Roter Stein und Vilser Kegel

Die interessante Besteigung des Roten Steins setzt Orientierungsvermögen und Übung im teils weglosen Gelände voraus. Nur für Bergerfahrene. Schöner Tiefblick ins Vilstal. Trotz einiger Windbruchpassagen lohnend. Der Vilser Kegel ist durch gute markierte Steige erschlossen, dennoch verhältnismäßig wenig besucht. Der Aufstieg über die Vilser Alm und Rückweg mit Umrundung des ganzen Bergkörpers ist leicht und landschaftlich reizvoll, der Gipfel ein attraktiver Aussichtspunkt. (Autor: Günther Laudahn)
13 km
1507 m
5.00 h
Ausgangspunkt ist ein kleiner Parkplatz am Kühbach westlich von Vils. Von Füssen kommend biegt man am Ortsende von Vils, kurz bevor die Straße unter einer Materialseilbahn durchtritt, nach links ab und erreicht auf schmaler Asphaltstraße den Parkplatz am Waldrand gleich hinter der Brücke über den Kühbach. Auch vor der Brücke besteht Parkmöglichkeit. Wer von Pfronten kommt, benützt das gleiche Sträßlein, wie es in der Karte dargestellt ist. Wir folgen nun dem Schild »Vilser Alm« und wandern auf dem breiten, großenteils schattigen Forstweg bergan, bald mit Blick auf den gestuften Kalksteinbruch, einen riesigen Eingriff im Bergfuß des Vilser Kegels, in dem Material für die große Zementfabrik in Vils gewonnen wird. Nach einer knappen halben Stunde führt der Weg an zwei kleinen Holzhütten vorbei. An der hinteren linksseitigen müssen Sie sich entscheiden, ob Sie nur den Vilser Kegel besteigen oder vorher einen Abstecher auf den Roten Stein machen wollen. Wenn Sie ein wenig Gespür fürs Gelände haben, trittsicher sind und nicht davor zurückscheuen, auch mal über einen umgestürzten Baum zu steigen, können Sie die Sache angehen. Für den Abstecher auf den Roten Stein müssen Sie mit zusätzlich zweieinhalb Stunden Gehzeit und 530 Höhenmetern rechnen. Für den ersten Abschnitt haben wir einen alten Jagdsteig, der zweite Abschnitt ist weglos. Wichtig ist, den versteckten Anfang des Jagdsteigs zu finden, ohne den der Aufstieg sehr zeitraubend und mühsam wäre - Unmittelbar vor der linksseitigen Holzhütte kommt eine breite geröllige Schneise aus dem Wald, die weiter oben in eine seichte grasige Rinne übergeht. Im Bereich dieser Rinne verläuft unser Steig, zunächst auf dem Rücken rechts davon, dann auf dem linken Rücken. Er ist rot markiert und deutlich. Seinen Anfang findet man, indem man von der Hütte zwanzig Meter in die Schneise hineingeht und dann nach rechts aufwärts zum Rücken steigt. Man kann auch vierzig Meter vor der Hütte auf schwachem Pfad in die kleine Mulde abbiegen und trifft gleich nach links auf den Jagdsteig. Er überquert bald die Rinne und windet sich dann auf dem Waldrücken empor, verläuft später kurzzeitig auf dem Grund der Rinne und zieht nach einigen Höhenmetern in scharfer Linkswendung am Hang hinauf. An dieser Stelle verlassen wir den Steig und streben auf dem Rücken rechts neben der Rinne dem nun sichtbaren Felsgürtel zu, der die Gipfelabdachung des Roten Steins südlich begrenzt. Am Fuß der Felsen queren wir horizontal nach rechts zu einem Grasschrofenband, zu dem wir noch einige Meter aufsteigen müssen, und erreichen am Ende des Bandes über leichte Schrofen ansteigend den bewaldeten Ostrücken des Roten Steins. Am besten ist es, sich so weit wie möglich an seinem Rand zu halten und nur einigen Baumhindernissen nach links auszuweichen. Beim weiteren Aufstieg immer in der Nähe der steil ins Vilstal abbrechenden Kante bietet sich ein eindrucksvoller Blick auf die senkrechte Nordwand. Bald verflacht der Rücken. Wir erreichen den östlichen Vorkopf, von dem sich erstmals der nahe Gipfel zeigt. Über Geröll geht es hinab in die flache Einsenkung, dann steigen wir am linken Rand des felsigen Gipfelgrats zum höchsten Punkt. Hier oben hoch über dem Vilstal werden Sie gewiß allein sein. Der Aufstieg ist neuerdings durch Wildschutzzäune erschwert. Diese Route ist nach meiner Erfahrung die günstigste Aufstiegsmöglichkeit zum Roten Stein. Ich habe noch eine andere in Betracht kommende Variante untersucht: Man folgt dem Jagdsteig ein Stück weiter, bis man einen freien Blick auf die Vilser Alm hat, und steigt nun nach rechts auf die bewaldete Bresche in dem niedrigen, die Gipfelabdachung begrenzenden Felsgürtel zu. Der Aufstieg zur Bresche ist wegen der Windbruchhindernisse mühsam und erfordert Übersicht in solchem Gelände. In der Bresche steigt man erst über Grasschrofen nach rechts, dann in Linkswendung über einige umgestürzte Bäume hinweg zur Abdachung auf, hier zum Ostkamm und, wie schon beschrieben, zum Gipfel. Diese Route ist zwar etwas kürzer, aber mühsamer als die Begehung des gesamten Ostrückens. Lassen Sie sich beim Abstieg keinesfalls auf den Windbruch im Bereich der von oben gangbar aussehenden Abdachung ein – ich weiß, wovon ich rede –, sondern steigen Sie auf der Anstiegsroute am Ostkamm ab. Dabei bleibt man wie beim Aufstieg stets im unmittelbaren Kammbereich und gelangt dort, wo der Rücken sehr steil wird, nach rechts über das Grasschrofenband in leichtes Gelände und zum bald sichtbaren Jagdsteig. Auf den breiten Weg am Holzhüttchen zurückgekehrt wandern wir in einer halben Stunde zur Vilser Alm, willkommener Stützpunkt nach dem doch etwas beschwerlichen Abstecher zum Roten Stein. Die gut ausgebaute Hütte in prächtiger Lage ist von Anfang Mai bis Mitte Dezember geöffnet. Von hier geht es über die Wiese oberhalb der Hütte (Schild Vilser Kegel – Hundsarschjoch) zum lichten Mischwald und auf markiertem Weg zunächst sanft ansteigend, weiter oben steiler und schrofig zum Joch mit dem ordinären Namen, der schmalen Scharte zwischen Vilser Kegel und Wildböden, einem der Schlicke vorgelagerten selten bestiegenen felsigen Berg, den man vom Joch über den brüchigen Nordgrat in ziemlich schwieriger Kletterei oder, wesentlich einfacher, durch Umgehung des Felsaufbaus auf der Ostseite erreichen kann. Wir wenden uns nach links dem Vilser Kegel zu. Der gute, stellenweise recht steile Steig verläuft zunächst auf dem Südrücken an einigen markanten Felsbildungen vorbei, quert dann einen plattigen Latschenhang und zieht schließlich über Gras und Schrofen zum Kreuz hinauf, das unterhalb des Gipfels steht. Der höchste Punkt ist von hier am schmalen Kamm in wenigen Minuten erreicht. Außer der schon angedeuteten faszinierenden Aussicht bietet der Gipfel einen instruktiven Blick auf den zuvor bestiegenen Roten Stein und läßt die Aufstiegsroute über den Ostkamm nachempfinden. Auf dem Anstiegsweg steigen wir zum Hundsarschjoch ab. Der hier vorgeschlagene Rückweg vom Joch mit Umrundung des Vilser Kegels ist zwar länger als über die Vilser Alm, aber landschaftlich ungleich schöner, obwohl man im Talbereich ein Stück auf Asphaltstraßen gehen muß. Der gut markierte Weg leitet zuerst über Wiesenmatten und tritt dann in eine idyllische, parkartige Landschaft ein. Lichte Baumgruppen wechseln mit kleinen Grasflächen, in denen eingesprenkelte Steinblöcke helle Tupfer setzen. Auch der Blumenfreund kommt hier zur Blütezeit im Mai und Juni auf seine Kosten. Der Weg führt dann, nun steiler und geröllig, im Bereich des Hundsarschbachs hinab, überquert den Bach und mündet in einen breiten Forstweg, der an den Nordosthängen des Vilser Kegels entlang – mit hübschen Ausblicken ins Vilstal und auf den Westteil der Ammergauer Alpen – nach ausholender Kehre schließlich die Talstraße erreicht. Hier wandern wir am südlichen Ortsrand von Vils zum Ausgangspunkt. In Vils hält man sich am besten an die in der Karte eingezeichnete Route, die hinter den letzten Häusern auf dem beschilderten Lehbachweg durch Wiesen zurückleitet.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour13 km
Höhenunterschied1507 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
Beste Jahreszeit
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