Rund um die Tofana di Rozes

Große Wanderrunde im Bann der Tofane. Monumentale Landschaftseindrücke, teilweise raue Wege. Trittsicherheit und etwas Ausdauer sind unerlässlich. (Autor: Eugen E. Hüsler)
14 km
1330 m
6.00 h
Dolomitenkrieg.
Die Wanderung rund um die Tofana di Rozes führt nicht nur in einen der spektakulärsten Bergräume der Ampezzaner Dolomiten, sie ist auch eine Reise in die Vergangenheit. Während des Ersten Weltkriegs verlief die Dolomitenfront über das Massiv; besonders heftig wurde um den Castelletto (2656 m), den westseitigen Felsvorbau, gerungen. Auch heute noch stößt man allenthalben auf Spuren jener unseligen Zeit.
Die Wanderung startet an der Großen Dolomitenstraße (Pian dei Menìs, 1985 m) und führt durch den Wald in einer Viertelstunde sanft bergan zu einer ehemaligen Militärstraße. Deren linker Ast diente einst als Zufahrt zum großen Feldlazarett unter den Falzáregotürmen; der rechte steigt in weiten Schleifen bis in die Karmulde unterhalb der Forcella Col dei Bos (2331 m) an. Die nie ganz vollendete Trasse verliert sich schließlich in der weiten Senke (1.15 Std.). An der Wegkreuzung hält man sich rechts und folgt dem Weg, der gegen die Südwand des Castelletto ansteigt. Im Fels gähnen die schwarzen Löcher ehemaliger Kriegsstellungen. Zu einem ganz tiefen, stockfinsteren Loch führen kurz darauf deutliche Spuren: Es handelt sich um den Zustieg zu einem ehemaligen Alpinistollen. Er ist 500 Meter lang, steigt steil an, mündet im Rücken des Castelletto und dient mittlerweile als Zugang zur beliebten Via ferrata Lipella.
Aussicht.
Unsere Route ist kein Klettersteig, sondern ein Höhenweg, und ein sehr aussichtsreicher noch dazu. Er folgt in leichtem Auf und Ab dem Südwandfuß der Tofana di Rozes und bietet freie Sicht auf zahl-reiche große Gipfel der östlichen Dolomiten (Sorapiš, Antelao, Pelmo, Civetta). Blickfangsind aber auch fünf vergleichsweise kleine Gipfel, die genau südlich aus dem Lärchenwald ragen: die Cinque Torri (2366 m). Gleich rechts dahinter erhebt sich der Nuvolau (2575 m) mit seinem Gipfelhaus, abgesetzt durch eine Scharte vom isoliert aufragenden, markanten Turm des Averau (2649 m).
Ladies first!
Die 800 Meter hohe Tofana-Südwand wurde übrigens 1901 (also im gleichen Jahr wie die Marmolada-Südwand) erstbestiegen, und auch hier war das weibliche Geschlecht mit von der Partie: Ilona und Rolanda von Eötvös, zwei recht kapriziöse Ungarinnen der nobleren Gesellschaft, zeigten den Führern Dimai, Siorpaës und Verzi, was Frauen-power vermag. Auch der Vater der beiden Damen, Lorán Eötvös, von Beruf Physiker, war ein begeisterter Alpinist. Zusammen mit dem Sextener Bergführer Michl Innerkofler bestieg er als Erster die Rotwand (1878). Seinen Töchtern gelangen einige spektakuläre Erstbegehungen, so an der Grohmannspitze, in den Cadini und an der Cima d’Auronzo. Chapeau!
Ein bisschen klettern dürfen auch schwindelfreie Bergwanderer auf der Runde um die Tofana di Rozes: hinauf zur Grotta de Tofana. Ein mit Drahtseilen gesichertes Steiglein ermöglicht den Zustieg zu der mächtigen Grotte etwa 20Meter über dem Wandfuß.
Zur Forcella Fontananegra.
Keinen Felskontakt bietet der Weiterweg, der ohne nennenswerte Höhenunterschiede ins mächtige Geröllkar des Valon de Tofana führt. Hier stößt man auf den breiten ehemaligen Kriegs-weg, der in Serpentinen zur markanten Senke zwischen der Mittleren (Mezzo) und der Vorderen Tofana (Rozes) ansteigt. Knapp unterhalb der Forcella Fontananegra (2580 m) steht die Halbruine des ehemaligen Rifugio Cantore (2542 m) und rechts, abseits im Kar, das Denkmal für den Alpinigeneral Antonio Cadore, der hier im Sommer 1915 von einem österreichischen Scharfschützen erschossen wurde.
Abstieg ins Travenanzestal.
Im »Joch zur schwarzen Quelle«, das von Bergsturztrümmern übersät ist, lädt die Giussanihütte (2580 m; 2.45 Std.) zu einer längeren Rast vor grandioser Kulisse, bevor man den Abstieg ins Travenanzestal unter die Füße nimmt. Der ordentlich markierte Weg führt hinab in das von Felsmauern umrahmt Majarièkar. Vor sich hat man die drei Fanisspitzen (2989 m) mit dem markanten Fanisturm (2922 m). An der folgenden Verzweigung (ca. 2220 m) gehen Wanderer rechts; nur entsprechend ausgerüstete Klettersteigler nehmen die Abkürzung über die Scala Menighel. Ebenfalls ein Überbleibsel des Ersten Weltkriegs, führt diese über eine nahezu senkrechte 50-Meter-Wandstufe hinunter ins Travenanzestal. Der markierte Wanderweg umgeht diesen Abbruch rechts; am Felsfuß (4 Std.) hält man sich dann links (nicht auf Weg Nr. 403 weiter-gehen!) und folgt der deutlichen Spur, die ansteigend ins Talinnere führt. Ein Blick links hinauf in die Felsen bestätigt, wie luftig ein Abstieg über die Menighel-Leiter ist.
Über die Forcella Col dei Bos.
Im Travenanzestal hat man einen Gegenanstieg von rund 400 Höhenmetern bis hinauf in die weite Senke unter dem Col dei Bos zu bewältigen, also Zeit genug, mehr als nur einen Blick in die mächtig gebänderte Westwand der Tofana di Rozes zu werfen. Wer ein Fernglas dabei hat, kann nachgucken, ob noch ein paar leicht verspätete Klettersteigler auf der Via ferrata Lipella unterwegs sind. Sie folgt weitgehend den markanten, oft komfortabel breiten, mitunter auch nur ganz schmalen Felsbändern, die, nach Norden leicht abfallend, die gesamte riesige Mauer durchziehen.
Oben am Joch (5.15 Std.) öffnet sich dann der bereits bekannte Blick nach Süden, jetzt im Licht des Nachmittags. Und beim Abstieg zur Großen Dolomitenstraße (6 Std.) wird man dann bestimmt noch ein paar Mal zurückschauen auf die monumentale Südwand der Tofana di Rozes.

Pian dei Menìs – Rifugio Giussani 2.45 Std., zur Forcella Col dei Bos 2.30 Std., zurück zum Pian dei Menìs 45 Min. Insgesamt 6 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour14 km
Höhenunterschied1330 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
StartortCortina d’Ampezzo (1211m), weltberühmter Ferienort in den östlichen Dolomiten
AusgangspunktPian dei Menìs (1985m) an der Ostrampe der Falzárego-Passstraße, 2 km östlich unterhalb der Scheitelhöhe. Große Parkfläche, Bushaltestelle
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterZigtausende verdrehen sich jedes Jahr auf der Fahrt von Cortina d’Ampezzo hinauf zum Falzáregopass den Hals nach der riesigen Südwand der Tofana di Rozes. Anderthalb Kilometer hoch ragt sie über der Großen Dolomitenstraße in den blauen Himmel – Felsarchitektur vom Feinsten. Besteigen lässt sich der Dreitausender natürlich auch, und auf dem Normalweg ist das nicht einmal besonders schwierig. Und dann gibt’s noch den Giro della Tofana, eine der genussvollsten Wanderungen der Dolomiten. Dabei kann man den Koloss von allen Seiten bewundern, auch seine geröllbedeckte Nordabdachung und die massig-breite, auffallend gebänderte Westwand. Oben an der Forcella Col dei Bos kommt dann nochmals die Südwand ins Blickfeld – tolles Finale einer großen Runde. Erstmals bestiegen wurde der Gipfel übrigens 1863 von dem Wiener Paul Grohmann und seinem Führer Lacedelli.
Hinweise
Pian dei Menìs – Rifugio Giussani 2.45 Std., zur Forcella Col dei Bos 2.30 Std., zurück zum Pian dei Menìs 45 Min. Insgesamt 6 Std.
KartentippTabacco 1:25000, Blatt 03 »Cortina d’Ampezzo«
VerkehrsanbindungVon Cortina d’Ampezzo bzw. vom Passo Falzárego (2105m) über die Große Dolomitenstraße zum Pian dei Menìs
GastronomieRifugio Giussani, Mitte Juni bis 20. September, Tel. 0436/5740
Tourismusbüro
Ufficio Informazioni, Corso Italia, I-32043 Cortina d’Ampezzo, Tel. +39/0436/27 11, cortina@infodolomiti.it, www.dolomiti.org

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