Mindelheimer und Fiderepasshütte

Wildental heißt ein kurzer, steil ansteigender Seitenast des Kleinwalsertals. Schaut man von der Straße Hirschegg – Mittelberg nach Südosten in dieses Tal, dann fallen drei ähnlich geformte, eher behäbige als wilde Felsgipfel ins Auge, die den Talhintergrund füllen. Das sind die Schafalpenköpfe (2320 m), die in einem echten Dornröschenschlaf lagen, bis sie ein moderner Ritter namens »Eisenweg« erweckte und zu einem richtigen Tummelplatz werden ließ. (Autor: Dieter Seibert)
18 km
1420 m
7.00 h
Der Mindelheimer Klettersteig führt über die drei Gipfel und den anschließenden Kemptnerkopf. (Man müsste eigentlich Kämptnerkopf schreiben, da die Bezeichnung nichts mit der Stadt Kempten zu tun hat, sondern sich von »Kamm« herleitet.) Rechts der Gipfel liegt die Mindelheimer Hütte, ein moderner Stützpunkt des Alpenvereins in herrlicher Lage etwas südlich des Kamms. Der Aufstieg durchs Wildental zu diesem Stützpunkt ist allemal seine Mühe wert. Noch eindrucksvoller wird die Tour, wenn man den Höhenweg zur Fiderescharte und dem Fiderepass begeht, der in ganz freiem Gelände etwa 700 m hoch über dem Rappenalptal durch die Hänge führt. Für die Geschickten gibt es natürlich noch die ganz elegante Lösung – den Mindelheimer Klettersteig.

Durch das Wildental zur Mindelheimer Hütte (2013 m)

Bei der Verzweigung unmittelbar vor Schwendle läuft man auf der oberen Straße zu den letzten Häusern und auf einem nun kleineren Weg ins Wildental hinein mit seiner imposanten Bergkulisse. Über meist freie Weideflächen geht es in den eindrucksvollen Talschluss, bei der Verzweigung nach rechts und dann über eine hohe Stufe mit viel Gebüsch und einem Wasserfall zur Hinterwildenalpe (1777 m) mit Blick auf die nahen Nordwände von Sechszinkenspitze und ihren Nachbarn.

Mit etwas Höhenverlust wandern wir in den folgenden Talboden. Über eine Halde, dann in felsigem Gelände erklimmen wir steil die Kemptnerscharte (2108 m). Der Abstecher auf den Kemptnerkopf (2191 m, 15 Min. Aufstieg) lohnt sich auf jeden Fall. Von der Scharte steigt man schräg hinab zur nahen Hütte, die sehr schön auf einem Geländevorsprung thront.

Höhenweg zum Fiderepass

Von der Mindelheimer Hütte führt der Weg in ein nahes, ganz kleines Kar hinab und weiter schräg abwärts auf einen Vorsprung mit der Oberen Angererhütte (1908 m).  Auf den folgenden 2 km führt der Steig stets quer durch die teilweise steilen Hänge tief unter den Schafalpenköpfen hindurch – aber immer noch sehr hoch über dem Rappenalptal. Ein hindernisloser Blick ergibt sich auf den schönen Biberkopf (2599 m). Bald haben wir die tiefste Stelle (1840 m) erreicht, danach folgt eine Wegverzweigung in einer kleinen Mulde. Auf dem oberen Steig wandern wir ins Saubuckelkar hinauf und schließlich über eine sehr steile Halde auf den Grat bei der Fiderescharte (2199 m).

Der Weg führt kurz nach rechts, dann über Schutt und ein paar Schrofen abwärts, bald danach halb links über die Trümmerhalde hinab in den Fiderepass. Knapp oberhalb liegt die gleichnamige Hütte (2065 m).

Abstieg durchs Wildental

Von der Fiderepasshütte geht es über die Grasböden hinunter, dann über eine Steilstufe in ein Hochkar und nach links zu einem Geländerrücken mit der Vorderen Wildenalpe. Rechts wandern wir an ihr vorbei und hinab zur bewirtschafteten Fluchtalpe (1390 m).  Der breite Weg führt talaus zu den weiten Böden der Wiesalpe, über denen die gewaltige, 1000 m hohe Nordflanke von Elfer und Zwölfer in den Himmel ragt. Bei der Verzweigung halten wir uns links hinab zum Waldrand und gehen an den Häusern von Schwendle vorbei zum Ausgangspunkt zurück.

Mindelheimer Klettersteig

Diese großartige Weganlage führt über vier Gipfel bis zu 2320 m Höhe - den Kemptnerkopf und die Schafalpenköpfe. Fast alle anspruchsvollen Stellen sind mit Drahtseilen, Stiften, Klammern, Leitern und Brücken gesichert. Trotzdem darf diesen langen, mittelschweren Klettersteig nur der entsprechend Erfahrene und Ausgerüstete in Angriff nehmen.

Eine Beschreibung erübrigt sich: Man startet in der Kemptnerscharte und folgt dann stets dem Steig, der in eindrucksvollster Linienführung fast immer dem höchsten Grat folgt. Je nach Können und »Staus« wird man nach drei bis fünf Stunden das andere Ende bei der Fiderescharte erreicht haben. Mit Familie und Kindern Jugendliche, die schon einige Erfahrung in den Bergen gesammelt haben, lockt natürlich der Klettersteig. Er eignet sich auch für das Erlernen dieses Metiers, da es sich hier nicht um große, beängstigende Wände handelt, sondern um ein kleinräumiges, sehr abwechslungsreiches Gelände. Für kleinere Kinder sind die Wege jedoch viel zu weit. Mit ihnen könnte man eventuell einen Ausflug ins Wildental unternehmen, um dann in der urigen Fluchtalpe einzukehren.

Dauer - Insgesamt (zwei Tage) 3 + 4 3/4 Std. durchs Wildental zur Mindelheimer Hütte 3 Std. Von Hütte zu Hütte knapp 3 Std. Abstieg vom Fiderepass 1 3/4 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour18 km
Höhenunterschied1420 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktMittelberg (1215 m), stattlicher Ort im schönsten Teil des Kleinwalsertals; die mächtige Felsburg des Widdersteins (2533 m) bildet dort einen besonderen Blickfang. Aus dem Ort hinab nach Bödmen, links ab zur Breitachbrücke und 500 m empor nach Schwendle, dort begrenzte Parkmöglichkeiten (1160 m). Regelmäßiger Busverkehr bis Bödmen.
TourencharakterRundtour auf Höhenwegen oder grandioser Klettersteig. Fast ausschließlich viel begangene Bergwege; einige steile Passagen wie an der Fiderescharte verlangen Trittsicherheit. Nur bei zuverlässigem Wetter begehen. 
 
Beste Jahreszeit
KartentippTopografische Karte des Bayerischen Landesvermessungsamt 1 - 50000, Blatt Allgäuer Alpen.
VerkehrsanbindungAuf der B 19 durch das Oberallgäu an Sonthofen vorbei zum Kreisel vor Oberstdorf. Dort rechts ab und auf breiten Straßen über Riezlern nach Mittelberg.
GastronomieJausenstation Fluchtalpe; Mindelheimer Hütte (2013 m), DAV, 150 Schlafplätze, Tel. 08322/700153; Fiderepasshütte (2065 m), DAV, 134 Schlafplätze, Tel. 0043/664/3203676.
Höchster Punkt
Kemptnerkopf (2191 m) Fiderescharte (2199 m)
Unterkunft
Wie Einkehr.
Tourismusbüro
Kleinwalsertal Tourismus, Walserhaus, A-6992 Hirschegg, Tel. 0043/5517/ 51140, E-Mail: info@kleinwalsertal.com.
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