Rund um die Cinque Torri

Liftstation – Kriegsstellungen Cinque Torri – Rifugio Cinque Torri – Nuvolau – Forcella Nuvolau – Forcella Averau – Lago Limides – Talstation (Autor: Eugen E. Hüsler)
22 km
600 m
5.00 h
Panorama-Schauen.
Die Aussicht ist dann fürs Auge, was die Nudeln für den Gaumen sind - ein Genuss. Da zeigen die »Großen« ihre Schokoladenseite: die Tofane den gewaltigen Pfeilerbau der Rozes-Südwand, das markant gebänderte Cristallomassiv seine lang gestreckte Flanke, der Sorapiš sein Riesengemäuer, der Antelao die himmelwärts strebende Diagonale; der Pelmo präsentiert sich als unbezwingbare Festung. Und fern im Westen blinkt der einzige richtige Gletscher der Dolomiten, jener der Marmolada.
La Grande Guerra.
Die Wanderung bietet viel Aussicht, aber auch Einblicke, die nachdenklich machen: Im Bereich der Cinque Torri wurden ehemalige Stellungen aus dem Ersten Weltkrieg rekonstruiert – übrigens mit EU-Geldern.
Nach der Liftfahrt von der »Großen Dolo-mitenstraße« herauf entsteigt man der Bahn beim Rifugio Scoiattoli (2255 m). Eichhörnchen wird man hier allerdings vergeblich suchen, der Name bezieht sich auf die Cortineser Bergführer, deren bevorzugtes Trainingsgelände die Kanten, Wände und Kamine der Cinque Torri sind.
Von der Station sind es nur wenige Schritte zu den ersten Stellungen des Freilichtmuseums (Museo Grande Guerra delle Cinque Torri). Man spaziert durch teilweise überdeckte Schützengräben, besucht eine Artilleriestellung mit Originalgerät und (Puppen-)Personal, eine rekonstruierte Baracke, Maschinengewehrnester, steigt dabei treppab und treppauf, genießt die herrliche Aussicht auf Tofane, Fanisspitzen, Lagazuoi und Hexenstein – vor bald 100 Jahren Frontgebiet und entsprechend umkämpft. Dreisprachige Tafeln informieren über das historische Geschehen, aber auch über das harte Leben der Soldaten, die ihre Stellungen selbst im Winter halten mussten. Im Aktionsradius der italienischen Artillerie befanden sich auch die feindlichen Stellungen rund um den Falzárego. Deren Wirkung ließ allerdings teilweise sehr zu wünschen übrig, etwa bei einem Vorstoß gegen den Hexenstein (2477 m), den sie unterstützen sollte.
Ein harter Kampf gestern: fünf Offiziere tot, einer vermisst; an die siebzig Männer der Truppe sind tot oder verwundet. Und das Schlimmste dabei ist, dass wir nicht einen einzigen Österreicher fallen sahen. (Leutnant Ignazio Deidda)
Zum Rifugio Cinque Torri.
Der historische Lehrpfad führt nördlich an den Trümmerfelsen der Cinque Torri vorbei. Sie scheinen latent einsturzgefährdet: Erst im Sommer 2004 fiel eine rund 30 Meter hohe Nadel, der Torre Trephor, zusammen ... Ihre Überreste liegen unmittelbar oberhalb des Weges, der sich hier gabelt. Man folgt dem rechten Ast, quert ein Stück weit den Hang unterhalb des mehrfach gespaltenen Torre Grande und steigt dann ab zum Rifugio Cinque Torri (2137 m; 1 Std.). Es steht wie die Fünf Türme auf geologisch instabilem Grund: Vor gut 30 Jahren ging östlich unterhalb eine gewaltige Mure ab, die Boa Cinque Torri. Die fast einen Kilometer lange Schneise im Bosco de Saresin ist von der »Großen Dolomitenstraße« aus heute noch gut zu sehen.
Auf den Nuvolau.
Von der Hütte aus hat man das eigentliche Tourenziel, den Nuvolau, bereits im Blick, links flankiert von der Gusela. Nicht sichtbar sind die tiefen Gräben an der Ostflanke des Bergstocks, die aus einer vermeintlich gemütlichen Höhenwanderung ein ziemliches Auf und Ab machen. Zunächst geht’s flach über den Talboden zu den Crepe dei Rondi (2182 m), dann in kurzen Kehren zwischen den Felsen hinab ins innerste Val de ra Fontanes (ca. 2100 m). Nach einer etwas anhänglichen Gegensteigung schlängelt sich das Weglein mit schöner Aussicht auf den Zackenrücken der Croda da Lago (Cima d’Ambrizzola, 2715 m) zwischen Bergsturztrümmern hindurch. An der folgenden Verzweigung (ca. 2200 m; Schilder) hält man sich rechts und folgt der deutlichen Spur, die in Kehren über einen Schrofenhang zu einer Minischarte ansteigt. Dahinter geht’s unter den Felsen flach links zum Ansatzpunkt einer Steilrinne – die Schlüsselstelle der Wanderung. Drahtseile und etwas Armzug helfen auf das Karstplateau unter dem Nuvolau. Man quert es (gut auf die Markierungen achten!) und steigt dann am gestuften Südostgrat (Drahtseile, eine Leiter) hinauf zur Gipfelhütte (2574 m; 3.15 Std.). Von hoher Warte aus überschaut man die ehemalige Dolomitenfront vom Cristallomassiv bis zur Marmolada. Gut auszumachen ist der mehrgipflige hohe Cristallokamm über dem Val Padeòn, an dem sich die Alpini festgesetzt hatten (siehe Tour 15); genau nördlich erhebt sich die Tofana di Rozes, flankiert vom Castelletto (siehe Tour 17). Weiter nach links schließen sich Col dei Bos, Falzáregotürme und Kleiner Lagazuoi an (siehe Tour 18), direkt über dem Passo Falzárego steht der Hexenstein. Im Westen, nur ein paar Kilometer entfernt, zeigt sich ein weiterer Angelpunkt der Dolomitenfront, der Col di Lana (siehe Tour 20), links dahinter schimmert weiß der Marmoladagletscher (siehe Tour 22).
Um den Averau herum.
Der Abstieg vom Nuvolau verläuft über den sanft geneigten Nordrücken. Vor sich hat man den Averau (2649 m), dessen Form ältere Semester möglicherweise an die Kulissenberge in John Fords Wildwestepen erinnert. Indianer gibt’s hier aber keine, dafür viel bunt gewandetes Wandervolk. Während des Krieges stand auf dem Gipfel ein mächtiger Scheinwerfer von 90 Zentimeter Durchmesser; der Zugang erfolgte über einen kühn trassierten, jedoch längst verfallenen Leiternsteig. Auch unsere Zeit hat hier ihren Gipfelsteig: eine nur mäßig schwierige, kurze Via ferrata (K 2; 1 Std. von der Nuvolauscharte).
In der Forcella Nuvolau (2416 m), am Fuß des schroffen Zackens, steht die Averau-Hütte. Aus der Senke führt eine deutliche Spur durch die westseitigen Geröllhänge unter dem Averau ohne größeres Auf und Ab hinüber zur Forcella Averau (2435 m; 4 Std.). Knapp jenseits der Scharte gabelt sich die Route (Tafeln). Man folgt dem rechten, rot-weiß markierten Weg, der über steinige Blumenwiesen und durch kleine Gräben (Penes de Fouzargo) zum Lago Límides (2171 m) absteigt. Im Herbst droht das seichte Gewässer nach längeren Trockenperioden zu verlanden.
Hinter der Front.
Der weitere Abstieg zur »Großen Dolomitenstraße« bietet nochmals interessante Ausblicke auf Hexenstein, Lagazuoi und Falzáregotürme (2499 m). Nicht zu übersehen sind die mächtigen Geröllkegel am Fuß des Lagazuoi, Hinterlassenschaft der Minensprengungen von 1916/17. Mit einem Fernglas leicht zu lokalisieren ist der Eingang des großen Lagazuoi-Stollens, und am Fuß der Falzarégotürme entdeckt man die Ruinen des ehemaligen Feldlazaretts. Die medizinische Versorgung der italienischen Gebirgstruppen galt damals übrigens als vorbildlich. Der bekannte österreichische Militärarzt Paul Myrdacz, der neben anderem ein »Handbuch für k. k. Militärärzte« und einen »Leitfaden für Blessiertenträger« verfasste, musste feststellen, dass das italienische Sanitätswesen eine Vollkommenheit erreichte, von welcher alle übrigen Staaten mehr oder weniger weit entfernt waren. Die Sanitätseinheiten verfügten über sieben mal sieben Meter große Zelte mit zehn Betten; in Pocòl stand ein großes Feld-lazarett, und mehrere Hotels in Cortina wurden – soweit sie nicht von Offizieren besetzt waren – zu Spitälern umfunktioniert, so beispielsweise das »Cristallo« und das »Silvano«. Hier gab es sogar warme Bäder – ganz wichtig wegen der allgegenwärtigen Läuseplage.
Zurück ins Tal.
Unweit vom Ristorante Col Gallina (2054 m) erreicht man den breiten, teilweise bewaldeten Talboden. Die vielbefahrene Falzáregostraße verläuft auf der orographisch linken Seite, ein gut markierter und beschilderter Weg rechts des Bachs. So wandert man unbehelligt von Abgasen, dafür mit gelegentlichem Motorradheulen im Ohr über den Pian dei Menìs hinab und zurück zur Talstation des Cinque-Torri-Sessellifts (1889 m; 5.45 Std.), immer wieder mit schönen Aus-blicken auf die Südfront des Tofanamassivs.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour22 km
Höhenunterschied600 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortCortina d’Ampezzo (1211 m), berühmter Ferienort im Tal des Boite
AusgangspunktBergstation des Cinque-Torri-Sessellifts (2255 m)
EndpunktTalstation des Cinque-Torri-Sessellifts
TourencharakterTofane (3244 m), Cristallo und Sorapiš sind die großen, mächtigen Pfeiler im Westen und Osten der Conca d’Ampezzo, des weiten Felsenrunds des Nobel-Tourismusortes, der 1956 die Olympischen Winterspiele ausrichtete. Zur Frühmittagssonne hin zeigt sich eher Filigranes, vergleichsweise kleine Gipfel wie jene der Croda da Lago (Cima d’Ambrizzola, 2715 m), die Cinque Torri (2361 m) und das Trio Averau (2649 m), Nuvolau (2574 m) und Gusela (2595 m). Während die »Fünf Türme« als Klettergarten ebenso beliebt sind wie als Fotosujet, darf der Nuvolau das Prädikat für sich in Anspruch nehmen, der am meisten besuchte Berg der Ampezzaner Dolomiten zu sein. Das erstaunt weiter nicht, verkürzen Straßen und Lifte den Aufstieg doch zu einem besseren alpinen Spaziergang; dem Wanderer stellen sich keine nennenswerten Hindernisse in den Weg, und oben wird man zudem noch mit Pasta oder Strudel, mit Wasser oder Vino versorgt - Nuvolau, Panorama und Service inbegriffen ...
Hinweise
Zitat. Wenn sie uns all das geben würden, was uns zusteht, dann wäre das Leben erträglicher, aber sie geben uns die kleine, ekelhaft schmeckende Ration mit steinhartem Brot dazu. Alle haben wir Bauchschmerzen; ich leide derart an Durchfall, dass ich mich kaum noch auf den Beinen halten kann. Zum Glück ist der Dienst, den ich gerade schieben muss, sehr einfach. Kaffee würde uns zweimal am Tag zustehen, aber die geben uns nur eine halbe Tasse am Morgen. Sogar Wein sollten wir zweimal am Tag bekommen, stattdessen wissen wir nicht einmal mehr, welche Farbe er hat. Gratiszigarren und Zigaretten haben wir nie gesehen. Und dann schreiben die Zeitungen noch, dass es bei uns hoch hergeht mit Festen und Feiern, während das Einzige, was wir im Überfluss besitzen, Hunger und Kälte sind. Aus dem Tagebuch des Oreste Agnelli Zampa, Infanterist der 46. Briage Reggio, stationiert bei den Cinque Torri
KartentippTabacco 1 - 25 000, Blatt 03 »Cortina d’Ampezzo«
VerkehrsanbindungZur Talstation des Cinque-Torri-Sessellifts (1889 m) kommt man von Cortina d’Ampezzo oder vom Falzáregopass über die »Große Dolomitenstraße« (Bushalt). Der Cinque-Torri-Sessellift verkehrt in der Regel von Mitte Juni bis Anfang Oktober.
GastronomieRifugio Scoiattoli, Mitte Juni bis Anfang Oktober; Tel. 0346/86 79 39. Rifugio Cinque Torri, Mitte Juni bis Ende September; Tel. 0436/29 02. Rifugio Nuvolau, Mitte Juni bis Mitte September; Tel. 0436/86 79 38. Rifugio Averau, Mitte Juni bis Ende September; Tel. 0436/46 40
Tipps
Der Becco d’Aial. Besonders wichtig waren im Gebirgskrieg neben den Patrouillengängen fest eingerichtete Beobachtungsposten. Sie erlaubten Einblick in den feindlichen Frontverlauf, man konnte Stellungen ausspähen, frühzeitig Truppenbewegungen erkennen und im Bedarfsfall die eigene Artillerie dirigieren. Die Kommandos waren mit exakten Karten und leistungsstarken Ferngläsern ausgerüstet. Ein italienischer Beobachtungsposten befand sich auch auf dem Becco d’Aial (1845 m), einem eher unscheinbaren Felszacken, der nordöstlich der Croda da Lago aus dem Wald ragt. Von Pecol (1530 m) und vom Rifugio Lago d’Aial (1412 m) führt ein markierter Weg (Hinweis »Rifugio Palmieri – Croda da Lago«) angenehm schattig zu den Türmen, 1.45 bzw. 1.15 Std. Prächtiger Blick auf die Tofane und über das Tal des Boite auf das Sorapiš-Massiv.
Informationen
Gehzeit - Gesamt 5.45 Std. Liftstation – Rifugio Cinque Torri 1 Std., Rifugio Cinque Torri – Nuvolau 2.15 Std., Nuvolau – Forcella Averau 0.45 Std., Abstieg 1.45 Std.
Tourismusbüro
Ufficio Informazioni, Piazza Roma, I-32043 Cortina d´Ampezzo; Tel. +39/0436/869086, infodolomiti@dolomiti.org, www.dolomiti.org

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