Rundtour am Simssee

Einfache Halbtagswanderung auf Wander- und Feldwegen sowie Nebenstraßen; auch mit Kinderwagen möglich (Autor: Dr. Wilfried und Lisa Bahnmüller)
14 km
100 m
3.00 h
Nach dem Waginger See ist der Simssee das drittgrößte Gewässer des Chiemgaus. Gut sechs Kilometer lang und bis zu zwei Kilometer breit erstreckt er sich zwischen dem Kurort Bad Endorf im Norden und den beiden Dörfern Stephanskirchen und Riedering im Süden. Dabei ist der Simssee nur der klägliche Rest des einstigen eiszeitlichen Rosenheimer Sees, der nach der Inngletscherschmelze der letzten Eiszeit entstand und einst fast die Größe des Bodensees erreichte. Nach dem Zweiten Weltkrieg verkauften viele Bauern ihre Seegrundstücke an reiche Städter für ihre Ferien- und Wochenendhäuschen – zum Glück haben heute aber strenge Gesetze diesem Ausverkauf des Ufers ein Ende gemacht, und so finden wir neben fünf ausgewiesenen Strandbädern auch noch unberührte Uferzonen. Zum Baden geeignet sind die Strände in Baierbach, Pietzing, Krottenmühl und bei Ecking. Dort ist auchWindsurfen erlaubt; nur Motorboote sind verboten, denn diese stehen allein den heimischen Berufsfischern zur Verfügung, was für fangfrischen Fisch auf den Tellern der umliegenden Gasthäuser sorgt.
Eine Besonderheit stellt der schmale Moränenzug des Weilers Weinberg dar, der gleichzeitig Ausgangspunkt unserer Wanderrunde ist; er bildete früher einmal das Seeufer des Simssees. Der Name kommt nicht von ungefähr, denn man konnte nachweisen, dass hier im Mittelalter tatsächlich Wein angebaut wurde. Das erste Haus ist ein weithin bekanntes Gasthaus, der »Gocklwirt«. Es entstand 1955 aus einer Hühnerfarm, die ihm den Namen gab, und entwickelte sich zu einem berühmten, aber dennoch bezahlbaren Feinschmeckerlokal. Die eigentliche Attraktion neben der Küche ist jedoch die ungewöhnlich reiche Sammlung an alten bäuerlichen Geräten, die rund um das Haus aufgestellt sind. Und das zweite Highlight beim »Gocklwirt« ist die Weltuhr, ein Wunderwerk der Mechanik, das Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurde. 14 Zifferblätter zeigen die Zeiten an verschiedenen Orten der Welt an, und 50 Figuren erscheinen und verschwinden zu verschiedenen Stunden oder Tagen. Die Weltkugel dreht sich in genau 24 Stunden, und Schaltjahre sind bis zum Jahr 10 000 exakt vorprogrammiert. Bei der täglichen Vorführung steht man staunend vor diesem Meisterwerk, das mit reiner Mechanik Dinge vollbringt, von denen man heute glaubt, sie seien nur mit dem Computer möglich. Wir beginnen unsere Wanderung im Wirtsgarten des »Gocklwirts«. Durch einen hölzernen Torbogen geht es auf dem alten Seegrund zum See hinunter. Dabei durchwandern wir einen Jungwald, der auf dem inzwischen entwässerten Moor hoch emporwächst. Nach etwa 10 Minuten stoßen wir auf den Toni-Rietz-Weg, mit dem der Erschließer des Simssee-Südufers, Toni Ritz, geehrte wurde. Auf seine Initiative hin erschloss man viele schöne Wanderwege. Nach rechts wandern wir zunächst durch den Wald, dann im breiten Schilfgürtel des Simssees mit mehr oder weniger großem Abstand zum See am Ufer entlang. Wir befinden uns im Naturschutzgebiet Südlicher Simssee und sollten deshalb die Wege nicht verlassen, um die empfindliche Natur nicht zu stören. Über dem See lugt der Turm von Pitzenkirchen hervor, an dem wir später vorbeiwandern werden. Wir überqueren die beiden Arme der Sims, die bei Rosenheim in den Inn mündet, und und wandern auf den Ort Ecking zu. Vor dem ersten Haus wendet sich unser Weg nach links (ein zweiter schmaler Pfad führt geradeaus den Hügel hinauf; hier werden wir am Ende unserer Wanderung zurückkommen). Nach nur 100Metern verzweigt sich unser Weg; wir halten uns links und wandern zur Fahrstraße. Dort biegen wir links ein und marschieren Richtung See. Beim Schild »Seewirt« überqueren wir den kleinen Bach nach rechts und wandern auf dem Simsseewanderweg weiter. Bei einem großen Sägewerk erreichen wir den Ort Pitzing, lassen die Säge rechts liegen und gehen auf dem Mühlenweg durch den Ort. Vor dem großen Bauernhof, der uns den Weg versperrt, wenden wir uns nach rechts. Diese unverputzten Bauernhöfe sind für den Chiemgau sehr typisch. Man nennt sie Itakerhöfe, weil sie im 19. Jahrhundert von italienischen Wandermaurern gebaut wurden.
Wir überqueren die Hauptstraße und wandern auf dem ungeteerten Sträßlein geradeaus in den Wald. Rechts unter uns verläuft der Fellbach, er führt noch kaum Wasser. Das finden wir im Mühlkanal auf der linken Seite unserer Straße. Nach ein paar hundert Metern verläuft dieser Kanal direkt neben unserem Weg, und an dieser Stelle weist uns das Schild »Wanderweg« nach links. Wir überqueren den Kanal auf einer kleinen Brücke und steigen den Moränenhügel hinauf Richtung Pitzenkirchen. Vorsicht, auf manchen Karten sieht es so aus, als ob der Weg bereits vorne an der Hauptstraße abzweigen würde!
Unser Weg führt zwischen Friedhof und Kirche durch, die den Heiligen Stephanus und Laurentius geweiht ist. Sie wurde 1882 in neugotischem Stil gebaut und bietet ein gutes Beispiel dieses historisierenden Stils. Der Teerstraße unterhalb der Kirche folgend, wenden wir uns nach rechts Richtung Söllhuben-Neukirchen (Wegweiser). An der neu renovierten Leonhardskapelle vorbei passieren wir ein flaches Tal und wandern dann immer geradeaus an den Höfen des Weilers Ackersdorf vorbei. Vergessen Sie nicht, hier einen Blick auf die schöne Sonnenuhr am Hohensteinerhof zu werfen!
Nach dem letzten Hof geht die geteerte Straße in einen Feldweg über, und nach etwa 150Metern gehen wir auf dem quer verlaufenden Weg nach rechts hinab zur Obermühle. Hier wenden wir uns nach links und wandern auf der Fahrstraße durch den Weiler Mühlham. Etwa 200Meter nach dem Ortsende führt unser Weg rechts von der Straße weg über eine Wiese in den Wald. Wir passieren eine Lichtung, halten uns bei der Weggabel mit der Sitzbank rechts und erreichen Wolferkam. ImOrtmüssen wir aufpassen - Wir biegen bei der ersten Straße, auf die wir stoßen, nach links und nicht in die breitere Hauptstraße, die etwas rechts davon durch den Ort führt. An einem alten Backofen vorbei wandern wir aus dem Ort und treffen nach einer weiten Rechtskurve auf eine Querstraße. Wir wenden uns erneut nach links, biegen aber schon nach etwa 100Metern rechts in einen Feldweg ein, der in flacher Steigung auf einen kleinen Hügel führt. Ganz oben steht eine junge Buche, und die Bank darunter lädt zur Schaurast ein. Nun wandern wir weiter auf der von hier ab betonierten Straße den Hügel hinunter und auf Bergham zu. Vor dem unverputzten Itakerhof biegen wir rechts ab, passieren den lang gestreckten Bauernhof und nehmen dann links die schmale Teerstraße, die zum Wald hinunterführt und dort rechts abbiegt. Wir gehen hier aber geradeaus und auf einem etwas steinigenWeg den Hügel hinab. Nach wenigen Minuten öffnet sich der Wald etwas, und schräg nach links haltend kommen wir in ein kleines Bachtal.Wer die Wanderung im Winter unternimmt, findet das Ufer des Bachs oft mit einer dicken Eisschicht bedeckt. Wir steigen den Gegenhang hinauf und durchqueren Neukirchen auf dem Berghamer Weg. Nach dem Café Mesner Alm kommen wir zur Wallfahrtskirche Maria Stern, die direkt am Ortsrand liegt; so können wir vom Friedhof aus nochmals weit über den Simssee blicken. Eine breite Teerstraße bringt uns den Hügel hinab nach Ecking, wo wir die Hauptstraße überqueren und hinter dem Bauernhof unterhalb der Straße auf unseren Hinweg treffen. Auf ihm wandern wir zum »Gocklwirt« zurück.

Gute Erreichbarkeit mit dem Öffentlichen-Personen-Nahverkehr (Bus/Bahn)

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour14 km
Höhenunterschied100 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
StartortBaierbach bei Stephanskirchen
AusgangspunktDer »Gocklwirt« in Baierbach bei Stephanskirchen
EndpunktDer »Gocklwirt« in Baierbach bei Stephanskirchen
TourencharakterDer Simssee ist seit jeher ein beliebtes Naherholungsgebiet der Rosenheimer, liegt er doch nur acht Kilometer vom Stadtrand entfernt. Besonders in den Sommermonaten sind an Wochenenden und nach Feierabend die Badezonen am Ufer voll – ein Geheimtipp ist dieser See also sicher nicht mehr, jedoch liegt er so bezaubernd in die Landschaft eingebettet, dass ihm dies keinen Abbruch tut.
Hinweise
Gute Erreichbarkeit mit Bussen/Bahnen
KartentippKompass 1 - 50 000, Blatt 181 Rosenheim–Bad Aibling
Markierungen
VerkehrsanbindungAuto. Auf der A 8 München– Salzburg bis zur Ausfahrt Rosenheim und auf dem Autobahnzubringer Richtung Rosenheim; dort nach der Kirche Heilig Blut rechts auf die Ortsumgehung und den Schildern Richtung Stephanskirchen (nicht Stephanskirchen- Ziegelberg) folgen; dort vor der Bahnschranke den Schildern »Gocklwirt« nachfahren. Parkmöglichkeit nach der Bahnunterführung beim Wirt oder links auf dem öffentlichen Parkplatz Bahn. Bahnstrecke München– Salzburg. Haltestelle Rosenheim, dann mit dem Bus nach Stephanskirchen
Gastronomie»Gocklwirt« in Weinberg (erst ab 13 Uhr geöffnet); Seewirt am Badeplatz Ecking; Café Mesner Alm in Neukirchen
Verleih
Informationen
Zum »Gocklwirt« gehört auch eine kleine Minigolfanlage, an der wir nach unserer Tour noch unser Geschick beweisen können.
Höchster Punkt
Tourismusbüro
Urlaubsregion Simssee, Schoemeringer Str. 16, 83071 Stephanskirchen, Tel. 08036/615, www.simssee.org

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