Porta Westfalica

Am Weserdurchbruch Leichte Waldwanderung auf fast durchgehend bequemen, zuweilen wurzeligen Wegen. (Autor: Bernhard Pollmann)
9 km
100 m
3.00 h
Kaiser-Wilhelm-Denkmal Vom Kiosk gegenüber der Denkmalsgaststätte führt in Verlängerung der Stichstraße eine Asphaltpromenade zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem »Westpfeiler« der Westfälischen Pforte. Der Blick fällt hinab auf den Weserdurchbruch und jenseits vom Wesergebirge mit dem Fernsehturm auf dem Jakobsberg. Architekt des 88 m hohen, nachts illuminierten Monumentaldenkmals aus Sandstein war Bruno Schmitz, der auch das Kyffhäuserdenkmal und andere Denkmäler dieser Zeit schuf. Wittekindsweg An der oberen Denkmalsterrasse geht der Wittekindsweg ab, der Kammweg, der im Gleichlauf mit dem Europäischen Fernwanderweg 11 über den laubwaldgeschmückten Rücken des Wiehengebirges führt. Markiert ist der Wittekindsweg mit dem Zeichen »weiß-roter Querbalken«, während der E 11 mit dem Andreaskreuz (x) markiert ist. Benannt ist der Wittekindsweg nach dem germanisch-sächsischen Freiheitskämpfer Wittekind (Widukind), einer der sagen- und legendenumwobensten Gestalten der frühmittelalterlichen deutschen Geschichte. Sein weißes Ross ist Wappenzeichen von Westfalen und Niedersachsen und begegnet uns hunderttausendfach an alten Fachwerkhäusern im westfälisch-niedersächsischen Raum. Widukind war 777–85 während der Sachsenkriege Heerführer gegen die Invasionstruppen des Frankenkönigs Karls des Großen. Der Überlieferung nach wurde er in der Babilonie, einer Ringwallanlage auf dem Wiehen bei Lübbecke, als Sohn des Warnekin geboren. Die zahlreichen Berg- und Quellheiligtümer auf dem Wiehen und in seinem Vorland werden nahezu ausnahmslos mit Widukind in Verbindung gebracht. Viele von ihnen wurden seit der Steinzeit genutzt. Die historische Vita des Freiheitskämpfers Widukind und seiner Frau Geva von Dänemark – sie hat ihr angebliches Grab unter den Helmichsteinen beim Wallfahrtsort Rulle am Wiehen gefunden – bricht mit der angeblichen Taufe im Jahr 785 ab, christliche Legenden spannen sein Leben bis 807 fort - Karl der Große wandelte nach der Taufe Widukinds Wappentier, das schwarze Ross, in ein weißes Ross um und erhob Widukind zum Herzog der Sachsen; nach der Taufe herrschte Widukind auf der Wallburg Babilonie mild und gerecht, ließ Kirchen bauen und beschenkte sie mit Reliquien und Kostbarkeiten. Wittekind fiel der Überlieferung zufolge im Jahr 807 hoch betagt im Krieg mit dem schwäbischen Herzog Gerold. Sein angebliches Grab wird in der ehemaligen Stiftskirche der westfälischen »Widukindstadt« Enger gezeigt. Silberblick Schon nach wenigen Gehminuten erreicht der Wittekindsweg die Schutzhütte »Silberblick« mit weiter Aussicht auf die Hausberger Schweiz, das Erholungsgebiet Großer Weserbogen sowie bis hin zum Amtshausberg in Vlotho und auf das Lipper Bergland. Gemütlich führt der Wanderweg über den Bergkamm – die Klippen, die weserseitig anstehen, bieten faszinierende Ausblicke durch die von prachtvollem Buchenhochwald geschmückte Bergflanke, an deren Fuß das silberne Band der Weser glitzert – und erreicht schließlich den Moltketurm. Moltketurm Der Moltketurm ist der Aussichtsturm auf der höchsten Erhebung des Wittekindsbergs (281 m). Er bietet eine hervorragende Rundschau auf das Weserbergland sowie über den Mittellandkanal hinweg auf das Norddeutsche Tiefland. Errichtet wurde der 20 m hohe Aussichtsturm 1829 im Stil eines mittelalterlichen Bergfrieds mit Wendeltreppe. Damals hieß er »Wittekindsstein«, seit 1906 heißt er »Moltketurm« zur Erinnerung an den preußischen Generalfeldmarschall und Militärstrategen Helmuth von Moltke. Wittekindsburg Vom Aussichtsturm senkt sich der Wittekindsweg in einen Sattel hinab und erreicht das architektonisch der Landschaft angepasste Berghotel »Wittekindsburg« in der gleichnamigen Ringwallanlage. Die Wittekindsburg im Osten des Wiehen-Kamms ist eine Ringwallanlage, die während der Sachsenkriege um 780 als Lager diente für die Kämpfer gegen die Invasionsheere der Franken unter Karl dem Großen. Während Nord-, West- und Ostseite der 650 x 110 m großen Anlage durch Wälle gesichert sind, bilden im Süden Felsabstürze die natürliche Begrenzung. Die Terrasse des Berghotels »Wittekindsburg« bietet eine prächtige Aussicht ins Weserbergland, die Startrampe für Drachenflieger ist an schönen Flugtagen eine viel besuchte Attraktion. Wittekindsquelle Die Wittekindsquelle in der Wittekindsburg ist der angebliche Ort von Wittekinds Bekehrung. Als Wittekind sich fragte, ob die alte oder die christliche Lehre die bessere sei, sprach er zu sich: Ist die christliche die richtige, so möchte ich ein Zeichen haben! Da scharrte sein Ross, und dem felsigen Boden entsprang ein mächtiger Quell. Wittekind trank aus der Quelle und gelobte, sich taufen zu lassen. Im 19. Jh. wurde die Quelle in Stein gefasst; als im Inneren des Bergs nach Erzen gegraben wurden, versiegte sie 1938. Das Hufeisen auf dem Quellgitter erinnert an die sagenumwobene Entstehung der Quelle, aber auch an die Fluchten Wittekinds vor Karl dem Großen: Als Wittekind das südliche Westfalen an die Franken verloren hatte, zog er sich auf seine Burgen auf dem Wiehen zurück, wobei er die Hufe seines Rosses verkehrt herum beschlagen ließ, um die Verfolger zu täuschen. Im ausgehenden 10. Jh. befand sich die Wittekindsburg im Besitz des Bischofs von Minden, der hier die Niederlassung einer Klausnerin namens Thetwif zu einem Benediktinerinnenkloster ausbaute. Das Kloster wurde 993 von Kaiser Otto III. privilegiert, allerdings schon im Jahr 1000 nach Minden verlegt. Ungeklärt ist die Funktion der romanischen Kirche neben der Quelle, der so genannten Margarethenklus. Sie wird im Jahr 1224 erstmals erwähnt und war vielleicht Burgkapelle oder Klosterkirche, möglicherweise diente sie auch als Familiengrab. Unweit der Margarethenklus steht die Königslinde. Sie wurde in Anwesenheit des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. anlässlich der Restaurierung des romanischen Kirchleins 1842 gepflanzt. Für diese Feier wurde der »Königsweg« angelegt, einer der landschaftlich schönsten und bequemsten Wanderwege am Südhang des Wittekindsbergs: Er führt im Wald hinab durch die Südflanke. Wilder Schmied und Wolfsschluchtweg Von der Wittekindsburg führt der Wittekindsweg in schönem Wald weiter über den Kamm, passiert steil abfallende Felsklippen wie die Habichtswand auf der Weserseite des Kamms und erreicht zuletzt die Gaststätte »Zum Wilden Schmied«. Sie ist benannt nach einem Rehmer, der hier 1831 als junger Mann in der Waldeinsamkeit eine Schmiede gründete und nach 50 Jahren des Lebens im Wald 1881 starb. Vom Wilden Schmied geht es zurück zur Wittekindsburg und kurz darauf – im Sattel zwischen Wittekindsburg und Moltketurm – rechts ab mit der Markierung »A2« auf den Wolfsschlucht- bzw. Dreimännerweg: Unter mächtigen Buchen, neben Felsklippen und zwischen üppigem Buschwerk quert der Pfad die unter Naturschutz stehende Bergflanke und erreicht zuletzt wieder das Kaiser-Wilhelm-Denkmal.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour9 km
Höhenunterschied100 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
StartortPorta Westfalica (70 m), Stadt und Kneippkurort am Weserdurchbruch im Weserbergland.
AusgangspunktParkplatz (190 m) am Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica.
TourencharakterDie Porta Westfalica ist das »westfälische Tor«, durch das die Weser aus dem Weserbergland in das Norddeutsche Tiefland hinausfließt. Der Bergkamm links des Durchbruchs heißt Wiehen, der Kamm rechts der Weser wird Wesergebirge genannt. Buchenhochwald, Klippen, naturnahe Kammpfade und herrliche Aussichtspunkte sowie geschichtsträchtige und sagenumwobene Orte machen die Wanderung auf dem Wittekindsweg über den Ostkamm des Wiehengebirges zu einem Hochgenuss.
Beste Jahreszeit
KartentippFreizeitkarte 1 - 50000, Blatt 2 Minden-Lübbecker Land Naturpark Terra.vita Ostteil (Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen).
VerkehrsanbindungA 2 Ruhrgebiet – Porta Westfalica (– Hannover).
GastronomieDenkmalsgaststätte, Wittekindsburg, Wilder Schmied.
Tourismusbüro
Tourist-Information Porta Westfalica, Haus des Gastes, Kempstraße 6, 32457 Porta Wesfalica, Tel. 0571/791280, Internet www.portawestfalica.de.

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