Rund um die Stuttgarter Hütte

Während der Skisaison zählt das Gebiet um Lech und den Arlberg zum Berühmtesten in den gesamten Alpen. Im Sommer herrscht dort eine ganz andere Atmosphäre: Das Exklusive fehlt nun; jetzt steuern zum Beispiel Ausflugsbusse dieses Ziel an. Vor allem aber finden hier – was nur wenigen bekannt ist – geübte Bergwanderer ein außergewöhnlich reiches Betätigungsfeld. In keiner anderen Region stehen so viele große Felsberge aus Kalk, die sich auf einem Steig – allerdings oft nicht ganz einfach – erreichen lassen. (Autor: Dieter Seibert)
16 km
350 m
4.00 h

Die wenigsten Stützpunkte können mit einem so eleganten, abwechslungsreichen und spannenden Zugang aufwarten wie die Stuttgarter Hütte. Heute liegt das Ziel sogar 20 m tiefer als der Ausgangspunkt – die große Seilbahn zum Rüfikopf macht's möglich. Karböden mit schönen Mattenpolstern, drei Scharten und ein sehr eindrucksvolles Felsbergszenario lassen bestimmt keine Langeweile aufkommen. Der Fels an den meisten Gipfeln ist auffallend zerborsten, große Geröllreißen am Fuß der Wände sie die Folge davon. Dieses typische Bild schafft das hier vorherrschende Gestein Hauptdolomit.

Man kann die Tour zudem mit der Besteigung von nicht weniger als vier mächtigen Kalkgipfeln, auf die kleine Steige führen, »anreichern«. Außer denen, die noch genauer beschrieben werden, gibt es noch die Rüfispitze (2632 m), die man in 1 1/2 Std. über steiles, schuttreiches Gelände mit mancher einfachen Kletterstelle (I) vom Monzabonjoch aus besteigt. Relativ einfach lässt sich die Fanggekarspitze (2640 m, Aufstieg 1 1/2 Std.) erreichen; man wandert von der Hütte über grüne Böden zum Erlijoch (2430 m), steigt auf einem Minipfad steil und steinig zum Hohen Kasten hinauf und folgt dann dem Grat zum Gipfel mit seinem großen Kreuz.

Vom Rüfikopf zur Stuttgarter Hütte (2305 m)

Wir fahren zunächst mit der Seilbahn zur Bergstation (2325 m). Auf einer breiten Rampe geht es rechts am Rüfikopf (2362 m, kurzer Abstecher) vorbei, wenige Meter empor in eine Lücke und drüben zwischen intensiv roten Felsen hinab ins Monzabonjoch (2270 m). Hier wenden wir uns nach links und laufen über die Hänge erst gerade, dann schräg hinab auf den von Bachläufen zerteilten Boden des Ochsengümples (tiefste Stelle 2180 m) am Fuß der wild zerklüfteten Rüfispitz-Nordwand. Erst geht es eben, dann steigend in den Hintergrund des Hochtals, bei der Verzweigung unter dem Bockbachsattel rechts und in einem Bogen über Gras und Geröll in die Rauhekopfscharte (2415 m, höchster Punkt). Wir wandern über den ersten Hang hinab und queren dann noch lange zur Stuttgarter Hütte.

Von der Hütte nach Zürs

Von der Hütte führt ein Weg in eine kleine Grasmulde hinab und zur Kante, wo das Gelände steil wird. Hier rechts unter den Felsen geht es über die Halden (mit vielen Murmeltieren) schräg abwärts zum Wangbach, auf der anderen Seite durch eine Lücke und hinab auf den breiten, teilweise steinigen Boden des Pazieltals. Wir wechseln auf die andere Talseite, steigen wieder etwas empor zur Trittalpe und dann auf Fuß- und Fahrweg hinab nach Zürs (1720 m, Bus nach Lech).
Gipfel am Weg – Wösterspitzen (2556 m).

Im Norden über dem Ochsengümple ragt das breite Massiv der drei Wösterspitzen auf. Vom Bockbachsattel führt ein kleiner Pfad über den weiten Grasrücken und einen Vorgipfel zum Massiv, das sich plötzlich steil aufschwingt. Trotz des Steigleins braucht man unbedingt gute Trittsicherheit, um in dem steilen Gelände aus Gras, Blumen und schönem, festem Fels ohne Probleme hinaufzuturnen. Ein ganz kurzer, aber schmaler Grat führt dann auf die Südliche Wösterspitze (2537 m, 50 Min. ab Höhenweg). Wer Lust hat, kann dem nun harmlosen Rücken noch 500 m bis zum Hauptgipfel folgen.

Zusätzliche Tour – Trittkopf

Unter allen »Wegebergen« in der Region nimmt der Trittkopf mit der stolzen Höhe von 2720 m eine Sonderstellung ein. Als äußerster Vorposten der Lechtaler Alpen bietet er zudem ein Panorama der Extraklasse, zu dem etwa die so markanten Felsgipfel des Verwalls wie der Patteriol (3056 m) gehören. Von der Stuttgarter Hütte wandern wir auf dem Boschweg quer durch die Steilhänge der Rockspitze (2747 m), dem wildesten Gesellen in der Region, ins Pazielkar mit groben Blockwerk und einer Art Minigletscher, von dem ein Steig ohne größere Schwierigkeiten auf den Trittkopf führt (2 1/2 Std.). Um noch mehr zu erleben, kehrt man nicht über den Boschweg zurück, sondern steigt nach Süden ab: Es geht wieder hinab zum Firnfeld und nochmals kurz empor in eine Gratlücke (2590 m) links der Trittscharte. Drüben steigt man zwischen malerischen Felsformationen, dann über die steilen Hänge schräg hinab zur Ulmer Hütte (2279 m, DAV, 88 Schlafplätze, Tel., 0043/5582/241). Durch das Valfagehrtal wandern wir hinaus nach Rauz (1620 m); gesamter Abstieg etwa 2 3/4 Std. Mit dem Bus fahren wir dann zurück nach Lech.

Mit Familie und Kindern

Die relativ abwechslungsreiche Rundtour ohne größere »Hatscher« eignet sich auch für größere Kinder, denen das Laufen nichts ausmacht. Mit kleinen Kindern kann man (wenn einen die Seilbahnkosten nicht abschrecken) herrlich die Zeit oben am Rüfikopf mit seinen Blumen und dem festen Fels verbummeln und dann zum Joch und zum Monzabonsee – mit den auffallenden Plattenschüssen daneben – wandern.

Dauer: Gesamtgehzeit bei der Rundtour 4 Std. Rüfikopf – Stuttgarter Hütte 2 1/2 Std. Hütte – Zürs knapp 1 1/2 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour16 km
Höhenunterschied350 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktLech (1444 m), weltbekannter Skiort im obersten Becken des Lechtals, im Sommer wesentlich ruhiger. Talstation der Seilbahn in der Ortsmitte; Parken in der Tiefgarage.
EndpunktStuttgarter Hütte (2305 m)
TourencharakterBei der Rundtour breite, viel begangene Bergwege ohne schwierige Stellen, teilweise etwas steinig und bei Nässe rutschig.
Beste Jahreszeit
KartentippFreytag & Berndt 1:50000, Blatt WK 372 Arlberggebiet.
VerkehrsanbindungAm schnellsten auf der Arlbergroute zur Alpe Rauz und über den Flexenpass nach Lech. Oder Zufahrt durch das gesamte Lechtal. Busverkehr aus allen Richtungen.
GastronomieStuttgarter Hütte (2305 m), DAV, 70 Schlafplätze, Tel. 0043/5583/2030.
Tipps
Lechtaler Alpen. Den wenigsten ist bewusst, dass die Lechtaler Alpen das höchste und bedeutendste Gebirge der gesamten Nördlichen Kalkalpen darstellen. Hier steht mit der Parseierspitze (3036 m) auch der einzige Dreitausender der Region. Weil die Gesteinsschichten fast überall senkrecht aufgerichtet sind, findet man in diesem Gebirge eine besonders schroffe und noch sehr ursprüngliche Bergwelt mit scharf und tief eingefressenen Bachtälern und gewaltigen, äußerst schroffen Felsbergen. Die meisten Gipfel bilden so wilde Gestalten, dass sie nahezu nie bestiegen werden. Wer sich näher informieren will, findet alles Wissenswerte in dem Alpenvereinsführer »Lechtaler Alpen« von Dieter Seibert.
Höchster Punkt
Stuttgarter Hütte (2305 m)
Unterkunft
Wie Einkehr.
Tourismusbüro
Lech-Tourismus, A-6764 Lech, Tel. 0043/5583/21610, E-Mail: info@lech-zuers.at.
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