Salmone, 1560 m

Überraschend alpine Tour im Hinterland von Locarno. Die Überschreitung des Salmone ist ein Wanderklassiker, verlangt etwas Ausdauer und Gefühl für den richtigen Weg (teilweise sparsam markiert). Faszinierend der Tiefblick auf das Maggiadelta und den Lago Maggiore. Für den teilweise steilen Abstieg sind Wanderstöcke angenehm (Autor: Eugen E. Hüsler)
10 km
1280 m
5.00 h
Vom Dorf zum Gipfel Die Wanderung beginnt bei der Kirche von Loco (678 m; Bushalt) und führt zunächst in das schluchtartig eingerissene Tälchen des Rio del Vò. Der Hangweg quert einen Graben, steigt dann über ein paar Kehren, vorbei an der Kapelle von Sasièl, an zum Maiensäß Ighelon (834 m). Nach einem weiteren Graben, ebenfalls mit solider Brücke, öffnet sich der weite, sanft geneigte Wiesenhang von Campo mit seinen vielen verstreuten Steinhütten. Knapp vor dem Passo della Garina (1076 m; 1.30 Std.) zweigt rechts der Gipfelweg ab. Die teilweise etwas undeutliche Spur leitet im Wald bergan zur Rodungsinsel von Forcola, nähert sich dann dem Nordgrat. Über die Kuppe des Pizen (1552 m) kommt man zum Kreuz am Salmone (1560 m; 3 Std.). Abstieg Er führt über den bewaldeten Südrücken steil bergab in die Forcla (1382 m), dann links um den Testin (1422 m) herum und ohne nennenswerten Höhenverlust am Kamm entlang zum »Kopf« (Testa, 1357 m). Hier kommt man aus dem Buchenwald heraus, öffnet sich ein faszinierender Blick auf das Maggiatal (herrlicher Rastplatz). Immer steiler zieht die schmale Spur durch lichten Birkenbestand hinunter zum Maiensäß Vii (1126 m), wenig weiter stößt man auf die ersten Kastanienbäume. Angenehm schattig geht’s im Zickzack bergab, vorbei an Rustici, die offensichtlich als Weekendhäuser genutzt werden. Zweimal kreuzt man in der Folge Querwege, dann läuft der alte Plattenweg hinein nach Verscio (274 m; 5.30 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour10 km
Höhenunterschied1280 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortLoco (676 m) im unteren Valle Onsernone
AusgangspunktBushalt in Loco
EndpunktVerscio (276 m), Dorf im Pedemonte
TourencharakterDie Täler im Hinterland von Locarno sind karg, schroff, die Dörfer kleben an den steilen Hängen der Sonnseite, windungsreiche Straßen, die nach Unwettern auch mal durch Murabgänge unterbrochen sein können, verbinden sie miteinander und mit der großen Welt. Und ganz vorn, fast wie ein Wächter, thront der Salmone (1560 m), ein massiger Berg, der das Pedemonte (»am Fuß der Berge«) um immerhin 1300 Meter überragt. Verbinden sich am Ufer des Lago Maggiore alpine und mediterrane Einflüsse zu einem sehr südländischen Ambiente, so macht einem der Salmone – keine zehn Kilometer vom See entfernt – kompromisslos klar, weshalb der Sopra Ceneri als »Ticino granito« bezeichnet wird. Steine, sie sind das Baumaterial schlechthin, und nicht nur der Berge, auch Wege und Hütten sind aus Steinen gefügt, geschichtet. Unterwegs mischt sich dann in die Schweißtropfen die Erkenntnis, dass die Südalpen halt doch anders sind: steiler, heißer, wilder. Das macht aber auch einen Teil ihrer Faszination aus: unten ist tiefer, oben höher – und beides näher zusammen. Genusswanderer machen die Tour von Nord nach Süd, sie beginnen nicht ganz unten (Pedemonte), sondern im Valle Onsernone, was immerhin gut eine Aufstiegsstunde und ein paar Schweißtropfen erspart. Da genießt man nicht nur prächtige Aus- und Tiefblicke, die Tour führt auch durch mehrere Vegetationsstufen, und das fast lehrbuchmäßig, vor allem beim Abstieg ins Pedemonte. In den tiefsten Lagen sind es Kastanien und Eichen, die wohltuend Schatten spenden, darunter manch knorriger Baumveteran, oberhalb der Tausend-Meter-Höhenkote folgt dann ein fast reiner Birkenwald, schlanke, weißgesprenkelte Stämme im hohen Gras. Und weiter oben, am schönsten Rast- und Aussichtsplatz des Salmone, steht eine mächtige Buche, weit übers Tal schauend. Erst zum Gipfel hin werden die Buchen von Nadelhölzern abgelöst. Die ganz große Fernsicht bietet der Salmone nicht, dafür aber packende Tiefblicke. Von keiner anderen Stelle zeigt sich das Maggiadelta, durch den kanalisierten Wasserlauf fein säuberlich in zwei Hälften geteilt, so modellhaft. Da kann man sich leicht vorstellen, was für eine Kraft dieser Fluss entwickelt haben muss, bevor man seinen Quellbächen Fesseln in Form großer Stauseen anlegte. Felsenwasser Wem’s auf der Salmone-Überschreitung richtig warm geworden ist unter dem Hemd, der darf sich hinterher eine Abkühlung in den Granitwannen bei Ponte Brolla gönnen – im Sommer mehr als nur ein Geheimtipp, wie all die geparkten Autos entlang der Maggia verraten. Und kaum weiter als einen Steinwurf von den glatt polierten Felsen, gleich neben der Straße, laden ein paar lauschige Grotti zu pane e vino – oder einem Rivella ein.
KartentippSwisstopo 1:50 000, Blatt 276 T »Val Verzasca«
MarkierungenWeiß-rot-weiß, gelbe Wegweiser
VerkehrsanbindungIns Valle Onsernone führt von Locarno eine ordentliche Straße, via Ponte Brolla und Verscio bis Loco 13 km. Postbus
GastronomieKeine Einkehr unterwegs
Tourismusbüro
Ente Turistico Lago Maggiore, Via B. Luini 3, CH-6600 Locarno; Tel. +41/(0)91/791 00 91, buongiorno@maggiore.ch, www.maggiore. Ch

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