Monte Altissimo di Nago, 2079 m

Ebenso aussichtsreiche wie anspruchsvolle Gipfeltour. Fantastische Tiefblicke auf den Gardasee, tolles Panorama. Der Aufstieg über die Westflanke verlangt einen sicheren Tritt und Schwindelfreiheit, auch eine stabile Psyche. (Autor: Eugen E. Hüsler)
Der Aufstieg.
Die Gipfeltour startet ganz gemütlich auf einem Fahrweg. »Navene« und »Altissimo« steht auf den beiden Schildern an der Straße - hinab und hinauf. Zunächst geht’s aber geradeaus, zum Hof La Guardia (1304 m), der seinen Namen wirklich verdient. Knapp einen Kilometer weiter verlässt man die Piste nach links, aufwärts. Aus dem »alto« wird bald wieder ein »piano«, aus dem (vermeintlichen) Gipfel- ein Höhenweg. Das Gelände wird felsiger, die Route läuft über Kanzeln, traversiert ein paar Mulden und führt quer durch schroffe Felsabbrüche. Brenta- Bänder am Gardasee!? Hinter der grünen, einst befestigten Kanzel von Mandriole (1411 m; 1.30 Std.) wendet sich die Spur ins Val Cantone. Leicht absteigend erreicht man den Talgrund, wo sich das Weglein verläuft. Rote Markierungen geben die Richtung an: hinauf! Über Schrofen, Geröll und Steilgras müht man sich bergan, ständig mit dem Gleichgewicht kämpfend, gelegentlich mehr rutschend als steigend. Die elende Rinne entlässt einen ziemlich geschafft (ca. 1680 m); eine markierte Spur leitet nach rechts in angenehmeres Gelände. Eine Einladung in Rot (»Mezzo«), den Gipfel direkt anzusteuern, schlägt man aus: Der rechte Weg ist hier auch der richtige! Er steigt an zu einem kleinen Felsriegel, der kein echtes Hindernis bildet, und führt dann in eine grasige Mulde knapp unter dem Südgrat des Altissimo. Ein paar Minuten später ist man wieder »bei den Leuten «, auf dem viel begangenen Pfad, der vom Navene-Sattel heraufkommt. Ein paar Kehren, ein Straßenstück, das Rifugio Chiesa – dann ist der abgeflachte Gipfel erreicht, das große Panorama gewonnen (3.30 Std.).
Abstieg.
Er verläuft von der Hütte über den breiten Nordgrat, bietet dabei viel Aussicht. Auf der schotterigen Mulattiera passiert man oberhalb der Malga Campiglio originelle »Steintische«, von der Natur hier deponiert, dann geht’s rechts um den Monte Varagna (1780 m) herum und hinab zu den Prati di Nago, wo sich die Runde schließt (5 Std.).

Wandern Gardasee

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour10 km
Höhenunterschied850 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortNago (229 m)
AusgangspunktPrati di Nago (1304 m)
EndpunktPrati di Nago (1304 m)
TourencharakterWie sich die Zeiten doch ändern! Als Solist strampelt ein Radler hinauf zum Monte Baldo, von Mori über Brentonico nach San Valentino, weiter auf der Staubstrecke zur Bocca del Creer, schließlich in einer holperigen Fahrspur, oft nur mühsam Tritt und Gleichgewicht in Einklang bringend, aufs Gipfelplateau. Das war 1962 – da gewann der Spanier Federico Bahamontes den Bergpreis des Giro d’Italia, ging man noch zum Radeln, nicht zum »Biken«. Heute zählt der Altissimo zu den großen Zielen der Mountainbiker, bevölkern die bunten Vögel, die nicht fliegen können, aber dennoch oft (recht unsanft) landen, Wege und Stege an dem berühmten Aussichtsberg, kurbeln sie über die Südflanke herauf, um dann nach Nago hinunterzusausen – downhill.
Ein Wanderziel.
Farbiger ist auch die übrige Schar der »Gipfelstürmer« geworden; Bundhose und kariertes Hemd sind längst out, schwere Bergstiefel ebenfalls. Die braucht man allerdings auch nicht auf den üblichen Wegen zum Monte Altissimo di Nago, weder am Anstieg von Nago bzw. den Prati di Nago noch auf der südseitigen Militärstraße. Nach nicht einmal anderthalb Stunden steht man oben, liegt einem der Gardasee zu Füßen, kann das Gipfelzählen beginnen, vom Monte Rosa bis zur Marmolada - Eis hier wie dort. Eis war es auch (aber nicht nur), das den unglaublichen Graben des Sees austiefte, die Flanken des Monte Baldo abhobelte. Nach dem Rückzug der Gletscher kam es an den Steilhängen zu Felsausbrüchen; ein Beispiel ist das riesige Bergsturzgelände oberhalb von Nago.
Steil und felsig.
Der spannendste Weg auf den Altissimo beginnt ebenfalls auf den Nagowiesen, führt aber in seine dem See zugewandte Westflanke. Und die zeigt ein ganz anderes Gesicht: felsig, steil, schwer zugänglich. Hier geht’s zur Sache, das Kernstück der Route ist ein steiler Graben – molto friabile –, den es zu durchsteigen gilt, in der Diretissima und weitgehend weglos. Ganz anders der Zugang, eine längere Querung auf Grasbändern, senkrechter Fels oben und unten, natürlich mit freier Sicht auf den Benacus. Diese »Promenade « von den Prati di Nago zu den alten Grenzfestungen von Mandriole sucht rundum den See ihresgleichen. Einfach fantastisch!
Beste Jahreszeit
KartentippLagirAlpina 1 - 25 000, Blatt 12, »Alto Garda«
MarkierungenHinweisschilder, rot-weiße Markierung bis Mandriole, dann rote Farbtupfer. Abstieg rot-weiß mit der Nummer 601
VerkehrsanbindungVon Nago führt eine kurvenreiche Straße südlich hinauf zu den Weekendhäusern auf den Prati di Nago, etwa 12 km. Beschränkte Parkmöglichkeit im Bereich des kleinen Kirchleins
GastronomieRifugio Chiesa, 20. Juni bis 20. September, in der Vor- und Nachsaision an den Wochenenden; Tel. 0464/86 71 30, www.rifugioaltissimo.it
Tourismusbüro
APT Garda Trentino, I-38066 Riva del Garda; Tel. +39/0464/55 44 44, info@gardatrentino. it, www.gardatrentino.it

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Eugen E. Hüsler

Wandertouren in den Alpen

500 Wandertouren in einem Kompendium! Damit werden Ihnen die Ideen für Wanderungen in den Ost- und Westalpen ein Leben lang nicht ausgehen.

Jetzt bestellen