Einsamkeit zu erleben.

Bei Anreise mit dem Bus empfiehlt sich eine kleine Pause am Seeufer bis sich die Busladung etwas verlaufen hat, dann beginnen wir unsere heutige Wanderung. Vom Gasthaus am Parkplatz nehmen wir den rechten, sonnenbeschienenen Seeuferweg und wandern am spiegelglatten Wasser entlang. Eine herrliche Stimmung.

Schweißtreibend

Am Südende des Sees erwartet uns auf einer Schwemmebene die Vilsalpe, hinter der unser Aufstieg beginnt. Und der hat es in sich! Weitgehend schattenlos geht es über hübsche Bergwiesen steil den Hang hinauf. Hinter uns lassen wir im Morgenlicht den malerischen Vilsalpsee zurück, der aber für den gesamten Aufstieg in Sichtweite bleibt. Über uns ragt das gewaltige Rauhhorn in den Himmel.

An einem heißen Sommertag kann dieser Aufstieg ziemlich an die Substanz gehen, aber schließlich wendet sich der Pfad nach links und wir erreichen die Ausläufer der riesigen Schuttfächer unterhalb des Rauhhorns. Ein gewaltiges Trümmerfeld mit mächtigen Felsbrocken, die von der Vergänglichkeit auch eines so unverwüstlich wirkenden Berges wie dem Rauhhorn zeugen, liegt vor uns. Nach rechts weist ein Schild in Richtung Gaishorn, das sich schräg über uns erhebt; wir bleiben aber auf dem Hauptweg, der sich durch die Schutthalde südwärts windet.

Zum Schrecksee

Ohne größere Steigungen verläuft der »Jubiläumsweg« unterhalb der hoch aufragenden Ostabstürze des Rauhhorns. Im Osten erstrecken sich die Tannheimer Berge, die Schochenspitze und die Rote Spitze. Schließlich lassen wir den Schuttkegel hinter uns und wandern auf einem schönen aussichtsreichen Wiesenhang gemütlich weiter in Richtung Kugelhorn. Das letzte Stück geht es in steilen Serpentinen hinauf zu einer Scharte mit dem Namen Hintere Schafwanne (1985m), die den Übergang zum Hintersteiner Tal bildet, das sich tief unter uns ausbreitet. Ein wunderschöner Weg erwartet uns, der sich am steilen, grasbewachsenen Westhang des Kugelhorns entlangzieht. Gleich hinter der nächsten Biegung können wir einen ersten Blick auf unser nächstes Etappenziel werfen, den wunderschönen Schrecksee. In der Ferne dahinter erhebt sich die formschöne Pyramide des Hochvogels.

Den See immer vor Augen queren wir den Hang, der an manchen Stellen von eindrucksvollen Gesteinsfaltungen des Kugelhorns überragt wird. Schließlich steigen wir einige Höhenmeter hinab und erreichen den Schrecksee (1813m). Sicher einer der schönsten Bergseen, die es in den Allgäuer Alpen zu entdecken gibt: Wie gemalt ist er in einen Wiesenkessel eingebettet, eine malerische Insel liegt inmitten des türkis schimmernden Wassers, wunderschön! Im weiten Rund wird wohl jeder, der ein einsames Plätzchen mit erstklassigem Panorama für eine gemütliche Rast sucht, fündig. Manch einer mag sogar einen Sprung ins kalte Nass wagen.

Zurück nach Tirol

Irgendwann ist aber auch die schönste Pause zu Ende. Unser weiterer Weg führt uns etwa 100 Höhenmeter hinauf zum Kirchendachsattel (1919m) unterhalb des gleichnamigen Gipfels, der kaum einen passenderen Namen tragen könnte. Ein letzter Blick über den See, dann wenden wir uns der vor uns liegenden Strecke zu: Vom Sattel aus schweift unser Blick über einen gewaltigen Kessel, der die obere Etage des hinteren Vilstals bildet.

Ein kleiner Tümpel bildet sein Zentrum, während die markante Gestalt der Roten Spitze unweigerlich alle Blicke auf sich zieht. Vom Sattel aus verläuft der Pfad quer über einen schönen Wiesenhang, verliert dabei etwas an Höhe, ehe es über einen von Felsen durchsetzen Hang allmählich wieder bergauf geht. Wir umrunden den weiten Kessel auf seiner Südseite, immer die dominante Rote Spitze vor Augen, die sich keck in den Himmel streckt. Bald erreichen wir einen breiten, buckeligen Rücken, treffen dort auf den Weg von der Prinz- Luitpold-Hütte, und wechseln hinüber auf die Südseite des Kammes.

Oberhalb des Schwarzwassertals, dessen Bach hinunter zum Lech entwässert, wandern wir auf einem herrlichen, mit einzelnen Latschen bestandenen Wiesenhang bergan. Im Süden bilden die Lechtaler Alpen sowie der Hochvogel die eindrucksvolle Kulisse. Bald wendet sich der Weg wieder nach links auf die Vilstalseite und führt uns leicht hinauf zu einem Sattel (1940m) unterhalb der Roten Spitze, die sich von dieser Seite eher harmlos zeigt.

Gipfelabstecher zur Roten Spitze

Ein steiler Pfad über ihren grasbewachsenen Osthang bringt uns in etwa 20 Minuten auf die Rote Spitze (2130m), die uns mit einer herrlichen Rundumsicht über unsere gesamte heutige Wanderung belohnt. Vom Sattel breitet sich vor uns ein weiterer großer Kessel aus, in dessen Mitte wir die Landsberger Hütte erkennen, daneben die kleine Lache, im Osten überragt von der hohen, steilen Wand der Lachenspitze.

Ein angenehmer Abstieg bringt uns gemütlich über die weiten Wiesenflächen hinunter zu Hütte. Steil hinab Der einsame Abschnitt unserer heutigen Tour ist damit schlagartig beendet. Von Norden erreicht der hoffnungslos überlaufene Saalfelder Höhenweg die Hütte, sodass wir uns bei unserem folgenden Abstieg auf sehr viel mehr Gesellschaft einstellen müssen. An der Hütte vorbei bleiben wir noch einige Minuten auf der breiten Karschwelle, hinter der sich die Lache aufgestaut hat, ehe wir uns links dem Abstieg zum Vilsalpsee zuwenden. Die steile Karstufe wird in engen Serpentinen überwunden, einige Felspassagen sind mit Drahtseilen gesichert. Schon bald erreichen wir den nur knapp 150 Höhenmeter tiefer gelegenen Traualpsee. Ein breiter Weg oberhalb des Seeufers bringt uns über offene Weideflächen zur Oberen Traualpe (1649m) am Seeende.

Direkt neben der Staumauer beginnt der weitere Abstieg, über zahllose Serpentinen gelangen wir zum Vilsalpsee. Dort führt uns der Uferweg in ca. 15 Minuten zurück zu unserem Ausgangspunkt. Oder zu einem erfrischenden Bad im See. Und wer länger auf den Bus warten muss, findet sicherlich ein schönes Plätzchen am Ufer.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour17 km
Höhenunterschied1300 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
StartortTannheim, 1097m;
AusgangspunktVilsalpsee, 1165m
EndpunktRote Spitze, 2130m; Schrecksee, 1813m
TourencharakterVier Seen auf einen Streich: der malerische, fjordähnliche Vilsalpsee, der großartige Schrecksee zwei Etagen höher, die kleine Lache und der tiefblaue Traualpsee. Dazu eine weitgehend stille Höhenwanderung über offene Wiesenhänge und ein prächtiger Aussichtsberg. Eine ungemein abwechslungsreiche Runde an der Grenze vom Allgäu zu Tirol.
Beste Jahreszeit
KartentippUK L 8 Allgäuer Alpen und UK L 10 Füssen und Umgebung 1:50 000, Bayerisches Landesvermessungsamt
VerkehrsanbindungBusverbindungen bis Tannheim von Oberjoch und Reutte/mit Pkw zum Parkplatz in Tannheim (bis 10 Uhr bis zum Parkplatz am Vilsalpsee möglich); die Straße zum Vilsalpsee ist von 10–17 Uhr für Privat- Pkw gesperrt, Busverbindung Tannheim – Vilsalpsee; auch Bimmelbahn, Pferdekutsche, mit Rad oder zu Fuß (ca. 4 km); Fahrpläne unter www.tannheimertal.at
GastronomieLandsberger Hütte, 1805m (www.tannheimertal.at/landsberg); Obere Traualpe, 1649m; Gasthaus Vilsalpsee, 1165m
Höchster Punkt
Rote Spitze, 2130m

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