Ronco sopra Ascona

Gemütlicher Spaziergang über dem Nordufer des Lago Maggiore. Nur zu Beginn kurzer, wenig beschwerlicher Anstieg. (Autor: Eugen E. Hüsler)
8 km
280 m
3.00 h
An der Via Borgo in Ascona (199 m) weist ein gelbes Wanderwegeschild zum Monte Verità (321 m): Es geht recht steil hinauf, teilweise über Treppen, dann quert man eine Straße; Mauern und Hecken befinden sich auf beiden Seiten des Weges und nur gelegentlich zeigt sich die glitzernde Wasserfläche des Lago Maggiore.
In der Nähe der »Villa Anatta«, am Eingang zum Parco Parsifal, biegt man links in den Höhenweg ein, der die felsdurchsetzten Hänge unterhalb der Castelli (379 m) und des Balladrum (483 m; prähistorische Fundstelle) quert, und genießt die Aussicht übers Wasser auf die Riviera del Gamborogno und zum Monte Gambarogno (1734 m). Bei der Cappella Gruppaldo (400 m) stößt man auf die von Arcegno kommende Straße, verlässt sie aber bald wieder, um auf dem etwas tiefer verlaufenden Sträßchen Ronco sopra Ascona (350 m; 2 Std.) anzusteuern. Draußen im Lago Maggiore liegen die Isole di Brissago. Auf engen Gassen geht's durch den malerischen Flecken nach Montana Martina (366 m), dann über Treppen hinunter zur Uferstraße. Man folgt ihr ein paar Minuten, biegt dann rechts auf einen Fahrweg ein, der mit einem kleinen Zwischenanstieg ins alte Dorfzentrum von Brissago (211 m; 3 Std.) führt.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour8 km
Höhenunterschied280 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktAscona (199 m), berühmter Ferienort am obersten Lago Maggiore.
EndpunktBrissago (211 m) am Westufer des Lago Maggiore.
TourencharakterDie Geschichte des Monte Verità könnte Anlass sein, über Wahrheit, über Illusion und Wirklichkeit nachzudenken. Und über den Unterschied zwischen Geschichte und Geschichten. Zu letzteren gehört die Mär vom Fischerdorf Ascona – eine schlichte Erfindung, die aber so schön ins Image passt. Dabei war der Nobelort nie ein Fischerdorf wie etwa Morcote drüben am Luganer See; zum Fischen gingen früher bloß die Armen, die am Berg lebten. Zu jener Zeit hatte der Hügel über Ascona seinen wahren Namen noch nicht, und es gab auch keine erfundenen Wahrheiten über ihn. Seine Geschichte begann erst viel später, vielleicht mit dem Jahr 1869, als der russische Anarchist Michail Bakunin seinen Wohnsitz in Locarno nahm. In der Folge wurde der Berg bevölkert, mit Menschen und Ideen, obskur, revolutionär, utopisch. Da entstand eine urkommunistische, später »individualistisch-vegetabilische Cooperative«, traten Anarchisten, Nudisten und Spinner aller Couleur auf, plante der Grazer Psychiater Otto Groß eine »Hochschule zur Befreiung der Menschheit«. Im Ersten Weltkrieg fanden zahlreiche Emigranten den Weg von Zürich ins Tessin, ihnen folgten Künstler wie die Dadaisten Hans Arp und Hugo Ball, der Kunst folgte die Boheme, später entdeckten die Bauhausarchitekten den Monte Verità, dann waren es Vertriebene aus Nazi-Deutschland, die sich in der Umgebung von Ascona niederließen, wie etwa Erich Maria Remarque und Else Lasker-Schüler. Vergangene Zeiten: Ascona ist längst ein mondäner Urlaubsort, und die Höhen über dem See hat der neudeutsche Geldadel in Besitz genommen. Aus den Utopien des Monte Verità wurde Historie, bereits museumsreif. Seine Geschichte kann man in der Casa Anatta nachvollziehen; als architektonische Versuche blieben die Licht-Luft-Hütte (Casa Selma, 1901) sowie das Hotel Monte Verità (Bauhaus, 1927) erhalten (geöffnet April–Oktober Di–So 15–18 Uhr). Und die Gegenwart? Sie erschließt sich am besten zu Fuß, etwa auf dem Höhenspaziergang von Ascona nach Ronco. Es ist ein Weg, für den man sich Zeit lassen sollte, ein Weg, der zum Nachdenken anregt, aber auch zum Schauen. Interessant ist er allemal, obwohl einem des öfteren ein hoher Zaun den Blick nicht nur auf Privates, sondern auch zum See verstellt. Manches, was da seit den Wirtschaftswunderjahren gebaut wurde, spiegelt Reichtum, aber nicht unbedingt Stil wider, und viele Villen stehen zudem die meiste Zeit leer. Dem großen Rahmen mit dem See und den Bergen haben die Invasionen nichts anhaben können; wie zu Zeiten Hermann Hesses verführen Licht und Farben zu romantisch-verklärten Schwärmereien. Auch für uns Knirpse aus Zürich war der Lago Maggiore damals das »Größte«: Sonne, baden, Eis – und schulfrei! Etwa auf halber Wegstrecke führt die Wanderung durch Ronco (350 m), das mit seinen malerisch-verwinkelten Gässchen so richtig dem Tessiner (Klischee-)Bild entspricht. Dazu gehört auch der zauberhafte Blick vom Kirchplatz auf den See und die berühmten Isole di Brissago. Die größere der beiden Inseln, San Pancrazio, liegt am schönsten Rückweg, und für den geht's (natürlich) aufs Wasser. Anderntags, so meine ganz persönliche Empfehlung, sollte man sich ein Wanderziel im Hinterland des Lago Maggiore, vielleicht in den Centovalli oder in der Val Vergeletto auswählen. Denn das Tessin ist nicht bloß Luxus, Sonne und Entspannung.
Beste Jahreszeit
KartentippLandeskarte der Schweiz 1:50 000, Blätter 276 T »Val Verzasca« und 286 T »Malcantone«
MarkierungenGelbe Markierungen und Wegzeiger.
VerkehrsanbindungAscona, Ronco und Brissago sind durch Buslinien miteinander verbunden; dazu fahren regelmäßig Busse nach Locarno. Gute Straßen, allerdings fast überall gebührenpflichtige Parkplätze. Ein Tipp: Von Brissago nach Ascona zurück übers Wasser – mit einem Schiff der »Navigazione del Lago Maggiore«.
GastronomieRestaurants und Grotti in Ascona, Ronco und Brissago.
Tourismusbüro
Ente Turistico Lago Maggiore, Via Bernardino Luini 3, CH-6600 Locarno; Tel. 091/7 91 00 91, Fax 7 85 19 41, buongiorno@maggiore.ch, www.maggiore.ch.

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