Reintalangerhütte

Mitten auf dem alten Weg zur Zugspitze (Autor: Wolfgang Taschner, Michael Reimer)
46 km
650 m
7.00 h
Erstbesteiger im Flohquartier.
Am 27. August 1820 stand Joseph Naus als Erster auf dem Gipfel der Zugspitze, mit 2962 Meter der höchste Berg Deutschlands. Der Weg zur Erstbesteigung führte die Partnach entlang hinauf ins Reintal, an dessen hinterem Ende die Nacht verbracht wurde. Am nächsten Tag ging es dann den steilen Anstieg hinauf zum Zugspitzplatt. Nachdem er dort das Geröllfeld überwunden hatte, war Joseph Naus der erste Gipfelanstieg durch den Fels gelungen.
Auch heute noch findet der alte Weg zur Zugspitze seine Anhänger, obwohl es seit der Erschließung der Höllentalklamm einen weitaus kürzeren Gipfelanstieg von Nordosten gibt. Anstelle der kleinen Blockhütte, in der Joseph Naus zusammen mit seinen Begleitern damals die Nacht verbrachte und dabei angeblich von unzähligen Flöhen gepiesackt wurde, bietet heute die Reintalangerhütte ein wesentlich angenehmeres Nachtquartier.
Durch die wilde Partnachklamm.
Nach einem etwa halbstündigen Anmarsch vom Skistadion in Garmisch-Partenkirchen ist der Eingang zur Partnachklamm erreicht. Eng an die turmhohen Felswände gepresst, folgt man dem schmalen Einschnitt, den die Partnach aus dem alpinen Muschelkalk herausgearbeitet hat. Vor lauter Getöse versteht man fast sein eigenes Wort nicht mehr. Die feuchte Gischt des hinabstürzenden Wassers dringt durch bis auf die Haut, sodass man froh ist, am oberen Ende der Klamm wieder die wärmende Kraft der Sonne zu spüren.
Über die Bockhütte zur Reintalangerhütte.
Nach der Partnachklamm folgt dann ein längeres unspektakuläres Stück auf einem Forstweg. Anschließend gibt es in der Bockhütte eine leckere Brotzeit inmitten der gut 600 dort weidenden Schafe. Hier beginnt das hochgelegene Reintal, das vor über 600.000 Jahren während der Eiszeit vom Inngletscher aus dem Wettersteingebirge herausgeschabt worden ist. Auf beiden Seiten stehen steil aufragende Felswände, im Talboden plätschert die Partnach gemächlich dahin. Zwischen der vorderen und der hinteren Blauen Gumpe, zwei tiefblauen, rund geformten Wasserstellen, fließt die Partnach unterirdisch durch das »Steingerümpel«. Am Wasserfall gibt es nochmals einen kurzen Anstieg, der durch einen herrlichen Blick zurück in das Reintal belohnt wird. Kurz darauf taucht die Reintalangerhütte hinter den Bäumen auf. Am Ufer der Partnach sind die Sonnenschirme aufgespannt, überall flattern tibetische Gebetsfahnen in den Farben gelb, grün, rot, blau und weiß im Wind.
Der Hüttenwirt als Institution.
Wer von der Reintalangerhütte erzählt, kommt früher oder später auf den Hüttenwirt zu sprechen. Seit 1986 hat Charly Wehrle dort das Sagen und seinem Engagement ist es letztendlich zu verdanken, dass der Aufenthalt auf der Reintalangerhütte bei Jung und Alt gleichermaßen sehr beliebt ist. Frühmorgens werden die Hüttengäste mit dem so genannten Anger-Weckruf – einem live gespielten Musikstück für Hackbrett, Kontrabass, Akkordeon und Gitarre – sanft aus dem Schlaf geholt. Zum Frühstück gibt es dann das legendäre AngerMüsli.
Musikalische Hüttencrew.
Tatkräftige Unterstützung erhält Charly Wehrle durch den Nepalesen Gyalzen, der den besten Kaiserschmarrn weit und breit zubereitet. Fast alle Mitarbeiter aus dem Team spielen ein Musikinstrument und so spielt die Hüttenbesatzung jeden Abend auf. Instrumente sind ausreichend vorhanden, sodass sich auch Gäste an der Session beteiligen können. Bei so viel guter Stimmung in der Stube ist es kein Wunder, dass die Reintalangerhütte an etlichen Tagen im Jahr überbelegt ist. Aber bisher hat noch jeder einen Schlafplatz gefunden.
Die Liebe zur Musik geht soweit, dass im Dezember 1998 die gesamte Hüttencrew mit ihren Instrumenten nach Nepal aufgebrochen ist, um Gyalzen in seinem Heimatdorf ein Ständchen zum 60. Geburtstag zu spielen. Im Gegenzug waren im Sommer 2003 fünf Volksmusiker aus der Mongolei auf der Reintalangerhütte zu Gast und stellten ihre Lieder den erstaunten Hüttenbesuchern vor.
Hilfe in der Not.
Während der Saison hat Charly Wehrle alle Hände voll zu tun. Zunächst sorgt er mit einer selbst ausgetüftelten Bewässerungstechnik dafür, dass der im Frühjahr von Lawinen zugeschüttete Zugangsweg wieder rechtzeitig zu Pfingsten begehbar ist. Sollte in der Küche mal etwas fehlen, saust er mit dem Geländemotorrad schnell zu Tal, um das Benötigte zu besorgen. Zudem ist Charly Wehrle sofort dabei, wenn jemand in Bergnot geraten ist. Er hat schon so manchen Menschen gerettet und, weil es schnell gehen musste, mit dem Motorrad nach Garmisch-Partenkirchen ins Krankenhaus gebracht.

Länge.
Von Garmisch-Partenkirchen über Partnachklamm und Bockhütte (4 Std.); von Garmisch-Partenkirchen mit der Kreuzeckbahn zum Kreuzeck und von dort über Hochalm, Stuibensee und Schützensteig (5 Std., Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sowie ausreichend Getränke erforderlich) oder vom Kreuzeck über Bernadein- und Bockhütte (4 1/2 Std.); von Garmisch-Partenkirchen mit der Zugspitz-Zahnradbahn zum Zugspitzplatt und Abstieg über Knorrhütte (2 1/2 Std.); von Ehrwald über Feldernjöchl, Gatterl und Knorrhütte (4 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour46 km
Höhenunterschied650 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktGarmisch-Partenkirchen, Skistadion
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterDas Reintal ist allen Bergsteigern ein Begriff, die schon auf den unterschiedlichsten Gipfeln des Wettersteingebirges gestanden haben. Mittlerweile kommen auch viele Bergwanderer durch die Partnachklamm herauf, um die besondere Atmosphäre des idyllisch gelegenen Tals zu erleben.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Wanderkarte Nr. 5, Wettersteingebirge – Zugspitzgebiet, 1:50.000
VerkehrsanbindungStündliche Bahnverbindung von München nach Garmisch-Partenkirchen; das Skistadion ist vom Bahnhof aus mit den Ortsbuslinien Nr. 3, 4 und 5 bzw. zu Fuß über Bahnhofstraße, Ludwigstraße und Münchner Straße zu erreichen. Mit dem Auto fährt man von München über die A 95 nach Eschenlohe und weiter auf der B 2 nach Garmisch-Partenkirchen und dort Richtung Innsbruck. Kurz vor dem Ortsende geht es rechts zum Skistadion (beschildert) mit Parkplatz.
Tipps
Deutschlands höchsten Gipfel erklimmen. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts existierte nur ein Weg auf die Zugspitze, und der führte durch das Reintal. Erst durch die Begehbarkeit der Höllentalschlucht gibt es die kürzere Route von Grainau aus. Der alte Weg zur Zugspitze ist jedoch nach wie vor sehr attraktiv. Wegen der großen Entfernung empfiehlt sich eine Zwischenübernachtung auf der Reintalangerhütte. Bike & Hike. Den relativ langen Anmarsch von Garmisch-Partenkirchen kann man zeitlich um einiges verkürzen, wenn man mit dem Mountainbike auf dem Güterweg rechts an der Partnachklamm vorbei bis zur Hinterklamm fährt. Von dort sind es zu Fuß nur noch etwa zwei Stunden bis zur Reintalangerhütte.
Informationen
Hüttenporträt. Höhe: 1369 m. Erbaut: 1912 (DAV-Sektion München). Bewirtschaftet: Täglich von Pfingsten bis zum dritten Sonntag im Oktober. Kulinarischer Tipp: Kaiserschmarrn. Hüttenwirtin: Charly Wehrle. Telefon: 08821/29 03. Betten: 23. Lager: 90. Materialbeschaffung: Viermal in der Saison durch einen Hubschrauber, ansonsten mit dem Geländemotorrad auf dem Steig über die Bockhütte. Besonderheit: Sehr schöne Lage und gute Atmosphäre in der Hütte.
Tourismusbüro
Tourist-Info, Richard-Strauss-Platz 1a, 82467 Garmisch-Partenkirchen, Tel.: 08821 / 18 07 00, Fax: 08821 / 18 07 55, E-Mail: tourist-info@garmisch-partenkirchen.de, Internet: www.garmisch-partenkirchen.de

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