Pizzo Ruscada

Große Tour an dem Bergkamm zwischen den Tälern von Onsernone und Centovalli; Trittsicherheit und Ausdauer erforderlich! Teilweise spärlich markierte Wege; nur bei sicherem Wetter gehen. (Autor: Eugen E. Hüsler)
Von der Seilbahnstation (1138 m) spaziert man über Monte di Comino zur Wallfahrtskirche Madonna della Segna (1166 m). Hier links in den hochstämmigen Buchenwald und angenehm schattig bergan gegen den langgestreckten felsigen Grat mit den beiden Zacken Pizzin (1510 m) und Pianascio (1643 m). Sie werden auf schmalem, teilweise etwas ausgesetztem Weglein nach Westen überschritten; anschließend senkt sich der Pfad in den Sattel Pescia Lunga (1511 m; 2 Std.), wo der Zustieg von Lionza mündet und der Ostgrat des Pizzo Ruscada ansetzt. Im Wald geht's dann bergan zu den beiden Schafhütten von Corte Nuovo (1636 m), dahinter rechts um eine namenlose Kuppe (1715 m) herum und zurück zum Kamm. Nun zunehmend steiler an dem schrofigen Grat zum Gipfel des Pizzo Ruscada (2004 m), wo sich ein herrlicher Blick zum Monte Rosa auftut (3 Std.).
Der Abstieg führt an dem gutmütigen Nordgrat zunächst hinunter zum Cappellone (1879 m), einer grasigen Kuppe, von der man freie Sicht in die Valle Onsernone genießt. Nun rechts über den licht bewaldeten Hang steil bergab und durch die Nordostflanke des Berges zurück zum Anstiegsweg, zuletzt mit einer ganz kurzen Gegensteigung zum Kamm. Weiter auf dem Anstiegsweg bis in die Wiesensenke von Pescia Lunga (1511 m; 5 Std.).
Hier beginnt der südseitige Abstieg nach Lionza (775 m): Zunächst im Wald sehr steil bergab, dann hoch über dem Graben der Val del Marcou hinaus auf einen sonnigen Wiesenrücken. Beim Maiensäß Saorèe (977 m) rechts abwärts, auf solider Brücke über den Bach und am bewaldeten Hang hinein in das Dorf (6:15 Std.). Gleich am Ortsbeginn stehen sehenswerte alte Waschhäuser. Links der Kirche weiter abwärts, über eine Wiese hinunter zu einer winzigen Kapelle, dann auf schönem Weg mit einigem Auf und Ab über zwei der »hundert Täler« (Centovalli), zuletzt steil ansteigend, nach Verdasio (711 m). Durch das malerisch-verwinkelte Dorf und auf der Straße hinunter zur Talstation der Comino-Seilbahn (543 m; 7:15 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour17 km
Höhenunterschied1150 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBergstation der kleinen Seilbahn zum Monte di Comino (1138 m).
EndpunktTalstation der Seilbahn (543 m) bzw. Station Verdasio der Centovallibahn.
TourencharakterCentovalli, Onsernone, Vergeletto: Mehr Gräben als Täler, mit extrem steilen, von der Erosionskraft des Wassers gezeichneten Hängen. An diesen kleben dann die Dörfer, und die Menschen versuchten ein Auskommen zu finden, was aber oft nur in der Fremde möglich war. Die Folge: Emigration. So ist das Vergeletto bereits in der Schweizer Karte von Johannes Stumpf (16. Jh.) als »Kämifegertal« bezeichnet; die Bevölkerung der Region stellte nicht nur über Jahrhunderte die Zöllner des Großherzogtums Toskana, sie war auch in halb Europa als Kaminfeger (auch die Kinder!) und Kaminbauer tätig. In jüngster Zeit erlebten diese Täler auch eine Zuwanderung; Berzona in der Valle Onsernone entwickelte sich zum eigentlichen »Literatendorf«, hier lebten u. a. Max Frisch, Alfred Andersch und Golo Mann. Nur recht zögerlich entwickelt sich der Tourismus, doch das hat ja auch seine Vorteile: viel unberührte Natur, einsame Wege, kaum besuchte Gipfel. Wie z. B. der Pizzo Ruscada, gerade 2000 Meter hoch, aber ein faszinierender »Guck-ins-Land«. Und wenn man oben steht und nach Westen schaut, ist man überrascht, wie nahe die Walliser Viertausender hier schon sind: Gerade 60 Kilometer Luftlinie trennen den Tessiner Gipfel vom höchsten Punkt der Schweiz, der Dufourspitze (4634 m) am Monte Rosa.
Beste Jahreszeit
KartentippLandeskarte der Schweiz 1:50 000, Blätter 275 T »Valle Antigorio« und 276 T »Val Verzasca«
MarkierungenWeiß-rot-weiß, abschnittsweise ziemlich verblasst.
VerkehrsanbindungIn die Centovalli kommt man von Locarno mit der Centovallibahn oder auf guter, allerdings recht kurvenreicher Straße, 14 km von Locarno. Die Seilbahn zum Monte Comino verkehrt Mai–Oktober tägl. von 9–17.30 Uhr.
GastronomieCapanna Monte Comino (1150 m), März bis November, Tel. 091/7981804
Tipps
Albergo Antico Intragna, an der Mündung der Centovalli gelegen, ist eine günstige Basis für Ausflüge und Wanderungen in die Grenztäler der Melezza und des Isorno. Bestens untergebracht ist man im »Albergo Antico« mitten in dem malerisch-verwinkelten Ortskern: gute Küche, rustikal-gediegenes Ambiente und schöne Terrasse. Albergo Antico, CH-6655 Intragna, geöffnet März–November; Tel. 091/7 96 11 07, Fax 7 96 31 15.
Tourismusbüro
Ente Turistico Maggiore, Via Bernardino Luini 3, CH-6600 Locarno; Tel. 091/7 91 00 91, Fax 7 85 19 41, buongiorno@maggiore.ch, www.maggiore.ch.

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