Lugano und Gandria

Ausgedehnter Stadt- und Uferspaziergang. Gefährlich sind höchstens die oft etwas arg temperamentvollen Autofahrer in Lugano... (Autor: Eugen E. Hüsler)
4 km
124 m
2.00 h
Der Stadt- und Seeuferspaziergang startet am Fuß des Monte San Salvatore, auf dem neu gestalteten Platz von Paradiso, mit dem Palazzo dei Cinque Continenti (Mario Botta) als magistralem Blickfang. Am Weg ins Stadtzentrum gibt's dann noch mehr zeitgenössische Kunst zu bestaunen: im Giardino Belvedere und im Museo d'Arte moderna. Fast ein halbes Jahrtausend alt sind dagegen die Mauern der Kirche Santa Maria degli Angioli, deren schönster Schmuck das Kreuzigungsfresko von Bernardino Luini ist. Entschieden weltlicher zeigt sich die nördlich anschließende, schmale Via Nassa, unter deren Arkaden man sogar bei Regen trockenen Fußes viel Geld ausgeben kann. Über der historischen Città erhebt sich die Kathedrale San Lorenzo; von ihrer Terrasse hat man einen schönen Blick über die Stadt. Die wirkt außerhalb der historischen Città sehr geschäftig-modern, die Skyline trägt gelegentlich fast futuristische Züge. Herausragende Beispiele sind der Palazzo Ransila (1985; Corso Pestalozzi) und die Banca del Gottardo (1988; Viale Stefano Franscini), beide von Mario Botta. Nach so viel Mauerwerk, Glas und Stahl erholt sich das Auge gerne in dem üppigen Grün des Stadtparks (Parco Civico). Draußen über dem Wasser erinnert eine große Holzkonstruktion (Nachbildung der Kuppel von San Carlo alle quattre fontane in Rom) an den berühmten Renaissance-Architekten Francesco Borromini; in der Villa Ciani ist das Städtische Kunstmuseum untergebracht.
Durch den baumgesäumten Viale Castagnola spaziert man vom Stadtpark hinaus nach Castagnola, wo am Fuß des Monte Brè ein weiterer Museumsbau auf interessierte Besucher wartet: Die Villa Helenum. Schließlich wird aus der Straße ein breiter Pfad, der, gesäumt von südlicher Vegetation, an dem felsig-steilen Seeufer entlang nach Gandria (273 m) führt. Das Fischerdorf mit seinen mehr über- als nebeneinander gebauten Häusern, den Treppen und Durchgängen gehört zu den beliebtesten Ausflugszielen der Luganesi. Viele kommen übers Wasser, mit einem Schiff der »Navigazione del Ceresio«, und dieses Angebot zur Rückfahrt nach Lugano sollte man auch nicht ausschlagen, möglichst mit einem Besuch im originellen Zollmuseum von Cantine di Gandria (Museo doganale svizzero).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour4 km
Höhenunterschied124 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktParadiso (272 m), Nachbargemeinde von Lugano (mit dem es längst zusammengewachsen ist).
EndpunktGandria (273 m), Dorf am Ostarm des Luganer Sees.
TourencharakterLugano. Das bedeutet zunächst einmal: Klischees und jede Menge Vergleiche, mehr oder minder passende. »Königin des Ceresio« hat man das Städtchen genannt, es als »niedliches Kleinbild von Neapel« bezeichnet. Der »Zuckerhut« des Monte San Salvatore regte zu exotischen Vergleichen an, die über 2200 jährlichen Sonnenstunden suggerieren ein paradiesisches Klima, eine subtropische Pflanzenwelt lässt an die Riviera denken. Natürlich hat das schöne Bild ein paar dunkle Flecken. Der (Auto-)Verkehr verzeichnet großstädtische Dimensionen, die Agglomeration frisst sich immer weiter in die Täler hinein, an den Flanken des Monte Brè kann man die Bauwut der sechziger und siebziger Jahre ablesen. So mancher Palazzo beherbergt heute eine Bank – neben dem Tourismus und dem Immobiliensektor ist dies das einträglichste Geschäft der gerade 30 000 Einwohner zählenden Stadt. Allerdings nicht unbedingt das sauberste, wie so mancher kleine und größere Skandal gezeigt hat. Durch die Nähe Italiens sind im historischen Ortskern italienische Traditionen noch heute lebendig. Das verwundert kaum, ist die Geschichte des Sotto Ceneri doch bis ins ausgehende Mittelalter lombardische Geschichte mit ihren Kämpfen zwischen Mailand und Como, mit der Herrschaft der Visconti und Sforza. Nach der Eroberung durch die Eidgenossen wechselten die Vögte, die kamen jetzt von »ennet dem Gotthard«. Erst Napoleon »befreite« das Tessin, der Tourismus brachte eineinhalb Jahrhunderte später endlich Wohlstand. Kastanien und Granit waren kein Schlüssel zum Reichtum, ein Grundstück über dem See schon eher. Doch mit den Massen kam auch die Massenkultur; eine neue Invasion, friedlich zwar, veränderte Land und Leute und zerstörte gewachsene Strukturen – sichtbare und kulturelle. Wer das alte Lugano entdecken will, sein lombardisches Ambiente, muss heute also zwischen Hotels, Banken und gesichtslosen Wohnblocks auf Spurensuche gehen. Am besten im Winter oder im Vorfrühling, da sind die Tessiner (fast) unter sich, und um die Mittagszeit ist es oft warm genug für einen Kaffee auf der Piazza della Riforma. Hinterher steigt man über den Treppenweg hinauf zur Kathedrale, deren berühmte Fassade nach der jüngsten Renovierung wieder in (altem) Glanz erstrahlt. Sie entstand Anfang des 16. Jahrhunderts und gilt als ein Hauptwerk der lombardischen Renaissance. Fast gleichzeitig schuf Bernardino Luini in der Kirche Santa Maria degli Angioli das monumentale Kreuzigungsfresko, figurenreich und deutlich von Leonardo da Vinci beeinflusst. Kunst ist in Lugano aber keineswegs immer alt – im Gegenteil! Werke zeitgenössischer Künstler schmücken die Seepromenade und in der Villa Malpensata finden regelmäßig international beachtete Ausstellungen der Arte moderna statt. Fast noch spannender ist aber ein Blick auf die moderne Architektur, die inzwischen das Bild der Stadt ganz wesentlich mit prägt. Draußen in Paradiso steht der Palazzo dei Cinque Continenti von Mario Botta; ein Jahrzehnt früher schuf der weltberühmte Tessiner das Gebäude der Banca del Gottardo. Sein Studio hat er an der Via Ciani – im Palazzo Botta (1991). Lugano – ein Mekka avantgardistischer Architektur.
Beste Jahreszeit
KartentippWichtiger als eine Wanderkarte ist in diesem Fall ein Stadtplan.
MarkierungenStraßentafeln, Wegzeiger.
VerkehrsanbindungLugano ist ans internationale Straßen- und Bahnnetz angeschlossen. Und den Rückweg von Gandria nimmt man am besten übers Wasser, mit einem Abstecher zum originellen Schmugglermuseum von Cantine di Gandria.
GastronomieBrotzeit braucht niemand mitzunehmen.
Tipps
Die Museen von Lugano. Museo cantonale d'Arte, Via Canova 10; klassische Moderne und Gegenwartskunst (Di 14–17 Uhr, Mi–So 10–17 Uhr). Museo civico di belle Arti, Villa Ciani; Tessiner Künstler (Di–So 10–12 Uhr, 14–18 Uhr). Museo d'Arte moderna, Villa Malpensata; Wechselausstellungen (Di–Fr 10–12 Uhr, 14–18 Uhr, Sa/So 10–18 Uhr). Museo cantonale di Storia naturale, Parco Civico (Di–Sa 9–12 Uhr, 14–17 Uhr). Museo delle Culture extraeuropee, Villa Helenum; außereuropäische Kunst, vor allem aus Ozeanien, Asien und Afrika (März–Oktober Mi–So 10–17 Uhr). Museo doganale svizzero, Zollmuseum mit vielen originellen Exponaten (tägl. 13.30–17 Uhr).
Tourismusbüro
Lugano Turismo, Riva Albertolli, CH-6901 Lugano; Tel. 091/9 13 32 32, Fax 9 13 53 52, E-Mail info@lugano-tourism.ch, Internet www.lugano-tourism.ch.

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