Monte Cadria, 2254 m

Die Überschreitung des Monte Cadria ist etwas für erfahrene Bergsteiger. Die sind trittsicher, ausdauernd und nicht ganz unbegabte (Weg-)Spurensucher. Eine Tour mit leicht abenteuerlichem Touch, dazu großer Gipfelschau. Im Sommer herrliche Edelweißwiesen (Autor: Eugen E. Hüsler)
Der Aufstieg Die große und großartige Runde beginnt an der Brücke über den Mühlenbach (Rio dei Molini), neben einem verfallenen Haus, auf einem Alpsträßchen: eine Fleißaufgabe, die lediglich ein paar wenige Ausblicke auf die von tiefen Gräben zerfurchte, mit Türmen bewehrte Ostflanke des Monte Cadria beschert. Im Frühling blühen an dem Hang, über den sich der in den Steilstücken zementierte Güterweg hinauf windet, die Kirschbäume. Auf der Malga Vies (1555 m; 1.45 Std.) entdeckt man rechts im Wiesengrün, nur wenige Schritte vom Weg, einen Grenzstein von 1735. Nicht ganz so alt, aber schon ziemlich ramponiert ist der Weiterweg, der über einen Felsriegel in den weiten Almboden unter dem Monte Cadria führt. Zur Linken hat man den von Kriegsstellungen durchlöcherten Monte Campel (2029 m), über dem innersten Karwinkel wird das Gipfelziel sichtbar. Die Malga Cadria (1914 m) bleibt links, man folgt dem ehemaligen Kriegssteig, der über ein paar Kehren zum lang gestreckten Südgrat ansteigt. Man folgt ihm, mal links, dann wieder rechts des felsigen Kamms. Unter dem Gipfelaufbau wendet sich der noch recht gut erhaltene Pfad in die steile Westflanke des Berges, dann ist der höchste Punkt der Gardaseeberge gewonnen (4 Std.). Abstieg Ein schöner Serpentinenweg schraubt sich vom Gipfel nordseitig hinunter in die markante Senke der Bocca di Tortavai (1947 m). Dann wird’s rutschig, grasig – und weglos. Aus der Scharte rechts, also ostwärts in der Wiesenmulde abwärts bis zu einer querführenden, teilweise abgerutschten Trasse. Man folgt ihr nach links und hat bald Blickverbindung mit der längst verlassenen Malga Vesi (1472 m; 5.15 Std.). An die Hüttenwand ist eine rot-weiße Markierung aufgemalt, dazu die Nummer 452. Der so gekennzeichnete Weg führt direkt zurück ins Mühlental: zunächst fast eben über einen Grashang, dann eine Rinne querend ins Unterholz, schließlich um die Waldhänge von Pasti herum, dabei allmählich an Höhe verlierend. Öfters sind umgestürzte Bäume zu übersteigen, Aussicht gibt es keine mehr, dafür jede Menge Schwammerl links und rechts des Weges. Ganz zuletzt geht’s steil hinunter zum Ausgangspunkt der Runde (6.30 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour9 km
Höhenunterschied1350 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
StartortPieve di Ledro (658 m) am gleichnamigen See
AusgangspunktWanderparkplatz im Val dei Molini (ca. 950 m)
EndpunktWanderparkplatz im Val dei Molini (ca. 950 m)
TourencharakterDen Monte Cadria, diesen Gipfelklotz mit seinen zerfurchten Flanken und den ausgreifenden Gratflügeln, mag ich besonders gern. Er versteckt sich in einem Nebenast eines Gardasee-Seitentals, dem Valle dei Concei, und ist von den Ufern des oberen Benacus überhaupt nicht zu sehen. Und das, obwohl er der höchste Berg hier ist, die Cima Valdritta am Monte Baldo um immerhin 36 Höhenmeter übertrifft. Dieser Gipfel will offensichtlich (auf-)gesucht werden, und das macht er einem manchmal gar nicht leicht. Ein erster Versuch endete am Westgrat im nassen Frühlingsschnee, beim zweiten entließ der Berg uns tropfnass, von einem wilden Südalpenunwetter ziemlich geschockt. Dafür war der dritte Anlauf dann eine traumhafte Wanderung aus dem Nebelgrau ins Himmelblau, trist der Auftakt, berauschend das Finale. Da konnten selbst die Spuren des »Grande Guerra«, denen man hier fast auf Schritt und Tritt begegnet, die euphorische Stimmung nicht trüben. Ungetrübt war an diesem Herbsttag auch das Gipfelpanorama, eine Schau über tausend Zacken. Fern und nah Blickfang im Nordwesten ist die ebenmäßige Pyramide des Carè Alto (3462 m), umwallt vom ewigen Eis und nicht viel weiter weg als die Ufer des Gardasees. Kann sein, dass in dieser Mittellage – zwischen alpin und mediterran – der besondere Reiz einer Tour auf den Monte Cadria liegt. Helles Licht suggeriert im Süden aus den Tälern aufsteigende Wärme, während die Dreitausender im Nordwesten kalt, unnahbar in das tiefblaue Firmament stechen. Und dann sind da noch die zahllosen kleinen bunten Sehenswürdigkeiten am Wegrand: Blumen in allen Farben, und am Weg hinunter in die Bocca di Tortavai jeden Menge weiße Sterne: Edelweiß.
KartentippKompass 1:25 000, Blatt 690 »Alto Garda e Ledro«
MarkierungenAufstieg ordentlich bezeichnet (Nr. 423), Abstieg zur verfallenen Malga Vesi ohne Markierung, Rückweg rot-weiß markiert (Nr. 452).
VerkehrsanbindungVon Riva auf der gut ausgebauten Tunnelstraße ins Valle di Ledro, am gleichnamigen See vorbei. Hinter Pieve di Ledro zweigt rechts die Straße ins Valle dei Concei ab. Man folgt ihr über Lenzumo hinaus bis zur Mündung des Valle dei Molini. Hier links zu einem Vita Parcours und weiter bis zu einer kleinen Brücke (ca. 950 m)
GastronomieKeine Einkehrmöglichkeit unterwegs
Tourismusbüro
APT Garda Trentino, I-38066 Riva del Garda; Tel. +39/0464/55 44 44, info@gardatrentino. it, www.gardatrentino.it

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