Reichenhaller Haus

Aussichtskanzel am Hochstaufen (Autor: Wolfgang Taschner, Michael Reimer)
Schleppen wie die Sherpas.
Da der Helikopter alle sechs bis acht Wochen nur das Nötigste liefern kann, müssen die Hüttenwirte Martina und Heinz Frommelt zweimal pro Woche ins Tal absteigen und das besorgte Essen hochtragen. Heinz buckelt im Schnitt 30 bis 35 Kilogramm Gewicht. Er hat jedoch kein Sherpablut in den Adern und kann dieses Pensum auf Dauer auch nicht allein bewältigen. So holt er sich mitunter Verstärkung bei der DAV-Sektion Bad Reichenhall oder gar bei der Bundeswehr. Für Bier, ein paar Schnapserl und diverse Übernachtungen lassen sich die kräftigen Männer schon mal ködern. Weil in der Gipfelregion keine Bäume wachsen, sind auch die Holzscheitel kostbar. Wanderer sollten also lieber einen zusätzlichen Pullover mit nach oben tragen, statt sich über zu kühle Temperaturen in der gemütlichen Stube zu beschweren.
Einzigartige Rundumsicht.
Zum Ausgleich verwöhnt die Hütte dank ihrer privilegierten Lage direkt unter dem Gipfel des Hochstaufen mit einer grandiosen Aussicht auf Großglockner, Großvenediger, Wiesbachhorn, Berchtesgadener Alpen, Olperer und in die weite Ebene bis zu den Ausläufern des Bayerischen Waldes. Bei Dunkelheit sind die Lichtermeere von Bad Reichenhall und Salzburg schön anzuschauen. Da der Hochstaufen ein vollkommen isoliertes Bergmassiv ist, wird der Blick in keine Richtung durch Nachbarberge versperrt. Von der Hütte bis zum kreuzgeschmückten Gipfel sind es nur ein paar Gehminuten, sodass sich der märchenhafte Sonnenauf- und -untergang von dort unbeschwert genießen lässt.
Die klassische Gipfelrundtour:
Auch der Verfasser dieser Zeilen hätte sich für dieses Spektakel gerne für eine Nacht in der Hütte einquartiert. Doch angesichts aufziehender Regenwolken und schlechter Wettervorhersage für den nächsten Tag machte er sich kurz vor der Dämmerung prompt an den Abstieg über die abschüssigen »Steinernen Jäger«. Diese Felsroute ist zwar gut markiert, führt aber durch zahlreiche Bänder und Rinnen ungesichert in Richtung Wald. Hüttenwirt Heinz gibt diesen Abstieg nur für erfahrene Bergmenschen frei. Regen und Dämmerung setzten erst nach Passieren einer tollkühnen, in den Wald hinabführenden Leiter ein. Nun galt es, vor der hereinbrechenden Dunkelheit den Forstweg zu erreichen, auf dem die Padinger Alm angepeilt werden konnte.
Normalerweise wählt man diese Route besser für den Aufstieg, doch der Autor hatte sich zuvor von den Wegweisern am Fuß des Berges irritieren lassen: Hier wird – wohl um unerfahrene Wanderer abzuhalten – ausdrücklich vor dieser Route gewarnt, zudem wird sie ohne triftigen Grund, da praktisch gleich lang, mit einer Stunde Gehzeit länger angegeben. Wer sich allerdings fit fühlt für die unschwierige, aber Schwindelfreiheit und Trittsicherheit erfordernde Route, der wird das Reichenhaller Haus mit dem Hochstaufen als grandiose Rundtour erleben. Denn auch der Abstieg über die Westausläufer des stolzen Berges birgt landschaftliche Reize.
Neuer Klettersteig.
Ein besonderes Schmankerl ist der 2003 eröffnete Klettersteig durch die Hochstaufen-Nordwand, der einige schwierige Stellen aufweist und auch für geübte Klettersteigbegeher eine echte Herausforderung ist. So gesehen ist der Abstieg über die »Steinernen Jäger« ein echtes Kinderspiel. Ärgerlich nur, dass die Wetterkamera am nächsten Morgen einen sonnenüberfluteten Hochstaufen zeigte und sich die Übernachtung doch gelohnt hätte ...

Thermentour.
Länge: Von der Padinger Alm gibt es zwei Anstiege (je 3 Std.) zum Reichenhaller Haus: über die »Steinernen Jäger« (Klettersteig, keine Sicherungen) oder die Bartlmahd (Normalweg). Der Klettersteig erfordert alpine Erfahrung, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Von Piding sind die Wege länger: entweder ebenso über die »Steinernen Jäger« (3 1/2 Std.) oder über die Steineralm von Norden (4 Std., nur für Geübte); neu ist der luftige Klettersteig im Gipfelbereich.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour11 km
Höhenunterschied1100 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBad Reichenhall, Ortsteil Nonn (Padinger Alm), oder Piding
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterWenn der Hubschrauber mal wieder über dem Hochstaufen kreist, nicht gleich erschrecken: In den meisten Fällen wird dann kein Bergwanderer geborgen, sondern das Reichenhaller Haus mit Lebensmitteln und Getränken versorgt. Die fast abwegig am Gipfelfels errichtete Hütte verfügt nämlich über keine Materialseilbahn, sodass die Versorgung ein aufwändiges und kostspieliges Unterfangen ist.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Wanderkarte Nr. 14, Berchtesgadener Land – Chiemgauer Alpen, 1:50.000
VerkehrsanbindungMit der Bahn von München über Freilassing nach Bad Reichenhall; vom Bahnhof aber eine Stunde Fußmarsch über Bahnhofstraße, Wittelsbacherstraße und Kurfürstenstraße zur Unterführung an der Umgehungsstraße und auf bezeichnetem Wanderweg (K 4, N 3) zur Padinger Alm (evtl. Stadtplan besorgen). Mit dem Auto auf der A 8 Ausfahrt Piding und auf der B 20 nach Bad Reichenhall; hier von der Umgehungsstraße rechts ab Richtung Karlstein, nach der Brücke wieder rechts nach Nonn und an der Straßengabelung rechts steil hinauf zum Wanderparkplatz an der Padinger Alm.
GastronomieAm Fuß des Hochstaufen liegt in der Nähe des Wanderparkplatzes die Padinger Alm (667 m), eine gemütliche Einkehr mit freundlichem Service und guter, bodenständiger Küche. Besonders schön sitzt man dort an lauen Sommerabenden im Freien. Kein Verkehrslärm stört die Ruhe und romantisch ist der Blick auf die Lichterwelt von Bad Reichenhall. Die Padinger Alm wird von der Familie Wallner geleitet, Tel.: 08651/44 39.
Tipps
Nach der Tour entspannen in der Therme Bad Reichenhall
Informationen
Hüttenporträt. Höhe: 1771 m. ERBAUT: Neubau 1928 (1908 lag die erste Hütte um 15 Meter höher; DAV-Sektion Bad Reichenhall). Bewirtschaftet: 1. Mai – 15. Oktober. Kulinarischer Tipp: Hausgemachte Suppen und Kuchen. Hüttenwirte: Heinz und Martina Frommelt. Telefon: 08651/55 66. BETTEN: 4. Lager: 24. Materialbeschaffung: Hubschrauber alle 6 bis 8 Wochen, ansonsten muss das Essen ca. zweimal pro Woche hochgetragen werden.
Tourismusbüro
Verkehrsverein Bad Reichenhall, 83435 Bad Reichenhall, Tel.: 08651 / 60 63 55, E-Mail: info@bad-reichenhall.de, Internet: www.bad-reichenhall.de

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