Rund um den Einser

Recht lange, aber wenig schwierige Wanderung auf ordentlich markierten und viel begangenen Wegen. Grandiose Kulisse – Dolomiten pur! Mehrere Einkehrmöglichkeiten unterwegs; für Genießer ist auch eine Übernachtung keine schlechte Idee (Sonnenuntergang-Beobachtung etwa von der Büllelejochhütte). (Autor: Eugen E. Hüsler)
17 km
1200 m
6.00 h
Sonnenuhr.
Dabei sind die Drei Zinnen (2999 m) bloß das berühmteste, aber keineswegs das einzige steinerne Wunder dieser Dolomitenregion. Da ist auch noch die Sextener Sonnenuhr, fantastische Kulisse des Fischleintals: Neuner (2582 m), Zehner (Rotwand, 2965 m), Elfer (3092 m), Zwölfer (3094 m), Einser (2698 m). All das – und noch einiges mehr – gibt es zu sehen und zu bestaunen auf dieser Runde.
Zur Zsigmondyhütte.
Die Wanderung startet flach und führt auf einer Sandpiste gleich hinein in die große Felskulisse. Rechts ragt das zerklüftete, mehrgipflige Massiv der Dreischusterspitze (3145 m) in den Morgenhimmel, halblinks steht über grünen Hängen die Rotwand, und ganz hinten über dem innersten Bacherntal zieht das Felsdreieck des Hochleist (2413 m) die Blicke auf sich. Für Spaziergänger und Ausflügler ist an der Talschlußhütte in der Regel Ein- und Umkehrpunkt; für Wanderer mit dem Zwischenziel Zsigmondyhütte heißt es nun: bergauf! Der breite, schotterige Weg steigt zunächst gegen die Mündung des Altensteiner Tals an, wo er sich gabelt (Tafeln). Sein linker Ast führt über den Bach und zieht schräg aufwärts zu einer Geländeschulter. Es folgen ein paar Kehren, dann geht’s weniger steil unter den Felsen des Einsers taleinwärts. Links tritt das gewaltige Massiv des Elfers ins Blickfeld; im Talhintergrund dominiert immer noch der Hochleist, der sich später als echter »Hochstapler« entpuppen wird. Nach einem kleinen, recht steinigen Zwischenanstieg geht dann endlich »der Vorhang auf«, und er steht da, der Zwölfer, einer der ganz großen Dolomitengipfel, unverkennbar mit seinem Dreiecksprofil und dem kantigen Zacken des Kleinen Zwölfers (2917m) an seiner linken Flanke. Im Vergleich wirkt der Hochleist nun doch ziemlich klein, und dieser Eindruck verstärkt sich noch beim Anstieg über die letzten Serpentinen unterhalb der Zsigmondyhütte (2.30Std.).
Emil und Emilio.
Offiziell heißt das Haus, das auf einer aussichtsreichen Kuppe über dem innersten Bacherntal steht, Rifugio Zsigmondy-Comici. Ein Vorgängerbau, 1886 vom Öster-reichischen Alpenklub errichtet, wurde im Ersten Weltkrieg zerstört. Die Sektion Padua des CAI baute das Haus 1926 wieder auf und benannte es – dem braunen Zeitgeist folgend – nach Benito Mussolini. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Hütte dann geplündert und stark beschädigt, nach Kriegsende aber umgehend wieder aufgebaut.
Der Wiener Emil Zsigmondy (1861–1885) gehört zu den großen Pionieren des führerlosen Bergsteigens; er war unter anderem Erstbesteiger der Kleinen Zinne und schrieb mit zwanzig Jahren ein Standardwerk seiner Zeit: »Gefahren in den Alpen«. Doppelt tragisch, dass gerade er (viel zu früh) in den Bergen verunglückte, nach einem Seilriss in der Südwand der Meije. Nach ihm ist eine Erhebung im Elfermassiv, der Zsigmondykopf (2998 m), benannt.
Ein ähnliches Schicksal traf Emilio Comici (1901–1940), einen Kletterpionier des VI.Grads und Erstbezwinger der Großen-Zinne-Nord-wand. Er stürzte (Riss einer Reepschnur) in den Felsen oberhalb von Wolkenstein zu Tode.
Kriegsrelikte.
Bergunfälle gab’s natürlich auch am Zwölfer, der von hoch oben auf die Hüttenterrasse herabschaut. Und vor bald hundert Jahren wurde hier gleich massenhaft gestorben – es war Krieg, und die Front ver-lief quer durch die Sextener Dolomiten. Ein besonders kühn angelegter Nachschubweg der Italiener führte durch die Westflanke des Elfermassivs; die Trasse der Strada degli Alpini ist am Salvezzaband und weiter nördlich auf der mächtigen Geröllterrasse unter dem Elfer gut zu erkennen. Längst ist der Alpinisteig ein ziviler Weg geworden, allerdings einer, den sich nur gute und völlig schwindelfreie Berggänger zutrauen dürfen.
Vergleichbare Schwierigkeiten bietet der weitere Anstieg zum Büllelejoch natürlich nicht. Die alte, ebenfalls aus dem Ersten Welt-krieg stammende Mulattiera windet sich über das nur mehr spärlich begrünte Karstgelände bergan gegen das Oberbachernjoch (2519 m; 3.15 Std.). Links in den Felsen, die sich zum Sandbühel hinziehen, sind zahlreiche Schießscharten ehemaliger italienischer Stellungen zu erkennen. Sie können auf einem erst jüngst restaurierten Steig besichtigt werden (nur für Schwindelfreie, Drahtseilsicherungen).
Zum Drei-Zinnen-Blick.
Am Oberbachernjoch kommen erstmals die »Drei« ins Blickfeld, doch präsentieren sie sich aus dieser Pers-pektive als ein Gipfel, weshalb sie manche/r wohl nicht gleich auf Anhieb erkennen wird. Der Weiterweg führt zunächst flach am Kamm hinüber zur Büllelejochhütte (2528 m), einer (zu Recht) beliebten Einkehr, dann weiter ins Büllelejoch (2522 m; 3.30 Std.). Im Südwesten steht der steinerne Zackenwald der Cadinispitzen mit dem Cristallomassiv rechts dahinter.
Nördlich der Scharte geht’s zunächst recht steil und steinig bergab, dann quert der Weg oberhalb der Bödenseen, zuletzt wieder leicht steigend, zum Toblinger Riedl (2405 m; 4.30 Std.), wo die Drei-Zinnen-Hütte steht – noch eine Einkehrmöglichkeit. Und hier zeigt sich – wow! – das berühmteste Alpentrio (noch bekannter als die Schürzenjäger!) von seiner schönsten Seite. Dass es eigent-lich fünf sind (wie die Zillertaler heute auch), ist nicht zu übersehen: Punta Frida, Kleinste Zinne, Kleine, Große und Westliche Zinne (siehe auch Tour 32).
Achtung, Bergsturz!
Der Abstiegsweg führt im weiten Bogen an den beiden nörd-lichen Bödenseen vorbei hinunter ins Altensteiner Tal. Dabei kommt bald ein Berg ins Bild, der im Herbst 2007 Schlagzeilen machte: der Einser (2698 m). Aus seiner Gipfelflanke lösten sich rund 60000 Kubikmeter Fels und donnerten ins Tal. Zu Schaden kam glücklicherweise niemand; das Gestein riss aber eine Schneise in Latschen und Wald.
Oberhalb der Talschlußhütte stößt man wieder auf den Anstiegsweg. Nun hinunter in den Talboden und auf dem Sandsträßchen zurück zum Parkplatz im Fischleintal (6.30 Std.).

Fischleinboden – Zsigmondyhütte 2.30 Std., zum Büllelejoch 1 Std., Büllelejoch – Drei-Zinnen-Hütte 1 Std., zurück in den Fischleinboden 2 Std. Insgesamt 6.30 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour17 km
Höhenunterschied1200 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
StartortSexten (1316m), Ferienort im gleichnamigen Dolomitental
AusgangspunktWanderparkplatz Fischleinboden (1454m)
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterDen Sextener Dolomiten nachzusagen, sie wären »so sexy«, ist wohl ein leicht fahrlässiges Wortspiel. Dass ihre Felsbauten eine magische Anziehungskraft auf die (vor allem männliche) Bergsteigergemeinde ausüben, lässt sich andererseits kaum bestreiten. Was ist über jenes kariöse Riesengebiss, das südlich der Langen Alm so hoch in den Himmel sticht, als müsste es an den Wolken kratzen, nicht schon alles geschrieben und erdichtet worden, Gereimtes und weniger Gelungenes?
Hinweise
Fischleinboden – Zsigmondyhütte 2.30 Std., zum Büllelejoch 1 Std., Büllelejoch – Drei-Zinnen-Hütte 1 Std., zurück in den Fischleinboden 2 Std. Insgesamt 6.30 Std.
KartentippTabacco 1:25000, Blatt 010 »Sextener Dolomiten«
VerkehrsanbindungNach Sexten kommt man von Innichen im Pustertal; im Ortsteil Moos zweigt rechts die Zufahrt zum Fischleinboden ab. Gute Busverbindungen mit Innichen (Bahnhof)
GastronomieTalschlußhütte, Ende Mai bis Mitte Oktober, Tel. 0474/710606. Zsigmondyhütte, Mitte Juni bis Anfang Oktober, Tel. 0474/710358. Büllelejochhütte, Mitte Juni bis Anfang Oktober, Tel. 0337/451517. Drei-Zinnen-Hütte, Ende Juni bis Ende September, Tel. 0474/972002
Informationen
Pustertaler Schlutzkrapfen. Die Schluzer, wie die Teigtaschen im Südtiroler Dialekt heißen, haben ihre Wurzeln möglicherweise im Pustertal. Im Originalrezept werden sie mit Spinat und Topfen gefüllt, doch bekommt man sie heute in vielen Variationen. Serviert werden die Schlutzkrapfen mit etwas geriebenem Käse und zerlassener Butter.
Tourismusbüro
Tourismusverein, Dolomitenstr. 45, I-39030 Sexten, Tel. +39/0474/71 03 10, info@sexten.it, www.sexten.it

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