Natur und Technik an der Grimsel

Ausgedehnte, ausgeprägt alpine Hüttenwanderung zwischen Wasser, Eis und Fels. Trittsicherheit und Ausdauer unerlässlich; Gletscherüberquerung harmlos (Geröll) und gut markiert. Einmalig die Kulisse im Quellgebiet der Aare. (Autor: Eugen E. Hüsler)
0 km
750 m
7.00 h
Noch ein Projekt Richtig aufatmen können Naturschützer allerdings noch nicht, haben die KWO (Kraftwerke Oberhasli) doch ein neues, abgespecktes Projekt vorgelegt, immer noch 220 Millionen Franken teuer, das eine Vergrößerung des Grimselsees auf fast das doppelte Volumen bei einer Anhebung des Stauziels um 23 Meter vorsieht. Der Arvenbestand würde dabei zwar tangiert, bliebe aber im Wesentlichen erhalten, ebenso das Moorgebiet. Die Grimselstraße müsste im Bereich der Sperrmauern umgeleitet werden; geplant ist eine 400 Meter lange Hängebrücke vom Nollen übers Wasser zum Nordufer. Fünf Jahre Bauzeit sind veranschlagt; der Hochstau dürfte vielleicht 2014 erfolgen ... Am Weg zur Lauteraarhütte, gleich oberhalb der Spittellamm-Mauer, kann man heute noch auf einer Tafel lesen: »Schonet P?anzen und Tiere«. Unterzeichnet vom Bund Naturschutz und den Kraftwerken Oberhasli (1934).Eis im Rückzug Wenig Schonung erfahren zurzeit die Eisströme, die den See speisen: der Unteraargletscher und seine beiden Zu?üsse, der Lauteraar- und der Finsteraargletscher. In den vergangenen 30 Jahren hat der Unteraargletscher rund ein Fünftel seiner Fläche eingebüßt, gleichzeitig auch erheblich an Masse verloren. Im Zungenbereich bedeckt ein vielfarbiger, dicker Geröllteppich das Eis, das hier noch im Bereich des Gletschermaules sichtbar ist.A 8900 Hinter dem (militärischen) Kürzel verbirgt sich das ehemalige Artilleriewerk Grimsel aus dem Zweiten Weltkrieg. Die in den östlichen Ausläufern des Juchlistocks im (bombenfesten) Grimselgranit versteckte Anlage umfasste einen Hauptstollen von fast einem Kilometer Länge sowie etwa 50 Räume, darunter eine Bäckerei, die für ihre Pizzen und Butterzöpfe bei den Soldaten einen legen-dären Ruf genoss. Bestückt war die Felsenfestung mit sechs 15-cm-Bunkerkanonen mit einer (nach Süden und Südosten gerichteten) Reichweite von über 20 Kilometern. Versorgt wurde sie über eine 450 Meter lange Standseilbahn, die ihre Talstation am Fuß der Spittellamm-Staumauer hatte, und über einen unterirdischen Treppengang, an dessen (verschlossenem) Eingang die Hüttenwanderer heute vorbeigehen – im Spittellamm-Tunnel.Am Grimselsee entlang Auch die große Hüttentour beginnt mit Treppensteigen: Vom Grimsel Hospiz (1962 m) geht es zunächst hinunter zur Bogenstaumauer, dann über viele Stufen am kompakten Granit der Spittellamm wieder schräg aufwärts. Es folgt eine recht luftige (aber mit soliden Geländern versehene) Querung, dann verschwindet der Weg für etwa 100 Meter in einem Tunnel. Am Ausgang emp?ehlt sich ein kurzer Blick zurück, zei-gen sich an der glatten Felswand doch sehr schöne Gletscherschliffe. Nach dem ?nsteren Intermezzo verläuft der Pfad mit viel Auf und Ab über dem sonnseitigen Ufer des 6,5 Kilometer langen Grimsel-Fjords, teilweise mit Granitplatten und -stufen versehen, dann wieder als deutliche Sandspur zwischen den Steinen. Auf solider Brücke überquert man den Juchlibach, der, durch das Schmelzwasser des Bächli- und des Gruebengletschers angereichert (Zuleitungen), über ein paar Felsstufen herabstiebt. Auffallend sind auch die vom eiszeitlichen Aargletscher geschliffenen Rundhöcker. Eine halbe Gehstunde weiter überrascht der schöne Arvenbestand von Meder, und schließlich kommt auch das lang gestreckte Gletschertal von Unteraar ins Blickfeld, wirkungsvoll abgeschlossen von den nahe beieinanderstehenden Zacken des Lauteraarhorns (4042 m) und des Schreckhorns (4078 m). Rechts hoch in den Felsen kann man bei schönem Wetter Kletterern zuschauen, wie sie sich in dem unglaublich kompakten Granit nach oben »reiben«. Die kleinen Kinder spielen lieber am Sandstrand des oberen See-Endes (2.15 Std.).Zur Laueraarhütte Eine bezeichnete Spur führt über den ?achen Boden hinter dem Grimselsee zur Zunge des Unteraargletschers. Der trägt eine dicke »Haut« aus Geröll und Bergsturztrümmern, die er im Zeitlupentempo zum See transportiert. Man betritt das (verborgene) Eis rechts des Gletschermauls und wandert dann auf dem Gletscherrücken taleinwärts, bis die Markierungen nach rechts weisen. Nun auf dem deutlichen Weg an dem felsdurchsetzten Hang bergan, über den Triftbach und zuletzt ?ach über eine teilweise mit Gras bewachsene Terrasse zur Lauteraarhütte (2393 m; 4 Std.). Das ?nale Bild der Hüttenwanderung liefern die Eisströme des Finster- und Lauteraargletschers, die am Fuß des Abschwunghorns zusammen?ießen. Darüber ragen einige der höchsten (und schönsten) Gipfel der Berner Alpen in den Himmel: Finsteraarhorn (4274 m), Agassizhorn (3953 m), Lauteraar- und Schreckhorn. – Rückweg nur auf dem Anstiegsweg!

Gesamt 7 Std.

Grimsel Hospiz – Lauteraarhütte 4 Std., Rückweg 3 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour0 km
Höhenunterschied750 m
Dauer7.00 h
StartortGuttannen (1057 m)
AusgangspunktGrimsel Hospiz (1962 m)
EndpunktGrimsel Hospiz (1962 m)
TourencharakterWer an einem schönen Sommertag zur Lauteraarhütte wandert, wird fast unweigerlich ins Schwärmen geraten. Superlative drängen sich auf angesichts dieser grandiosen Fels- und Eislandschaft. »Nordisch« hat man sie schon genannt, die Grimselregion, auch der lang gestreckte Stausee mit seinem milchig grünen Gletscherwasser lädt ein zum Vergleich mit einem norwegischen Fjord, ebenso der kompakte, raue Granit. Die Gipfel über den Talgletschern sind allerdings entschieden höher, die Tage im Sommer dafür nicht so lang wie am nördlichen Polarkreis. Deshalb kann es einem leicht passieren, dass die Zeit knapp wird, man erst im letzten Abendlicht wieder beim Grimsel Hospiz ankommt: Zu viel gibt es zu sehen, zu bestaunen. Da ist einmal der See, der sich so gut in die Landschaft einfügt, dass man (fast) an eine Versöhnung von Natur und Technik glauben möchte; dann die gigantischen, wie aus einem Stück gegossenen Granitmauern über dem Wasser (Kletterdorado!) und die scheinbar himmelhoch ragenden Gipfel. Zwischen den braunen Felsen blüht es üppig, dunkelgrün

stehen die wetterfesten Arven an der steilen Wiesen?anke. Ihre Tage schienen gezählt, als die Energiebarone in Bern vor ein paar Jahren das

gigantische Projekt »Grimsel-West« vorstellten. Der Spiegel des hinteren Grimselsees sollte mittels einer 220 Meter hohen Mauer (die in den alten Stausee zu stehen gekommen wäre) um gut 100 Meter angehoben werden – Staukapazität rund 410 Millionen Kubikmeter Wasser. Mittlerweile sind diese Ausbaupläne vom Tisch, eine direkte Folge des anhaltenden

Widerstands von Umweltorganisationen und der einheimischen Bevölkerung, aber auch der Liberalisierung im europäischen Strommarkt.
Beste Jahreszeit
KartentippSwisstopo 1:50 000, Blätter 255 T und 265 T
MarkierungenGelbe Wegzeiger, weiß-rot-weiß und weiß-blau-weiß markiert
VerkehrsanbindungGrimsel Hospiz liegt an der Nordrampe der Grimsel-Passstraße, 30 km von Meiringen. Postbuslinie
GastronomieLauteraarhütte, Juni bis September, Tel. +41(0)33/973 11 10. Grimsel Hospiz
Tipps
EIN HOSPIZ Auf dem Nollen (1980 m), dem schroffen Felsbuckel zwischen den beiden Grimsel-Staumauern, thront das Grimsel Hospiz. Im Jahr 1932 erbaut und erst jüngst stilvoll renoviert, atmet das Haus mit seiner unverwechselbaren Fassade aus Granit die Atmosphäre eines Refugiums mitten im Hochgebirge, wo sich Landschaft, Technik und Historie zu einem einzigartigen Ambiente verbinden. Ab dem Juni 2009 steht das Grimsel Hospiz seinen Gästen wieder offen. Grimsel Hospiz, CH-3864 Guttannen, Tel. +41(0)33/982 46 11, E-Mail: welcome@grimselhotels.ch
Mehr zum Thema