Rund um die Langkofelgruppe

Recht lange, landschaftlich einmalige Höhenwanderung ohne größere Anstiege. Ein echter Klassiker; faszinierend die Ausblicke auf die Gipfel der westlichen Dolomiten. Angenehm: mehrere Einkehrmöglichkeiten an der Runde (Autor: Eugen E. Hüsler)
16 km
600 m
6.00 h
Zur Comici-Hütte.
Die große Runde startet am Sellajochhaus (2160 m) und führt gleich hinein ins malerische Bergsturzgelände der »Steinernen Stadt«, wo zwischen großen und kleinen Felstrümmern so manch zartes (und auch seltenes) Pflänzchen blüht. Mit etwas Glück kann man hier neben dem Edelweiß mehrere Steinbrecharten, Alpenaster und Türkenbund entdecken. Anschließend quert der Weg nördlich zum Rifugio Comici (2153 m; 1 Std.). Zur Linken hat man die kompakte Riesenmauer des Langkofels; fast zwei Kilometer breit, ragt sie rund 800 Meter hoch in den Himmel. Emilio Comici, der wohl beste italienische Kletterer der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, dürfte sie gut gekannt haben, wie auch die Führen in den Wänden des Sellastocks, der sich breitmassig jenseits des Sellajochs aufbaut. Weniger erbaulich sind die zahlreichen Liftmasten, die klar machen, dass Schnee (auch künstlicher) das Winterkapital ist, von dem die Grödner leben.
Ein absoluter Klassiker unter den vielen Kletterrouten am Langkofel ist jene über die Nordkante, 1913 von E.Pichl und R.Waizer eröffnet. Eduard Pichl war allerdings nicht nur ein guter Alpinist, sondern auch ein übler Antisemit, der schon früh den Ausschluss von jüdischen Mitgliedern aus der Sektion Austria des Österreichischen Alpenvereins betrieb. In den Karnischen Alpen war sogar bis in die 1990er-Jahre noch eine AV-Hütte nach ihm benannt. Erst ein halbes Jahrhundert nach Ende des Zweiten Weltkriegs konnte man sich dann zu einer Namensänderung durchringen ...
Wiesengrün und Felsgrau.
Hinter der Comici-Hütte steigt der Pfad kurz ab gegen den Plan Saslonch, ehe er sich nach Westen wendet und als Geröllspur die Senke links des Piz Ciaulonch (2114 m) ansteuert. Hier genießt man einen ersten Blick auf die grünen Wellen der Seiser Alm und das unverkennbare Profil des Schlern (2563 m). Auf dem Weiterweg kommt dann wieder mehr Felsgrau ins Bild: zunächst die Nordflanke des Plattkofels (2964m), dann die monumentale Felskulisse des Platt- und Langkofelkars, mit der Platt-kofelkarspitze (2821 m) mittendrin. An ihrem Fuß steht auf einer Geländeschulter die Langkofelhütte (2253 m), die aber auf dieser Runde nicht tangiert wird. Der Weg quert, etwas an Höhe verlierend, zum Felsfuß der bizarren Plattkofeltürme und steigt dann gegen den Piza da Uridl (2101 m; 3.15 Std.) an, einen schönen Rastplatz. Blickfang nördlich über dem Grödner Tal sind die Geislerspitzen (Sas Rigais, 3025 m).
Der Weiterweg zur Plattkofelhütte führt, weiter sanft steigend, oberhalb der Murmeltierhütte (2132 m) vorbei, die ihren Namen nicht zufällig trägt, denn mit etwas Glück kann man hier einige dieser putzigen Tiere beobachten.
Friedrich-August-Weg.
An der Plattkofelhütte (2300 m; 4.30 Std.), direkt auf dem Fassajoch an einer geologischen Nahtlinie (Schlerndolomit/Lava/Tuffsandstein) liegend, wechselt der Rundweg auf die Südseite des Langkofelmassivs, und es wird erstmals der Blick auf die Bergketten des Fassatals frei. Auf dem Friedrich-August-Weg, der in leichtem Auf und Ab unter der Südfront des Langkofelmassivs in die Forcela de Rodela (2318m) führt, hat man ausgiebig Gelegenheit, die tief gestaffelte Parade der Dolomitenzacken abzunehmen: Rosengarten, Latemar, Valacia, Pala, Uomo, Marmolada, Padònkamm, Sella. Der Name des komfortablen Höhenwegs geht übrigens auf den letzten Sachsenkönig Friedrich August zurück, der bei seiner Abdankung 1918 gesagt haben soll (was historisch allerdings nicht verbürgt ist): »Macht doch Eiern Dreck alleene!«
Gewählter drückte sich in der Regel jener Politiker aus, dem man auf der Aussichtspromenade ebenfalls begegnet: Sandro Pertini, Antifaschist und von 1978 bis 1983 italienischer Staatspräsident. Er verbrachte seinen Sommerurlaub oft in Wolkenstein (wo ein Klettersteig nach ihm benannt ist) und hat jetzt »seine« kleine Hütte am Friedrich-August-Weg.
BergsteigerInnen.
Nach dem Blick in die Geschichte lohnt sich auch noch einer nach oben, in die Felsen des Langkofelmassivs. Zwei Gipfel sind nach berühmten Bergsteigern benannt: die Grohmannspitze (3114 m) und der Innerkoflerturm (3081 m), dessen Name an den legendären Sextener Bergführer Michl Innerkofler erinnert, der den Zacken 1880 im Alleingang erstbestieg. Zwei Ladys aus dem alpenfernen Ungarn, Rolanda und Ilona Eötvös, bestiegen 1908, geführt von A.Dimai und J.Summermatter, die Grohmannspitze über ihre Südwand – eine Tour im IV.Schwierigkeitsgrad und heute noch gerne begangen.
Panorama.
Den schönsten Blick auf die dem Fassatal zugewandte Flanke des Langkofelmassivs bietet der Col Rodela (2454 m), den man von der Forcela Rodela (2316 m) in einer halben Stunde besteigt. Der arg verbaute Hügel – beliebter Startplatz für Paraglider – gilt als einer der schönsten Aussichtspunkte der westlichen Dolomiten. Blickfang im Südosten ist die Marmolada (3343 m) mit ihrem nordseitigen Gletscher, und nicht zu übersehen sind auch die Passstraßen zum Sella- und zum Pordoijoch mit ihren zahl-reichen Serpentinen – beliebte Rennradlerstrecken.
Aus der Rodelascharte spaziert man auf einer Sandstraße hinunter zur Sellajochstraße und zum Ausgangspunkt der herrlichen Runde beim Sellajochhaus (6 Std.)

Sellajochhaus – Rifugio Comici 1 Std., Rifugio Comici – Piza da Uridl 2.15 Std., Piza da Uridl – Plattkofelhütte 1.15 Std., Plattkofelhütte – Sellajochhaus 1.30 Std. Insgesamt 6 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour16 km
Höhenunterschied600 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
StartortWolkenstein (1560m) im Grödner Tal
AusgangspunktSellajochhaus (2160m) knapp unterhalb des gleichnamigen Straßenpasses
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterBlickfang im Dolomitenpanorama von St.Ulrich ist ganz klar der Langkofel (3181m), von Nordwesten gesehen ein hoher, eleganter Felsdom. Und nicht zufällig steht oberhalb des Ortes, unweit vom gotischen Kirchlein St.Jakob, ein Denkmal für den Wiener Paul Grohmann; er war zusammen mit seinen Südtiroler Führern Peter Salcher und Franz Innerkofler im Jahr 1869 Erstbesteiger des berühmten Gipfels.
Wanderer werden dem Langkofel natürlich nicht aufs steinerne Haupt steigen, sondern respektvoll Abstand halten. Ihnen bietet sich aber die Möglichkeit, das gesamte Massiv auf Höhenwegen zu umrunden – ein absolutes Highlight in den westlichen Dolomiten. Unterwegs genießt man nicht nur packende Einblicke in Wände, Felsschluchten und Kar-winkel des Langkofelstocks, sondern immer wieder neue Fernsichten auf die Gipfelketten zwischen Geislerspitzen, Marmolada und Pala.
Hinweise
Sellajochhaus – Rifugio Comici 1 Std., Rifugio Comici – Piza da Uridl 2.15 Std., Piza da Uridl – Plattkofelhütte 1.15 Std., Plattkofelhütte – Sellajochhaus 1.30 Std. Insgesamt 6 Std.
KartentippTabacco 1:25000, Blatt 05 »Gröden–Seiseralm«
VerkehrsanbindungAus dem Grödner Tal hinauf zur Verzweigung (1871m) oberhalb von Plan de Gralba und rechts zum Sellajoch
GastronomieSellajochhaus, Mitte Juni bis Mitte Oktober, Tel. 0471/795136. Rifugio Comici, Mitte Juni bis Ende September, Tel. 0471/794121. Plattkofelhütte, Mitte Juni bis Ende September, Tel. 0462/601721. Rifugio Pertini, Mitte Juni bis Mitte September, Tel. 0336/452531. Friedrich-August-Hütte, Mitte Juni bis Ende Oktober, Tel. 0462/764919. Rifugio Salèi, Mitte Juni bis Ende September, Tel. 0462/602300
Informationen
Zu den Klassikern der Südtiroler Küche gehört das Gröstl, eigentlich ein traditionelles Resteessen aus Kartoffeln und in Stücke geschnittenes Schweine- oder Rindfleisch. Bei seiner vornehmeren Variante, dem Herrngröstl, wird Kalbfleisch verwendet. Als Beilage serviert man in der Regel einen Salat.
Tourismusbüro
Tourismusverband Gröden, I-39047 St. Christina, Dursanstr. 80/c, Tel. +39/0471/77 77 77, Fax 49 22 35, info@valgardena.it, www.valgardena.it

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