Scheffauer

Über den Widauersteig
Der Wilde Kaiser zeichnet sich im allgemeinen durch recht schroffe Formen aus, die dem reinen Wanderer den Zugang zu vielen der hohen Gipfel beträchtlich erschweren. Manche, wie z.B. Predigtstuhl, Fleischbank oder Totenkirchl bleiben überhaupt den Kletterern vorbehalten. Es gibt jedoch eine Reihe von Steigen – keine Wanderwege mehr, aber auch noch keine Klettersteige –, die dem Berggewohnten, trittsicheren und beherzten Wanderer den Zugang zu manchem schönen, hohen Kaiserberg eröffnen. Darüber hinaus ist es oft möglich, zwei solcher Steige aneinander zu hängen und so zu besonders abwechslungsreichen Gipfelüberschreitungen zu kommen; man denke nur an die Ackerlspitze, an die Ellmauer und die Kleine Halt, an den Treffauer oder an den Scheffauer.
Dieser westlichste Zweitausender des Kaisergebirges ist das Ziel unseres Tourenvorschlages. Zwei solcher Steige, beide ungefähr gleich lang und schwer, führen auf den Gipfel, der eine von Norden, der andere von Süden, und sie beide schreien geradezu danach, zu einer Überschreitung verbunden zu werden. Sie tun dies um so mehr, als diese alpine Hälfte der Tour durch eine gemütliche Hälfte ideal abgerundet werden kann; eine beschauliche Wanderung um das Westende des Wilden Kaisers, die mit ihren Aussichtspunkten einen Vorgeschmack auf das bietet, was einen auf dem Scheffauer erwartet.
Vom Hintersteiner See – der Sage nach früher eine Wiese, auf der die Bauern mit Butterkugeln kegelten und zur Strafe dafür bis zum Weltende unterm Scheffauer weiterkegeln müssen – wandern wir durch Wald, leider z. T. auch auf jüngst verbrochenen Forst-Autobahnen, zu den weiten Wiesen der Walleralm. Hier könnten wir schon einkehren, oder aber wir machen einen kurzen Abstecher auf den Kreuzbühel nebenan und schauen auf Kufstein und ins Inntal hinunter. So viele Verlockungen, denen es zu widerstehen gilt! Nun steigen wir wieder durch Wald auf den freien Sattel des Hochecks (Kreuz, Aussichtspunkt) und jenseits über Almwiesen zur Kaindlhütte hinunter. Sie liegt inmitten eines richtigen kleinen Hüttendorfes, der Steinbergalm. – Hier beginnt der Widauersteig, der in den Jahren 1910/1911 angelegt wurde und nach dem Bergführer Thomas Widauer benannt ist. Widauer war nämlich vorher mehrmals über diese Route vom Scheffauer abgestiegen. Der Weg führt zunächst in das landschaftlich prächtige Kar „Großer Friedhof“ hinauf; in ca. 1720 m Höhe beginnt der eigentliche Steig. Er führt mit einer langen Rechtstraverse in die Rinne zwischen dem Nördlichen Hackenkopf und dem Scheffauer und durch diese auf den Gipfelgrat. Von hier sind's noch zehn Minuten westwärts bis auf den Gipfel. Im Abstieg geht es zunächst zum Ausstieg des Wildauersteiges zurück und dann über den Steig auf der Südseite hinunter. Örtlichkeiten wie die „Kegelstatt“ oder der „Hochofen“ beweisen, dass dieser Aufstieg schon in frühester Zeit von Einheimischen begangen worden ist. Über Schrofen und ein paar gesicherte Passagen geht es zunächst südöstlich und dann scharf nach Südwesten einschwenkend zum Hintersteiner See hinunter, den wir schon von weitem glitzern sehen.

Dauer:

Vom Hintersteiner See zur Kaindlhütte 2 1/2 bis 3 Std., dann über den Widauersteig auf den Scheffauer 3 Std., Abstieg zum Hintersteiner See 3 bis 3 1/2 Std. Gesamtgehzeit 9 bis 9 1/2 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour12 km
Dauer9.00 h
Schwierigkeit
StartortScheffau, 740 m.
AusgangspunktHintersteiner See, Parkplatz am Ostufer, 883 m.
TourencharakterWidauersteig und Scheffauer-Südabstieg: markierte Steige, teils mit Versicherungen und künstlichen Trittstufen; stellenweise leichte Kletterei (Schwierigkeitsgrad I), meist jedoch Gehgelände. Ansonsten markierte Bergwanderwege ohne besondere Schwierigkeiten oder Forststraßen.
Hinweise
Die Runde ist natürlich auch in umgekehrter Richtung möglich, doch verläuft dann der Aufstieg auf der Sonnenseite! Auf dem Widauersteig kann im Frühjahr noch Schnee in den Rinnen liegen; dann können u. U. Grödel und ein Pickel empfehlenswert sein. Im Hochsommer, bei starker Begehung, besteht Steinschlaggefahr durch Voraussteigende. Vorsicht – oder lieber Helm aufsetzen!
KartentippAlpenvereinskarte 1:25 000 „Kaisergebirge“.
Verkehrsanbindunga) mit dem Auto: Ausfahrt Kufstein-Süd der Inntalautobahn, dann auf der Bundesstraße Richtung St. Johann i. T. bis zur Abzweigung Scheffau. Durch den Ort und auf steiler, enger Straße zum Hintersteiner See hinauf. b) mit Bahn/Bus: Sehr gut möglich, doch beginnt und beendet man in diesem Fall die im Text beschriebene Runde nicht am Hintersteiner See, sondern an der Kaindlhütte. An der Wanderroute selbst und an den Zeiten ändert sich nichts. Von Kufstein (Schnellzughaltestelle) entweder mit dem Sessellift zum Brentenjoch, dann zu Fuß zur Kaindlhütte oder auf der Mautstraße hinauf zum Berghaus Aschenbrenner und weiter zu Fuß zur Kaindlhütte. Man kann auch von Kufstein zu Fuß aufsteigen; die Wege beginnen in der Nähe der Seilbahn (Gehzeit Kufstein – Kaindlhütte: 3 Std.).
GastronomieGaststätten am Hintersteiner See, dort im Sommer auch Badebetrieb; Walleralm, 1171 m (privat, im Sommer bewirtschaftet mit Unterkunftsmöglichkeit), Kaindlhütte, 1293 m (privat, 39 Plätze, von Anfang Mai bis Anfang November bewirtschaftet).
Höchster Punkt
Scheffauer, 2111 m.
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