Rund um Brig

Ausgedehnter Spaziergang zwischen Bahngeleisen und Straßen, alten und neuen Mauern mit ein paar überraschenden Aus- und vielen interessanten Einblicken. Bei fast jedem Wetter und beinahe das ganze Jahr über möglich. Besonders spannend für Eisenbahn-Liebhaber. (Autor: Eugen E. Hüsler)
11 km
150 m
3.00 h
Das macht deutlich, womit und wovon man hier seit jeher lebte: nicht von den Viertausendern, sondern vom Transit. Früher, zu Stockalpers Zeiten, musste die gesamte Handelsware über den Simplon befördert werden, was den gewieften Geschäftsmann reicher machte, als es heute die meisten Banker sind. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden dann die großen Eisenbahntunnels gebaut, jener am Lötschberg und der damals längste der Welt unter dem Simplonpass, in den 1980er-Jahren beglückte der Walliser Bundesrat Roger Bonvin seinen Heimatkanton mit dem Furkatunnel (einem wirtschaftlichen Desaster). 2008 wurde schließlich Europas längster Tunnel eröffnet, der Lötschberg-Basistunnel, zwischen Frutigen und Raron 34,6 Kilometer lang. Auch da war Politik im Spiel, musste doch die Zustimmung der Westschweizer Kantone für den (noch längeren) Basistunnel am Gotthard gesichert werden: ein Milliardenloch und ökonomisch eher fragwürdig. Schweizer Bahnen – Schweizer Garde Die Eisenbahn brachte Arbeit ins Tal, prägt bis heute das Ortsbild des kleinen Städtchens, das zusammen mit Glis eine politische Gemeinde bildet. Im benachbarten Naters gab es vor 100 Jahren, als der Simplontunnel gebaut wurde, sogar eine Italiener-Schule, in der die Kinder der Mineure unterrichtet wurden, und mit Ornavasso im Ossolatal unterhält der Flecken heute eine Städtepartnerschaft, deren Wurzeln auf die Zeit der Walserzüge zurückgeht (14. Jh.). Eine innige Beziehung besteht auch zwischen Naters und dem Vatikan: Keine andere Schweizer Gemeinde entsendet so viele Gardisten nach Rom wie dieser Walliser Ort. Da ist es nur logisch, dass hier 2006 das »Zentrum Garde« eröffnet wurde, über dem Ort in einer ehemaligen Artilleriefestung (geöffnet Sa 14–18 Uhr). Die war früher schwer getarnt, heute prangt unübersehbar eine riesige Nachbildung des Petersdoms vor dem Entrée. Schön? Da sind sich nicht einmal die Einheimischen so ganz einig. Brig – Glis – Naters: Für die meisten Wallisreisenden nicht mehr als Stationen auf dem Weg zu den bekannten Ferienorten. Schade, denn wer das Wallis kennenlernen will, darf nicht nur nach Gipfeln und Gletschern gucken. Die gibt es übrigens rund um Brig ebenfalls, der formschönste ist das Bortelhorn (3193 m), eine elegante Pyramide, die auch schon mal mit einem anderen, viel berühmteren Walliser Berg verwechselt wird: »Oh, is that the Matterhorn?« Eisenbahngeschichte Der Erlebnispfad »Bahn – Natur – Kunst« startet im Bahnhof von Brig, dessen breite Fassade die Verkehrsbedeutung des Fleckens widerspiegelt. Nicht zufällig heißt die Eisenplastik auf dem Platz davor »Verbindungen«; geschaffen hat sie der Walliser Künstler Edelbert W. Bregy. Am Eingang zur Bahnhofstraße, die sanft zum historischen Stadtkern ansteigt, erinnert eine kleine Tafel am Eckgebäude links an die Unwetterkatastrophe vom September 1993, bei der Brig schwer verwüstet wurde. Die schnurgerade Straße mündet auf den weiten, verkehrsfreien Sebastianplatz, der optisch vom Perrighaus dominiert wird. Der dreitürmige Bau kopiert historische Stile; er entstand erst 1905 und beherbergt heute ein Restaurant. Sein Name – New Couronne – erinnert an das traditionsreiche Hotel gleichen Namens, in dem sich der junge Cäsar Ritz im Tellerwaschen und ähnlich anspruchsvollen Tätigkeiten übte. Ohne viel Erfolg, soll sein Lehrmeister doch erklärt haben: »Aus dir wird nie ein rechter Hotelier.« Pioniere Wie wir heute wissen, hatte der Gommer Erfolg, wie auch der Peruaner Chorge (Geo) Chavez, dem im September 1910 am Simplon die erste Alpenüberquerung im Flugzeug gelang. Bei der Landung in Domodossola stürzte er allerdings ab und verletzte sich dabei so schwer, dass er ein paar Tage später starb. Ein Denkmal am Sebastianplatz, vor der gleichnamigen Barockkapelle, erinnert an die Pioniertat. Ausblicke Der Weiterweg führt – moderat steigend – zur modernen Pfarrkirche (1970), dann links in die Tunnelstraße. Man folgt ihr gut 300 Meter weit, bis – nicht zu übersehen – ein Eisenbahnsignal nach rechts auf den Panoramaweg weist, der den recht abschüssigen Hang von Rafji quert, erst ansteigend, dann wieder an Höhe verlierend. Links hat man das ausgedehnte Bahnhofsgelände von Brig; neben dem Drehscheibendepot steht noch ein Wasserturm aus der Zeit der Dampfloks. Aussicht gibt’s auch, die hat hier sogar einen richtigen Rahmen – passend aus Eisenbahnschwellen –, und richtet sich auf die Belalp und ihre Berge. Die Eisenplastik »Landschaftsfenster « stammt – wie jene vor dem Bahnhof – von Edelbert W. Bregy. Nach kurzem Abstieg passiert man zwei andere »Fenster«: die Briger Portale der beiden Simplontunnel. Die erste Röhre wurde 1906 in Betrieb genommen, die zweite 15 Jahre später. Auf einem kleinen Weg kann man links zum Rand des SBB-Areals bzw. zu den Tunneleingängen absteigen. Nach Bitsch Der Erlebnispfad führt hinunter zur Trasse der schmalspurigen Matterhorn-Gotthard-Bahn. Man folgt ihr flussaufwärts bis zum modernen Betriebsgebäude der Termen-Mineralquelle, die (erfolgreich) mit einem markanten, in der weiten Welt nicht ganz unbekannten Bergprofil wirbt. Wenig weiter geht’s links über den Rotten zur viel befahrenen Rhonetalstraße. Am Ortsausgang von Bitsch (692 m) liegt rechts die Käserei Aletsch Goms, wenig weiter lädt das Restaurant Z’Matt mit seinem schönen Garten zur Einkehr. Am Gehsteig weist links ein Schild über den Sonnenhang hinauf zum Hennebique-Kanal. Er hat seinen Namen von François Hennebique, einem französischen Pionier des Eisenbetonbaus. Der 3,2 Kilometer lange Kanal wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Teil des Kraftwerks Massa erbaut, nach dem Zweiten Weltkrieg durch einen Stollen ersetzt und teilweise abgerissen. Es lohnt sich, der modernen »Suone« zunächst noch talaufwärts bis zur Kapelle Hoh Flue zu folgen. Hier stiebt links ein Schleierfall über senkrechte Felsen herab; rechts unterhalb steht – eingeklemmt zwischen Bahnlinie und Straße – das Gotteshaus, ein Barockbau aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts (drei bemerkenswerte Altäre). Der Erlebnisweg führt hinein nach Bitsch, dann talseitig um das moderne Schulhaus herum, bei dessen Bau bedeutende prähistorische Funde entdeckt wurden, die bis in die Jungsteinzeit zurückreichen (3900 v. Chr.). Weiter auf der Straße zum ehemaligen Ausgleichsbecken, das heute Teil der Sportanlage ist. Hinter dem Biel (Hügel) geht’s hinab zur Rhonetalstraße. Rechts liegt das Kraftwerk Massaboden der SBB mit dem Generatorenhaus von 1916; dann prägen vor allem Brücken das Bild: rechts die alte steinerne Massabrücke von 1617 (an der sich die Oberwalliser 1799 gegen anrückende französische Truppen verschanzten), links drei Eisenbahnbrücken. Am großen Straßenkreisel geht man geradeaus und spaziert hinein nach Naters (673 m). Dabei kommt man an einem kleinen, fast fensterlosen Rundbau vorbei, über dessen (einstigen) Zweck eine Infotafel aufklärt: Das Häuschen markiert den Ausgangspunkt der Tunnelvermessung am Simplon. Höchster Signalpunkt der Triangulation war der Monte Leone (3553 m). Naters Das früher dem Bischof von Sitten tributpflichtige Dorf wendet sein modernes, wenig ansprechendes Gesicht nach Süden, zur Rhone hin, dahinter versteckt sich der sehenswerte Dorfkern mit den alten Häusern und engen Gassen. Überragt wird er von der Pfarrkirche, die dem heiligen Mauritius geweiht ist, was auf die einstige Zugehörigkeit zum Unterwalliser Kloster St-Maurice verweist. Vermutlich eine frühmittelalterliche Gründung, erfuhr sie später wiederholt Veränderungen. Sehenswert ist der prunkvolle Hochaltar, eine italienische Arbeit (1667). Das spätgotische Beinhaus ist ein Werk des bekannten Oberwalliser Baumeisters Ulrich Ruffiner (1514). Das Obergeschoss wurde um 1700 barockisiert, sein Untergeschoss – etwas makaber die an der Wand aufgeschichteten Totenschädel – bewahrt den Kopf eines romanischen Kruzifix (12. Jh.) und eine barocke Kreuzigungsgruppe (18. Jh.).

Thermentour

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour11 km
Höhenunterschied150 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
StartortBrig (678 m)
AusgangspunktBahnhof Brig (678 m)
EndpunktBahnhof Brig (678 m)
TourencharakterAuf der touristischen Hitparade des Wallis steht Zermatt ganz oben – und Brig ziemlich weit unten. Im hintersten Mattertal wird immer noch gebaut und investiert, während man im Rhonestädtchen meistens nur umsteigt, der Tourismus auf bescheidenem Niveau stagniert. Brig (678 m) hat seinen Stockalperpalast (siehe Tour 17), vor allem aber seinen Bahnhof und einen berühmten Alpenpass.
Hinweise
Eine Walliser Spezialität: Cholera Eigentlich ist es nur schwer vorstellbar, dass eine Küchenkreation mit einem so grauslichen Namen lecker schmecken soll, schon gar nicht, wenn man weiß, dass ein Zusammenhang mit der vielfach tödlichen Krankheit besteht. Tatsächlich gab es im 19. Jahrhundert im Wallis mehrere schwere Cholera-Epidemien, die viele Todesopfer forderten. Um die Ansteckungsgefahr zu mindern, wurde das Einkaufen von Nahrungsmitteln untersagt. So musste man sich für eine Weile mit dem behelfen, was noch im Haus war: den Resten. Entsprechend variantenreich sind die Cholera-Rezepte. Neuerdings hat der Kuchen sogar Eingang in die Spitzengastronomie gefunden, natürlich mit erstklassigen Ingredienzen. Rezept für 4 Personen: 400 g Kuchenteig ausrollen und mit zwei Dritteln davon ein 30-cm-Küchenblech belegen (etwa 2 mm dick; Rand nicht vergessen). Ein Pfund Kartoffeln in der Schale kochen, schälen, dann in dünne Scheiben schneiden und in die Form geben, 250 g geriebenen Alpkäse darüber verteilen. Etwa 400 g Lauch und eine Zwiebel fein schneiden, in Butter andünsten, salzen und würzen, auskühlen lassen, anschließend in der Form verteilen. Weitere 250 g Alpkäse (gerieben) einfüllen. Ein Pfund Äpfel oder Birnen in Scheiben schneiden, auf dem Kuchen verteilen, mit dem restlichen Teig zudecken und im vorgeheizten Ofen bei 180 Grad etwa eine Stunde backen. En Giättä!
KartentippSwisstopo 1:50 000, Blatt 274 T
MarkierungenBraune Wegzeiger mit dem Symbol Bahn – Natur – Kunst
VerkehrsanbindungBrig ist Verkehrsdrehscheide des Oberwallis mit Eisenbahnanbindung in alle Richtungen: Sion, Lötschberg, Furka, Simplon, Zermatt.
GastronomieEinkehrmöglichkeiten in Brig, Bitsch und Naters. Am Wendepunkt der Route steht das Restaurant Z’Matt mit schönem Garten und Kinderspielplatz, Di Ruhetag; Tel. 027/927 10 00.
Tipps
Brigerbad: Besonders bei Familien sehr beliebt ist Brigerbad wenige Kilometer westlich von Brig, auch wenn’s mal etwas kühler ist. Das größte Freiluft-Thermalbad (25–38 °C) der Schweiz wartet mit mehreren Becken, einer 182 Meter langen Wasserrutsche und einem Grottenschwimmbad (42 °C) auf; angeschlossen sind ein Komfort-Campingplatz und ein großes Restaurant. Das Brigerbad ist von 9.30–18 Uhr geöffnet (während der Hochsaison bis 19 Uhr).
Tourismusbüro
Tourist-Info Brig Belalp Tourismus, CH-3900 Brig, Tel. 027/921 60 30, E-Mail: info@brig-belalp.ch, www.brig-belalp.ch