Massaweg

Wandern entlang der Wasserleite Riederi (Autor: Rose Marie und Gerhard Bleyer)
8 km
120 m
3.00 h
Der nach aufwendigen Arbeiten im Juni 1996 eingeweihte Massaweg folgt dem Kulturweg der alten bäuerlichen Wasserleitung oberhalb der Massaschlucht und stellt die Verbindung her zwischen dem Höhenweg »Lötschberg-Südrampe« (Tour 32) und dem Gommer Höhenweg (Tour 40). Ausgangspunkt des Weges ist Blatten. Früher lebten die Menschen nur während der Sommermonate hier oben; jedoch entwickelte sich der zur Gemeinde Naters gehörende Weiler mit dem Tourismus zu einem ansehnlichen Dorf, das heute ganzjährig bewohnt ist. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts brachten die Leute ihr Korn zur Wassermühle in Blatten. Der Gemeinschaftsbackofen wurde bis in die Fünfzigerjahre genutzt. Die beiden erhaltenen Baulichkeiten können auf Anfrage besichtigt werden. Der Massa-Wanderweg folgt einer der ältesten Suonen im Aletschgebiet, der 1385 erstmals erwähnten Riederi, die noch bis in die 1930er-Jahre in Betrieb war (zum Thema Suonen s.a. Tour 33). Neben der Wasserleitung verlief zu ihrer Wartung ein Fußweg. Über kilometerlange Leitungen gelangte das Schmelzwasser des Grossen Aletschgletschers auf die Felder der Südhänge, je nach Beschaffenheit des Geländes durch Wassergräben. Wo dies nicht möglich war, führte man das Wasser durch Holzkännel – mit der Hohlaxt zu Rinnen ausgehöhlte Holzstämme, deren Transport allerdings äußerst schwierig war. Daher ging man später zu Känneln über, die erst vor Ort aus drei Brettern hergestellt wurden. Das zeitaufwendige und mühsame Sägen der Bretter erfolgte im Winter mit der Spaltsaga, die von mindestens zwei oder drei Männern gezogen werden musste. Wir können uns ihre Funktion vorstellen wie bei einer von Menschen gezogenen vertikalen Gattersäge mit einem Sägeblatt.
Die Kännel ruhten auf Trockenmauern. Ein Teil dieser Mauern ist heute noch erhalten. Musste die Wasserfuhre an Felswänden verlegt werden, meißelte man Löcher in den Fels, schlug Kanthölzer hinein und befestigte die Kännel darauf. Häufig war die Leitung auch mit Hammer, Meißel und Pickel direkt in den Fels zu schlagen. In gefährlichen Felspartien schützte man die Leitung durch Baumstämme vor Steinschlag und Lawinen. Dennoch wurden oft Leitungen zerstört. Beim Bau sowie bei Reparaturarbeiten in ausgesetzten Passagen stürzte manch mutiger Mann über die Felswand in den Tod. Die Leitungen waren natürlich zu unterhalten. Diese oft gefährliche und harte Arbeit übernahm ein Mann des Dorfes, der Wasserwart. Sie nannten ihn den Sander. Der Name rührte von seiner Tätigkeit her, den feinen Gletschersand, der sich in den Leitungen ablagerte, zu entfernen. Das brauchte viel Zeit. Um sich die Überwachung zu erleichtern, setzten die Sander ein Schaufelrad in den Wasserlauf. Das Rad setzte einen Hammer in Bewegung, der auf ein Brett schlug. Das Hämmern war weit zu hören – verstummte es, dann beeilte sich der Hüter, zur Stelle der Störung zu kommen und sie schnell zu beseitigen. Falls ihm das nicht möglich war, alarmierte der Sander das Dorf.
Der Wegverlauf.
Die Wanderung.
Von der Busstation in Blatten auf markierter Route zunächst 100 Meter aufsteigen zur Werkstraße der Electra Massa. Bei Punkt 1438 entweder direkt hinab zur Gebidumbrücke (und hier die Massaschlucht zur Fortsetzung des Massaweges queren) oder auf der geradeaus verlaufenden Straße einen Abstecher zum Gebidum-Stausee machen. Eine geschlossene Stahltreppe führt auf die 120 Meter hohe Staumauer, und wir genießen die großartige Aussicht über den See und in die tiefe Schlucht der Massa. Der Stausee (1436 m) wird in den Monaten Mai bis Ende September von der Schnee- und Gletscherschmelze gespeist. Die Bauzeit betrug 5 Jahre. 1969 wurde das Becken erstmals gefüllt (Fassungsvermögen 8,5 Mio. cbm). Das Wasser treibt 750 Meter tiefer in der Zentrale Bitsch die Turbinen an. Die Gemeinden Bitsch, Naters und Ried-Mörel erhalten für ihre an die Electra Massa abgetretenen Wasserrechte jährlich eine Vergütung von 2 Millionen Franken an Wasserzinsen. Nach Ablauf der Konzession im Jahre 2048 fällt die Anlage kostenlos an die drei Gemeinden zurück.
Nach Überschreiten der 320 Meter langen Krone der bogenförmigen Staumauer geht es zum Wanderweg, der sich zur Gebidumbrücke (1335 m) und zum Massaweg hinabzieht. Über Graag gelangen wir zur Riederi und folgen jetzt ihrer Trasse auf dem neu angelegten, aus dem Fels gesprengten luftigen Weg hoch über der Massaschlucht leicht abwärts. Die steilste Felswand, um die in schwindelerregender Höhe sechs lange Kännel führten, überwinden wir durch einen kurzen Tunnel und stehen unerwartet vor einem kleinen Bildstock zur Erinnerung an einen 1927 Verunglückten. Dort, wo die Route im Tunnel verläuft, sind außen an der Felswand sechs Bretterkännel verlegt, um dem Wanderer zu zeigen, mit welchem Risiko die Sander einst arbeiten mussten. An einer anderen Stelle baute man die Stützmauern wieder auf. Die Wiesenhänge von Ried werden noch heute durch die Riederi bewässert. Wer sich auf den Spuren der alten Wasserleite bewegt, kann sich zugleich des eindrucksvollen Panoramas über dem Rhonetal erfreuen – hell leuchten die von der Sonne angestrahlten Walliser Firngipfel. Nach 3 Stunden leichten Wanderns auf dem schönsten Teil des Massaweges erreichen wir Ried-Mörel.
Weitere Tourenvorschläge.
• Berg- und Gletschertouren, Hochtouren ab Fusshornbiwak, Gletschertraversierungen Riederalp – Belalp, Aletschwanderwochen, Begehung der Massaschlucht (Grand Canyon der Schweiz) werden durchgeführt von den Bergsteigerschulen Alpin Center Belalp, Riederalp und Fiesch.
• Sparrhorn (3020 m): unschwierig erreichbarer Dreitausender mit großartiger Aussicht auf die Aletschregion. Start auf der Belalp von der Bergstation der Luftseilbahn Blatten-Belalp (markierte Route, 3 Std. Aufstieg, 2 Std. Abstieg); neu seit Winter 2007: Sparrhorn-Sesselbahn. Sie ist im Sommer von Mitte Juli bis Mitte August in Betrieb.
• Oberaletschhütte (2640 m): Seit Juli 2005 gibt es einen neuen Panoramaweg, der Wanderer und Bergsteiger zur Oberaletschhütte bringt. Etwa 1 Std. vor der Hütte Abzweig zum Fusshornbiwak (3½ Std.; unbewartet, 12 Plätze). Die aussichtsreiche Hüttentour verläuft von Belalp über das Aletschbord und dann auf der linken Seitenmoräne des Oberaletschgletschers zum Panoramaweg hin. Weiter einen Grashang emporsteigend bis zur Abzweigung Tällihütte – Driesthütte. Es folgt ein 4 km langer Weg durch die Felsen mit ständigem Blick auf Nesthorn und Fusshörner. Schließlich ist die SAC-Hütte in einmaliger Lage am Westgrat des Gr. Fusshorns erreicht (4½ bis 5 Std.). Weit geht der Blick über die großartige Berglandschaft des Wallis. Für den Rückweg muss man gut 3 Stunden rechnen. Hochtourengeher oder Kletterer werden gerne auf der Hütte nächtigen.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour8 km
Höhenunterschied120 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
StartortBlatten (1327 m) im Rhonetal. Postbahnhof.
AusgangspunktBlatten (1327 m) im Rhonetal. Postbahnhof.
EndpunktStation Ried-Mörel
Tourencharakternahezu horizontal verlaufender, wenig anstrengender Weg, der viel Abwechslung bietet. Ausdauernde Geher können die Wanderung von Ried-Mörel fortsetzen über Greich, Goppisberg, Betten und Martisberg nach Fiesch.
Beste Jahreszeit
KartentippSAW-Wanderkarte 1:50 000, Blatt 264 T (Jungfrau; mit eingezeichneten Routen).
Verkehrsanbindungvon Brig mit dem Postbus nach Blatten. Rückkehr: von Ried-Mörel per Seilbahn nach Mörel, weiter mit der Matterhorn Gotthard Bahn oder per Bus nach Brig.
Gastronomie(vor/nach der Wanderung): Blatten, Ried, Mörel. Bei weiteren Tourenvorschlägen: Fußhornbiwak (in 2800 m Höhe, östl. unterhalb P. 3098 am Südende des Fußhorngrates, 1996 erbaut vom Bergführerverein Belalp), unbewartet, jedoch Bettwäsche sowie Gas zum Kochen vorrätig, 12 Lager. Belalp.
Tipps
Die Massaschlucht die sichere Schlucht dank Staumauer – ein großes Abenteuer. Empfehlenswert mit Bergführer! Auskunft und Durchführung: Alpin Center Belalp, CH-3914 Blatten-Belalp, Tel. 027/921?60?45, Internet: www.alpincenterbelalp.ch. Ausgangspunkt ist das urige Dörflein Blatten, Treffpunkt das Bergführerbüro (vorher anmelden). Die Tour führt von Blatten-Belalp hinunter nach Naters (600 m/6 km) und dauert 6 Std. Erforderlich sind Trittsicherheit, eine Portion Mut, Berg- oder Trekkingschuhe, Badeanzug/-hose und Thermo T-Shirt (unter Neoprenanzug zu tragen), Badetuch; Helm, Klettergurt und Neopren-Anzug werden gestellt. In kurzer Wanderung zum Fuß der Gebidum-Staumauer, wo sich der Einstieg in die Massaschlucht befindet. Vor dem Bau der Staumauer donnerte das Wasser der Massa durch die Schlucht und hat sich tief in den Fels gegraben. Vor einigen Jahren haben die Bergführer der Aletschregion diesen Canyon in seiner ganzen Länge begehbar gemacht, indem sie Sicherungen und Abseilhaken anbrachten. Durch große ausgewaschene Felsbadewannen und über riesige Findlinge gelangt man nach mehrfachem Abseilen hinab zur Kathedrale, einem unvergesslichen Höhepunkt im Flussgrund der Massa. Staunend stehen wir vor den vielfältigen Formen, die das Wasser mit seiner gewaltigen Kraft in Jahrtausenden gestaltete – wir haben das Gefühl, in einer anderen Welt zu sein … Nach der Kathedrale laufen wir in einfachem Gelände bis an die Bergstraße Brig-Blatten und fahren mit dem Postauto in wenigen Minuten nach Blatten. Sportkletterer können ihre Abenteuertauglichkeit seit 2008 an einer Sportkletteranlage in Blatten testen. Sie liegt neben der Minigolfanlage.
Unterkunft
(vor/nach der Wanderung): Blatten, Ried, Mörel. Bei weiteren Tourenvorschlägen: Fußhornbiwak (in 2800 m Höhe, östl. unterhalb P. 3098 am Südende des Fußhorngrates, 1996 erbaut vom Bergführerverein Belalp), unbewartet, jedoch Bettwäsche sowie Gas zum Kochen vorrätig, 12 Lager. Belalp.

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