Pleisenhütte

Bitte beachten: Die Netto-Distanz (Hüttenzustieg hin+zurück) beträgt 15 km. Die hier angegebene Km-Distanz stellt den kompletten GPS-Track dar, welcher weitere Gipfelziele beinhaltet: Pleisenspitze (2569 m, 2 Std.), Breitgrieskarspitze (2590 m, 2 3/4 Std.), Kleine Seekarspitze (2613 m, 3 3/4 Std.), Große Seekarspitze (2677 m, 4 Std.) (Autor: Wolfgang Taschner, Michael Reimer)
41 km
800 m
5.00 h
Wenn Träume in Erfüllung gehen: Für derlei entlegene Abenteuer ist natürlich ein angemessener Stützpunkt recht, weshalb Anton Gaugg schon früh von einer eigenen Hütte träumte. Im Jahr 1953 erfüllte er sich schließlich seinen Jugendtraum und kaufte sich Land von der Gemeinde. Einzige Auflage: Es durfte kein einziger Baum gefällt werden, weshalb der Zufahrtsweg um alle Bäume herum angelegt werden musste. Da keine Vermessungsgeräte vorhanden waren, zog er im Freigelände im Winter eine Skispur und riss einzelne Latschen an, um im Sommer die beste Trasse legen zu können. Die Hütte errichtete er aus eigener Kraft als Blockhaus, das entsprechende Handwerk hatte er im Krieg in Russland gelernt. Als die Hütte schließlich stand, wollten zunächst nur Freunde übernachten. Später besuchten jedoch immer mehr Bergsteiger die einzige private Schutzhütte im Karwendel. Blick auf acht Gebirgsgruppen Auch wenn die Wandermöglichkeiten am westlichen Ausläufer des fast 40 Kilometer langen Karwendel-Hauptkammes eingeschränkt sind, bietet die Hütte abseits der klassischen Routen doch einige Reize. Allein die privilegierte Aussicht auf acht Gebirgsgruppen – Karwendel, Stubaier Alpen, Ötztaler Alpen, Mieminger Berge, Wetterstein, Lechtaler Alpen, Verwallgruppe und Silvretta – sucht ihresgleichen. Großartig ist die Abendstimmung mit der untergehenden Sonne. Dazu die Ruhe, die man so intensiv auf kaum einer anderen Berghütte findet. Und wenn der Pleisen-Toni zufällig mal nach dem Rechten sieht und seine alten Karwendelgeschichten auftischt, herrscht in der Hüttenstube die gleiche urgemütliche Stimmung wie vor fünfzig Jahren. Die meiste Zeit hält er sich jedoch in Scharnitz auf, um sich dort um seine neue Leidenschaft zu kümmern: die Wander-CD. Tatsächlich ist er in seinem gehobenen Alter noch als Hitparaden-Star mit internationalen Wanderliedern in Erscheinung getreten. Das Hüttenmanagement überlässt er schon seit längerem seinem Sohn Sigfried mitsamt Familie, was der angenehmen Atmosphäre übrigens keinerlei Abbruch tut. Grandioser Übergang zum Karwendelhaus Neben dem Hausberg, der Pleisenspitze, bietet sich von der Pleisenhütte eine noch weitgehend unbekannte Tour an: Die Überschreitung des Hauptkammes zum Karwendelhaus mit fünf Gipfeln an der Strecke bleibt bis heute ein Geheimtipp. Diese Route ist auf den alten Wanderkarten noch gar nicht eingezeichnet, wohl aber markiert. Je nach Gipfelehrgeiz und körperlicher Fitness dauert die Tour zwischen sieben und neun Stunden und führt anhaltend durch hochalpines Gelände. Wer gar die drei Ödkarspitzen überschreitet und durch das Schlauchkar zum Karwendelhaus absteigt, krönt diese Überschreitung noch. Da es unterwegs keine vernünftige Abstiegsmöglichkeit gibt, sollte die Tour bei Gewitterneigung unbedingt gemieden werden. Aufstieg zur Pleisenspitze Etwas wetterunabhängiger ist die Besteigung der Pleisenspitze, auch wenn dieser Berg als Tagestour von Scharnitz mit 1600 Höhenmeter Steigung und sieben bis acht Stunden Gehzeit ebenfalls etwas mühsam ist und vor allem eine gute Kondition voraussetzt. Doch der Anstieg verläuft von der Pleisenhütte sehr direkt, sodass man bei aufkommendem Schlechtwetter rasch wieder zur Hütte zurückkehren kann. Dazu wandert man stetig auf dem gut markierten Steig auf den bereits von unten sichtbaren Gipfel zu. Oberhalb der Hütte liegen im Vorderkar zwischen Schutt und Latschen übrigens jene Höhlen versteckt, die der Pleisen-Toni erkundet hat. Ortsunkundige werden sich jedoch schwer tun, sie zu finden. Das Vorderkar wird in Richtung des steil aufstrebenden Pleisengrates gequert. Dann zieht der Steig in der Bergflanke gnadenlos steil nach oben und erreicht schließlich den breiten Gratrücken; an heißen Sommertagen kommt man in diesem Bereich gehörig ins Schwitzen. Schließlich werden die letzten Meter wieder bequemer und mit einer Brise Wind meist angenehmer zum Gipfel zurückgelegt.

Länge: Vom Wanderparkplatz talein in Richtung Karwendeltäler. Noch vor der Jausenstation Wiesenhof zweigt nach links ein Fahrweg ab (Wegweiser Pleisen). Auf diesem bzw. später auf einem schmaleren Weg zur Hütte. Nach Passieren des tiefen Wasserlegrabens kann auch auf einem schönen Steig abgekürzt werden (2 1/2 Std.). Eine halbe Stunde länger ist der Anstieg vom Scharnitzer Bahnhof.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour41 km
Höhenunterschied800 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktScharnitz
TourencharakterDie Möslalm verzichtet auf etwas, was in unserer zivilisierten Welt als selbstverständlich gilt: das Telefon. Wer also eines der 30 Schlaflager im angenehm luftigen Dachstuhl ergattern will, muss sich zuvor in Innsbruck über die freien Kapazitäten erkundigen. Während Einzelwanderer in der Regel auch spontan Quartier beziehen können, ist für Gruppen die Voranmeldung in der Tiroler Hauptstadt obligatorisch. Alternativ sind die Alpenvereinshütten Solsteinhaus und Pfeishütte rund zwei Gehstunden von der Möslalm entfernt.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Wanderkarte Nr. 26, Karwendelgebirge, 1:50.000
VerkehrsanbindungGute Zugverbindungen von München nach Scharnitz. Mit dem Auto von München über Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald nach Scharnitz. Im Ort nach der Isarbrücke links die Teerstraße Richtung Karwendeltäler bis zum Wanderparkplatz entlang fahren.
Tipps
Zu Besuch im Karwendelmuseum Wie im Text erwähnt, stieß der Erbauer der Pleisenhütte, Anton Gaugg, bei seinen Höhlenabstechern auf ein uraltes Elchskelett. Dieser sensationelle Fund ist neben einem Stollen, einer nachgebauten Isarquelle und einigen Infotafeln im Karwendelmuseum von Scharnitz, Innsbrucker Straße 282 (Öffnungszeiten Mo–Fr 9–12.15 und 15–17 Uhr sowie Sa 9–12 Uhr), kostenlos zu bewundern.
Informationen
Hüttenporträt Höhe 1757 m ERBAUT 1953 (privat) Bewirtschaftet Anfang Juni bis Mitte Oktober (ganzjährig an Wochenenden) Kulinarischer Tipp Verschiedene Knödelgerichte, Kaiserschmarrn Hüttenwirt Sigfried Gaugg Telefon 0043/664/9 15 87 92 Lager 39 Materialbeschaffung Ein- bis zweimal pro Woche mit dem Geländewagen, im Winter Versorgung mit Ski (im Rucksack bis 25 kg)
Tourismusbüro
Verkehrsamt Scharnitz, Innsbrucker Str. 282, A-6108 Scharnitz, Tel.: 0043/521/3 52 70, Internet: www.discover.com/scharnitz

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