Rotwandhaus

Vorzeigehütte an Münchens Parade-Hausberg (Autor: Wolfgang Taschner, Michael Reimer)
11 km
650 m
4.00 h
Abenteuer im Schneesturm.
Dass das Wandergebiet an der Rotwand nicht unterschätzt werden darf, zeigte vor einigen Jahren der Betriebsausflug eines Fachverlags für Sportzeitungen. Der Verfasser dieser Zeilen stellte während der Querung von der Taubenstein-Bergstation zum Rotwandhaus bei einem Zählappell fest, dass eine Person abhanden gekommen war: die Buchhalterin. Es war ein grauer Novembertag und dicke Schneeflocken erschwerten die Sicht. Schließlich machte er sich auf den Rückweg und fand die verzweifelt nach ihrer Gruppe Ausschau Haltende in der Nähe der Bergstation. Man hatte sie vergessen, als sie kurz vor Aufbruch noch schnell die Toilette aufgesucht hatte. Es bedurfte einer gewissen Überredungskunst, um sie doch noch zum Mitgehen zu bewegen. Obwohl dieser Übergang technisch keine hohen Ansprüche stellt und die Spuren der Gruppe noch nicht verweht waren, bekam es die Buchhalterin mit der Angst zu tun. Vor lauter Panik, auszugleiten, krallte sie sich im Schneesturm mehrmals an ihrem Begleiter fest. Schließlich erreichten die beiden nach gutem Zureden unversehrt, aber leicht abgekämpft und eisverkrustet das Rotwandhaus, in dessen gemütlich warmer Stube der Rest der Gruppe in bester Glühweinlaune ein paar gemeine Witze riss.
Vorsicht bei Wettersturz:
Dieser Vorfall zeigt, dass selbst vermeintlich leichte Touren bei schwierigen Verhältnissen für Ungeübte rasch zur Tortur werden können. Wie überall, wo Seilbahnen täglich Hunderte von Passagieren in die Höhe katapultieren, mischt sich ein gehöriger Anteil an unerfahrenen Stadtmenschen unter das bewährte Bergvolk. Dabei stellt sich bei Sonne und klarer Sicht bei den meisten ein trügerisches Gefühl der Sicherheit ein. Schlägt indes das Wetter rasch um, kommen viele mit den schroffen Launen des Hochgebirges nicht mehr zurecht. Ernsthaft in Bergnot gerät in dieser Wanderregion dennoch kaum jemand, dafür sind die Wege dann doch zu kurz.
Rotwandhaus mit Vorbildcharakter:
Das Rotwandhaus dient für viele Wanderer als willkommener Stützpunkt. Es hat sich halt herumgesprochen, dass das Haus eine hervorragende Küche bietet. Lamm- und Rinderfleisch für das Gulasch stammen aus der eigenen Landwirtschaft, in der artgerechte Haltung selbstverständlich ist; und der Bergkäse für die Kasspatzn wird von der benachbarten Niederhoferalm geliefert. Wir probierten, vom leckeren Käsekuchen abgesehen, nur deshalb nicht von der schmackhaften Kost, weil unsere Begleiterin – ebenso eine Kochexpertin – eigens früher aufgestanden war, um uns eine köstliche Kürbiscremesuppe in eine Thermoskanne abzufüllen und später auf Oktoberschnee zu kredenzen.
Wind und Sonne liefern Energie.
Anerkennung verdient das Rotwandhaus auch für sein umweltbewusstes Denken, weshalb es sich heute mit dem Umweltgütesiegel des Deutschen Alpenvereins schmücken darf. Lange bevor sich andere Alpenvereinshütten das Thema Umwelt auf die Fahnen schrieben, hatte das Rotwandhaus bereits eine Solaranlage auf dem Dach installiert. Es folgte die Windradanlage neben der Hütte, deren erzeugte Energie zusammen mit der Sonnenenergie auf 85-Kilowatt-Batterien gespeichert wird. Relativ neu ist die biologische Kläranlage. Folgerichtig werden all jene, die die Toilette benutzen, ohne in der Hütte einzukehren, mit einem Umweltbeitrag von 50 Cent zur Kasse gebeten. Der Pächter Peter Weihrer prägt den umweltfreundlichen Stil auf der Hütte seit nunmehr 17 Jahren.
Blick zum Gipfelpanorama.
Obwohl sich die umliegenden Gipfel allesamt auch bequem als Tagestour eignen, zählt das Rotwandhaus im Jahr zwischen 3000 und 4000 Übernachtungen. Die extravagante sonnenreiche Lage auf einem Geländeabsatz trägt sicher zur großen Popularität bei. Und auch das Gipfelpanorama ist nicht zu verachten: Hinter benachbarten Gipfeln wie Schinder, Hinteres Sonnwendjoch und Trainsjoch tauchen im Süden die Gletscherberge der Zillertaler Alpen und der Hohen Tauern auf. Im Westen sind die Schlierseer und Tegernseer Berge zum Greifen nah, dahinter lassen sich die Gipfel von Rofan- und Karwendelgebirge bestimmen. Im Osten sind die Ruchenköpfe an der markanten Felswand zu erkennen. Sie zu erklimmen erfordert Klettererfahrung im zweiten Schwierigkeitsgrad.
Alternativer Abstieg.
Einfacher zu besteigen sind neben der nahen Rotwand Hochmiesing, Taubenstein und Aiplspitz im Norden. Wer auf dem Rotwandhaus übernachtet, kann für den kommenden Tag sogar alle drei Gipfel ins Visier nehmen. Wer hingegen den klassischen Normalweg vom Spitzingsee gewählt hat und nur einen Tag Zeit hat, kann nach der Rotwand-Besteigung knapp unterhalb des Westgrates queren und in einen kleinen Sattel absteigen sowie anschließend auf dem weniger bekannten Steig über die Wallenburgalmen zum Ausgangsort zurückkehren. Zu beachten ist dabei nur, dass die RVO-Busse ihren Betrieb am frühen Abend einstellen.
Länge:
Von der Bergstation der Taubensteinbahn (1 1/4 Std.); vom Wanderparkplatz Spitzingsee (2 1/2 Std.); vom Ursprungtal (3 3/4 Std.)

geöffnet vor weihnachten

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour11 km
Höhenunterschied650 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktSpitzingsee, Ursprungtal
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterDie Rotwand zählt zu den beliebtesten Münchner Hausbergen, und das zu jeder Jahreszeit. An sonnigen Wochenenden ziehen wahre Pilgerströme vom Spitzingsee zum Rotwandhaus und zum knapp darüber liegenden Gipfel. Die überwiegend einfach zu begehenden Wanderwege sind vor allem für Familien wie geschaffen. Unterwegs kommt beim Anblick der harmonischen Bergwelt garantiert keine Langeweile auf. Und auf dem Rotwandhaus finden die Kinder einen Spielplatz vor und im Hütteninneren diverse Spiele; selbst Kinderessen werden angeboten. Wer sich also am Rummel nicht stört, ist an der Rotwand bestens aufgehoben.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Wanderkarte Nr. 8, Tegernsee – Schliersee – Wendelstein, 1:50.000
VerkehrsanbindungMit der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) von München zum Bahnhof Schliersee, weiter mit dem RVO-Bus zum Spitzingsee (direkter Anschluss) oder mit der Bahn nach Bayrischzell und mit dem Bus zum Halt »Sillberghaus«. Autofahrer nehmen die Strecke über Schliersee und zweigen nach Fischbachau zum Spitzingsee ab (großer Wanderparkplatz) oder fahren über Bayrischzell ins Ursprungtal (Parkplatz »Beim Schweren Gatter«).
Informationen
Hüttenporträt. Höhe: 1737 m. ERBAUT: 1907 (DAV-Sektion Turner-Alpenkränzchen München). Bewirtschaftet: Von Januar bis Ende Oktober. Kulinarischer Tipp: Lamm- und Rindergulasch, Kasspatzn, Linseneintopf, Bergkäse, Käsekuchen. Hüttenwirt: Peter Weihrer. Telefon: 08026/76 83. BETTEN: 20. Lager: 105. Materialbeschaffung: Mit dem »Unitrac« auf dem Fahrweg.
Tourismusbüro
Verkehrsamt Fischbachau, Kirchplatz 10, 83730 Fischbachau, Tel.: 08028/8 76, Fax: 08028/20 40, Internet: www.fischbachau.de

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