Petit Col Ferret und Grand Col Ferret

Auf den Spuren der »Tour du Mont Blanc« (Autor: Rose Marie und Gerhard Bleyer)
17 km
1130 m
7.00 h
Bedingt durch seine abgeschiedene Lage war das Val Ferret bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts ein wenig bekanntes Tal. Die Haupterwerbsquelle der Talbewohner liegt in der Landwirtschaft. Die Bauern leben bescheiden in ihren alten Steinhäusern. Klein sind die Ackerflächen für Getreide und Kartoffeln, kurz ist der Sommer und lang der Winter. Jede Familie hat nur ein paar Kühe, die zu Beginn der warmen Jahreszeit zu den Maiensässen hinaufgetrieben werden. Der große Alpauftrieb folgt im Juni. Hundert Tage lang werden die Kühe je nach Witterung bis auf Höhen um 2000 Meter getrieben. Der große Almabtrieb beherrscht den 20. September. Die Wohnhäuser in den Dörfern des Tales bestehen überwiegend aus Stein, dick sind die Mauern aus den Felssteinen. Dagegen wurden die Stadel und Heuspeicher (Raccards) aus dicken Balken über Steinsockeln gebaut mit weit überkragenden Dächern, damit die Galerien mit den Holzstangen zum Trocknen des Heus geschützt sind. Oft zeigen die Stirnseiten weit vorspringende Lauben. Die Drance de Ferret wird zur Zeit der Schneeschmelze zu einem reißenden Gebirgsbach. Große Felsbrocken liegen in ihrem Bachbett. Einst folgte sie dem sehr alten Flussbett nordwestlich von Som La Proz (unterhalb von La Breya und Le Catogne), um nach vielen Windungen, bedingt durch die geologischen Gegebenheiten, bei Les Valettes in die Drance d’Entremont zu gelangen. Am Ort ihres alten Laufes liegt in einer grünen Mulde der idyllische Lac de Champex (1466 m) mit dem Höhenkurort Champex. Reizvoll ist eine Fahrt von Champex durch die Durnand-Schlucht und oberhalb der Schlucht nach Les Valettes.
Eine der großartigsten alpinen Wanderungen ist die »Tour du Mont Blanc«. Auf einer Etappe berührt sie, über den Grand Col Ferret kommend, das gesamte Val Ferret bis hinauf nach Champex. Man sollte sich mindestens acht Tage Zeit dafür nehmen, optimal sind zwei bis drei Wochen. Beste Jahreszeit: August/September, jedoch kann im September schon Neuschnee liegen. Der Weg verläuft in Höhen von 800 bis 2500 Metern und führt fast täglich ins Tal hinab. Für die Nächtigung auf den verschiedenen Tagesetappen stehen Gasthöfe oder Hütten zur Verfügung. Die Mitnahme eines Pickels ist angeraten. Empfehlenswert ist der kleine handliche Führer »Rund um den Mont Blanc« (Bergverlag Rother, Ottobrunn). Wer noch nichts von dieser faszinierenden Rundtour gehört hat, wird sich im Val Ferret spätestens dafür interessieren, denn von Ferret bis Champex begegnet man ihnen täglich, den Mont-Blanc-Umrundern zwischen sieben und siebzig. Auf dem Petit und Grand Col Ferret, die wir auf der folgenden Wanderung berühren, weht ein Hauch von »Tour du Mont Blanc« …
Der Wegverlauf.
Aufstieg zum Petit Col Ferret.
Vom Camping des Glaciers Pfadspuren Richtung Gletscher folgen. An einem Stein Markierung: geradeaus Cabane de l’A Neuve, links (unsere Richtung) Le Clou/Pont. Wir gehen über ein breites Geröllfeld und gelangen über die erwähnte Pont (= Holzbrücke) auf die andere Seite der Reuse de l’A Neuve. Unmittelbar über uns im Westen Tour Noir und Aiguilles Rouges mit dem Glacier de l’A Neuve. Nach Südwesten zweigt ein Steig zum Bivouac du Dolent ab (durch eine Rinne mit Kettensicherung auf das Plateau von La Maye und weiter steil zur Biwakschachtel; 2667 m/3 Std.). Unsere Route zieht nach einem Hinweis auf La Léchère in ein Wäldchen hinauf. Ein Wirtschaftsweg windet sich über grüne Weideböden mit schöner Sicht über das ganze Val Ferret zu den Alphütten von La Léchère hoch (1877 m). Scharfkantig senkt sich der Grat von Pointes des Essettes und Pointes des Six Niers nordwestlich über La Fouly ins Tal.
Wir durchwandern die Combe des Fonds. Dunkel ragt der Mont Dolent gegen den Himmel. Vom Glacier du Dolent kommt ein frischer Wind herüber und macht die Luft plötzlich ganz rau. Unter den leuchtenden Felswänden der Pointe Allobrogia geht es die letzten 200 Höhenmeter über ein Altschneefeld und Geröll empor zum Petit Col Ferret (2490 m). Großartig ist die Aussicht südwestwärts nach Italien ins Val Ferret und Val Veni. Erdrückend nahe wirkt der von den Grandes Jorasses zum Mont Dolent ziehende Grat. Gletscher hängen in den Granitwänden. Als Übergang aus dem Italienischen wird der Petit Col Ferret selten gewählt, weil man von Südwesten kommend die Steigspuren entlang des Ostgrates über der Combe des Fonds schwer findet und dadurch leicht zu tief gerät. Im Aufstieg von La Fouly ist die Route problemlos und schön.
Übergang Tête de Ferret – Grand Col Ferret.
Wir wenden uns nach Südosten, wo sich ein Pfad zum Punkt 2539 empor windet. Nun unschwierig, jedoch zum Teil weglos, auf die Tête de Ferret (2713 m) und Abstieg zum Grand Col Ferret (2537 m) oder leicht unter den Südhängen der Tête de Ferret zum Col queren. Dieser Pass ist von alters her bekannt und der klassische Übergang auf der »Tour du Mont Blanc«. Jedoch auch ohne Mont-Blanc-Umwanderung lohnt sich ein Abstieg ins italienische Val Ferret, um zum Beispiel von La Saxe (nahe Courmayeur) zwei völlig einsame Täler zu durchwandern: Val Sapin und Vallone di Malatra.
Höhenweg/Abstieg nach La Fouly.
Oberhalb des normalen Abstiegsweges zieht sich unter den Hängen der Tête de Ferret und La Dotse ein schmales Steiglein zu den Alphütten von La Peule hinab (2071 m). Von La Peule wählen wir die selten begangene Variante Ferret – La Fouly (Hinweis an Hütte) und erleben einen Höhenweg voller Abwechslung und Überraschungen. In Abständen immer wieder Markierungen, während wir diese wilde Landschaft durchwandern, in der noch die selten gewordene Alpenkrähe mit dem gebogenen roten Schnabel zu Hause ist – und der Königsadler, dessen Flügelschlag bis zu 1½ Meter misst. Ausgetrocknete Rinnen, vermodernde Baumstümpfe, Seidelbast, einzelne zerzauste Zirben – weit geht der Blick talaus.
Von der Rinderhütte Plampro (1955 m) geht es dann nur noch nach Norden. Bei einer Weggabelung (etwa 1750 m) in ¼ Std. nach Ferret absteigen oder noch weitere 45 Min. nach La Fouly wandern. Im Tal-grund Queren des steinerfüllten Bachbettes vom Merdenson über Felsbrocken und eine einfache Holzbrücke, bevor er in die Drance de Ferret mündet. Über Le Clou (1614 m), zum Schluss auf kaum befahrener Straße, nach La Fouly.
Weitere Tourenvorschläge.
• La Fouly – Praz de Fort – Issert – Champex (4 Std. hin, 3½ Std. zurück oder 1¼ Std. bis Issert, weiter per Bus);
• Praz de Fort – SAC-Hütte Saleina (4½ Std. Anstieg, 3 Std. Abstieg);
• Champex – SAC-Hütte d’Orny (3½ Std. Anstieg, 2½ Std. Abstieg; mit Seilbahn bis La Breya 3½ Std. weniger);
• Sembrancher – La Garde – Champex (2½ Std. hin, 1¾ Std. zurück);
• Champex – Fenêtre d’Arpette – Trient (5½ Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour17 km
Höhenunterschied1130 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
StartortLa Fouly (1592 m) im Val Ferret; Start beim Campingplatz.
AusgangspunktLa Fouly (1592 m) im Val Ferret; Start beim Campingplatz.
Endpunktwie Ausgangspunkt
Tourencharakterabwechslungsreiche Bergwanderung. Gute Trittsicherheit und Ausdauer nötig.
Beste Jahreszeit
KartentippLandeskarte der Schweiz 1:50 000, Blatt 292 (Courmayeur).
Verkehrsanbindungsiehe Tour 28.
Gastronomieunterwegs keine.
Unterkunft
unterwegs keine.

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