Prinz-Luitpold-Haus und Hochvogel, 2592 m

Beliebte Hütte, versteckter Gipfel Zur Hütte viel begangene, teilweise etwas raue Bergwege, doch ohne Probleme. Auf den Hochvogel mit seiner mächtigen Felsflanke Trittsicherheit und zuverlässiges Wetter unbedingt notwendig. (Autor: Dieter Seibert)
Zum Prinz-Luitpold-Haus (1846 m) Vom Giebelhaus (1065 m) führt ein Sträßchen nach Südosten über die Wiesen bis vor die zweite Brücke. Nun wandern wir rechts auf einem Fußweg über die Weidefläche immer westlich des Bacheinschnitts empor, bis wir wieder auf die Straße treffen. Bald danach folgt die Abzweigung des Hüttenwegs nach links. Ganz kurz geht es hinab zum Hauptbach und im Bereich des oberen Bärgündelesbachs – an der Unteren Bärgündeleshütte vorbei – ins freie Gelände, wo man bereits hoch oben das Ziel vor Augen hat. Über Alpweiden winden sich viele Serpentinen empor, dann hält man sich mehr nach rechts, um auch von rechts schließlich zum stattlichen Haus, das auf einer Geländeschwelle thront, zu gelangen. Übernachtet man auf der Hütte, sollte man unbedingt die Umgebung erforschen - den kleinen See gleich unterhalb, die Quellen, das hochalpine Schuttkar ... Ein Phänomen ganz eigener Art ist der Wiedemer (2163 m), der mit seiner 270 m hohen Nordostwand unmittelbar über der Hütte aufragt. Diese Felsflanke imponiert mit ganz extrem »verbogenen« Gesteinsschichten aus Hauptdolomit, einem Beispiel für die ungeheuren Kräfte, die bei der Alpenfaltung wirksam werden. Jeder kann dem Wiedemer in nur einer Stunde auf's Haupt steigen, der die nötige Trittsicherheit für dieses steinige, manchmal auch leicht schrofige Gelände mitbringt. Auf den Hochvogel (2592 m) Um in dem für seinen steilen Schnee bekannten »Kalten Winkel« gar nicht erst in Schwierigkeiten zu geraten, beschreiben wir hier die sehr interessante Route über die Kreuzspitze: Von der Hütte geht es – über dem kleinen See vorbei – quer durch die Hänge, dann in Kehren empor ins Kar und zur Wegverzweigung. Hier wandern wir auf dem oberen Steig in der schmalen, geröllreichen Mulde immer auf der rechten Seite unter den Felsen aufwärts (evtl. Schneefelder), dann durch die Flanke auf den Nordgrat und auf den Gipfel der Kreuzspitze (2367 m, gute Sicherungen). Drüben geht es hinab in die nahe Kaltwinkelscharte (2281 m). Ein Stück steigen wir auf Schutt und über Schrofen empor, dann betreten wir in der rechten Flanke ein Band (Schnur genannt), das von einer zerborstenen, senkrechten, rostroten Wand überragt wird, und gelangen, an der Hochvogel-Schulter vorbei, in die Rinne zwischen ihr und dem Hauptmassiv. Auf Geröll und über ein paar Schrofen in der Westflanke kraxeln wir noch ein gutes Stück empor zum Gipfelgrat mit seinen Blöcken und zum Kreuz. Lassen die Verhältnisse es zu, steigt man beim Rückweg von der Kaltwinkelscharte über den Firn nach Norden ins Kar ab, quert die Schuttfelder ins Sättele, einer Lücke in einer Geländerippe, und quert weiter durch die steile Flanke in die Balkenscharte (2172 m), die von einem schmalen Felsturm ihren Namen erhielt. Drüben geht es dann in Kehren ins Kar hinab, wo man auf die Aufstiegsroute trifft. Mit Familie und Kindern Wegen der Länge der Tour wird man den Hüttenanstieg nur mit größeren Kindern anpacken. Alle anderen sollten sich im Bereich von Stier- und Bärgündelesbach – mit viel Muße – umsehen und auf Entdeckungsfahrt gehen, findet man dort doch ungewöhnlich reizvolle »Wasserspiele« mit kleinen Fällen, Strudellöchern, ausgewaschenen Gumpen, verblockten Abschnitten, Felsbobbahnen und vielem mehr. Im gesamten Abschnitt von der Brücke über den Hauptbach (Stierbach) bis hinauf zu den freien Mattenhängen ist der Bach ausgesprochen sehenswert; Neugierige klettern ein wenig durch das steile Gelände, um besonders malerische Partien zu entdecken. Nach dieser Forschungsarbeit lädt dann die Bärgündeleshütte (1322 m) zur Brotzeit ein.

Dauer - Gesamtgehzeit zu Hütte und Gipfel und zurück 8 1/2 Std. Zur Hütte und von dort auf den Gipfel jeweils 2 1/2 Std. Abstiege zusammen 3 1/2 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour16 km
Höhenunterschied1620 m
Dauer8.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktHinterstein (866 m), lang gestreckter Ferienort im stillen inneren Ostrachtal, interessante Bergkulisse. Teil der Gemeinde Bad Hindelang. Vom Parkplatz am Ortsende von Hinterstein mit dem Bus nach Giebelhaus (1065 m).
TourencharakterObwohl der Hochvogel zu den bekanntesten Bergen der Allgäuer Alpen zählt, kann man ihn an keiner Stelle aus einem der Oberallgäuer Täler sehen. Man muss weit ins Vorland hinaus fahren oder einen der nördlichen Gipfel besteigen, um diese so formschöne Pyramide zu entdecken. Dann ragt der Hochvogel allerdings ganz gewaltig und deshalb unverkennbar über seine Nachbarberge empor. Trotz des ungemein brüchigen Gesteins – typisch für den Hauptdolomit – zeigt unser Berg eine sehr elegante Form mit Wänden bis 650 m Höhe. Fast jeder Bergsteiger möchte deshalb einmal auf diesem auffallenden Berg stehen. Darum gehört auch die Hütte auf halbem Weg zu diesem Ziel mit ihren 280 (in Worten - zweihundertachzig!) Schlafplätzen zu den größten Stützpunkten überhaupt. Schon der Weg dort hinauf – auch für sich alleine wirklich lohnend – wird zu einem Erlebnis. Es gibt wenig Wald, dafür weite Alpweiden und vor allem sehr malerisch ausgewaschene Bachbetten wie am oberen Bärgündelesbach. Zudem wird der Blick auf die Gipfel rundum mit steigender Höhe immer eindrucksvoller; der Schneck (2268 m), ein Steilgrasberg mit senkrechten Felsabbrüchen, bildet dabei einen besonderen Blickfang.
Beste Jahreszeit
KartentippTopografische Karte des Bayerischen Landesvermessungsamt 1 - 50000, Blatt Allgäuer Alpen.
VerkehrsanbindungAuf der Allgäu-Autobahn zur Ausfahrt Waltenhofen, dann auf der B 19 nach Sonthofen-Nord, schließlich auf der B 308 zum Kreisel vor Bad Hindelang, dort rechts ab und nach Hinterstein. Bahnstrecke von Kempten nach Sonthofen, Buslinie nach Hinterstein.
GastronomiePrinz-Luitpold-Haus (1846 m), DAV, 170 Schlafplätze, Tel. 0171/6233417; Giebelhaus (nur Einkehr, keine Übernachtung).
Tipps
Bärgündele Bärgündele – weckt dieses Wort nicht die Neugier? Denn im Ohr eines Fremden mag es schon recht exotisch klingen. Dabei lässt sich die Bezeichnung gut ins Hochdeutsche übersetzten - Der »Vorname« Bär ist klar. Gündele ist die alemannische Verkleinerungsform von Gund, und damit bezeichnet man eine von Wald oder Ödland umgebene Wiese oder Weidefläche. Das Bärgündele ist also eine kleine Bärenwiese. Die Bezeichnungen Gund und Gündele findet man in den Allgäuer Bergen häufig wie beim Häbelesgund an der Rotspitze; und Alpgund-, Rossgund- und Griesgundkopf stehen nebeneinander im Kamm zwischen Warmatsgund und Birgsautal.
Höchster Punkt
Prinz-Luitpold-Haus (1846 m) Hochvogel (2592 m)
Unterkunft
Wie Einkehr.
Tourismusbüro
Kurverwaltung Bad Hindelang, Am Bauernmarkt 1, 87541 Bad Hindelang, Tel. 08324/8920, E-Mail: info@hindelang.net.

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