Schlösser und Wirtshäuser an der Havel

Bequeme Streckenwanderung, bis zum Park Glienicke als Uferweg, sofern nicht auf den parallel verlaufenden Höhenweg gewechselt wird. (Autor: Tassilo Wengel)
10 km
125 m
2.00 h
Abstecher zur Pfaueninsel Wir starten am Bahnhof Wannsee und wählen den Ausgang in Richtung Schiffsanlegestelle. Auf dieser Straßenseite befinden sich mehrere Bushaltestellen, unter anderem auch der Buslinie Nr.114, mit der wir bis zur Haltestelle Haus der Wannseekonferenz (Straße Am Heckeshorn) fahren. Dort gehen wir zum Wannseeufer, wo der Flensburger Löwe auf einem Sockel ruht. Das Original wurde 1850 nach dem Sieg des Deutschen Bundes über die Dänen gegossen, 1865 entstand dieser Zinkabguss, der seit 1938 an dieser Stelle steht. Wir wenden uns nach links und folgen dem Wegzeichen Nr.9. am Ufer des Wannsees entlang, bis wir zu einer Gabelung kommen. Hier haben wir die Wahl, weiter dem Uferweg zu folgen oder auf einem Höhenweg zu wandern (Wegweiser Schöne Aussichten). Die Aussichten sind nicht spektakulär, da die Bäume hoch gewachsen sind, durch die der See schimmert. An einer Liegewiese treffen beide Wege zusammen. Wir kommen an der Wasserrettung Jagen 97 vorbei und erreichen bald die Anlegestelle der Personenfähre zur Pfaueninsel. Ein Besuch dieser Oase, die Theodor Fontane »einen Blumenteppich inmitten der Mark« nannte, lohnt sich in jedem Fall.Blockhaus Nikolskoe und Wirtshaus Moorlake Wir folgen dem Uferweg weiter (Wegzeichen Nr.9) und kommen am Aufgang zum Blockhaus Nikolskoe vorbei. Hier bietet sich die Gelegenheit, auf Stufen zum rustikalen Holzhaus aufzusteigen und gleich daneben auch die Kirche St. Peter und Paul zu besichtigen, die mit ihrem Zwiebelturm den russischen Baustil nicht verleugnen kann. Der Grund für die Entstehung dieses Ensembles war 1817 die Vermählung von Prinzessin Charlotte – Schwester Friedrich Wilhelms IV. – mit dem späteren russischen Zaren Nikolaus. Ihr Vater König FriedrichIII. besuchte sie ein Jahr später in St. Petersburg und wohnte in einem der typischen Blockhäuser.Von diesem Ensemble bieten sich zwei Möglichkeiten an, zum nächsten Ziel, der kleinen Bucht Moorlake an der Havel mit dem Wirtshaus »Moorlake«, zu gelangen. Entweder wir folgen dem Wanderweg durch den Buchenwald oder wir steigen die Stufen wieder hinab und folgen dem Uferweg.An der Havel entlang nach Glienicke Beim Wirtshaus Moorlake, das von dem Schinkelschüler Ludwig Persius 1810 erbaut wurde, stoßen wir auf eine Asphaltstraße, wenden uns nach rechts und gehen an der Havel entlang. Auf dem gegenüberliegenden Ufer fällt die grazile Sacrower Heilandskirche auf, die Ludwig Persius 1841–1844 auf Wunsch Friedrich WilhelmsIV. erbaute. Nach dem Bau der Mauer 1961 stand sie einsam und unerreichbar, von der Landseite von Mauern umschlossen und von der Wasserseite direkt vor der durch die Havel verlaufenden Demarkationslinie. Nach dem Fall der Mauer fanden sich Berliner aus Ost und West in der Heilands-kirche zu einem ersten Dankgottesdienst zusammen. Von Persius stammt auch das Jägertor am Krughorn, unserem nächsten Ziel am nördlichen Ende vom Park Glienicke. Ein Spaziergang durch den Park, der maßgeblich von Peter Joseph Lenné im englischen Landschaftsstil gestaltet wurde, lohnt sich.Der Uferweg führt direkt zur Glienicker Brücke, wo auch die Haltestelle von Bus Nr.116 ist, mit dem wir zum Bahnhof Wannsee zurückfahren.Ein Reich der Pfauen Die Pfaueninsel ist 500 Meter breit und 1500 Meter lang und nur per Fähre erreichbar. Inmitten dieser vollendet gestalteten Park- und Gartenlandschaft mit Wiesen, uralten Bäumen, Rosenlabyrinth und Biedermeiergarten erwarten den Besucher sentimentale Landschaftsbilder, zwischen denen etwa 60 Pfauen gra-ziös stolzieren. Kühn angelegte Blickachsen wechseln mit malerischen Ausblicken, dazwischen trifft man auf zahlreiche Baulichkeiten, zu denen künstliche Ruinen und ein kleines Schloss gehören.Klein-Glienicke Der Park Klein-Glienicke ist ein Gemeinschaftswerk von Prinz Karl von Preußen, Karl Friedrich Schinkel, Joseph Peter Lenné, Ludwig Persius und Ferdinand von Arnim, das Natur, Kunst und Architektur glücklich vereint. Diesen Park nach eng-lischen Gestaltungsprinzipien schuf Lenné mit Blumengärten, Pleasureground und weiträumigen Parkpartien mit Wiesen und Baumgruppen. Matrosenhaus, Gärtner- und Maschinenhaus sowie das Treib- und Orangenhaus sind neben dem Schloss weitere interessante Baulichkeiten, die mediterranes Flair vermitteln sollen.Als nach dem Tode des Staatskanzlers Karl August von Hardenberg Klein-Glienicke in den Besitz des Prinzen Karl von Preußen gelangte, ließ er ab 1826 das Schloss zur Sommerresidenz umbauen. Der Park war bereits unter Hardenberg von Lenné angelegt worden. Das Schloss, eine zweigeschossige Dreiflügelanlage mit umlaufender Attika, steht auf einer kleinen Anhöhe. An der Frontseite nahe der Königstraße sprudelt die Große Fontäne mit vergoldeten Löwen. Westlich der Fontäne lädt das Stibadium, eine halbrunde erhöhte Bank, zum Verweilen ein. In der südwestlichen Ecke des Parks mit Blick auf die Glienicker Brücke sowie zum Park Babelsberg steht die Große Neugierde, ein kreisrunder Bau. Das Dach ruht auf dorischen Säulen und wurde dem Athener Lysikrates-Monument (334 v.Chr.) nachempfunden.

Bahnhof Wannsee – Pfaueninsel 1.15Std. – Park Glienicke 0.45Std. – Bushaltestelle an der Glienicker Brücke 0.15Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour10 km
Höhenunterschied125 m
Dauer2.00 h
AusgangspunktBahnhof Wannsee.
EndpunktBushaltestelle an der Glienicker Brücke.
TourencharakterEine Wanderung am Havelufer zwischen Wannsee und Glienicke gehört zu den schönsten Spaziergängen in Berlin. Sie ist abwechslungsreich,

bietet herrliche Aussichten auf die Havel, zahlreiche Bademöglichkeiten und eine Fülle von schönen Gaststätten.
KartentippFahrradkarte Berliner Umland Südwest, 1:60000, Ampel Verlag Berlin.
VerkehrsanbindungAuto: Autobahn A10 bis Autobahndreieck Nuthetal, auf Autobahn A115 bis Autobahnkreuz Zehlendorf und auf B1 nach Wannsee. Bahn/Bus: S-Bahn S1 Oranienburg – Wannsee oder S7 Ahrensfelde – Potsdam bis Wannsee.
GastronomieUnterwegs: Restaurant »Seehase«, Am Großen Wannssee 58; Restaurant »Sanssouci«, Am Großen Wannsee 60; »Wirtshaus zur Pfaueninsel«, Pfaueninselchaussee; Blockhaus Nikolskoe, Nikolskoer Weg 15; Wirtshaus »Moorlake«, Moorlakeweg 1.
Tipps
Einkehr im Blockhaus Nikolskoe Zwischen 1820 und 1857 war der Leibkutscher Iwan von König Friedrich WilhelmIII. für die Verwaltung des Blockhauses zuständig, zu dem immer mehr Besucher kamen. Iwan begann bald damit, die Besucher mit Speis und Trank zu bewirten und verwandelte dieses russische Bauernhaus in eine Gaststätte. Inzwischen ist das Blockhaus mit seiner Sommerterrasse zu einem beliebten Ausflugsziel geworden, das mit einer umfangreichen Speisekarte aufwartet. Neben Vorspeisen und Suppen werden zahlreiche Fischgerichte angeboten, zur Spargelzeit gibt es eine umfangreiche Spargelkarte. Als Spezialität kann man auf Vorbestellung geschmorte Kalbshaxe mit feinem Gemüse genießen (Tel. 030/8052914).
Unterkunft
Buchung über Tel. 030/250025, Fax 030/25002424, Internet-Buchung: www.berlin-tourist-information.de

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