Piz Lischana, 3105 m

Anspruchsvolle Tour auf den einzigen für »Normalverbraucher« machbaren Dreitausender in den Unterengadiner Dolomiten. Absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich. Nicht bei Regen, Neuschnee und Eis! Die Anstrengungen lassen sich mit einer Übernachtung in der vorbildlich geführten Chamonna Lischana auf zwei Tage verteilen. Für Konditionsstarke aber auch gut an einem Tag machbar. Die hier angegeben Zeiten gelten ab dem Parkplatz. Wer von Scuol aufsteigt, hat nochmals mehr als 200Hm zu bewältigen bzw. gut 1.30Std. Mehrzeit insgesamt! (Autor: Peter Deuble)
22 km
1687 m
9.00 h
Von Scuol folgen wir dem Weg in Richtung Chamonna Lischana, der mehrfach die Straße nach S-charl kreuzt, oder wir nehmen den Bus bis zur oben erwähnten Haltestelle und wandern ein kurzes Stück der Straße entlang zum Parkplatz der Hütte. Von hier führt der Weg zunächst wieder ein wenig flacher direkt in die Val Lischana hinein, die sich zwischen Piz San Jon und Piz Lischana hinabzieht. Die Hütte ist oben auf einem Absatz schon vom Tal aus erkennbar. Die Lärchen lichten sich, das Gelände steilt sich auf und die Aussicht weitet sich. Der gut angelegte Weg steigt in vielen Kehren bergan, und wir erreichen schon bald die Chamonna Lischana, 2500 m, die sich rechts vom Weg auf einem kleinen Absatz befindet. Oberhalb der Hütte führt der Steig durch karge und steile Alpweiden und quert die ersten Schuttfelder. Durch eine Rinne und in Kehren erreichen wir die nächste Stufe. Zur Sattel hinauf queren wir nochmals eine Schutthalde; dann stehen wir in der Fuorcla da Rims, 2954 m, keiner engen Scharte im üblichen Sinn, sondern eher eine Art Hochplateau. Der Kontrast in dieser Weite zur engen Val Lischana ist auch dementsprechend. Wir wenden uns in nordwestlicher Richtung und erreichen im Zickzack durch Schutt den Vorgipfel, 3044 m. Hier sehen wir zum ersten Mal den Grat, der zum Piz Lischana hinüberleitet, und auch das kleine Weglein ist gut erkennbar. Es führt uns in leichtem Auf und Ab auf den Gipfel zu. Im Sattel, wo die steile Schuttrinne zur Chamonna Lischana beginnt, teilt sich der Steig. Vor allem im Aufstieg ist die obere Variante zu empfehlen, denn sie führt auf der Kammhöhe direkt auf den roten Gipfelkopf aus Radio-larit zu. Am letzten Vorgipfel stehen wir dann direkt unter dem beeindruckenden Gipfel. Der Schlussanstieg durch den rötlichen Schutt ist zwar nochmals recht steil, aber für trittsichere Geher ohne Probleme. Und dann stehen wir endlich am großen Gipfelsteinmann mit Buch und genießen eine famose Rundsicht. Neben unzähligen Engadiner Gipfeln zeigen sich Ötztaler, Ortler, Cima di Piazzi, Bernina und Tödi und viele unbekannte, wilde Berge. Beeindruckend sind aber auch die Tiefblicke ins Unterengadin.
Abstieg.
Dieser verläuft auf derselben Route. Unermüdliche steigen via Rims und Val d’Uina nach Sur En ab.

Hochtour

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour22 km
Höhenunterschied1687 m
Dauer9.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktScuol, 1198 m, Hauptort im Unterengadin, oder Parkplatz San Jon, ca. 1420 m, bzw. Bushaltestelle San Jon, 1389 m.
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterSüdlich von Scuol erheben sich die Unterengadiner Dolomiten als beeindruckende Nordfront der Sesvenna-Lischana-Gruppe. Die hellen Dolomitgesteine stehen im krassen Gegensatz zu den dunklen Gneisgipfeln der Silvrettaberge. Die Unterengadiner Dolomiten sind Teil eines geologischen Fensters, des so genannten Engadiner Fensters. Gesteine aus Sedimenten, Hauptdolomit und andere, sind in kristalline Gesteine (Gneise) eingeschlossen und treten hier an die Oberfläche. Grund dafür ist die Grenze der zwei Gesteinsdeckensysteme Ostalpin und Penninikum. Unser Gipfel besteht im obersten Teil aus Radiolarit, einem Sediment, das aus Mikroorganismen auf-gebaut und in längst vergangenen Zeiten in der Tiefsee abgelagert wurde. Den Piz Lischana kennt man übrigens recht gut; er ziert gemeinsam mit Schloss Tarasp so manches Kalender- und Postkartenbild. Den besten Überblick über die wilden Gipfel der Unterengadiner Dolomiten hat man übrigens von Ftan, aber auch von Sent und Ardez. Die Tour zum Piz Lischana gehört zu den lohnendsten, aber auch anspruchsvollsten Touren in diesem Führer. Wer das Glück hat, an einem Traumtag im Oktober am Gipfel zu stehen, wird diesen zu den schönsten zählen! Dazu ein Abend auf der Chamonna Lischana, wenn tief unten in Scuol die Lichter leuchten, und ein netter Hüttenwirt, der neben einer guten Küche auch gerne Auskunft über die aktuellen Verhältnisse am Berg und sonstige Tourenmöglichkeiten gibt. In der Nähe der Hütte sind auch immer wieder Steinböcke zu beobachten.
Beste Jahreszeit
KartentippLKS 1:25000, 1199 Scuol; LKS 1:50000, 5017 Unterengadin.
MarkierungenBAW-Wegweiser und weiß- rot-weiße Markierung bis zur Abzweigung auf der Fuorcla da Rims, danach unmarkierter Steig.
VerkehrsanbindungBahnverbindung der RhB von Pontresina (960) und Landquart (910); PTT-Bus von Scuol Richtung S-charl (960.60). Teilweise schmale Fahrstraße von Scuol, Abzweigung zum Hüttenparkplatz ausgeschildert.
GastronomieChamonna Lischana/Lischanahütte, 2500 m (SAC Engiadina Bassa, bewirtet von Ende Juni bis Mitte Oktober, Tel. +41/81/8649544).
Unterkunft
Chamonna Lischana/Lischanahütte, 2500 m (SAC Engiadina Bassa, bewirtet von Ende Juni bis Mitte Oktober, Tel. +41/81/8649544).
Tourismusbüro
ENGADIN/Scuol Tourismus (CH-7550 Scuol, Tel. +41/81/8612222, www.engadin.com); Bergbahnen Motta Naluns (Tel. +41/81/ 8611414); Sent Turissem (CH-7554 Sent, Tel. +41/81/8641544, www.sent.ch)