Rund um die Drei Zinnen

Rifugio Auronzo – Paternsattel – Drei- Zinnen-Hütte – Lange Alm – Forcela de l’Col de Mezo – Rifugio Auronzo (Autor: Eugen E. Hüsler)
9 km
350 m
3.00 h
Zum Paternsattel.
Viel Blech, ein ordent-liches Gewusel, aber auch eine schöne Aussicht zum Cristallomassiv empfangen den Bergwanderer auf dem in mehreren Etagen angelegten Großparkplatz. Die »Drei«, derentwegen alle hier sind, zeigen aus der Froschperspektive kaum Profil, doch das wird sich auf dieser Tour noch ändern. Hinter dem Rifugio Auronzo (2320 m), dessen Architektur nicht unbedingt Begeisterung auslöst, reiht man sich ein in den bunten, vielstimmigen Wander-Tatzelwurm. Das alte Militärsträßchen führt oberhalb des Valon de Lavaredo flach hinüber zur Cappella degli Alpini (2314 m) und weiter mit freier Sicht auf den Zackenwald der Cadinispitzen zum Rifugio Lavaredo (2344 m). Die breite Schotterpiste beschreibt einen weiten Bogen unter dem Passportenkofel (2719 m); direkter steigt ein recht steiniger Weg von der Hütte an gegen den Paternsattel (2454 m; 0.45 Std.) und zum berühmten Drei-Zinnen-Blick. Früher konnte man hier fast immer Seilschaften im Steilfels beobachten, doch in den letzten Jahrzehnten ist es entschieden ruhiger geworden - Die Jugend klettert lieber in Hallen, an talnahen Felsmauern. Alpine Routen sind mittlerweile etwas aus der Mode gekommen.
Hinüber zum Toblinger Riedl.
Zu Füßen des Wanderers liegt die ziemlich steinige Lange Alm, auf dem Rückweg sozusagen die Tribüne fürs einzigartige Drei-Zinnen-Bild. Ostseitig wird die nur karg begrünte Hochfläche mit ihren Buckeln und Dolinen von zwei markanten Zacken überragt, dem Paternkofel und dem Toblinger Knoten. Der isoliert aufragende Toblinger Knoten erinnert stark an Hollywood-Filmkulissen des Altmeisters John Ford. Wir sind aber nicht im Death Valley, sondern in den Sextener Dolomiten, und deshalb ist die nächste Einkehr auch nicht weit: die Drei-Zinnen-Hütte (2405 m; 1.30 Std.). Sie steht in der Senke des Toblinger Riedls, und bietet »Schnitzel con Kraut e Tre Cime«. Letztere machen aus der Mahlzeit ein kleines Fest und schauen direkt in den Teller – wenn’s Wetter mitspielt.
Aussicht.
Trotz dieses magischen Bildes sollte man auf einen Blick in die entgegengesetzte Richtung nicht verzichten. Etwas unterhalb des Jochs liegen, ins Grün gebettet, die seichten Bödenseen, darüber stechen die Nordabstürze der Oberbachernspitze und des Einsers (2698 m) in den Himmel.Recht attraktiv präsentiert sich vom Toblinger Riedl aus auch der Paternkofel; in seinem langgestreckten Nordgrat (durch den die »Galleria Paterna« verläuft; siehe Tour 8) fällt ein bizarrer Felsturm auf: das »Frankfurter Würstl«.
Schauwandern.
Die Fortsetzung der Drei-Zinnen-Runde führt zunächst hinab zum Rienzboden; dabei geht die Aussicht durch das Rienztal bis zur wuchtig aufragenden Berggestalt der Hohen Gaisl (3146 m). Rechter Hand ragt noch ein »Wildwestzacken« in den Himmel: der Schwabenalpenkopf (2687 m), von den Kaiserjägern im Ersten Weltkrieg zu einer Bergfestung ausgebaut. Ein wichtiger und hart umkämpfter Eckpfeiler der Dolomitenfront war auch der Monte Piana, dessen abgeplatteter Rücken sich links über dem Quelltal der Rienz erhebt.
Beim Weiterweg über die Lange Alm, der nach einem kurzen Zwischenanstieg fast flach verläuft, lohnt es sich, einen genaueren Blick in die Nordwand der Westlichen Zinne zu werfen. Nicht zu übersehen ist das riesige, um etwa 40 Meter überhängende Dach im unteren Teil der Mauer. Es wurde 1968, alsHaken, Strickleitern und Bohrmaschinen noch hoch im Kurs waren, erstmals »durchstiegen«. 2004 schaffte es Alexander Huber solo und ohne technische Hilfsmittel, später dann nochmals auf einer anderen Route (»Pan Aroma«). Unglaublich!
Der Weiterweg führt an drei Lacken vorbei, die den Rienzursprung bilden, dann kurz bergan zur Langealmhütte (2283 m; 3 Std.) in besonders schöner Lage vor den Drei Zinnen. Wie wär’s mit einer Apfelschorle auf der kleinen Terrasse?
Wenig weiter, an einem grasig-steinigen Rücken, bietet sich dann ein letzter Blick auf das berühmte Dreigestirn. Wer erst spät am Tag gestartet ist, wird hier vielleicht länger hängen bleiben als geplant. Denn an Schönwettertagen bieten die Nordwände vor dem Sonnenuntergang ein fantastisches Farbenspiel. Da beginnt der graue Fels golden zu leuchten, während die Schatten aus dem Geröllkar langsam nach oben kriechen, dann verwandelt sich das Gelb in ein Zartrosa, das schließlich verglimmt. Enrosadüra – Alpenglühen!Unter dem westlichen Zinnenvorbau führt der Weg mit schöner Aussicht auf das Cristallomassiv und die Cadinispitzen flach hinüber zur Forcela de l’Col de Mezo (2315 m) und zurück zum Ausgangspunkt der Runde beim Großparkplatz am Ende der »Drei-Zinnen-Straße« (3.30 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour9 km
Höhenunterschied350 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
StartortMisurina (1752 m) am gleichnamigen See
AusgangspunktRifugio Auronzo (2320 m) am Endpunkt der »Drei-Zinnen-Straße«. Riesige Parkplätze
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterZitat.
Die Innerkofler aus Sexten gelten als bekannteste Südtiroler Führerdynastie, und deshalb ist es auch kein Zufall, dass alle drei Zinnengipfel von einem Mitglied der Familie erstbestiegen wurden: 1869 stand Franz Innerkofler zusammen mit Paul Grohmann und Peter Salcher auf der Großen Zinne, zehn Jahre später bestiegen Michel Innerkofler und Georg Ploner den Westgipfel – am hartnäckigsten widerstand die Kleine Zinne. Auch Michel Innerkofler hatte da seine Zweifel (»Ja, wann’st Flügel hätt’st!«), doch er räumte sie auch gleich aus: 1881 fand er, begleitet von seinem Bruder Johann, den Weg zum Gipfel. Berühmtester Spross der Familie ist allerdings Sepp Innerkofler vulgo »der Sepp«, Bergführer und Wirt auf der Drei-Zinnen-Hütte, mit vielen Erstbegehungen, unter anderem der Kleinen-Zinne-Nordwand (1890), immerhin einer Tour im IV. Grad. Dabei soll er, als es scheinbar nicht mehr weiterging, seine genagelten Bergschuhe ausgezogen und den Fels barfuß bezwungen haben...
Keine Frage, den dreien – die eigentlich fünf sind und nicht einmal einen richtigen Namen haben – gebührt die Krone der berühmtesten Dolomitengipfel, auch wenn sie bloß an der 3000-Meter-Höhenkote kratzen - den Drei Zinnen (2999 m). Jahr für Jahr pilgern Zigtausende auf dem alten Militärsträßchen hinüber zum Paternsattel, wo es den berühmten Nordwandblick gibt, wo im senkrechten Fels Klettergeschichte geschrieben wurde. In den 1930er-Jahren gelang Emilio Comici mit den Brüdern Dimai – damals die wohl beste italienische Seilschaft – die erste Durchsteigung der senkrechten, teilweise überhängenden Nordwand der Großen Zinne. Das war fast ein Menschenleben nach der Erstbesteigung des Gipfels (1869).
Im Ersten Weltkrieg hallte der Kanonendonner von den Nordwänden der Drei Zinnen wider. Die Frontlinie verlief vom Toblinger Knoten, den die Österreicher besetzt hielten, über die Lange Alm zum Monte Piana, der den Zugang zum Höhlensteintal verriegelte und entsprechend heftig umkämpft war (siehe Tour 11). Paternsattel, Passportenkofel und Paternkofel (2744 m) waren in der Hand der Alpini, ebenso der Sextener Stein. Sepp Innerkofler, der diese Berge kannte wie kein Zweiter, hatte bereits zu Kriegsbeginn auf die strategische Bedeutung des Paternkofels hingewiesen und die Besetzung gefordert – vergebens. Ein paar Wochen später saßen die Alpini auf dem Gipfel. Ironie des Schicksals: Die verspätete Einsicht der militärischen Führung sollte ausgerechnet ihm beim Gipfelsturm zum Verhängnis werden.
Beste Jahreszeit
KartentippTabacco 1 - 25 000, Blatt 010 »Sextener Dolomiten«
VerkehrsanbindungVon Toblach via Schluderbach oder von Cortina über den Passo Tre Croci (1805 m) nach Misurina, dann auf der »Drei-Zinnen-Straße« zum Rifugio Auronzo. Achtung - Die Strecke ist mautpflichtig, die Gebühr für einen Pkw (20 €) glatter Wucher! Alternative: Den Linienbus nehmen!
GastronomieRifugio Lavaredo, Juni bis September; Tel. 0349/602 86 75. Drei-Zinnen-Hütte, Ende Juni bis Ende September; Tel. 0474/97 20 02. Langealmhütte, im Sommer bewirtschaftet (keine Übernachtung)
Tipps
Alte Namen. Wer von Auronzo durch das Val d’Ansiei hinauf zum Misurinasee fährt, hat sie direkt vor sich - die Drei Zinnen, italienisch Tre Cime di Lavaredo. Ein Kunstname, wohl von einem Kartografen erfunden, denn in Auronzo hieß der Bergstock früher schlicht Monte Bello. Der Passportenkofel dagegen verdankt seine Bezeichnung dem früher recht regen Grenzverkehr zwischen dem Ansiei- und dem Pustertal. An seinem Fuß verlief die Grenze, da musste man den »passaporto« vorzeigen. Beim Rückweg kam am Zinnenplateau bald einmal der Paternkofel ins Blickfeld. »Dahinter«, sagte man dann, »liegt unsere Heimat (la patria)«.
Informationen
Gehzeit - Gesamt 3.30 Std. Rifugio Auronzo – Paternsattel 0.45 Std., Paternsattel – Drei-Zinnen-Hütte 0.45 Std., Drei-Zinnen-Hütte – Rifugio Auronzo 2 Std.
Tourismusbüro
Ufficio Turistico Misurina, Via Monte Piana; Tel. 0435/39016, info@auronzomisurina.it, www.infodolomiti.it

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Eugen E. Hüsler

Leichte Klettersteige Dolomiten

70 leichte Klettersteige in den Dolomiten Südtirols, des Trentino und des Bellunese, vom »Klettersteigpapst« Eugen E. Hüsler.

Jetzt bestellen