Rundwanderung über den Schafberg, 2573 m

Einsame Wege südöstlich von Münster (Autor: Rose Marie und Gerhard Bleyer)
18 km
1250 m
7.00 h
Rhonetal – das klingt für viele wie Musik in den Ohren: südliche Sonne, Weinberge, Aprikosenplantagen, alte Burgen und Schlösser. Kurzum – Wärme und Romantik. Darüber die scheinbar undurchdringliche Felsmauer der Berner Alpen: Gipfel mit klangvollen Namen und Gletscher, die weit in die Täler hinabreichen. Nach Süden führen teils wildromantische Bergtäler in die Hochburg der Walliser Viertausender. Doch wer horcht auf, wenn vom Goms die Rede ist, dieser beschaulichen Tallandschaft am jungen Rotten, wie die Rhone hier von den deutschsprachigen Wallisern genannt wird. Das Tal ist begrenzt von Wänden, die der Rhonegletscher glattgeschliffen und die Natur mit sattgrünen Wäldern ausgestattet hat. Es reicht von Fiesch im Westen bis zum Grimselpass im Osten. Saubere, in ihrem Charakter gleiche Dörfer reihen sich aneinander.
Die meisten Reisenden, die über den Furka-, Grimsel- oder Nufenenpass fahren, bemerken gar nicht die Schönheit des Goms. So wird diese stille, friedvolle Landschaft, die in ihrer Gesamtheit rein äußerlich so wenig Aufhebens von sich macht, immer ein Geheimtipp für diejenigen bleiben, die die Ursprünglichkeit der Natur und der dörflichen Idylle im Verborgenen suchen und zu finden wissen. Die über 2000 Meter hoch gelegenen Gletscherseen und Wasserläufe der Hochalpen, auf denen das Vieh gesömmert wird, bringen den kleinen Orten beachtliche Einnahmen: Das Wasser wird auf ausgeklügelten Wegen ins Tal zu entfernt gelegenen Industrieanlagen befördert.
Blättern wir im Buch der Vergangenheit, so ist zu lesen, dass sich die streng katholischen Oberwalliser ebenso enthusiastisch an den Religionskriegen beteiligten wie an der Gegenreformation. Und in keinem anderen Tal des Wallis hat sich die Kunst wie im Goms entwickelt. So wird das Goms auch das Land der Orgelbauer und Altarschnitzer genannt; die Blütezeit der Orgelbaukunst und Bildschnitzerei war im 17./18. Jahrhundert. In etwa 100 Jahren entstanden 70 Kirchen und Kapellen.
Die Haupterwerbsquelle der Gommer Bauern liegt in der Rinderzucht. Die braune, kleine, aber zähe Rasse verbringt die Sommermonate auf einer der zahlreichen Alpen. Im Winter müssen die Heuvorräte reichen, die in mühevoller Arbeit von Wiesen und Maiensässen herabgeholt wurden. Ist das Goms im Winter ein Tal der Langläufer, so entfliehen im Sommer Einheimische dem sonnendurchglühten Rhonetal in das etwas gemäßigtere, höher gelegene Goms. Wer das Goms richtig kennen lernen will, sollte sich Zeit nehmen und durch die Gassen der kleinen Dörfer streifen, mit den Einheimischen plaudern, die gern dazu bereit sind – stille Andacht in einer der vielen Kirchen halten, über sanfte Höhenwege und liebliche Almen wandern. Zahlreiche Wanderwege, zum Teil nur sparsam markiert, führen hinauf in die Stille einer noch intakten Bergwelt.
Der Wegverlauf.
Aufstieg und Wanderung zum Schafberg.
Von Münster-Dorfmitte ist es nicht weit zum Rotten (1360 m), der über eine Brücke gequert wird. Oberhalb von Eiget auf schmalem Wiesenpfad an schmucken Weidezäunen entlang zur Alm Berbel (1534 m). Durch schattigen Wald geht es in südöstlicher Richtung höher. Tief unter uns stürzt der Merezebach durch eine enge Schlucht. Laut hallt sein Zischen und Brodeln herauf. Auf einer Lichtung die großen Wirtschaftsgebäude der Alpe Chäller (1846 m). Zwei Hirten versorgen die Viehherde. Von hier führt ein Rundweg in gut 1 Std. zurück ins Tal.
Wir setzen unsere Wanderung am orografisch linken Ufer des Berg-baches taleinwärts fort. Zweimal ist der schäumende Bach zu queren, vorsichtig von einem Stein zum anderen springend. Über einen begrünten Buckel (Sädel, 2232 m) steiler empor. Vor uns baut sich der Gipfel des Stockji auf. Es folgt ein kurzer Abstieg nach Südwesten zu einer verfallenden Hütte hin und erneuter Anstieg durch die Teif-schlüecht, vorbei an einem Meer blauer Schusternägel und gelber Küchenschellen. Trotz Hochsommers kommen Gedanken wie später Bergfrühling. An einer verträumten kleinen Lache (2413 m) wird Brotzeit gehalten. Der Weiterweg führt über Felsen und erdige Hänge an Punkt 2498 vorbei und wendet sich bald nach Nordwesten. Wir verlassen den Steig für einen weglosen kurzen Abstecher über eine geschlossene Altschneedecke hinweg bis zum Aussichtspunkt (2573 m) am Grat vom Schafberg. Schön zeigt sich im Süden das Blinnenhorn.
Bergabwanderung nach Münster.
Zum Abzweig zurückgekehrt, geht es zu den idyllischen Hobachseen hinunter (2455 m). Berggipfel spiegeln sich in der glasklaren Oberfläche, unzählige weiße Woll-grasblüten wiegen sich im Winde. Der weitere Abstieg zieht sich steiler in den Hobachkeller hinein und führt zur Alpe Chäller im Tal des Löwwibaches (2027 m). Nach Queren des Bergbaches leitet ein breiter Fahrweg ins Tal. Wir folgen jedoch dem Hinweis Reckingen auf einem Wegweiser bei den Alpgebäuden. Recht eben verläuft der Weg durch Buschwerk und Alpenrosen, bis er sich plötzlich in Nichts auflöst. Wir müssen unsere Richtung beibehalten und uns, an einer Lichtung vorbei etwas an Höhe verlierend, auf den Hochwald zu bewegen, wo alsbald wieder Steigspuren entdeckt werden. Steil schlängelt sich der schmale Pfad über einen bewaldeten Bergrücken abwärts. Kaum dringt ein Sonnenstrahl durch das dichte Nadelwerk – das von unzähligen Baumwurzeln durchzogene Erdreich ist feucht und rutschig. Doch sobald wir aus dem Wald auf eine Bergwiese hinaustreten, grüßt die weiße Kirche von Reckingen herauf. Von Reckingen auf dem Rottenweg zurück nach Münster (oder mit der Matterhorn Gotthard Bahn).
Weitere Tourenvorschläge.
• Obergesteln – Grimselpass – Triebtenseelücke – Nassbode – Ober-gesteln (alter Grimselweg; 7 Std.);
• Ulrichen – Nufenenpass oder Griespass (Wanderung auf historischen Spuren; 4½ Std., zurück per Bus);
• Furkapass – Grossfurkahorn – Furkapass (3 Std. insgesamt);
• Münster – Brudelhorn – Ulrichen (9 Std.; unschwierig, jedoch Aus-dauer und Trittsicherheit erforderlich);• Grimselpass – Sidelhorn (3¼ Std. insgesamt).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour18 km
Höhenunterschied1250 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
StartortMünster (1388 m) im Obergoms; Start in Dorfmitte.
AusgangspunktMünster (1388 m) im Obergoms; Start in Dorfmitte.
Endpunktwie Ausgangspunkt
Tourencharaktereinsame Bergwanderung. Ausdauer nötig; im Abstieg erfordert eine kurze steile, teils rutschige Strecke zwischen Alpe Chäller und Reckingen Achtsamkeit.
Beste Jahreszeit
KartentippSAW-Wanderkarte 1:50 000, Blatt 265 T (Nufenen; mit eingezeichneten Routen).
Verkehrsanbindungsiehe Tour 39.
Gastronomieunterwegs keine.
Tipps
Swiss Nordic Parc Goms Nordic Walker finden hier 11 Routen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Die Strecken sind über den Rottenweg miteinander verbunden und bieten ein ganzheitliches Walking-Erlebnis. Nicht nur Walking-Instruktoren und eine Academy, sondern auch spezielle Hotels sind dem Park angeschlossen. Gestartet wird u.a. in Fiesch, Ernen, Bellwald, Oberwald, Reckingen, Obergesteln und auf dem Kühboden. Die Distanz liegt zwischen 5 bis 30 km. Informationen sowie Tourenbeschreibung erhältlich beim Goms Tourismus, CH-3984 Fiesch, Tel. 027/970?10?70, Internet: www.goms.ch
Unterkunft
unterwegs keine.

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