Rundtour über die Wildspitze

Anstieg

zur Höllentalangerhütte 2 Std., weiter auf die Zugspitze 5–7 Std.; insgesamt 7-9 Std. (Autor: Michael Pröttel)
27 km
2370 m
10.00 h
Freitag 5,5 km 3 Std. ’ 1020 HmHüttenzustieg Braunschweiger HütteKontrastreicher Einstieg in die Ötztaler GletscherweltMittelberg – Gletscherstüble – Braunschweiger HütteWegverlauf Vom Parkplatz in Mittelberg (1740 m) aus folgt man dem breiten Fahrweg, der parallel zur Pitze nach Südosten in Richtung Talschluss führt. Relativ flach geht es zunächst an der Jausenstation »Gletscherstüble« und an dem kleinen Häuschen der Materialseilbahn zur Braunschweiger Hütte vorbei. Man folgt noch ein Stück dem Fahrweg und biegt dann, bevor dieser die Pitze überquert, nach links in einen Fußweg ab (Schild: »Braunschweiger Hütte 45 Min.«). Bald wird das Gelände steiler und steiniger, und wir steigen in Richtung eines eindrucksvollen Wasserfalles auf. Kurz bevor dieser erreicht wird, wendet sich der Weg nach links und überwindet in einer Zickzacklinie einen ersten Felsaufschwung. Über Steinplatten gelangt man auf einen Absatz, der eine tolle Aussicht auf den unter uns liegenden Talschluss bietet. Der nun flachere Weg stößt bald darauf auf den 2006 in den Fels gesprengten sogenannten »Notweg« des Pitztaler Skigebietes. Diesem unverhältnismäßig breiten Fahrweg muss man nun ein Stück lang nach links folgen und kann nur den Kopf darüber schütteln, dass so eine Landschaftsverschan-delung noch in unseren vom Klimawandel bedrohten Zeiten durch-geführt werden konnte. Bald jedoch können wir diesen Fahrweg verlassen, indem man einem kleinen Holzschild »Braunschweiger Hütte« auf einem Pfad nach links folgt. Der nun wieder sehr schöne Aufstieg wird erneut steiler, von links kommt ein weiterer Aufstiegsweg hinzu (siehe: »Alternative«), und man steigt in einigen Serpentinen weiter bergan. Man biegt um eine Ecke und hat plötzlich eine wunderbare Aussicht auf den Mittelbergferner, die man auf einer kleinen Holzbank ausgiebig genießen kann (2.30 Std.). Kurz darauf sieht man auch schon die Braunschweiger Hütte vor sich stehen und erreicht sie über Felsblockgelände (3 Std., 2759 m).Samstag 20 km 9.30 Std. ’ 1200 Hm, ‘1350 HmÜber die Wildspitze zum TaschachhausAusgedehnte Gletschertour zum höchsten Gipfel TirolsBraunschweiger Hütte – Mittelbergjoch – Taschachferner – Wildspitze – Taschachferner – TaschachhausWegverlauf Von der Braunschweiger Hütte (2759 m) geht es zunächst auf deutlichen Wegspuren nach halb links auf den Linken Fernerkogel zu. Bei einer Gabelung folgen wir rechts dem Schild »Gletscherbahn«. Weiter absteigend queren wir den Gletscherbach des Karlesferners und steigen danach über ein breites Blockfeld weiter, auf dem Markierungsstangen den Weg anzeigen. Dort, wo man den Gletscher bereits unter sich sieht, geht man noch ein Stück weiter geradeaus, wendet sich dann nach rechts und erreicht schließlich den breiten, flachen Mittelbergferner, auf dem man bei Blankeis sogleich die Steigeisen anlegen sollte (0.30 Std.). Man hält sich noch ein Stück auf dem mit Stangen markierten Gletscherweg in Richtung Gletscherbahn. Bald jedoch wendet man sich halb links ab und geht in südwestliche Richtung auf das von Weitem schon sichtbare Mittelbergjoch zu. Man bleibt also immer ein gutes Stück östlich der rechts von uns sichtbaren Liftanlagen der Pitztaler Gletscherbahn. Nachdem man einige harmlose Spalten überquert hat, passiert man noch einmal kurz Felsgelände, bevor wir wieder auf dem Gletscher etwas steiler bergan steigen. Über diesen mäßig steilen Gletscherhang läuft im Hochsommer zumeist ein Gletscherbach hinab, der jedoch ohne große Probleme überschritten werden kann. Nachdem das Gelände wieder flacher wird, wandert man immer in der gleichen Richtung weiter und erreicht schließlich das markante Mittelbergjoch (1.45 Std., 3166 m), von wo aus man die Wildspitze und ihre Nachbarberge beeindruckend vor sich aufragen sieht. Der Großteil des weiteren Aufstiegs ist von hier aus bereits gut auszumachen. Es folgt ein steilerer, gletscherfreier Abstieg über deutliche Weg-spuren hinab in das obere Gletscherbecken des Taschachferners, wo von rechts (vom Taschachhaus) her kommende Aufstiegsspuren hinzustoßen (2.15 Std.). Spätestens hier muss man anseilen. Es geht nun erst flach, dann leicht ansteigend südwestlich weiter und somit in sicherem Abstand an links von uns drohenden Gletscherbrüchen vorbei. Diese Spaltenzonen umgehen wir in einem großen Links-bogen (Vorsicht: Auch auf unserem Anstiegsweg herrscht Spalten-gefahr!) und gelangen so auf das flache Gletscherplateau, das vom Hinteren Brochkogel zur Wildspitze hin leitet. Jetzt liegt der Gipfelanstieg bereits deutlich vor uns. Indem man nun weiter nach Osten stapft, ersteigt man bald einen letzten steileren Gletscherhang und wendet sich dann leicht nach rechts, um den Ansatz des Wildspitze-Südgrates zu erreichen (4.45 Std.). Von hier aus geht es ohne Orientierungsprobleme noch in Eis und Schnee, dann im Fels in leichter Kletterei zum höchsten Punkt Tirols hinauf, der Wildspitze (5 Std., 3768 m). Die großartige Aussicht reicht vom Similaun über die Weißkugel bis hin zum wild vergletscherten Massiv der Ortlergruppe.Für den Abstieg folgt man zunächst dem Anstiegsweg bis in das erwähnte Gletscherbecken des Taschachferners (7 Std.). Hier geht man nun nicht wieder zum Mittelbergjoch hinauf, sondern weiter geradeaus auf die links vom Joch aufragende Felsflanke zu. Meistens kann man in dem Gletscherbecken die Aufstiegsspuren vom Taschachhaus benützen. Man wendet sich dann leicht nach links, steigt etwa in der Mitte des Gletschers leichter bergab und hält sich dann erneut nach rechts, um wieder recht flach die felsige Seitenmoräne anzusteuern, auf der Steinmänner sichtbar sind. Nachdem man auf die Moräne aufgestiegen ist und das Seil abgelegt hat, folgt man einem nun außerordentlich schönen Weg, der immer an der Kante der steilen Seitenmoräne nach Westen hinabführt. Es werden tolle Blicke auf die be-eindruckenden Gletscherbrüche des Taschachferners frei. Man kommt an einem kleinen Eissee vorbei, dahinter ist der Weg kurzzeitig recht ausgesetzt. Trittsicherheit ist noch einmal erforderlich. Der Pfad führt in einigen Serpentinen steiler bergab und erreicht einen Gelände-absatz (8.15 Std.). Hier wendet man sich nach links in Richtung Gletscher (Beschilderung »Taschachhaus«, nicht geradeaus dem direkten Weg ins Taschachtal folgen!). Auf einem erodierten Steig geht es zum Gletscher hinab, wo man noch einmal Steigeisen anlegen sollte, denn es muss ein kurzer Hang erstiegen werden, der im Hochsommer zumeist Blankeis aufweist. (Anseilen ist hier für die Überquerung des Taschachferners in der Regel nicht notwendig.) Man quert den flachen Gletscherabsatz gerade nach Westen und erreicht die gegenüberliegende Seitenmoräne in Höhe einer hölzernen Markierungsstange. Hier sieht man auch schon bald diverse Wegspuren. Man muss gut auf die roten Markierungen und Steinmänner achten und gelangt so wieder zu einem deutlichen Steig, der die steile Ostflanke des Urkundkopfs quert. Letzte ausgesetzte Passagen werden mithilfe von Drahtseilen unschwierig überwunden, bevor man schließlich unter sich das große Taschachhaus sieht, zu dem uns der Weg schließlich angenehm bergab führt (9.30 Std., 2434 m).Alternative Man kann den Gipfel der Wildspitze auch in einer kleinen Gipfelrunde überschreiten. Hierfür wendet man sich im allerobersten Gletscher-becken, dort wo es wieder flacher wird, nach links und steigt über einen stei-leren Hang zum Nordwestgrat empor. Sobald man diesen erreicht hat, geht es immer dem Kamm folgend zum Teil recht ausgesetzt über den Wildspitze-Nordgipfel bis zum höchsten Punkt am Südgipfel hinauf. Der Abstieg erfolgt dann über den felsigen Südgrat.Sonntag 10,5 km 3.30 Std. ’ 700 Hm, ‘1200 HmÜber den Fuldaer Höhenweg zurück nach MittelbergGemütlicher Ausklang mit großartigen AusblickenTaschachhaus – Fuldaer Höhenweg – MittelbergWegverlauf Man geht vor dem Hütteneingang stehend nach rechts an der Hütte vorbei und steigt auf deut-lichem Weg südwestlich zum Sexegertenbach ab. Diesen überquert man auf einer Brücke und folgt auf der anderen Seite dem Schild »Offenbacher Höhenweg«. Angenehm ansteigend quert der Weg nun einen breiten Berghang in Richtung Norden. Wo das Gelände flacher wird, überquert man auf zwei Brücken einen schönen Bach und hat noch einmal einen wunderbaren Blick zum beeindruckenden Taschachferner und vor allem zur Wildspitze. Kurz danach kommt man an eine Weggabelung, von wo aus der »Offen-bacher Höhenweg« nach rechts abzweigt (0.75 Std.). Wir aber gehen weiter geradeaus und folgen somit dem deutlich leichteren »Fuldaer Höhenweg«. In leichtem Auf und Ab wandern wir immer hoch über dem Taschachtal nach Nordosten weiter. Nach einem kurzen Abstieg wird eine Felsstufe auf einem drahtseil-versicherten Steig überwunden. Zwei Abzweigungen nach rechts ignoriert man und bleibt somit immer auf dem deutlichsten Weg. Ein Bach wird zweimal überquert, es geht wieder leicht bergan, und man gelangt auf einen wunderschönen Wiesenabsatz, der sich für eine Pause geradezu aufdrängt. Der Weg führt uns schließlich in einem Bogen hinab zum Riffelsee (2.30 Std., 2234 m). Kurz vor dem See wendet man sich noch vor der Brücke nach rechts und steigt über einen Fußweg parallel zum Seebach nun steiler hinab ins Taschach-tal. Der Weg führt ein wenig vom Bach weg, dann wieder zu ihm hin und stößt schließlich auf einen Fahrweg, dem man ins Tal folgt. Man trifft auf den breiten Talweg des Taschachtales und folgt diesem nach rechts. Nachdem man die Taschachalm passiert hat, führt ein unmarkierter Weg rechts von der Fahrstraße hinab zu einer breiten Holzbrücke über den Taschachbach. Über diese erreicht man den Großparkplatz der Gletscherbahn und, indem man in der gleichen Richtung weitergeht, unseren Ausgangspunkt (3.30 Std., 1740 m).Alternative Wer noch einen richtigen Gipfeltag dranhängen möchte, kann am Sonntag an-statt des Fuldaer Höhenwegs den Offenbacher Höhenweg begehen. An beschriebener Abzweigung hält man sich hierzu links und folgt den Markierungen zunächst flacher, später in steilen Serpentinen, auf den Ostgrat und schließlich nach links bis zum höchsten Punkt des Wurmtaler Kopfes (3228 m). Es geht weiter dem Grat folgend an einer Biwakschachtel vorbei und zum obersten, südlichen Gletscherbecken des Riffelferners hinab. Sobald man das große Gletscherbecken erreicht, wendet man sich nach rechts und folgt nun immer dem Tal des Riffelbachs nach Nordwesten zum Riffelsee. Von dort wie oben beschrieben zurück nach Mittelberg (Gehzeit gesamt ca. 7 Std., 800 Hm).Zweitagesvariante Wer nur Samstag und Sonntag Zeit hat, der kann am Samstag nach der Besteigung der Wildspitze direkt ins Tal zurücksteigen und den Umweg über das Taschachhaus weglassen. Hierzu wird beim Geländeabsatz der Taschachferner nicht überquert, sondern man folgt weiter einem schlecht markierten wildroman-tischen Pfad, der nördlich des Taschachferners entlang der Seiten-moräne zum Talboden hinabführt. Achtung: kurz oberhalb des Tal-bodens links an den Gletscherschliffen vorbeigehen! Geradeaus wartet unwegsames steiles Gelände. Vom Talgrund wandert man auf breitem Fahrweg nach Mittelberg hinab. Ab Geländeabsatz 3.30 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour27 km
Höhenunterschied2370 m
Dauer10.00 h
AusgangspunktMittelberg (1740 m).
TourencharakterAuf dieser sowohl landschaftlich als auch höhenmäßig einzigartigen Gletscherrunde zeigt sich überdeutlich, wie wichtig es ist, das unvergleichbare Hochgebirge und insbesondere die Gletscherwelt zu bewahren. Denn auf dem Anstiegsweg zur Braunschweiger Hütte kommt man an einer beispiellosen Bausünde vorbei. Um in Salamitaktik die Erweiterung ihres Skigebiets voranzutreiben, sprengten die Verantwortlichen der Pitztaler Gletscherbahn im Herbst 2006 einen breiten Fahrweg, als »Notabfahrt« bezeichnet, in den wunderschönen Talschluss des Pitztales. Und dies sogar ohne offizielle Genehmigung. Zwei Jahre später – während der Fertigstellung dieses Buches – verfügte der Umwelt-senat in Wien eine nachträgliche Umweltverträglichkeitsprüfung, da laut Gutachten »der Weg das Landschaftsbild beeinträchtige und den Gletscher erheblich schädige«. Diesem Urteil kann sich der Autor dieses Führers, der als Präsident von Mountain Wilderness Deutschland bereits dreimal vor Ort für den Erhalt einer intakten Gletscherwelt demonstrierte, nur anschließen. In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern einerseits etwas Nachdenklichkeit beim Hüttenzustieg, andererseits aber auch ganz viel Freude und Begeisterung auf dieser nach wie vor großartigen Runde, die uns vom Mittelbergferner über die Wildspitze ins wunderschöne Taschachtal führt, wo das perfekte Bergwochenende auf dem gleichermaßen gemütlichen wie aussichtsreichen Fuldaer Höhenweg ausklingt.
Beste Jahreszeit
KartentippAlpenvereinskarte Nr. 30/6 »Ötztaler Alpen – Wildspitze« 1:25000.
VerkehrsanbindungÜber die Inntalautobahn bis zur Ausfahrt »Imst/Pitztal« und weiter der Beschilderung »Pitztal« folgen. Kommt man aus dem bayerischen Oberland bzw. aus dem Allgäu, fährt man kürzer über den Fernpass nach Imst und von hier zum ausgeschilderten Pitztal. (Vorteil: Man braucht auf dieser Strecke keine Autobahnvignette.) Nun immer auf der Hauptstraße bis zu ihrem Ende in Mittelberg (Parkplatz ganz hinten am Schluss der Teerstraße). Öffentliche Verkehrsmittel: Es verkehrt ein Bus vom Bahnhof Imst bis nach Mittelberg. Verbindungen unter www.oebb.at.
Unterkunft
Braunschweiger Hütte (DAV, 2759 m), Tel. 0043/664/5353722, www.braunschweiger-huette.at; Taschachhaus (DAV, 2434 m), Tel. 0043/664/1384465, www.taschachhaus.com.