Nationalpark Hainich

Größtes Buchenwaldgebiet Deutschlands Waldwanderung auf mit Ausnahme der Panzerplattenstrecke meist bequemen Wegen und zum Teil wurzeligen Pfaden. (Autor: Bernhard Pollmann)
16 km
150 m
5.00 h
Craulaer Kreuz Der Wanderparkplatz Craulaer Kreuz (475m) liegt am Ostrand der Hainich-Wälder mit wunderbarem Blick über das sanft gewellte Hochland. Auf dem Weg vom Parkplatz zum Waldrand befinden sich an der Wegeverzweigung kurz vor dem namengebenden Craulaer Kreuz eine Wanderwege-Übersichtstafel und ein Rastplatz mit Bänken - Von links führt der mit dem Buchstaben R markierte Hainich-Rennstieg herauf, dem wir geradeaus – am etwas unscheinbaren Craulaer Kreuz vorbei (links des Wegs) – in den Wald hinein folgen. Das Craulaer Kreuz ist ein einarmiger Kreuzstein auf einem kleinen Hügel am Südwestrand des Nationalparks Hainich. Ursprünglich wurde es wohl um 1570–1579 gesetzt, vermutlich für einen durch Unfall oder Untat ums Leben Gekommenen. Ein Arm wurde abgeschlagen, im 20. Jh. verschwand das ganze Kreuz, doch im Flurnamen »vor dem Kreuz« lebte es fort. Das heutige Kreuz wurde nach überlieferten Zeichnungen und Fotos angefertigt und 1994 gesetzt. Kreuzsteine sind Steinsetzungen in Kreuzform, die an Morde und tödliche Unfälle erinnern, weshalb sie auch als Mord- oder Sühnekreuze bezeichnet werden. Nach jahrhundertelang geltendem Rechtsbrauch musste zur Erinnerung an den Ermordeten oder durch Unfall ums Leben Gekommenen ein Steinkreuz errichtet werden, wobei die Kreuzform ursprünglich keinen Bezug zum Christentum hatte. Nachfolger der alten Sühnekreuze sind die katholischen Bildstöcke, die Marterl, die an die Marter des zu Tode Gekommenen erinnern: Wie die Steinkreuze stehen sie an Orten, an denen ein Mensch durch Unfall oder Verbrechen ums Leben kam und verschied, ohne die Letzte Ölung erhalten zu haben. Otterbühl Der Kammweg des Hainich führt auf einem angenehmen Waldpfad bzw. schmalen Weg durch Buchenhochwald mit Bäumen unterschiedlichster Alters- und Entwicklungsstufen. Auch eindrucksvolle Totholzstämme stehen am Weg, zwischen die Buchen mischen sich Eichen, Eschen, Ahorne und andere Laubbäume, während die – wenigen – standortwidrigen Nadelhölzer vom Borkenkäfer befallen sind und sterben. Nach rund 2km mündet der Rennstieg an einer kleinen Schutzhütte auf einen für Panzer des Warschauer Pakts angelegten Plattenweg und folgt ihm rechts Richtung Ihlefeld. Links des Wegs rundet sich der sagenumwobene Otterbühl. Hier soll sich einst ein tatendurstiger Jüngling, der Ritter vom Otterbühl, in einem Jagdhaus in dunklen Nächten mit drei Mädchen getroffen haben, die ihn liebten. Als diese Verhältnisse ruchbar wurden und »man« sich empörte, musste der liebende Ritter vom Otterbühl fliehen. Eiserne Hand und Ihlefelder Kreuz Vom Otterbühl führt der Rennstieg weiter durch die Hainich-Buchenwälder und erreicht die Sitzbank an der Wegekreuzung Eiserne Hand. Die Eiserne Hand ist ein in Handform geschmiedeter Wegweiser, der im Langensalzaer Amtsbuch schon 1554 erwähnt wird und als ein Wahrzeichen des Hainichs gilt. Die gebogenen Finger einer Hand zeigen die Richtungen an. Wie beim Craulaer Kreuz handelt es sich um eine Replik, das Original wird in Mülverstedt aufbewahrt. Der Kammerforster Schmiedemeister Zilling fertigte 1994 die Kopie dieser schwarzen Hand und verkauft auch kleine Nachbildungen. Bei der Eisernen Hand führt ein Pfad zum 20m entfernten Ihlefelder Kreuz in den Wald. Das geheimnisumwitterte Ihlefelder Kreuz ist die älteste erhaltene Steinsetzung im Hainich. Der mannshohe Kreuzstein zeigt auf einer Seite eine Ritzzeichnung, die mutmaßlich aus der Zeit um 1400–1450 entstand. Zu erkennen sind ein gestürzter Mann, ein Spieß und ein Bär. Möglicherweise erinnert der Kreuzstein an einen Jagdunfall an dieser Stelle. Betteleiche Von der Eisernen Hand führt der Rennstieg im Wald weiter zur Rodung Ihlefeld. Die Betteleiche am Rand des Ihlefelds ist der berühmteste Baum des Hainichs. Schon zur Klosterzeit, als Gebete und heilige Gesänge die Lichtung erfüllten, war sie so groß, dass sie in etwa ihre heutige Form hatte. Die Mönche versorgten damals die Wanderer und Pilgrime, die sich in diesen Urwald wagten. Zum Dank für Speise, Trank und Seelenheil legten die Gäste Gaben in die Eiche. Zum Schutz dieser Almosen schabten die Mönche eine kleine Höhlung in den Baum. Das Kernholz vermoderte an dieser Stelle, und die Eiche erhielt ihre bizarre Form. Gleich bei der Betteleiche befindet sich ein Brunnenhäuschen. Die Mönche hatten den Platz für ihre Siedlung zwar auf dem Kamm des Hainichs gewählt, aber doch an einer Stelle, an der ungeachtet der Kammlage genügend Wasservorräte zu finden waren. Wüstung Ihlefeld Wenige dutzend Meter nach Passieren der Betteleiche erreicht der Rennstieg den ehemaligen Wallfahrtsort Ihlefeld, die berühmteste Wüstung auf dem Hainich. Um 1110 gründeten hier Mönche aus der Bruderschaft des heiligen Antonius die allseits vom Wald umgebene Klause »Eilfelden«. Wunderlegenden zogen bald Wallfahrer an, 1443 erwarb das Eisenacher Katharinenkloster den Platz. Reformation und Bauernkrieg beendeten das religiöse Leben in den Wäldern des Hainichs, das Ihlefeld sicherte sich die Adelsfamilie von Hopfgarten. Als der Süden des Hainichs in den DDRTruppenübungsplatz Weberstedt umgewandelt wurde, rissen die sozialistischen Soldaten die noch stehenden Gebäude des Ihlefelds ab und schütteten die Keller zu. Auf einem dieser Gewölbekeller wurde 1995 eine an zwei Seiten offene Fachwerkschutzhütte errichtet, das Mülverstedter Forsthaus. Es dient als Rastplatz für Wandergruppen und ist an Wochenenden im Sommerhalbjahr gut besucht: Ein ambulanter Kiosk bietet dann Erfrischungen an, und von Mülverstedt aus bringt ein Pendelbus Wanderer zum Ihlefeld. Schluchtwald im Langen Tal Gestärkt mit guten Thüringer Blechkuchen, die am Mülverstedter Forsthaus in beachtenswerter Auswahl vom gut gelaunten Bäcker zu Kaffee und Erfrischungsgetränken gereicht werden, folgen wir dem Rennstieg auf demselben Weg zurück an der Eisernen Hand vorbei und zur kleinen Schutzhütte an der Stelle, wo der Rennstieg den Panzerplattenweg verlässt und auf den schönen Pfad/Weg Richtung Craulaer Kreuz wechselt. Hier gehen wir auf dem Panzerplattenweg abwärts, wobei das Zeichen »einarmiges Kreuz« des Rundwanderwegs »Craulaer Kreuz« die Route weist. Schon bald zweigt der Kreuz-Rundwanderweg rechts in das Lange Tal hinab – ein angenehmer Hangweg, der nach etlicher Zeit den Gänserasen im Talgrund erreicht. Am Gänserasen lohnt der kurze (Pfad 2Min.) Abstecher zum Tännchen, der mit 43m Höhe mächtigsten Fichte im Hainich. Zurück am Gänserasen, folgt der Kreuz-Rundwanderweg dem schluchtartig eingeschnittenen Langen Tal aufwärts in prachtvoller Schluchtwaldumgebung mit Eschen, Buchen und Ahornen sowie bizarrwüchsigen Hainbuchen. Bemerkenswert ist in diesem Tal auch, dass kein Geräusch der Außenwelt wahrnehmbar ist: Kein ferner Autobahnlärm, nichts stört die natürliche Stille in diesem eindrucksvollen Tal, in dem in der Dämmerung die Nebel zwischen Büschen und Bäumen aufsteigen. Wartburgblick Der Kreuz-Wanderweg erreicht schließlich im Langen Tal eine Wegeverzweigung an einer Raststelle. Rechts hinauf führt der mit dem Zeichen »Sperber« markierte Wanderweg Richtung Wartburgblick; da das Lange Tal jedoch so schön ist, gehen wir weiter in ihm aufwärts, wobei weiterhin das Zeichen »einarmiges Kreuz« den Weg weist. Der Weg verschmälert sich bald, führt als Pfad durch hallenartige Buchenwälder, windet sich zwischen Buschwerk aufwärts. An Stellen, an denen unvorsichtige Wanderer abstürzen könnten, sind Holzgeländer als Sicherungen angebracht. Zuletzt mündet der pfadartige Weg auf einen Forstweg, und dieser führt rechts zu einer lehnenlosen Panoramasitzbank am Waldrand; an dieser Stelle befindet man sich wieder auf dem Rennstieg: Links hinauf führt er in 1Min. zum Ausgangspunkt, rechts jedoch geht es zum Wartburgblick. Richtung Wartburgblick führt der Rennstieg am artenreichen Waldtrauf entlang zur Turnerbank bei einem Kinder-Abenteuerspielplatz in schöner Aussichtslage. Gleich darauf zweigt rechts der mit dem Zeichen »Sperber« markierte Weg in den Wald ab und folgt dann einer von Blumenwiesen eroberten ehemaligen Panzerschneise zu einem Rastplatz, an dem der nahe Rastplatz Wartburgblick ausgeschildert ist. Auf demselben Weg geht es dann zurück zum Ausgangspunkt, dem Wanderparkplatz Craulaer Kreuz.

Wanderwege Thüringer Wald

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour16 km
Höhenunterschied150 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortDie Rosenstadt Bad Langensalza mit ihrem spätmittelalterlichen Altstadtkern ist Schwefelheilbad nahe der Mündung der Salza in die Unstrut im Osten des Nationalparks Hainich.
AusgangspunktParkplatz Craulaer Kreuz (470m) bei Behringen-Craula südwestlich von Bad Langensalza.
TourencharakterDer Hainich trägt das größte geschlossene Laubwaldgebiet Deutschlands, 7600 ha stehen seit 1997 als Nationalpark unter Schutz und werden von der Forstindustrie nicht mehr genutzt - Hier soll sich »Urwald mitten in Deutschland« entwickeln. Der Hainich ist ein Muschelkalkhöhenzug, der zwischen Thüringer Becken und Werratal vom Stadtwald Mühlhausen 25km südwärts bis Behringen streicht. Das flachwellige, waldarme Thüringer Becken überragt er um 100–200m, das tief in den Fels eingeschnittene Werratal sogar um bis zu 300m. Seine höchste Erhebung ist der Alte Berg (494m) bei Behringen-Craula. Charakteristisch für den Hainich sind seine Buchenwaldgesellschaften, die in jahrhundertelanger Plenterwaldwirtschaft entstanden: Bei dieser Form des Hochwaldbetriebs werden nicht wie bei Monokulturen großflächige Kahlschläge durchgeführt, sondern nur Einzelstämme oder kleine Baumgruppen entnommen. Ergebnis dieses Femelschlagbetriebs ist ein stets erhalten bleibender Hochwald, reich gestuft mit Bäumen aller Altersstufen. Der Rennstieg ist der jahrhundertealte Höhenweg des Hainichs. 1882/1928 wurde er in seiner heutigen Form als Höhenwanderweg markiert. Wärend des Kalten Kriegs war das Gebiet des heutigen Nationalparks Truppenübungsplatz. Den Westhang durchzogen Schützengräben, im Osten wurde ein Schießplatz der Nationalen Sozialistischen Volksarmee angelegt, und im Süden leuchteten nachts die Mündungsfeuer der Panzer der Roten Armee. Feldherrenhügel wurden aufgetürmt, Panzerschneisen geschlagen, Gerüchte von maßlosen Wodkagelagen drangen nach außen, und einmal schlug eine Granate im Bischofrodaer Schloss ein, das damals als Kindergarten genutzt wurde. Anfang der 90er-Jahre war der Spuk vorbei, das Gelände wurde von Kampfstoffen geräumt, dennoch empfiehlt es sich nicht, die markierten Wege zu verlassen. Ganz abgesehen davon: Im Nationalpark herrscht Wegegebot.
Beste Jahreszeit
KartentippTopografische Karte 1 - 50 000 Ausgabe mit Wanderwegen, Blatt Südliches Eichsfeld/Hainich/Werratal (Thüringer Landesvermessungsamt).
VerkehrsanbindungA 4 Dresden – Eisenach, Ausfahrt Eisenach Ost und auf der B 84 Richtung Bad Langensalza. In Reichenbach abzweigen nach Craula, und in der Kurve am Ortsende links auf die holperige Stichstraße zum Craulaer Kreuz.
GastronomieIhlefeld (ambulant, saisonal, eventuell nur am Wochenende).
Tourismusbüro
Haus des Gastes Bad Langensalza, Kurpromenade 5 (Friederikenschlösschen), 99947 Bad Langensalza, www.badlangensalza.de

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