Ohne oder mit Widderstein, 2533 m

Bei der Rundtour über Hütte, Seekopf und Hochalppass Bergwege ohne Probleme, bei Nässe allerdings rutschig. Auf den Widderstein anspruchsvolles Schrofengelände, kein richtiger Steig, viele einfache Kletterstellen, Trittsicherheit unbedingt notwendig. (Autor: Dieter Seibert)
7 km
1080 m
2.00 h
Zur Widdersteinhütte (2009 m).
Wir gehen über die Straße, rechts um einen alten Hof, dann zwischen üppig wuchernden und blühenden Mähwiesen nach links zum Bach und parallel zu ihm empor bis in 1750 m Höhe mit einem abrupten Gesteins- und Vegetationswechsel. Nun wandern wir über Matten weiter gerade aufwärts und schließlich nach rechts zur Hütte mit hindernislosen Ausblicken.
Hochalpsee, Seekopf (2039 m).
Wir queren auf zwischenzeitlich recht steilen Gras- und Blumenhängen unter dem Widderstein nach Westen in einen kleinen Sattel. Im Norden – 40 m tiefer – liegt der ganz von Matten umrahmte Hochalpsee. Vom Sattel geht es dann immer auf dem Kamm über den Seekopf (2039 m) zu einem Hüttchen. Direkt nach Süden steigen wir hinab in den Hochalppass (1938 m), einem einst recht beliebten Übergang. Nach links geht es über kleine Böden talaus, dann queren wir zum unteren Ostkamm der Höferspitze. Über ihn steigen wir auf Gras und zwischen etwas Buschwerk hinab zum Ausgangspunkt.
Auf den Widderstein, 2533 m.
Von der Hütte quert man 400 m nach Westen, bei der Wegverzweigung geht es dann auf dem oberen Steig über steiles Gras schräg empor zum Felsfuß und nach links zur Ausmündung der Südschlucht, die links von auffallender Plattenwand überragt wird. Sorgfältig den Markierungen folgend steigt man in und links oberhalb der Schlucht über kleine Felsstufen aufwärts; wegen der Steinschlaggefahr sollte man nicht unnötig trödeln. Dann öffnet sich die Unterwelt zu einem weiten Halbrund aus Steilgras, Schrofen und Felsen. Man steigt zum Südwestgrat (meist falsch als Westgrat bezeichnet) hinauf und erreicht über ihn den Gipfel.
Beim Abstieg hält man sich ganz genau an die Aufstiegsroute bis zum Fuß der Felsen. Bei der Verzweigung benützt man dann den rechten Steig und trifft so auf unseren Rundwanderweg knapp vor dem Hochalpsee.
Mit Familie und Kindern.
Der Besuch der Widdersteinhütte und unsere Rundtour sind relativ kurz und ohne alle Schwierigkeiten; man kann sie also bestens mit der Familie, wenn sie etwas lauffreudig ist, durchführen. Für an die Berge gewöhnte Kinder, die oft geschickt und trittsicher wie junge Gämsen sind, bietet sich die Besteigung des Höferbergs (2131 m) an. Man startet an der gleichen Stelle wie beim Aufstieg zur Hütte, benützt jedoch den Steig auf der linken Seite des von Nordwesten herabkommenden Bachs. Immer dem Rücken mit seinem üppigen Graswuchs und einer auffallend reichen Flora folgend, kommt man problemlos auf das Osteck (2069 m) des Berges. Manche geben sich damit zufrieden, faulenzen in einer der vielen »Grasschüsseln« und bewundern die Gipfel im Süden wie die Braunarlspitze (2649 m, siehe Tour 40). Die anderen folgen dem Steiglein über die 800 m lange, ebenfalls stark begrünte und mit Blumen bestickte Schneide. Teilweise ist sie messerscharf und fällt auf beiden Seiten steil ab. Da zeigt sich, wer wirklich trittsicher ist! Für den Aufstieg zum Osteck braucht man gut 1 Std., für den Übergang zum 2131 m hohen Hauptgipfel je nach Können 20 bis 40 Min.

Dauer: Gesamtgehzeit 2 1/4 Std. (mit Widderstein ca. 5 Std.) Zur Hütte 1 Std. Zum Seekopf 25 Min. Abstieg 45 Min. Aufstieg von der Hütte auf den Widderstein 1 1/2 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour7 km
Höhenunterschied1080 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktWarth (1495 m), kleiner Berg- und Skiort mit eindrucksvoller Felsbergkulisse.
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterKein anderer der großen Felsgipfel der Allgäuer Alpen ragt so isoliert auf wie der 2533 m hohe Widderstein, der damit zum Beherrscher des inneren Kleinwalsertals wird. Aber auch über dem Hochtannberg dominiert dieses gewaltige Felskastell mit seinen hohen Wänden. Nach ihm ist die weite Passlandschaft im Süden unseres Berges benannt, die das Lechtal mit dem Bregenzerwald verbindet. Heute führen sehr gut ausgebaute Straßen über den schon immer viel begangenen Pass. Die Walser, ein außergewöhnliches Bergbauernvolk, erschlossen ab 1300 das weite, wellige, mit Mooren und Seen geschmückte Gebiet mit Höfen in dieser außergewöhnlich hohen Lage (siehe Infokasten).
Der Hochtannberg ist zudem ein Jedermannland: Die einen steigen nur zur Hütte hinauf, andere begehen unseren Rundweg mit Hochalpsee und Seekopf, Tüchtige klettern auf den Widderstein, Abenteuerlustige begehen den ganz schmalen, etwas ausgesetzten Grasgrat zum Höferberg und ganz Bequeme bummeln vom Kälbelesee durch das Landschaftsschutzgebiet zum malerischen Körbersee mit seinem Gasthaus. Und für alle gibt es – auf jeder Route – eine ungemein reiche Flora.
Beste Jahreszeit
KartentippFreytag & Berndt 1:50000, Blatt WK 363 Oberstdorf, Kleines Walsertal, Sonthofen.
VerkehrsanbindungZum Hochtannberg (1675 m) entweder durch das Lechtal nach Warth, dort rechts zum Pass, oder aus dem Rheintal durch den gesamten Bregenzerwald. Parken nahe dem Ghs. Adler (1670 m) 350 m östlich der Passhöhe.
GastronomieWiddersteinhütte (2009 m), privat, 28 Schlafplätze, Tel. 0043/664/ 3912524. Am Ausgangspunkt das historische Ghs. Adler.
Tipps
Extremes Bergbauernland. Es war keineswegs die Natur, die die Bilderbuchlandschaft im Bereich des Hochtannbergs geschaffen hat. Einst herrschte auch dort oben ein Ur- und Ödland, das in den Augen der eingesessenen Rätoromanen und Alemannen allenfalls als Alpe nutzbar war. Erst die Walser, die man zu Beginn des 14. Jh. ins Land rief, zauberten mit ungewöhnlichem Fleiß, Ausdauer und einem einmaligen Geschick das freie, sonnige, scheinbar so freundliche Land um den Hochtannberg. Krumbach hieß das Bergbauerndorf auf der Passhöhe. In der Blütezeit um 1800 gab es auf dieser weiten, sehr den Stürmen ausgesetzten Passfurche zwischen Lechtal und Bregenzerwald immerhin 14 Höfe mit 75 Bewohnern. Der obere Widdersteinerhof lag in der stolzen Höhe von 1760 m und dürfte damit das höchstgelegene Bauernhaus in den gesamten Nördlichen Kalkalpen gewesen sein. Bedenkt man die Höhe und die damit verbundenen niedrigen Temperaturen, den bekannten Schneereichtum der Region und die völlig Abgelegenheit ohne alle Straßen (die Passstraße entstand erst 1953), dann ahnt man vielleicht etwas von den außergewöhnlich harten Lebensbedingungen auf dem Tannberg. Das führte schließlich zu einer vollständigen Entsiedelung – nur der Gasthof Adler blieb ganzjährig bewohnt. Mit dem Pistenfahren ist inzwischen ein neuer Boom, wie es heute heißt, ausgebrochen, der für ein paar Monate im Jahr wieder reges Leben in diese Höhe bringt.
Höchster Punkt
Seekopf (2039 m) evtl. Widderstein (2533 m)
Unterkunft
Wie Einkehr.
Tourismusbüro
Tourismusbüro Warth, Haus Nr. 30, A-6767 Warth, Tel. 0043/5583/3515, E-Mail: tbwarth@warth.at.
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