Prachtkirchen im Pfaffenwinkel

Pfaffenwinkel – ein Raum ohne feste Grenzen im Südwesten Oberbayerns bietet Kulturkost in geballter Form. Die Region hält viele schöne Kirchenräume und traditionsreiche alte Klöster für den Besucher bereit. Einige davon stehen heute im Rampenlicht. (Autor: Armin Scheider)
10 km
125 m
4.00 h

Besuch im Kloster Andechs

Erster Halt ist die älteste Wallfahrt Bayerns und heute noch »eine der bedeutendsten christlichen Stätten« des Landes. Kloster Andechs auf dem Heiligen Berg über dem Ostufer des Ammersees blickt auf eine fast 1000-jährige Geschichte und eine über 600-jährige Wallfahrtstradition zurück. Ziel der Wallfahrt war und ist der Reliquienschatz, der verloren schien, 1388 wiederentdeckt wurde und heute in der Klosterkirche zu besichtigen ist. Die Kirche wurde 1755 erneuert und zählt zu den schönsten Rokokokirchen im Alpenvorland. An ihr haben namhafte Hofkünstler mitgewirkt, so Johann Baptist Zimmermann (Stuck, Fresken, Hochaltar) sowie Johann Baptist Straub (Schnitzfiguren).

Gipfelschau auf dem Hohen Peißenberg

Nun wird über Weilheim und Peißenberg der aussichtsreiche Hohe Peißenberg (988m Höhe) angesteuert, auch Bayerischer Rigi genannt, der den schönsten Rundblick im Alpenvorland bietet. 200 Kilometer soll die Gebirgskette breit sein, die man einsehen kann, von den Chiemgauer Alpen über Karwendel und Wetterstein mit Zugspitze bis zu den Ammergauer Alpen. Oben lockt auch der Gasthof Bayerischer Rigi mit Aussichtsterrasse sowie eine Gnadenkapelle und eine Wallfahrtskirche (beide sehr sehenswert).

Rokokopracht in der Wies

Über Rottenbuch, wo eine berühmte Basilika mit festlicher Rokokoausstattung steht, geht es zur Echelsbacher Brücke und weiter zur Wieskirche. Die über der Ammerschlucht liegende Echelsbacher Brücke gilt als weitestgespannte Bogenbrücke der Welt, jedenfalls was die Konstruktionsart des böhmischen Brückenbauers Melan anbetrifft. Damit wenden wir uns der Wieskirche zu. Sie zählt zu den prunkvollsten Rokokokirchen Bayerns und besitzt abendländischen Kunstrang. Formen und Farben in hellem Licht ergeben bei großartiger Raumharmonie ein glanzvoll-festliches Gesamtbild.

Erbaut wurde die Kirche 1745–1757 vom Wessobrunner Domenikus Zimmermann. Sein Bruder Johann Baptist schuf die Deckengemälde und den Stuck. Hervorzuheben sind auch der Hochaltar mit Schnitzfiguren und dem Gnadenbild »Gegeißelter Heiland« sowie die dekorative Kanzel mit gegenüberliegender Abtsloge. Die vier Kirchenväter an den Pfeilern und die Plastiken der Seitenaltäre hat der bekannte Füssener Bildhauer Anton Sturm geschaffen, dessen Werke auch in Füssen, Steingaden und Ottobeuren zu bewundern sind.

Wanderung an der Wies

Nach so viel Kunstgenuss folgt jetzt eine wunderschöne Wanderung. Sie bietet Pfaffenwinkel pur - grüne Buckel, verträumte Weiher, schmucke Höfe und herrliche Ausblicke. Start ist an der Wieskirche. Zunächst geht es am Lindegger See vorbei nach Hiebler und Kreisten, dann nach Fronreiten und von dort am Fronreitner See vorbei nach Resle und zur Wieskirche zurück. Macht alles in allem rund elf Kilometer. Einzelheiten zur Strecke können der kleinen Karte auf der vorhergehenden Seite entnommen werden.

Zum »Großen Gott« nach Altenstadt

Wir setzen uns wieder ans Steuer und nehmen Kurs auf Schongau. Als Erstes passiert man Steingaden, dessen Klosterkirche ebenfalls zu den Ausnahmekirchen des Pfaffenwinkels zählt. Das umso mehr, als sie viele Stilepochen in sich vereint: Gesamtbau und Westportal romanisch, Vorhalle und Kreuzgewölbe spätgotisch, das Chorgestühl aus der Renaissancezeit, Chor, Altäre und Seitenschiffe sind frühbarock und das Langhaus erstrahlt im Rokokoschmuck. Ein »aufgeschlagenes Buch der Kunststile«.

Nachdem wir die Lechstadt Schongau umfahren haben, erreichen wir Altenstadt, also das alte Schongau, wie der Name schon andeutet. Die dortige Pfarrkirche St. Michael stammt aus der Zeit um 1200 und ist die bedeutendste romanische Gewölbebasilika Süddeutschlands. Der Raum ist sparsam ausgestattet, wodurch Linien und Formen der Romanik eindringlich zur Wirkung kommen. Besonders sehenswert ist der an der Decke angebrachte »Große Gott« von Altenstadt, ein drei Meter hoher romanischer Kruzifixus mit ergreifenden Gesichtszügen, des Weiteren ein 1994 entdecktes acht Meter hohes romanisches Wandgemälde »Christophorus mit Jesusknabe«. Dann gibt es noch einen reliefreichen romanischen Taufstein, eine frühgotische Madonna (1330) sowie gotische Fresken im Chor und im Seitenschiff.

Rückfahrt über Wessobrunn

Über Schongau und St. Leonhard treten wir die Rückfahrt nach München an, unterbrechen aber in Wessobrunn noch einmal, weil es zwei Superlative zu würdigen gilt. Zunächst passiert man nach St. Leonhard den Paterzeller Eibenwald, der rund 2000 dieser seltenen und kostbaren Bäume enthält und damit als größter Eibenbestand Europas gilt. Eiben werden bis zu 20 Meter hoch und 500 Jahre alt. Ihr Holz ist besonders hart und doch elastisch. Ein Lehrpfad erläutert an zehn Stationen alles Wissenswerte über die Eibe. Start ist am Gasthof Eibenwald (Terrasse, kein Ruhetag).

Eine weitere Besonderheit findet man am Eingang zum Kloster Wessobrunn. Dort ist in einen Stein das so genannte »Wessobrunner Gebet« eingemeißelt. Es soll das älteste deutsche Sprachdenkmal mit christlichem Inhalt sein. Aufgezeichnet wurde es vermutlich um 814 von einem Mönch, aber nicht in Wessobrunn, sondern wahrscheinlich in Augsburg oder Regensburg. Die Originalhandschrift wird in der Bayerischen Staatsbibliothek in München aufbewahrt. Grundthema des althochdeutschen Gedichts ist die Schöpfung der Welt und die Überwindung des Bösen.

Länge - Autorundfahrt: ca. 120 km (Andechs–Wessobrunn) Wanderung: ca. 11 km

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour10 km
Höhenunterschied125 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktKloster Andechs Autoanfahrt von München auf A 95/A 952 und Straße Starnberg–Andechs (ca. 50 km) Bahnverbindung S 5 bis Herrsching
Beste Jahreszeit
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