Piz Boè, 3152 m

Große und großartige Gipfelüberschreitung, dank des hochgelegenen Ausgangspunktes nur mäßig anstrengend. Bergerfahrung ist allerdings unerlässlich. Viel Geröll am Weg und einige gesicherte Passagen, im Frühsommer auch Schnee (Wanderstöcke). Einmalig die »Mondlandschaft« des Sellaplateaus, immens das Gipfelpanorama. (Autor: Eugen E. Hüsler)
Der Lichtenfelser Steig Von der Liftstation Vallon (2518 m) ist es nur ein Spaziergang zur herrlich gelegenen Kostnerhütte (2537 m). Hinter dem Haus geht’s kurz abwärts, dann ansteigend zur Mündung des wilden Karwinkels unter den Pizes dl Valun. Drahtseile helfen über Felsstufen, ein bequemes Band leitet links auf die weite Geröllterrasse im Rücken der Ponte (2791 m). Hier kommt die Eisseespitze (3009 m), nächstes Etappenziel, ins Blickfeld. Über Schrofen leitet der »Lichtenfelser Steig« hinauf zum Gipfel. Nach einem kurzen Zwischenabstieg geht’s am Grat (Cresta Strenta, 3124 m), teilweise mit Seilsicherungen, weiter zur Gamsscharte (Forcela dai Caimorces, 3110 m), dann über den verblockten Nordgrat zum Gipfel des Piz Boè (3152 m; 2.45 Std.) mit bewirtschafteter Hütte. Abstieg Zurück in die Gamsscharte und links in die Nordwestflanke des Piz Boè. Drahtseile helfen über einen Felsriegel, dann läuft die Spur im Geröll hinunter zu der schon lange sichtbaren Boèhütte (2871 m). Der Weiterweg führt auf Bändern (Drahtseile) links um das Felsriff des Zwischenkofels (Antersass; 2907 m) herum. Urweltlich die Szenerie mit dem »toten Meer« des Altipiano delle Mesules und dem Canyon des Val Lasties. Von der Forcela d’Antersass (2839 m) steigt der Weg sanft an gegen den Nordrand des Plateaus (2965 m), dahinter geht’s über Schrofen und im Geröll hinunter ins Val de Tita. Im Vorblick hat man die Cima Pisciadù (2965 m). Beim weiteren Abstieg, der links um die mächtige Felspyramide herumführt (Drahtseile), kommen bald schon die Pisciadù-Hütte (2585 m; 4.15 Std.) und ihr seichter See in Sicht: Einladung zur Rast. Zum Grödner Joch Vom Schutzhaus geht’s zunächst kurz bergan zum Ansatzpunkt des Val Setùs. Der Abstieg in den wilden Graben vollzieht sich über gestufte Felsen (Drahtseile) und Geröll (im Frühsommer Schnee). An seiner Mündung links und in leichtem Auf und Ab zum Grasbuckel des Col de Frea (2234 m) und hinunter zum Grödner Joch (2121 m; 5.30 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour10 km
Höhenunterschied1170 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortCorvara (1555 m)
AusgangspunktLiftstation Vallon (2518 m)
EndpunktGrödner Joch (2121 m), Straßenübergang vom Hochabtei ins Grödner Tal
TourencharakterDie Sella. Brettlfans träumen von der »Sella Ronda«, die Radler schwärmen von den Serpentinen am Pordoi-, Sella- und Grödner Joch, im Sommer ist die Südwand des Piz Ciavazes Ziel guter Kletterer. Wer’s eine Nummer kleiner mag, steht am Einstieg zum »Pisciadù-Klettersteig« in einer Schlange Gleichgesinnter. Und die Rotsockler durchstreifen dieses Dolomitenmassiv auf den markierten Wegen. Die Sella Gralsburg der Ladiner, Felsenfestung, steinerne Bastion im Herzen der »Bleichen Berge«. Umschreibungen, wie man sie immer wieder hört, zu lesen bekommt, wenn dieser ungewöhnliche Bergstock im Schnittpunkt der vier ladinischen Täler Gherdëina (Gröden), Fasa (Fassa), Badia (Hochabtei) und Fodóm (Buchenstein) charakterisiert werden soll. Irgendwie wirkt der doppelstöckige Riesenbau mit seinen tief eingerissenen Talschluchten wie eine Urzeitfestung, auch durch seine isolierte Lage. »Erobert« wurde sie allerdings schon vor langer Zeit, und am höchsten Punkt haben die Barbaren sogar ihre Fahne gehisst: einen sündhässlichen Reflektor, weithin im Land sichtbar. Ein Symbol für den (Phyrrus-)Sieg der Technik über die Natur? Panorama Natürlich thront dieses Ungetüm nicht zufällig oben am Piz Boè (3152 m), dem höchsten Punkt der Sella. Der Grund liegt in der immensen Aussicht, die halt nicht nur Bergsteiger erfreut, sondern auch zeitgemäß genutzt werden kann. Immerhin, das Panorama hat darob keinen Schaden gelitten: eine tolle Dolomitenschau, eingebettet in einen noch viel weiteren Horizont, der sich von den Graubündner Bergen bis zu den Julischen Alpen spannt, bis zum weißen Saum des Alpenhauptkamms reicht. Markierte Wege auf den »leichtesten Dreitausender der Dolomiten« gibt es mehrere. Am bequemsten ist der »Aufstieg« vom Seilbahnberg Sas Pordoi: gut 200 Höhenmeter bis zum Gipfel. Ungleich schöner – und nicht so überlaufen – ist der »Lichtenfelser Steig«; zusammen mit dem Abstieg zum Grödner Joch ergibt sich eine grandiose Tour mit einer Vielzahl starker Eindrücke.
KartentippTabacco 1:25 000, Blatt 07 »Hochabtei – Arabba – Marmolada«
MarkierungenRot-weiß, Wegnummern 672, 638, 666
VerkehrsanbindungCorvara ist der Hauptort des Hochabtei, Anfahrt von Bruneck/St. Lorenzen oder vom Grödner Tal über das Grödner Joch. Mit Gondelbahn und Sessellift via Crep de Munt in den Vallonkessel. Rückfahrt vom Grödner Joch mit dem Linienbus
GastronomieKostnerhütte, Ende Juni bis Anfang Oktober, Tel. 333/975 98 38; Capanna Piz Fassa, 20. Juni bis 20. September; Tel. 0462/60 17 23; Boèhütte, 20. Juni bis 20. September, Tel. 0471/84 73 03; Pisciadù-Hütte, Juli bis September, Tel. 0471/83 62 92
Tourismusbüro
Tourismusverband Alta Badia, Col-Alt-Straße 36, I-39033 Corvara; Tel. +39/0471/83 61 76, corvara@altabadia.org, www.altabadia.org

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