Sassariente, 1768 m

Recht anspruchsvolle Gipfeltour hoch über der Magadino-Ebene mit felsigem Finale. Bergerfahrung und ein sicherer Tritt sind unerlässlich, ebenso eine ordentliche Kondition. Für den langen Abstieg sind Stöcke angenehm. Wer’s bequemer mag, startet bei den Monti di Motti (Zufahrt von Cugnasco, natürlich auch mit dem Bike möglich). (Autor: Eugen E. Hüsler)
Zu den Monti di Motti: Vom Bushalt an der Talstraße steigt man hinauf zu der quer zum Hang verlaufenden Gasse von Berzona (502 m), verlässt das malerische Dörfchen dann nach rechts. Der Weg quert das namenlose Tal (Valle) und steigt angenehm schattig in vielen Kehren hinauf zum alten Maiensäß Lignasca (844 m; 1 Std.). Knapp oberhalb des malerischen Ensembles bietet sich ein hübscher Tiefblick auf den fjordähnlichen Stausee von Vogorno (470 m). Über Corte di sopra (Brunnen) geht’s weiter kräftig bergan. Am Ansatzpunkt des Valle della Cazza mündet der Weg in eine breite Fahrspur, die von den Monti di Motti (1062 m), dem alternativen Ausgangspunkt, herüberkommt. Zum Gipfel Man folgt ihr über zwei Kehren bis zum Endpunkt und nimmt dann den alten Almweg, der in ein paar Schleifen hinaufzieht zu den Rustici der Monti di Scesa (1279 m). In einer nach Norden ausholenden Schleife steigt der Pfad weiter an zur Alpe di Foppiana (1495 m). Am Rücken der Forcarella (1642 m) stößt man auf ein rätselhaftes Bauwerk: eine sorgfältig aufgebaute Mauer, bis zu einem Meter hoch und (geschätzte) anderthalb Kilometer lang. Sie wurde 1949 von internierten Polen angelegt und erstreckt sich ostwärts bis zum Vorgipfel der Cima di Sassello (1891 m) – doch wozu? Der Gipfelweg führt aus der engen Scharte nördlich des Sassariente kurz abwärts, dann mit Hilfe einiger Sicherungen steil, aber kaum ausgesetzt zum höchsten Punkt des »silbernen « (argento) Felszahns (1768 m; 3.45 Std.). Abstieg Auf dem Hinweg steigt man ab zur Straße und folgt ihr zu den Monti di Motti (1062 m; 5 Std.), wo das Ristorante zur Einkehr lädt. Dann geht’s hinab ins Tal. Die gelben Schilder weisen den Weg: »Bazzadee« und »Gordola«. Erst durch Buchen-, dann durch Kastanienwald steigt man auf dem in Kehren verlaufenden Weg ab in die Weinberge von Gordola (222 m). Auf Asphalt geht’s zuletzt hinein in den Ort (6.30 Std.).

weinwandern

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour8 km
Höhenunterschied1550 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
StartortBerzona (502 m), Dörfchen am Ostufer des aufgestauten Lago di Vogorno
AusgangspunktBerzona, Parkplatz an der Talstraße oder Bushalt. Alternativ Monti di Motti (1062 m)
EndpunktGordola (222 m) in der Magadino-Ebene oder Monti di Motti
TourencharakterWer in der Magadino-Ebene zum Lago Maggiore unterwegs ist und nicht nur die Badehose, sondern auch die Bergschuhe dabei hat, wird natürlich nach Gipfelzielen Ausschau halten. Zur Linken ragt der Támaro stachelbewehrt in den Himmel, hinter und über dem Maggiadelta hockt massig der Gridone (2188 m), über den die Grenze zum italienischen Teil des Sees verläuft und der deshalb in Cannobio Monte Limidario heißt (von limes, Grenze). Mit ihm kann es das Felshorn nicht ganz aufnehmen, das direkt nach Gordola hinunterguckt und einen schönen Namen hat: Sassariente (1768 m). Wein und Fels Sassariente heißt aber nicht nur die Spitze des Berges, auch ein Merlot, der an seinem Fuß heranreift, trägt diese Bezeichnung auf dem Etikett. So kann man nach der Tour (oder vielleicht schon auf den Monti di Motti) mit dem passenden Roten anstoßen. Die fällt kürzer oder länger aus, je nachdem, ob man als Ausgangspunkt das Dörfchen Berzona oder die anfahrbaren Monti di Motti wählt. Trittsicherheit braucht’s in jedem Fall, denn die letzten knapp fünfzig Höhenmeter führen in die Felsen. Ein paar Eisenhaken und ein Hanfseil entschärfen diese Passage, trotzdem bleibt sie erfahrenen Berggängern vorbehalten. Kontraste Insgesamt vermittelt die Tour starke, kontrastreiche Eindrücke. Der Weg zum Gipfel und zurück ins Tal ist auch eine kleine Zeitreise: aus alt (und arm) mach neu (und reich?). Unterwegs begegnet man so manchem Rustico, das längst zum Weekendhäuschen umfunktioniert worden ist; der Blick hinab in die Magadino-Ebene zeigt eine gezähmte, auch verstümmelte Natur. Im Mündungsbereich des kanalisierten Ticino starten Kleinflugzeuge, das große Kieswerk gleich daneben grenzt an die Bolle di Magadino, mit ihrem Schilfgürtel Nistplatz zahlreicher Vogelarten. Im Rücken des Sassariente tut sich eine ganz andere Welt auf: der wilde, menschenleere Graben des Val della Porta, wuchtig überragt vom Pizzo di Vogorno (2442 m), mit ein paar Hungeralpen an seinen abschüssigen Hängen – fast schon eine Weltreise von der Glitzerwelt an den Tessiner Seen entfernt.
Beste Jahreszeit
KartentippSwisstopo 1:50 000, Blatt 276 T »Val Verzasca«
MarkierungenWeiß-rot-weiß, gelbe Wegzeiger
VerkehrsanbindungNach Berzona kommt man von Tenero bzw. Gordola über die Val-Verzasca-Straße (Postbus). Zu den Monti di Motti führt von Cugnasco eine schmale, kurvenreiche Straße, 12 km.
GastronomieMonti di Motti, April bis Oktober; Tel. 091/745 01 96
Informationen
SASSARIENTE UND ANDERE MERLOTS Bei Matasci Vini in Tenero kann man den »Wein vom Berg« und andere feine Gewächse nicht nur verkosten, sondern auch kaufen. Zur Degustation gehört (auf Wunsch) ein Besuch im Weinmuseum, das im alten Keller des Hauses untergebracht ist. Das Unternehmen, im Jahr 1921 von Giuseppe Matasci gegründet, produziert jährlich zwischen 6000 und 9000 Hektoliter Wein, überwiegend Merlot. Matasci Vini, Via Verbano 6, CH-6598 Tenero; Tel. +41(0)91/735 60 11, www.matasci-vini.ch
Tourismusbüro
Tourist Office Tenero e Valle Verzasca, Via ai Giardini, CH- 6598 Tenero; Tel. +41/(0)91/745 16 61, info@tenero-tourism.ch, www.tenero-tourism.ch

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