Passo Tremalzo

Meist leichter Weg. Etwas anstrengend und ausgesetzt zwischen Monte Avez und Malga Lorina. Grandiose Aussicht und einmalige Hochalmen sorgen für Wander genuss. Wanderstiefel und Allwetterkleidung sind nötig, hier kann plötzlich auch ein kalter Wind oder ein Schauer auftreten. Ausreichend Proviant und Getränke mit nehmen, Einkehrmöglichkeit erst am Ende der Tour. (Autor: Joachim Lutz, Sabine Malecha)
14 km
800 m
5.00 h
Einmalige Tier- und Pflanzenwelt.
Was die Flora betrifft, ist der Tremalzo ein außergewöhnlich interessantes Gebiet, das wegen der vielen nur hier vorkommenden Arten in ganz Europa bekannt und ein beliebtes Ziel für botanische Exkursionen ist. Die Region ist zudem von erheblichem nationalen Interesse, da hier vom Aussterben bedrohte Tierarten leben und sich fortpflanzen, Überbleibsel aus der Eiszeit, die ausschließlich in den Alpen vorkommen oder für sie typisch sind. Zu ihrem Glück ist der Tremalzo eine von Menschenhand noch recht unberührte Gegend. 21 verschiedene seltene Pflanzenarten, von denen viele auf der Roten Liste der aussterbenden Arten stehen, findet man hier. In ganz Europa ist das Gebiet dafür bekannt, unter Experten genießt es Weltruf. Der Erste, der die diesbezügliche Bedeutung des Tremalzo erkannte, war Kaspar von Sternberg (1761– 1838), der auf einer Reise im Trentino eine neue Steinbrech- sowie eine neue Akeleiart entdeckte. Mitte des 19. Jh. wurde hier die seltene Orchidee Orchis spitzelii entdeckt.
Andere Botaniker suchten und fanden in d iesem Gebirge weitere Pflanzen, und noch bieten viele Universitäten Exkursionen nach Tremalzo an. 1971 erklärte die »Società botanica italiana« den Bereich um den Monte Tremalzo zum erhaltenswerten Biotop, seit 1994 ist er Bestandteil des unter Naturschutz stehenden Parco Regionale dell’Alto Garda Bresciano. Das Gebiet umfasst ein großes Tal, in das die Hirten schon früher ihr Vieh brachten und dort während der Sommermonate weiden ließen: Üppige Wiesen und keinerlei Abgründe – auch heute noch werden diese Weiden intensiv genutzt. Die Milch auf den Almen wird jeden Morgen dazu verwendet, nach alter Tradition Butter sowie eine breit gefächerte Palette an Käsespezialitäten herzustellen. Durch den Reichtum an Hochgebirgsblumen hier oben zeichnen sich die Milch – und die daraus hergestellten Produkte – durch einen unvergleichlichen Geschmack aus.
Die Geschichte des Tremalzo.
Um die Festungsanlage Trient im Ersten Weltkrieg rascher mit Nachschub versorgen zu können, wurde der Tremalzo einst mit einem gewaltigen Serpentinenband befahrbar gemacht. Ab Kriegsausbruch mit Italien, am 24.Mai 1915, wurde das Trentiner Gebiet Frontgebiet. Drei Jahre lang kämpfte man auf seinen Bergen den sogenannten »weißen« Krieg. Er veränderte das Aussehen der friedlichen Alpenlandschaft wesentlich. Ungefähr 700 Trentiner, die im Jahre 1914 zu den Waffen gerufen worden waren, desertierten und meldeten sich als Freiwillige in den italienischen Heeren. Erst am 3. November 1918 marschierten die italienischen Truppen in die Stadt Trient ein: Das war das Ende des Krieges und der österreichischen Herrschaft über das Trentino.
Vom Rifugio Garda zur Cima del Fratone.
Über 8 km windet sich die eigentliche Tremalzostraße über die Südflanke des Berges; sie ist heute für den Verkehr gesperrt. Und 12 km sind es auf der inzwischen fast vollständig asphaltierten Nordseite, auf der wir zum Ausgangspunkt der Tour fahren.
Wir parken beim Rifugio Garda und gehen danach einige Meter auf der Fahrstraße abwärts, auf der wir gekommen sind. Nun schlagen wir Weg Nr. 444 nach links ein. Wir kommen an einem Haus vorbei in den Wald und dann zu den Wiesen des Passo del Dil (30 Min.). Jetzt folgen wir dem Militärweg über die Südflanke des Monte Lavino (1837 m). Weiter geht es auf der Militärstraße. Bei der nächsten Gabelung schwenken wir rechts und gelangen bald auf einem Kriegssaumpfad zum Kreuz des Monte Avez (1 Std.). Eine herrliche Aussicht belohnt uns. Auf dem Wiesenkamm wandern wir weiter und kommen zur Cima del Levrer, von der aus wir Ausblick auf zahlreiche Berge haben. Über Wiesen steigen wir ab und immer auf dem Weg Nr. 444 bleibend wieder hinauf zur Cima del Fratone (1 Std.).
Über die Malga Lorina zurück zum Rifugio.
Dem Südgrad des Berges folgend, manchmal etwas ausgesetzt, auch über einige Stufen und durch Wiesen wandern wir bis zu einer Leiter, die an einem Felsvorsprung klebt. Über die Leiter geht es am Grat weiter und dann in den Wald. Wiesen- und Waldabschnitte wechseln einander ab, bis wir hinunterkommen auf einen breiteren Weg. Hier gehen wir links und sind in wenigen Minuten bei der Malga Lorina auf 1384 m Höhe (1 Std.). Einige Vierbeiner empfangen uns hier sicher. Begleitet vom Läuten der Kuhglocken wandern wir auf dem Sträßchen (Weg Nr. 224) weiter. Leicht ansteigend erreichen wir die Malga Spiazzo und den Pissu-Wasserfall. Mit gigantischem Getöse fließt das Wasser hier herunter. Ganz feine Wassertropfen sorgen für Erfrischung. Vorbei an einer weiteren Alm gehen wir weiter zum Passo della Cocca (1 Std.). Noch sind einige Höhenmeter zu überwinden, bis wir die nette bewirtschaftete Alm Tremalzo erreichen. Hier kann man die Seele baumeln lassen, bevor es die letzten Serpentinen hinaufgeht zurück zum Parkplatz und zum Rifugio Garda (50 Min.). Die auf Initiative der Ortsgruppe Riva des Tridentinischen Alpenvereins (SAT) 1933 gebaute Einrichtung befindet sich heute im Privatbesitz (Mo geschlossen; Tel. 0039/0464/59 81 05). Wir setzen hier den Rucksack für heute einfach ab und lassen den Tag auf der Terrasse bei einem Vino Rosso ausklingen.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour14 km
Höhenunterschied800 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortPasso Tremalzo, Rifugio Garda
AusgangspunktParkplatz auf der Passhöhe beim Rifugio Garda
EndpunktParkplatz auf der Passhöhe beim Rifugio Garda
TourencharakterTremalzo ist eine Gebirgskette im Südwesten des Valle di Ledro. Sie erstreckt sich von Westen nach Osten zwischen dem Monte Bragone del Sole und dem Val Marcia sowie von Norden nach Süden zwischen dem Col Pasovri und der alten Grenzlinie zwischen Italien und Österreich, der heutigen Grenze zwischen dem Trentino und der Lombardei. Der Pass befindet sich auf einer Höhe von 1665 m über dem Meeresspiegel. Kein anderer Pass am Garda- und Ledrosee ist und war von einem größeren Mythos umweht. Ob Radfahrer, Spaziergänger oder Wanderer – alle kommen hierher. Kein Pass ist höher frequentiert, keiner öfter abgelichtet als der Tremalzo. Das Tremalzogebiet bietet eine einmalige Kulisse aus Felsen, Gipfeln, Weiden und Serpentinen. Der Biker liebt den Tremalzo ob seiner Serpentinen, egal ob auf der Süd- oder Nordauffahrt. Wer ihn einmal bezwungen hat, den lässt er nicht mehr los, so sagen viele Biker. Aber auch der Wanderer und Naturfreund kommt hier voll auf seine Kosten. Nur ein paar Meter abseits des Parkplatzes an der Passhöhe taucht man ein in die fantastische Ruhe des Tremalzogebietes. Der Monte Tremalzo ist mit 1973 m der höchste Berg der Brescianer Alpen. Früher gab es hier oben sogar ein Skigebiet, wovon noch leer stehende Appartementhäuser zeugen.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass-Wanderkarten - 1:25 000, Blatt 690 Alto Garda e Ledro; 1:35 000, Blatt 096 Alto Garda, Val di Ledro
MarkierungenWeg Nr. 444, 224; gelbe Farbkleckse
VerkehrsanbindungBrennerautobahn A 22, Ausfahrt Trento Centro oder Rovereto Sud, der Beschilderung nach Riva del Garda folgen, dort weiter über Lago di Ledro Richtung Tirano di Sopra zur Passstraße Tremalzo.
GastronomieAuf der Alm Tremalzo; im Rifugio Garda
Tipps
GEHEIMTIPP - B & B GALET. In Pieve di Ledro befindet sich eine sehr liebevoll geführte und eingerichtete Frühstückspension, das »Galet«. Es bietet Ruhe und Erholung, aber auch viel Wärme und Gastfreundlichkeit und ist der ideale Standort für Wanderungen im Valle di Ledro. Nach dem Aufstehen wartet ein reichhaltiges Frühstück mit heimischen Produkten. Sie denken jetzt: Sicher muss eine gute Seele hinter der Pension stehen – richtig erkannt, sie heißt Francesca. Sie liebt das Ledrotal, ihre Pension und die Arbeit mit den Gästen. Das Gütesiegel »Cuore Rurale« kennzeichnet den Betrieb und steht symbolisch für das Bemühen um die Gäste, den Umweltschutz und die Aufwertung des Tales durch die Verwendung von heimischen Produkten. Galet Bed & Breakfast, Via F. Guella Nr. 2, Pieve di Ledro, Tel. 0039/335/697 43 66, Fax 0039/0464/59 11 11, E-Mail: ledro@galet.it; www.galet.it
Tourismusbüro
Consorzio Pro Loco Valle di Ledro, Via Nuova 9, 38060 Pieve di Ledro, Tel. 0039/0464/59 12 22, Fax 0039/0464/59 15 77, E-Mail - info@vallediledro.com, www.vallediledro.com

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