Lohner-Westflankensteig

Anspruchsvolle Querung der Lohner-Westflanke, nur für erfahrene Bergsteiger! Im Aufstieg zur Lohner-Hütte einige Sicherungen, dann teilweise sehr schmale, exponierte Wege. Hier ist ein absolut sicherer Tritt unerlässlich, Teleskopstöcke sind von Vorteil. Bei unsicherer Witterung, Altschnee oder nassem Gelände ist von der Tour in jedem Fall Abstand zu nehmen. Wer gute Fotos machen will, muss bei der Planung die westseitige Exposition der Route berücksichtigen. Grandiose Kulisse, einmalige Vertikalgefühle. Von der Weggabelung über dem Ärtelenbach kann man alternativ auch direkt zur Talstation der Engstligenalp-Seilbahn absteigen. (Autor: Eugen E. Hüsler, Markus Meier, Peter Deuble)
Zur Lohnerhütte Der Verlauf des Anstiegsweges von Adelboden- Oey (1238 m) zur Bunderalp wird durch das (mautpflichtige) Sträßchen vorgezeichnet. Bis zum Parkplatz Bunderle (1360 m) folgt man dem Asphaltband, im weiteren Verlauf lassen sich seine weiten Schleifen auf dem weiß-rot-weißen Wanderweg abkürzen. Schließlich erreicht man das weitläufige Almgelände mit zwei Sommerwirtschaften; bei der letzten Alphütte, I de Schrickmatte (1812 m) gabelt sich die Route, lösen blaue die roten Markierungen ab, was bedeutet - alpine Routen. Diese Einstufung verdienen sie durchaus; einem ehemaligen Gemeindeschreiber von Adelboden soll beim Blick über den Wandabbruch über der Schrickmatte ein ziemlicher Schreck in die Glieder gefahren sein. Seither heißt die Schlüsselstelle des oberen Weges »Schryberschreck«. Die rund 60 Meter hohe Steilstufe erweist sich bei näherem Augenschein allerdings als recht harmlos; Ketten sichern das Zickzackweglein durch die Steilrinne. Der untere Hüttenzustieg quert zunächst flach gegen den Felsfuß, läuft dann über schmale Bänder, bevor er in leichtem Felsgelände zu einer engen Steilrinne im Rücken eines abgespalteten Turmes ansteigt. Sie lässt sich über eine längere Holzstiege leicht durchsteigen, mündet auf einen engen Durchschlupf. Gleich anschließend folgen zwei Eisenleitern, dann ist eine tiefe, felsige Rinne mit einigem Höhenverlust zu queren. Über weitere Eisensprossen gelangt man in leichtes Gelände, aus der Mini-Ferrata wird wieder ein Wanderweg. Er quert, zunächst noch ansteigend, zu einer felsigen Rinne. Man passiert sie und steigt an ihrem rechten Rand (eine Kette) steil hinauf zu einer Felsbarriere (ca. 2090 m). An ihrem Fuß mündet von links der obere Zustieg (Wegweiser). Der gut gestufte, etwa zwanzig Meter hohe Aufschwung (»Zürchertritt«) ist durch dicke Ketten entschärft, wie auch eine kleine Felsstufewenig höher. Anschließend quert man, zuletzt etwa dreißig Höhenmeter absteigend, zwei Karmulden hinüber zur Lohnerhütte (2171 m), bei deren Anblick einem unwillkürlich der Ausdruck »Adlerhorst« einfällt. Der Blick wandert hinauf (in ungangbare Felsmauern), hinunter (über schwindelnde Abbrüche) und hinüber (zumWeiterweg).Was für eine Kulisse! Über die Witi Chume zur Engstligenalp Abwärts führt zunächst auch der Weiterweg, bis auf den Grund des mächtigen, von tiefen Gräben durchfurchten Geröllkars der Witi Chume, ehe er im Zickzack am Rand einer grünen Geländerippe gegen den Felsfuß des Mittaghorns (2678 m) ansteigt. Die anschließende Querung hinaus zu einer Kanzel (2367 m, Gedenktafel), die den Übergang von der Nord- in die Westflanke vermittelt, verläuft über abschüssige Schieferhänge, ist zudem steinschlagbedroht: Also Vorsicht! Am höchsten Punkt der Tour hat man dann Gelegenheit, den Blick übers Engstligental und zu den beiden Hauptgipfeln über Adelboden, Gsür und Albristhorn, zu genießen, im Süden steht massig und mit weißem Dach der Wildstrubel. DerWeiterwegverläuft zwischen Felsen(oben)undFels (unten), gut einen Kilometer hoch über dem Talboden, quert einen weiteren Geröllkessel absteigend zur nächsten markanten Geländerippe, P. 2259 m. Weiter an Höhe verlierend, gelangt man in das von Felsmauern überragteAmphitheater der Luserbleika. Die manchmal recht dürftige Spur peilt den Felsfuß an, läuft zuletzt – vorbei an »Johann’s Luser Bar« mit Bank – hinaus zu den Blumenwiesen oberhalb der grünen Kuppe des Lusers (ca. 2230 m), wo die Schwierigkeiten enden. Hier steht noch eine Bank, und manch eine/r wird sich gerne niederlassen, um das Erlebte Revue passieren zu lassen und/oder die arg strapazierten Nerven zu beruhigen. Hochprozentiges gibt’s allerdings (bei Bedarf) erst drüben auf der Engstligenalp (1965 m), die man auf dem gut markierten Weg erst ab-, dann nochmals ansteigend erreicht.Wer mag, kann auch gleich zur Talstation der Seilbahn absteigen. Der ordentliche Weg (Abzweigung bei P. 1956 m; Tafeln) weicht der wilden Klamm des Ärtelenbachs nordseitig aus und führt in vielen Kehren hinunter nach Unter dem Birg (1400 m).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour13 km
Höhenunterschied1230 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktAdelboden-Oey (1238 m) im Talgrund. Wer nur zur Lohnerhütte will, kann über das mautpflichtige Sträßchen bis zur Bunderalp fahren. Gehzeit dann etwa 3.30 Std.
EndpunktEngstligenalp
TourencharakterDer Lohner (3049 m) ist kein Berg, sondern ein Gebirge mit einer geschlossenen Felsfront auf der Ostseite und einer wild zerklüfteten Westflanke, seine Besteigung ein hartes Stück Arbeit in Fels und Geröll, weglos, steinig. Wanderer halten Abstand zu dem düsteren Gemäuer, Kletterer bekommen angesichts des überwiegend brüchigen Gesteins eine Gänsehaut. Attraktiv im geläufigen Sinn ist er nicht, der Lohner; trotzdem verläuft der »schönste Adelbodener Weg« (Aussage eines Einheimischen) durch seine Flanken, von der Bunder- zur Engstligenalp. Wer jetzt aber eine Wanderung über grüne Wiesen, auf denen das liebe Vieh seine Sommerfrische genießt, erwartet, liegt gründlich daneben - Schon der Zustieg zur Lohnerhütte (2171 m), die sich einer unvergleichlichen Lage auf einem schmalen Geländesporn erfreut, ist mit (gesicherten) Felspassagen garniert, der Weiterweg dann eine Abfolge von An- und Abstiegen, Querungen unter Felsmauern und über abschüssige Geröllflanken, die Spur oft nicht einmal fußbreit, nach Unwettern gelegentlich auch einmal verschüttet. Die Höhenroute verlangt einen absolut sicheren Tritt, dazu ein solides Nervenkostüm: Fehltritte verboten! Die Kulisse hat etwas Apokalyptisches, Felsmauern bauen sich wie eine finstere Drohkulissen über dem winzigen Homo ludens auf. Da sucht das Auge unwillkürlich Trost im sonnenüberfluteten Grün der Adelbodener Talmulde – was für ein Kontrast!
Beste Jahreszeit
KartentippSwisstopo 1 - 50 000, 263 Wildstrubel; 1:25 000, 1247 Adelboden und 1267 Gemmi.
MarkierungenBis zur Bunderalp weißrot- weiß, dann weiß-blau-weiß.
VerkehrsanbindungAdelboden erreicht man von Thun/Spiez via Frutigen per Bahn und Bus. Gut ausgebaute Talstraße; Parkplätze im Ortsbereich. Betriebszeiten der Luftseilbahn Engstligenalp www.engstligenalp.ch; zwischen Adelboden und der Talstation Unter dem Birg verkehrt ein Linienbus.
GastronomieVordere Bunder, im Sommer; Berghaus Bonderalp, im Sommer; Tel. +41/33/673 17 16. Lohnerhütte, im Sommer an den Wochenenden bewartet; Infos über Tel. +41/33/673 04 87 oder +41/79/431 54 25. Berghaus Bärtschi, im Sommer; Tel. +41/33/673 13 73. Berghotel Engstligenalp, Anfang Juni bis Anfang Oktober; Tel. +41/33/673 22 91.
Unterkunft
Vordere Bunder, im Sommer; Berghaus Bonderalp, im Sommer; Tel. +41/33/673 17 16. Lohnerhütte, im Sommer an den Wochenenden bewartet; Infos über Tel. +41/33/673 04 87 oder +41/79/431 54 25. Berghaus Bärtschi, im Sommer; Tel. +41/33/673 13 73. Berghotel Engstligenalp, Anfang Juni bis Anfang Oktober; Tel. +41/33/673 22 91.
Tourismusbüro
Adelboden Tourismus, Dorfstraße 23, CH-3715 Adelboden; Tel. +41/33/673 80 80, www.adelboden.ch