Nichts für Anfänger: der Pizzo Alto

Große Gipfelüberschreitung, Bergerfahrung und eine tadellose Kondition unerlässlich, dazu etwas Orientierungsvermögen. An der »Alta via della Valsássina« mehrere gesicherte Passagen. Nicht bei Nebel gehen! (Autor: Eugen E. Hüsler)
Die Gipfeltour ist zuerst einmal eine Almwanderung: von Premana (951 m) auf den alten Wegen durch das Tal des Varronecello, über Gorla (994 m), Zucco (1018 m) und Gianello (1088 m). Dabei bieten sich packende Tiefblicke in den schluchtartig eingerissenen Talgrund. Hinter der Baitel di Taie (1316 m) kommt man nach Querung eines Grabens zu einem hübschen Rastplatz. Dann läuft der Weg unter Felsen hindurch, ehe er zu einer winzigen Kapelle ansteigt. Weiter aufwärts, über einen in lustigen Kaskaden herabstiebenden Bach und zur (ex-)Alpe di Deleguaccio (1670 m; 2 Std.).
Oberhalb der Steinhütten entdeckt man am Fels eine deutliche rot-weiße Markierung. Der Zickzackspur des Weges folgend kommt man zum unteren Lago di Deleguaccio (2096 m; 3 Std.), einem kreisrunden Gewässer, scheinbar ohne Abfluss, von einem Halbrund steiler Felsen umschlossen. Rechts um den See herum und aufwärts zu einer markanten Rinne, die man mit Kettenhilfe zum weiten Karboden der beiden oberen Laghi di Deleguaccio durchsteigt. Nun nicht links zum Grat, sondern gleich rechts über einen breiten, schrofigen Rücken aufwärts zu einem Band, das hinausleitet zum Westgrat der Cima del Cortese (2427 m). Hier zeigt sich erstmals der spitze Gipfel des Pizzo Alto (2512 m). Die »Alta via della Valsássina« läuft durch die der Valle Varrone zugewandte Steilflanke, überquert eine winzige Scharte und steuert dann die Südostschulter an (ca. 2480 m). Hier links in leichter Kletterei (I) zum Kreuz (5 Std.).
Die anschließende Gratüberschreitung ist dann ein einziges Schauerlebnis; ins Veltlin (Valtellina), zu den Bergeller Granitzacken und tief in die Bergamasker Alpen geht der Blick, im Süden in die Valsássina und zu den Grigne. Die »Alta via« folgt konsequent dem Kamm; ein erster Gratturm wird mit Hilfe von Ketten bestiegen, hinter der zweiten Kuppe ist eine etwas heikle Querung über plattige Felsen ebenfalls gesichert. Rechts in der Tiefe werden die verfallenen Hütten der Alpe di Taeggio sichtbar. Man steigt aber noch nicht ab, sondern folgt dem Grat über die nächste Höhe bis in die Bocchetta di Taeggio (2293 m; 6:15 Std.). Hier weist eine Tafel rechts hinab zur Baita di Albaree (ca. 2000 m). Gelb-blaue Markierungen, ziemlich willkürlich in die steilen Wiesenhänge gesetzt, geben die Richtung an; bei schlechter Sicht (Nebel) sind sie durchaus nützlich. Von der gut eingerichteten Hütte (Biwak, stets zugänglich) wandert man auf einem alten Weg abwärts zur aufgegebenen Alpe di Taeggio (1819 m).
An der gegenüberliegenden, östlichen Talflanke ist tiefer in dem Seitental eine deutliche Wegspur auszumachen, die leicht ansteigend den Hang schneidet und zu einer kleinen Kanzel führt. Von dem schönen Rastplatz (Vorsicht: Schlangen!) leitet die Spur in vielen Serpentinen hinab in die Valle di Fraina. Bei einer Kapelle (1269 m) stößt man auf den alten Talweg. Er führt in leichtem Auf und Ab zurück nach Premana, vorbei an mehreren (teilweise vorbildlich restaurierten) Almsiedlungen, in einem großen Bogen bei Domanda (1180 m) den tiefen Graben am Fuß des Pizzo Alto passierend (9:15 Std.)

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour16 km
Höhenunterschied1960 m
Dauer9.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktPremana (951 m), stattliches Bergdorf in der inneren Valle Varrone
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterIm Gipfelkranz der Valle Varrone ist der Legnone (2609 m) die höchste, der Tre Signori (2554 m) die mächtigste Erhebung. Da fällt der Pizzo Alto (2512 m) nicht weiter auf. Dabei ist das kecke Hörnchen Kulminationspunkt einer Überschreitung, die man getrost der Kategorie »Spitzenklasse« zuordnen darf, eine ganz große Tour, bei der Wetter, Kondition und Motivation stimmen müssen: Gute zehn Stunden ist man unterwegs zwischen Tal und Gipfel, die Gesamtsteigung summiert sich auf etwa 1800 Meter. Ausdauer verlangt schon der Anstieg, das Auf und Ab am Kamm dann eine stabile Psyche; beim Rückweg braucht man dafür Orientierungssinn, werden die Markierungen doch weniger, und zum Schluss folgt ein längerer Marsch talauswärts, zurück nach Premana. Doch da ist man in Hochstimmung, müde, aber ganz unter dem Eindruck der großen Runde stehend.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass 1:50000, Blatt 105 »Lecco – Valle Brembana«
MarkierungenAufstieg und »Alta via della Valsássina« gut bezeichnet, Abstieg teilweise unmarkiert
VerkehrsanbindungPremana (951 m) erreicht man von Dervio und aus der Valsássina über ordentliche Straßen, 16 km ab Dervio, 20 km ab Bellano und 39 km ab Lecco. Busverbindung zwischen der Valsássina und Premana
GastronomieKein bewirtschafteter Stützpunkt unterwegs!
Unterkunft
In Premana
Tourismusbüro
Pro Loco Premana, Via Roma 13, I-23834 Premana; Tel. +39/0341/818081, info@prolocopremana.it, www.premanarivivelantico.it

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Region:
Italien
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